Wildview

Abenteuer Natur(schutz)fotografie

Den Elementen entgegen…. 01.10.2010

Eine meiner schönsten Erinnerungen sind die Erlebnisse einer Reise, die ich im Alter von zwanzig Jahren zusammen mit meinem Freund Felix unternommen habe. Über sechs Monate sind wir durch Kanada und Alaska geradelt und gewandert. Zeit spielte keine Rolle, der Weg war das Ziel und hinterm Horizont ging es weiter. Besonders die in den nördlichen Landesteilen gelegenen Landschaften faszinierten uns. Die endlose Weite und ungezähmte Natur lies uns ganz klein erscheinen und ehrfürchtig die Wunder der Wildnis erforschen. Dieses Gefühl der Freiheit und gleichzeitig der eigenen wunderbaren Begrenztheit erhaschten wir in der vergangenen Woche erneut ein wenig. Zusammen mit Elfriede bin ich in den Sarek Nationalpark im Norden Schwedens marschiert.

Wir befinden uns knapp über dem Polarkreis. Dass es in der Nacht wieder komplett dunkel wird ist neben den frischen Temperaturen ein weiteres Zeichen dafür, dass der kurze nordische Sommer sich dem Ende neigt. Der Sarek gilt als eines der letzten unberührten Wildnislandschaften Europas und ist Teil eines Verbundes aus Naturschutzgebieten, die hier im schwedischen Lappland das „Laponia“  UNESCO Weltnaturerbe bilden. Ein Gebiet das größer ist als Korsika. Offizielle Wege oder Schutzhütten gibt es im Sarek keine. Eine Wanderung, egal welcher Länge, sollte gut geplant sein. Das der Sub-Arktis zugeordnete Gebiet kann wegen des rauen Klimas für den leichtsinnigen Wanderer sehr schnell zur echten Gefahr werden. Ein Großteil der Sarek Region besteht aus Hochgebirge mit über zweitausend Meter hohen Gipfeln und vegetationsarmen Hochebenen. Ganz anders sind dagegen die Täler. Gespeist durch die Lebensadern der Flüsse bereichert dort ein reichhaltiger Bewuchs die Landschaft. In den Hügeln des Vorgebirges wächst der für Lappland typische Nordwald aus Birken, Kiefern und Fichten. Mit steigender Höhe verschwinden nach und nach die Nadelgehölze und machen einem lichten Birkenwald Platz, der von allerlei Gesträuch und Bodendeckern zersetzt ist.

Wir entscheiden uns für unsere Wanderung in das „Rapadalen“ hineinzulaufen. Der „Rapaädno“ ist einer der zentralen Flüsse im Gebirge dessen Delta sich in zahlreichen Seitenarmen verzweigt und außerhalb der Berge in einen großen See entlädt. Mit einem Boot lassen wir uns über die große Wasserfläche bringen und direkt am Ende des Deltas, am Ufer des Flusses absetzen. Rechts und links von uns steigen mächtige Felswände empor, die aber im Dunst des schlechten Wetters verschwinden. Wir folgen einem schmalen Pfad, der das Vorwärtskommen auf dem morastigen und oft steinigen Untergrund sehr erleichtert.

Das schwere Gewicht auf dem Rücken ist für uns Beide noch gewöhnungsbedürftig. Während ich das Zelt und die Fotoausrüstung trage, hat sich Elfriede bereit erklärt, die gesamten Lebensmittel zu schleppen. Beide Rucksäcke sind voll gefüllt und fordern unsere gesamte Kraft. Über eine Distanz von über zwanzig Kilometern marschieren wir entlang des wilden Flusses, passieren Birkenwäldchen, durchqueren Moore und freuen uns an den vielen Heidelbeeren die hier zuhauf den Boden bedecken. Je weiter das Tal ansteigt und sich der Baumgrenze nähert, desto mickriger werden die Bäumchen. Immer wieder sehen wir Rentierherden, die das indigene Volk der Samen hier seit Jahrhunderten frei durch die Landschaft ziehen lässt. Es ist schön diese Tiere zu beobachten und wenn man sich nicht bewegt dauert es recht lange bis sie einen wittern und dann schnell das Weite suchen. Blickt man in die zahlreichen Bäche, die sich über die Felswände ergießen um in den „Rapaädno“ fließen, fällt einem die große Menge an Algen auf die dort im ansonsten klaren Wasser wachsen. Mir stellt sich da die Frage ob es nicht doch ein paar Rentiere zuviel sind, die mit ihren Ausscheidungen die Landschaft düngen. Die ersten Tage ist es bewölkt aber zum Glück bleibt es Trocken. Am Wendepunkt unseres Marsches steigen wir die Felswände etwas in die Höhe, um so die Elche zu entdecken, die sich wie auf wundersame Weise bisher den Blicken entzogen haben. Wir entdecken drei große Bullen unweit unseres Zeltplatzes. Doch die Fluten des „Rapaädno“ machen es mir unmöglich, mich diesen Tieren auf Fotoweite zu nähern.

Ein Pärchen Singschwäne, die über unsere Köpfe hinweg fliegen, entschädigen etwas für die entgangene Gelegenheit. Am dritten Tag beginnt es in der Nacht leicht zu Regnen. Alles ist feucht und klamm, als wir am kommenden Morgen unser Zelt abbauen und versuchen möglichst die Schlafsäcke und Iso-Matten trocken zu halten. Die Temperatur ist nur ein wenig über Null Grad, die Sonne haben wir bisher nicht gesehen. Während des Morgens hört der Regen auf und die Wolken beginnen sich langsam nach oben zu bewegen. Frischer Schnee bedeckt die steilen Felswände nur wenige hundert Meter über uns. Der Winter sendet erste Signale, noch bevor der Herbst seine Farbenpracht über die Pflanzenwelt legen konnte. Doch dann kommt sie doch.

Gegen Mittag reißt die Wolkendecke auf und die bis dato so graue Welt wird farbenfroh. Die Sonne trocknet unsere Kleidung, erhellt unser Gemüt und wärmt die Seele. Ohne dicke Jacke laufen wir durch das Tal zurück, das sich im schönen Wetter ganz anders offenbart als zuvor beim Hinweg. Bewusst versuchen wir andere Routen zu wählen um Neues zu entdecken und werden immer wieder belohnt. Mit jedem Tag verändert sich das Laub der Pflanzen ein wenig mehr. Grüntöne bekommen rötliche Schattierungen und vereinzeltes goldenes Laub gibt erste Vorahnungen wie es hier in einiger Zeit aussehen wird. Der kommende Morgen ist komplett wolkenlos. Wir beschließen den Pfad zu verlassen und durch den Wald die Steilwand des Tales zu erklimmen um uns neuen Perspektiven zu erschließen. Das Ziel ist der fast 1200 Meter hohe „Skierffe“, dessen fast 700 Meter steile Felswand sich senkrecht über dem Delta des „Rapaädno“ erhebt. Wir wählen einen Aufstieg, der uns sicher auf die Anhöhe neben dem Berg auf die Hochebene bringt.

Große Rentierherden ziehen hier oben über die Weite. Der Blick ist nur vom Horizont begrenzt. Es ist einer jener Traumtage die das Erleben in der Natur so unvergesslich machen. Wolkenberge ballen sich über den Gipfeln, blauer Himmel setzt Kontraste und Sonnenstrahlen werfen lange Bahnen in die unter uns gelegenen Tal-Abschnitte. Völlig fasziniert staunen wir über die wunderbare Schönheit dieser sich in scheinbarer Endlosigkeit verlierenden Natur. Nichts, aber auch gar nicht stört die perfekte Komposition der Wildnis.

Immer an der Kante entlang erklimmen wir langsam den Gipfel des „Skierffe“. Jeder Blick die steile Felswand nach unten ins Delta ist ein atemberaubendes Erlebnis. Ich weiß, dass ich mit Schwelgereien nie geize, wenn ich versuche eine schöne Begebenheit in Worte zu fassen. Aber hier kann man eigentlich nur scheitern. Es fehlt mir bei weitem der poetische Tiefgang um in Worte zu kleiden,was man empfindet wenn man hier oben steht und den Blick über diesen Teil der Welt gleiten lässt.

Besonders als ein von der Sonne durchstrahlter Regenschauer wie ein riesiger Vorhang über das Tal des „Rapadalen“ zieht, bin ich von soviel Adrenalin durchflossen das mich das Fotografieren absolut glücklich macht. Während ich diese Zeilen schreibe sitzen wir im Hotel und cremen uns unsere wunden Füße ein. Vielleicht bin ich mit über vierzig Lebensjahren nicht mehr ganz so belastbar wie bei der Kanadatour vor zwanzig Jahren. Doch das Feuer und die Begeisterung sind noch da. Knapp achtzig Kilometer sind wir marschiert. Die Erinnerung an das Erlebte wird die geschwollenen Füßen und den Muskelkater bald vergessen machen.

Auf nach Norden….. 24.09.2010

Die fotofreie Sommerpause ist vorbei. Die vergangenen Wochen habe ich ausführlich genutzt, um den neuen Vortrag und die anstehende Tournee vorzubereiten. Nun freue ich mich auf die finale Reise, welche das Projekt „Europas wilde Wälder“ komplettieren soll. Zusammen mit meiner Lebensgefährtin Elfriede machen wir uns in unserem zum Schlafwagen umgebauten Transporter auf nach Skandinavien. Erstes Reiseziel ist die dänische Nordseeküste. Wir besuchen für einen Abend Freunde, die gerade dort urlauben. Abgesehen von den großartigen Küstendünen und dem erfrischenden Bad in den tosenden Wogen bleibt uns die Faszination des Landes Dänemark weitgehend verschlossen. Na ja, es ist vielleicht etwas unfair so zu pauschalisieren. Bei der Durchquerung haben wir ja nur den Autobahnblickwinkel drauf und da ist Deutschland auch nicht schöner. Auf jeden Fall ist mir persönlich Dänemark zu flach. Als uns die Fähre nach dreistündiger Überfahrt im Süden Norwegens wieder ausspuckt, offenbart sich uns gleich ein ganz anderes Bild. Hier ist nichts flach. Man merkt sofort, dass hier viel Land auf wenig Bewohner trifft. Wir fahren vorbei an großen Landwirtschaftsflächen mit ihren typischen rotbraunen Ökonomiegebäuden. Fast überall erheben sich im Hintergrund bewaldete Hügel und Berge. Große Seen und Flüsse geben der Landschaft selbst in dicht besiedelten Gebieten einen reizvollen Charakter. Wir passieren die ehemalige Olympiastadt Lillehammer und nähern uns dem ersten für das Projekt relevanten Reiseziel.

Es ist der Ormtjernkampen Nationalpark in der Provinz Oppland, der in erster Linie alten Wald schützen soll. Zuerst hielt ich es für einen Schreibfehler als ich bei meiner Recherche gelesen habe, dass das Gebiet nur 8,5 qkm groß sei. Doch sehr schnell wird klar dass auch in einem so dünn besiedelten Land wie Norwegen richtige Urwälder ein seltenes Gut geworden sind. Jahrtausende der Nutzung haben besonders in den Tal-Lagen, dort wo die kräftigen Bäume wachsen, Urwälder in Forste verwandelt. Wir fahren über enge Serpentinen hinauf auf eine Hochebene und befinden uns plötzlich in einer anderen Welt. Das landwirtschaftlich geprägte Kulturland der Täler liegt hinter uns. Hier oben scheint sich die Natur noch frei entfalten zu dürfen. Weitläufige Moore und bewaldete Hügel, sogenannte Fjells, dominieren das Bild. Wir passieren einzelne Häuser, deren Dächer oftmals mit dichtem Gras bewachsen sind. Es ist zauberhaft. Der Nationalpark selbst besteht aus einem einzelnen Fjell, dem 1.100 Meter hohen Ormtjernkampen. Es fällt gar nicht auf, dass der Park so klein ist. Die den Berg umgebene Moor- und Flusslandschaft ist so wunderschön und ursprünglich, dass das Gebiet keinen Inselcharakter besitzt. Es ist Spätsommer, vereinzelte Blätter der Birken zeigen erste gelbe Farbtupfer. Die zahlreichen Bodendecker – allen voran die Heide- und Preiselbeeren tragen jedoch noch sommerliches Grün. Der Farbenrausch hat noch nicht begonnen. Die Zahl der Moskitos ist durch sinkende Temperaturen schon deutlich zurückgegangen. Besonders die abendlichen Fototouren werden dadurch stark erleichtert. Jede Wanderung ist für mich ein sinnlicher Genuss.

Wir stehen morgens um fünf Uhr auf den Gipfel des Ormtjernkampen und warten auf den Sonnenaufgang. Der Blick fällt auf das umgebende Land. In den zahlreichen Flüssen, Mooren und Tümpeln spiegeln sich die ersten zarten Farbtupfer des Morgenrotes. Gewaltige Wolkenberge zeigen von dramatisch dunkel bis hellrosa sämtliche Nuancen. Am Horizont sehen wir wie sich schwere Gewitter über den weit entfernten Bergen entladen. Die Sonne schafft es, zumindest für ein paar Sekunden, ihre Strahlen durch kleine Wolkenlücken zu schicken. Für wenige Augenblicke ist die Welt in eine goldene Schicht getaucht. In diesen Momenten möchte ich mit der Kamera am liebsten überall gleichzeitig sein. Ich muss aufpassen, dass ich nicht zu hektisch in der Gegend rumrenne. Wichtig ist es, die Essenz der Landschaft in dieser kurzen Zeit auf den Chip zu bannen. Da man aber im Vorfeld oft nicht genau sagen kann, wie sich die Aufnahmesituation entwickelt und wo genau das schöne Licht auch auftreffen wird, bleibt es bis zuletzt spannend und eine „schnelle“ Angelegenheit. Als wir um halbneun Uhr wieder am Auto ankommen, haben wir schon eine fünfstündige Tour hinter uns. Wir freuen uns darauf, nochmals für einige Zeit die Augen zu schließen um für kommende Touren Kraft zu tanken. Während an den Hängen des Ormtjernkampen fast ausschließlich Fichten und krumm-ästige Birken wachsen, entdecken wir andernorts jahrhunderte alte Kiefern die auf den für Skandinavien so typischen mit Granitbrocken überhäuften Böden wachsen.

Egal in welcher Vegetation wir uns befinden, es sind die mit Moosen, Flechten und Beeren überzogenen Böden, die mich immer wieder aufs Neue begeistern. Zum absoluten fotografischen Triumph wird der kommende Morgen. Als wir uns um fünf Uhr in der Früh in die klammen Hosen zwängen, blicken wir in einen fast sternenklaren Nachthimmel. Ich habe am Vortag das Ufer des Sees als Fotoziel ausgesucht, an dessen gegenüberliegendem Ufer sich die Wälder an den Hängen des Berges hinaufziehen. Es ist fast nahezu windstill. Durch die kühle, wolkenlose Nachtluft liegt eine zarter Nebelschleier über dem Wasser. Kaum ein Geräusch durchdringt diese natürliche Stille. Keine Kondenzstreifen von Flugzeugen zerstören die perfekte Schönheit dieses Tagesanbruchs.

Ich bin wie im Rausch. Wer braucht schon Drogen oder Alkohol um High zu sein… Für mich ist dieser Moment, wenn Licht auf Wolken, Nebel, Berge und Wälder trifft, Aufputschmittel genug. Wenn sich die Farben im Sekundentakt ändern und ein Motiv dadurch ständig neu erfunden wird, ist dies pures Adrenalin. Fast zwei Stunden dauert es bis sich die Nebelschwaden völlig aufgelöst und die Sonne mit ihrer vollen Kraft die Magie des Augenblicks beendet hat.

Zurück bleibt die Erinnerung an ein unwiederbringliches Erlebnis, welches nur die Natur zu bieten hat. Jeder Moment in der Wildnis ist einzigartig. Ist man empfänglich für die Farben, die Gerüche, den Wind, die Temperaturen und die Vielfalt an Pflanzen und Tieren, so ist jede Wanderung in die Natur eine Sinnesreise, die unser Leben unheimlich bereichern kann. Ein Morgen wie dieser ist auch für Nichtfotografen zu empfehlen. Als wir den Ormtjernkampen Nationalpark verlassen, erfahren wir noch, dass das Schutzgebiet auf über 1300 qkm erweitert werden soll um so die Schönheit der Fjellandschaft zu erhalten. Eine gute Nachricht für eine traumhafte Gegend. Etwas weiter im Nordosten, direkt an der Landesgrenze zu Schweden liegt der Gutuila Nationalpark der nur unwesendlich größer ist als unser letztes Reiseziel. Auch hier ist es ein mit jahrhunderte alten Fichten und Kiefern bewachsener Fjell der den Schutzstatus zum Einsatz brachte. Die wunderbare norwegische Landschaft verwandelt schon die Fahrt zum Park in ein Erlebnis. Wir passieren unzählige Moore und Seen, in denen sich die Silhouetten der Bäume spiegeln.

Plötzlich sehen wir eine Gruppe Rentiere, die frei durch die Wälder ziehen. Ob es sich hierbei um wirkliche Wildtiere handelt oder freilaufende Zuchttiere kann ich nicht sagen. Auf jeden Fall verschwinde ich für über eine Stunde mit ihnen im Wald, bevor sie sich endgültig zu weit vom wartenden Auto entfernen. Mit genügend Abstand verlieren die Tiere irgendwann etwas Scheu und es entsteht der eine oder andere interessante Fotomoment. Mit dem letzen Licht erreichen wir den Gutuila Nationalpark. Der Parkplatz liegt direkt an einem See mit Blick über eine ursprüngliche Wald- und Berglandschaft. Es gelingen noch einige schöne Stimmungsaufnahmen im warmen Abendlicht.

Zu diesem Zeitpunkt wusste ich noch nicht, das dies für uns die einzigen Fotos aus dieser Gegend bleiben sollten. Kaum haben wir die Siebensachen für die Sonnenaufgangstour gepackt und uns in die Schlafsäcke verkrochen, platschten die ersten Regentropfen auf unser Blechdach. Es sollen für viele Tage die letzen Sonnenstrahlen in dieser Region Skandinaviens gewesen sein. Diese Aussicht hat uns dazu veranlasst, dem Licht zu folgen und weiter gen Norden zu reisen.

Ein Projekt nimmt Formen an….28.07.2010

Das Schöne an einem kreativen Schaffensprozess ist die Tatsache, dass man sehen kann, was man kreiert. In den vergangenen Monaten habe ich vor allen Dingen den Fotopool zu „Europas wilden Wäldern“ erstellt. Nun nutze ich die Sommerpause, um die Bilder zu sortieren und die Multivisionsshow zu strukturieren. Ich überlege mir einen roten Faden, der sich durch den Abend ziehen wird und bringe Bilder in die richtige Reihenfolge. Diese Abfolge leite ich dann an meinen Freund Kai Arend weiter (www.mabon.de). Er wird dazu sicherlich wieder wunderschöne Musik komponieren. Das macht er nun schon seit vielen Jahren für meine Diaschauen. Das Zusammenspiel aus Bild und Musik ist ein harmonischer Kontrapunkt zu meinen erzählten Geschichten und gestattet dem Zuschauer, sich immer wieder mit seinen eigenen Gedanken in die Bilder zu vertiefen. Außerdem sind meine Kolleginnen Inga, Astrid und Elfriede mit großem Eifer dabei, die anstehende Vortragstournee zu organisieren. Auftrittsorte müssen gefunden und koordiniert, Kontakte zu Plakatierern geknüpft werden. Am 12. November soll dann die große Vortragstournee starten, welche den wilden Wald in den kommenden zwei Jahren in 250 Säle der Republik bringen soll. Demnächst werden wir die Termine auch hier bekanntgeben. Eines der wichtigsten Werkzeuge zur Bewerbung der Veranstaltung ist sicherlich das Plakat. Ich möchte es heute an dieser Stelle gerne vorstellen. Meiner Meinung nach ist es sehr gelungen und ich hoffe, dass dies auch die Besucher so sehen und in Scharen zu den Vorstellungen kommen. Ab Mitte August werde ich mich nochmals aufmachen, um in einer langen finalen Reise durch Skandinavien, der Ukraine und Rumänien die letzten Lücken in der Storyline zu schließen. Ich freue mich sehr darauf, die fertige Show auf die Bühne zu bringen, denn ich glaube, dass hier etwas Sehenswertes am Entstehen ist.

Flussläufe 20.06.2010

Als mir Sergey eine dicke, gefütterte, russische Polizeijacke in die Hand drückt, werde ich zuerst stutzig. Schließlich ist es Sommer und das Thermometer hat in den vergangenen Tagen die zwanzig Grad Marke des Öfteren deutlich übertreten. Als wir später auf dem offenen Motorboot sitzen und uns der eisige Fahrtwind um die Ohren bläst, bin ich mehr als dankbar über diese zusätzliche Wärmequelle. Unsere Fortbewegungsmittel sind zwei schlanke längliche Holzboote, mit wenig Tiefgang. Über weit ausholende Schleifen folgen wir über zwei Stunden dem Verlauf des Piejora Flusses.

Er ist der drittgrößte Strom im russischen Teil Europas dessen Wasser seine lange Reise im arktischen Ozean beendet. In der kleinen Ortschaft Kyrta nehmen wir Nikolay an Bord, einen Ranger, der für den Nationalpark arbeitet. Kyrta ist ein typisches Komi Dorf, bestehend aus Holzhäusern, die mit der Plattenbauweise sowietischer Einheitsbauten gar nicht vergleichbar sind. Alles wirkt recht baufällig. Strommasten sind umgeknickt, Häuser sind verlassen und alter Industrieschrott säumt das Flussufer. Heute leben hier nur noch vierzig Menschen. Die meisten haben deutlich mehr als sechzig Winter erlebt. Die Jungen sind in die Städte abgewandert. Seitdem die Kohlemine im Jahr 1957 geschlossen wurde und es für die Menschen keine berufliche Perspektive mehr gibt stirbt das Dorf langsam aus. Nikolay ist mit seiner Frau aus Weißrussland hier nach Komi gezogen, nachdem das Atomunglück von Tschernobyl seine Heimat verstrahlt hat. Neben Nikolay helfen uns Oleg und Alexey bei der Durchführung dieser Reise. Später kämpft sich unser Boot gegen die Strömung des Schugor Flusses. Seinen Verlauf wollen wir die kommenden Tage erkunden.

Wir passieren die Hütte eines Rangers der dafür sorgt, dass sich nur Boote ins Wildnisgebiet bewegen, die eine offizielle Erlaubnis besitzen. Danach folgen wir der Wasserstraße hinein in dieses riesige Naturgebiet. Schwere Wolken ziehen über den Himmel. Regen fällt glücklicherweise keiner. Außer unserer Kleidung und einer Plastikplane hätten wir auch keinen richtigen Schutz gegen das Wasser. Wäre dieses Gebiet touristisch erschlossen (wohl in jedem anderen Land in Europa eine Selbstverständlichkeit), so ließen sich vier „Attraktionen“ herausheben, die man während des Flusslaufes im flachen Land passiert. An insgesamt drei Stellen erheben sich interessante geologische Formationen, dessen Gestein die Kraft des Wassers im Laufe der Jahrmillionen durchbrochen hat. Diese zu beiden Seiten des Ufers aufragenden Felsen werden als Tore bezeichnet. Sie geben mir die Möglichkeit die ansonsten flache Landschaft ein wenig aus anderer Perspektive zu betrachten. Immer wenn wir anlanden und der Fahrtwind abflaut, kommt es nach wenigen Sekunden zu Begegnungen, die einen ansonsten wunderschönen Wildnisbesuch recht anstrengend machen. Es sind sofort dutzende Moskitos die um einen herumschwirren und gnadenlos nach der Lücke im Kleidungswerk suchen, wo sie ihren Stachel eintauchen können. Nach Regenfällen und an heißen Tagen scheinen sie besonders blutgierig und es fordert eine gewisse Disziplin, diese Gesellen zu ertragen. In der Woche auf dem Fluß habe ich eine komplette Flasche Moskitomittel auf meinem nicht gerade mit fülliger Haarpracht gesegnetem Kopf verteilt.

Bei jedem Spaziergang in den Wald, der unmittelbar nach dem Ufer beginnt, entdecke ich eine Vielzahl von Blumen und Pflanzen die im Moment in voller Blüte stehen. Wir haben genau die richtige Jahreszeit erwischt. Ein paar Wochen früher und hier wäre alles noch wintergrau gewesen. So ziehe ich mir des Öfteren Handschuhe über, stülpe ein Moskitonetz über den Kopf und tauche für lange Zeit hinunter auf die Ebene des Waldbodens, um diese Pracht zu fotografieren. Es ist ein ständiges Gesumme und Gewimmel um mich herum. Ich versuche es so gut es geht zu ignorieren. Das gelingt mir nicht immer, besonders wenn ständig Moskitos vor der Linse herumtanzen und so die Arbeit weiter erschweren. Ich freue mich über jeden Windhauch der die Moskitos für kurze Zeit in ihre Schranken weist. Dummerweise ist Wind genau das was man am wenigsten gebrauchen kann, wenn man mit dem Makroobjektiv auf einer Wiese liegt und versucht eine Blüte zu fotografieren. Na ja, wenn es einfach wäre, könnte es jeder…… Der Wald begeistert mich immer wieder aufs Neue. Es ist ein typischer nördlicher Mischwald bestehend aus Birken und Fichten.

Die Bäume sind nicht sonderlich groß, was dem rauhen Klima zu Schulden ist. Aber die Wälder sind alt. Das sieht man an den langen Flechten, die überall an den Zweigen herunterhängen. Ich sehe großflächige Flechtenarten, die mir bisher völlig unbekannt waren. Das massive Vorkommen dieser Vegetation ist immer auch ein Indikator für absolut reine Luft. Ich bin immer wieder begeistert über den Anblick des Himmels. An vielen Tagen ziehen gewaltige weiße Quellwolken über uns hinweg, die vor einem tiefblauen völlig dunstfreien Hintergrund stehen. Was für ein Licht. Immer wenn ich mich für längere Zeit in unberührter Natur bewege komme ich automatisch ins Grübeln. Durch den Kontrast zwischen der Schönheit und Reinheit der Natur auf der einen und der destruktiven Lebensweise von uns Menschen auf der anderen Seite, frage ich mich, wie wir als eigentlich vernunftbegabte Wesen die Verbindung zu unseren Ursprüngen so stark verlieren konnten. In Kanada pressen wir Öl aus Sand mit verheerenden Folgen für ganze Landstriche. In den USA sprengen wir Bergspitzen ganzer Gebirge weg, um die fossile Kohle erneut verbrennen zu können. Weltweit zerstören wir Tropenwälder – Schwerpunkte der Artenvielfalt, um dort Monokulturen zu pflanzen, die wenige Menschen sehr reich aber ganz Viele sehr arm machen. Wir durchpflügen unsere Meere mit hunderten Kilometer breiten Schleppnetzen und es scheint uns leidlich egal zu sein, dass in vier Jahrzehnten nichts mehr da sein wird, was wir ausbeuten können, wenn wir so weiter machen wie bisher. Wir experimentieren mit Chemikalien, dessen Gifte heute in den entlegensten Orten unseres Planeten im Organismus von Eisbären nachzuweisen sind. Kaum mehr als vier Prozent der Erde sind vom Menschen völlig unberührt. Weniger als zwei Prozent des Süßwassers sind bei uns noch völlig rein. Kein Ort der Welt scheint weit genug entfernt zu sein, um nicht ins Visier eines multinationalen Konzerns zu geraten. Unsere Gier nach immer mehr, lässt uns mit großer Geschwindigkeit den Ast auf dem wir sitzen durchsägen. Wir haben unsere Heimat durch unsere maßlose Art kurz vor den Kollaps gebracht. Schon heute verbrauchen wir wesentlich mehr an Rohstoffen, als der Planet in der Lage ist zu reproduzieren. Wir leben seit Mitte der achziger Jahre auf Kosten unserer Nachkommen. Da wir uns munter weiter vermehren und immer mehr Menschen (verständlicherweise) am falsch gepolten Wohlstand teilhaben wollen, sind wir dabei mit offenen Augen in die Katastrophe zu rennen.

Mit jeder Reise die ich mache, mit jedem Eindruck den ich das Privileg habe zu erleben, fällt es mir schwerer diese Unvernunft zu akzeptieren. Besonders in Momenten in denen sich mir die Perfektion der Schöpfung so präsentiert wie hier auf dem Schugor Fluß. Am intensivsten ist meine Nacht im Gebirge. Ich entdecke einen Berg von dem ich mir schöne Ausblicke erhoffe und lasse mich an dessen Fuße an Land bringen. Während der Rest der Gruppe das Lager in Flussnähe aufschlägt packe ich etwas zu Essen und meinen Schlafsack in den Rucksack und mache mich an den Aufstieg zum Gipfel. Es ist ein warmer Tag, die Kleidung klebt am Körper und die Moskitos umschwirren mich. Ich bin froh als ich oberhalb der Baumgrenze etwas Wind verspüre, der die Wanderung etwas erträglicher macht. An unübersichtlichen Stellen laufe ich immer laut pfeifend durchs Gelände. Die Chance einen Bären zu verschrecken ist zwar sehr gering, aber durchaus möglich. Da sollte man auf keinen Fall ein Risiko eingehen. Immer wieder überquere ich Geröllfelder, die mit Teppichen aus Moosen und Flechten überzogen sind, in einer Fülle wie ich es bisher so nicht gesehen habe.

Der höchste Punkt des Bergzuges besteht aus einer skurrilen Formation gesplitterten höchst fotogenen Gesteins von wo man einen perfekten Rundblick auf die Berge des Urals und die tiefer gelegene Taiga hat, durch deren Wälder sich die vielen Wasserwege schlängeln. Auch wenn ich wenige Tage zuvor die Landschaft aus dem Hubschrauber gesehen habe ist es etwas ganz anderes auf einem Gipfel zu stehen und das Erlebte auch körperlich zu spüren. Ein wunderbares Gefühl. Unter mir schlängelt sich der Schugor zwischen zwei Bergen hindurch. Dahinter erstrecken sich Moore und Wälder weit über den Punkt hinaus an dem einem die Erdkrümmung den Blick verwehrt. Ganz langsam wandert die Abendsonne über den Horizont. Richtig verschwinden tut sie erst um kurz vor elf Uhr in der Nacht. Richtig dunkel wird es nicht. Wir haben Sommer. Es herrscht die „weiße Nacht“. Schon zweieinhalb Stunden später gegen halb Zwei wird die glühende Kugel wieder am Horizont auftauchen. Am Abend ziehen mehr Wolken auf als ich erwartet habe. Ich nutze das letzte Licht der Sonne zum Fotografieren und lege mich dann in meinen Schlafsack. Da ich dummerweise keinen Wecker dabei habe muss ich mich unbedingt wach halten, möchte ich den Sonnenaufgang nicht verschlafen. Ich sehe bedrohliche Wolkenberge, die sich im blauen Licht der Halbnacht über mir aufbauen. Glücklicherweise bleibt es trocken und der Osten ist weit weniger bewölkt als die restlichen Himmelsrichtungen. Nur eine dünne Wolkenschicht hindert die Sonne daran, beim Aufgang ihre volle Kraft zu entfalten. So taucht sie für einige Minuten die Landschaft in tiefes Rot was zu faszinierenden Aufnahmen führt.

Besonders die kleinen Organismen die überall auf dem Gestein wachsen bilden faszinierende Mikrowelten und interessante Motive. Irgendwann findet die Sonne auch eine Lücke in der Wolkenwand und lässt die endlose Weite von Europas größter geschützter Wildnis für wenige Augenblicke in goldenes Licht erstrahlen. In solchen Momenten empfinde ich nur noch große Demut vor der Vollkommenheit der Schöpfung und bin dankbar, dass ich diese Schönheit so intensiv erleben darf.

Abgehoben 16.06.2010

Eine Reise nach Russland ist immer etwas Besonderes. Zum einem ist die Größe des Landes mit keiner anderen Region auf der Welt zu vergleichen – schon gar nicht innerhalb Europas. Zum Anderen sind wir in unserer Jugend mit einem eisernen Vorhang aufgewachsen, welcher uns Jahrzehnte impliziert hat dahinter lebe der böse Feind. Im Rahmen meiner Greenpeace Tätigkeit ist dies nun meine dritte Reise in ein Land das wohl für viele Menschen aufgrund der politischen Altlasten bis heute weitestgehend unbekanntes Territorium ist. Für mich war bisher jede Reise ein spannendes Abenteuer bei dem ich unglaubliche Landschaften kennenlernen durfte.

Zudem kam ich immer  mit der Erkenntnis nach Hause, dass die Menschen auf der anderen Seite der politischen Glaubensgrenze eben auch nur Menschen sind. Mein erstes Ziel war das Greenpeace Büro in Moskau. Die Kollegen vor Ort haben die kommende Reise für mich organisiert. In der russischen Hauptstadt prallen Moderne und Vergangenheit mit voller Wucht aufeinander. Die riesigen und in großer Anzahl an den Straßenrändern aufgestellten Werbetafeln versprechen eine farbenfrohe Konsumwelt und zeigen, dass auch die Russen den Verheißungen des Kapitalismus erlegen sind. So reihen sich viele westliche Luxusschlitten in die meist dreispurigen Staus der Millionenmetropole nahtlos ein. Es gibt zahlreiche Gewinner die aus der Öffnung der Märkte und der Privatisierung ehemaligen „Allgemeingutes“ durchaus profitiert haben. Freilich nicht die breite Masse der Bevölkerung welches sich auch im Zustand des Großteiles der Gebäude wiederspiegelt. Viele Bauwerke sind schon zu Soviet-Zeiten farblos gewesen und erscheinen heute als dringend renovierbedürftig.

Beeindruckend ist eine Fahrt mit der Moskauer U-Bahn. Ich schleppe über 50 kg Gepäck mit mir herum und bin froh endlich im Abteil zu sitzen. Die Rolltreppe, welche die Menschenmassen in die Unterwelt zur Bahn transportiert, wirkt endlos. Man hat die Bahn wirklich tief in die Erde gegraben. Alle Stationen die ich kennen lernen durfte gleichen eher Museen als Bahnsteigen. Riesige Bilder und Mosaiken legen Zeugnis ab von einer vergangenen Zeit die mit der heutigen marktorientierten Gesellschaft wohl nicht mehr viel gemeinsam hat. Von außen ist das Greenpeace Büro nicht als solches zu erkennen. Ich passiere eine Sicherheitskontrolle und betrete die Büroräume. An die fünfzig Personen arbeiten hier und geben ihr Bestes, dass die Naturschätze dieses Riesenlandes nicht gänzlich dem kurzfristigen Gewinn des Marktes geopfert werden, sondern für kommende Generationen erhalten bleiben. Ich lerne Anna und Sergey kennen, die mich in den nächsten zwei Wochen begleiten wollen. Unser Ziel ist die Provinz Komi am östlichen Ende des Europäischen Kontinents. Komi ist ungefähr so groß wie Frankreich, es leben dort aber nur ca. eine Millionen Menschen. Von Sergey erfahre ich, dass die Finnen hier in Komi ihre Wurzeln haben. Nach einem zweieinhalbstündigen Flug (fast solange wie der von Deutschland nach Moskau) landen wir in Uchta, der Stadt die unserem Ziel am nächsten liegt welches man mit dem Flugzeug erreichen kann. Nahe der Busstation quartieren wir uns ein.

Auch das Hotel ist nicht unbedingt sofort als solches zu erkennen. Da die Russen neben der anderen Sprache auch eine andere Schrift benutzen, ist eine Orientierung für mich sowieso sehr schwierig. Beim Einchecken wird man oftmals noch an alte Sovietzeiten erinnert. Denn als Ausländer muss man sich eigentlich an jeder Station der Reise bei den Behörden registrieren lassen. Früher wäre ein Herumreisen als Westler in diesem Land schlicht unmöglich gewesen. Auch heute ist es nicht ganz einfach und ich bin froh, dass meine Kollegen das eine und andere Mal die Formalitäten für mich erledigen oder die Menschen dazu bewegen ein Auge zuzudrücken, zumal es sich nur um einen kurzen Transitstop handelt. Später betreten wir dann ein Restaurant in dem die Gäste mit Dauerbeschallung durch Musikfernsehen berieselt werden. So erfahre ich, dass man den Siegersong von unserer Eurovision Song Contest Gewinnerin Lena als Handy Klingelton erwerben kann. Auch sonst weisen die gezeigten Beiträge auf eine gänzliche Annäherung der zwei einstmals verfeindeten Systeme zumindest im kulturellen Bereich hin. Am kommenden Morgen geht die Reise im Überlandbus weiter. Vier Stunden fahren wir auf teils unbefestigten Straßen gen Osten. Wir passieren endlose Baumreihen und sumpfige Freiflächen.

Geografisch liegt unser Ziel, die kleine Stadt Vuktyl auf der Höhe von Mittelfinnland, ca 300 km unterhalb des Polarkreises. 15000 Menschen leben hier in einer typischen sovietischen Trabantenstadt. Solche Städte gibt es in Russland viele, da sich eigentlich überall irgendein Rohstoff aus der Erde pressen lässt. Heute ist die Stadt ganz in der Hand von „Gasprom“. Der Gaskonzern scheint die einzige Quelle zu sein, die diese Gemeinde am Leben hält. Ansonsten ist hier nicht viel geboten. Es gibt weder ein Kino noch sonstige reichhaltige Abwechslung. Aber es gibt hier Natur im Überfluss. Nicht weit von Vuktyl erheben sich die Berge des Ural, welche die geografische Grenze zwischen dem europäischen Teil des Landes und dem weit größeren asiatischen Teil bilden. Fast drei Millionen Hektar (!!) Wildnis sind hier von der UNESCO als Weltnaturerbe ausgezeichnet und unter Schutz gestellt worden. Der „Komi Virgin Forest“ ist das größte Naturschutzgebiet in Europa. Er beherbergt Urwälder von einer Größenordnung wie sie in keinem anderen Teil unseres Kontinents mehr vorkommen.

Mit großer Vorfreude betrete ich das Büro der Nationalparksleiterin Tatiana Fomicheva. Von Andrey, der bei Greenpeace für die Ausweisung von Weltnaturerbestätten zuständig ist, weiß ich von seiner Bekanntschaft mit der Dame. Die Zwei haben im Prozess den Komi Wald unter Schutz zu stellen eng zusammen gearbeitet. Als Dankeschön möchte uns Frau Fomicheva gerne helfen. Ich verstehe zwar nichts von dem was dort im Büro verhandelt wird, doch anhand der ausgelassenen Stimmung erahne ich einen positiven Verlauf. Meine Hoffnungen werden sogar übertroffen als mir Anna mitteilt, dass wir zu einem Hubschrauberflug eingeladen sind. Damit geht ein Traum für mich in Erfüllung. Ich habe mir sehr gewünscht innerhalb dieses Projektes über die „Wilden Wälder Europas“ , einmal die Luftperspektive zu bekommen. Jetzt sollte es sogar beim größten Urwald des Kontinents klappen. Für die Zeit nach dem Flug wird eine Flußexpedition für uns geplant, die uns weit in die Berge des Ural bringen soll. Wow. Nach zwei Tagen zähem Warten bringt man uns zum ehemaligen Flugplatz der Stadt. Heute wird das Flugfeld nur noch von den Hubschraubern des „Gasprom“ Konzerns benutzt und ich bin gar nicht überrascht als auch wir wenig später in einen Transporthubschrauber des Energieriesen steigen.

Am frühen Morgen hab ich nochmals schwer gezittert. Dicke Wolken und Dauerregen lassen das ganze Vorhaben sehr fraglich erscheinen. Gegen zehn Uhr gab es dann Entwarnung und wir bekommen unsere Starterlaubnis. Die Wolken beginnen sich aufzulockern und entlassen nur noch partielle Schauer auf die Erde. Aus fotografischer Sicht hätte mir überhaupt nichts Besseres passieren können. Auch bei Luftaufnahmen gibt es nichts Langweiligeres als blauer Himmel ohne Wolken. So aber fliegen wir hinein in ein regelrechtes Inferno aus Licht, Schatten, Wolken und Regenwänden. Es ist grandios. Die Minuten vergehen „wie im Flug“. Der Hubschrauber folgt dem Verlauf eines der großen Flüsse die ihren Anfang in den Bergen des Ural nehmen. Unter uns nur ungezähmte Wildnis. Es ist ein fantastischer, für Europa fast unwirklicher Anblick, wenn man auf unseren Planeten blickt an Stellen wo er völlig frei von menschlichen Einflüssen ist. Nach ca. einer Stunde landen wir an einem Flussufer und besuchen einen Einsiedler, der seit über dreißig Jahren in einem kleinen Holzhaus in der Weite dieser Wälder lebt. Lange bevor das Gebiet unter Naturschutz gestellt wurde hat er sich hier niedergelassen. Heute erledigt er Aufgaben für den Nationalpark und freut sich über uns unerwartete Gäste. Ich stelle mir vor wie es sein muss hier draußen zu überleben. Die kurzen Sommer sind Moskitoverseucht und die kalten und dunklen Winter endlos. Bei aller Liebe zur Natur möchte ich nicht mit ihm tauschen. Die Einsamkeit würde mich wohl zermürben, trotz Bären, Elche und Wölfe als Nachbarn.

Unser Flug führt uns weiter über die ersten Ausläufer des Ural. Wir sehen die Baumgrenze nicht weit oberhalb der Flüsse, ein Zeichen, dass wir uns sehr weit im Norden befinden. In den Höhenlagen des bis zu zweitausend Meter hohen Gebirges liegt nach wie vor Schnee. Immer wieder entladen sich regionale Schauer über der Taiga was zu spannenden Lichtverhältnissen und sogar zu Regenbögen führt. Als wir wieder auf dem Flugfeld landen habe ich jegliches Zeitgefühl verloren. Fast drei Stunden sind vergangen und ich bin völlig erschlagen von den wunderbaren Eindrücken die sich uns offenbart haben. Fast tausend Mal habe ich auf den Auslöser gedrückt. Da nur die besten Bilder überleben wartet eine Menge Arbeit am Computer auf mich. Doch zuvor wollen wir uns dem Komi Urwald vom den Wasserstraßen aus nähern.

Südländische Fülle 03.06.2010

Das Thema Wald und Südeuropa ist keine Erfolgsgeschichte. Von Griechenland bis Portugal sind ursprüngliche Wälder schon frühzeitig im großen Maßstab verschwunden. Schaut man sich die Reste der ehemaligen Vegetation genauer an, ist dies sehr bedauerlich, denn der mediterrane Wald ist sehr artenreich und weist immer wieder auch vereinzelte Merkmale gemäßigten Regenwaldes auf. Die Reise führt uns nach Italien, auf die Halbinsel Gargano. Diese liegt in Apulien und wird wegen ihrer Form auch als Sporn des italienischen Stiefels bezeichnet. Hier soll es in den regenreichen Hängen des Vorgebirges noch ausgedehnte Beispiele vom „Wald des Südens“ geben.

Während sich die Familie auf ein paar Tage Badespaß in der nahe gelegenen Adria freut, zieht es mich sehr schnell in die schattenreichen Wanderwege des Nationalparks. Wenn ich die planlos verbauten Strandabschnitte sehe, bei denen sich ein Campingplatz und Club an den anderen reiht, regt sich bei mir eine große Abneigung und ich bin froh keinen derartigen Urlaub ertragen zu müssen. Die Fahrt hinauf zum Wald führt zuerst vorbei an auffällig vielen Koniferen. Das sind artfremde Kieferngewächse die zur Aufforstung angepflanzt wurden. Solch ein Blödsinn. Spätestens wenn die ersten Eichen den eigentlichen Wald ankündigen kann man solch eine Fremdpflanzung nicht mehr verstehen. Der Wald ist dicht und mit erstaunlich großen Bäumen bewachsen. In den höheren Lagen dominiert eindeutig die Buche, die den Lebensraum mit Ahorn, Eiben und Hainbuchen teilt. Der „Foresta Umbra“ ist Staatswald innerhalb dessen Grenzen auf fast 1000 Hektar seit längerer Zeit menschliche Eingriffe unterbleiben. In diesen Gebieten kommt die Vegetation einem Urwald tatsächlich sehr nahe.

Was diesen mediterranen Mischwald am augenscheinlichsten von anderen Wäldern weiter im Norden unterscheidet ist der immergrüne Strauchbewuchs wie er auch in der Macchie, der südländischen Hartlaubvegetation vorkommt. Eine durch jahrtausende andauernde Übernutzung entstandene degradierte Form der ehemaligen Eichenwälder. Außerdem sind die langstämmigen Buchen nicht selten von Lianen und Efeu bewachsen, welche dem Wald eine dschungelähnliche Atmosphäre verschaffen. Ein interessanter Zweig im breiten Spektrum europäischer Wälder, leider nur noch in kleinen Resten vorhanden. Ausgedehnte Wälder finden wir etwas weiter nördlich im Nationalpark Abruzzen.

In diesen dünn besiedelten Bergregionen Italiens ist tatsächlich eine halbwegs stabile Bärenpopulation zu Hause. Selbst Wölfe streifen durch die Täler. Eine Rotte Wildschweine sind die einzigen Großtiere, die wir leibhaftig zu sehen bekommen. Wir treffen Bruno D´Amicis, einen befreundeten Naturfotografen, der in dieser Region praktisch jeden Stein persönlich kennt. Bruno ist so nett und zeigt uns auf der Karte eine Route, die uns zu den schönsten naturnahen Wäldern der Region führt. Da wir nur begrenzt Zeit zur Verfügung haben sind solche Tipps natürlich unbezahlbar. Dankbar nehmen wir seine Anregungen an und starten einen die Ferien abschließenden langen Wandertag.

Nachdem es in den vergangenen Tagen wiederum stark geregnet hat, erwischen wir die perfekte Zeit zum Fotografieren. Sich auflösender Nebel wechselt in eine Bewölkung durch die im Tagesverlauf die Sonne durchbricht und ein strahlendes, warmes Abendlicht bereithält. Die Wanderung beginnt auf einer Passhöhe, an der wir das Auto abstellen. Durch eine kleine Schlucht laufen wir nach oben. Auf diesem Weg werden im Sommer die Kühe auf die Almwiesen getrieben. Auffällig sind die Flechten die an den Bäumen wachsen und ihnen einen märchenhaften Charakter verleihen.

Wir treffen ausschließlich auf Laubwälder, die Buche ist hier der unangefochtene Regent. Erstaunlicherweise befindet sich die Baumgrenze hier weit über 1500 m und das mit einer Art die sich bei uns um 800 Höhenmeter wohlfühlt. Über einen steinigen Grad, der mit Frühlingsblumen übersät ist, blicken wir in Täler, deren Bewuchs sich mit makellosen Buchenbeständen die Hänge hochziehen. Wir tauchen ein in die Wälder und sehen auch hier Urwaldstrukturen in den meisten Bereichen des von Bruno genannten Gebietes. Gegen Abend als das dominierende Sonnenlicht weitere Aufnahmen unter den Baumkronen unmöglich macht, verlassen wir den Wald und steigen über einen schmalen Schneerest die steile Bergwand zum nahen Gipfel auf fast 2000 Höhenmeter. Der 360 Grad Blick auf die Landschaft der Abruzzen ist atemberaubend.

Mein Blick fällt auf eine alpine Fläche die aus der Ferne blau zu uns rüberleuchtet. Pünktlich zum Sonnenuntergang erreichen wir die Wiese und stehen in einem Meer aus Stiefmütterchen, deren Schönheit mir zu einem würdigen Abschluss an einem tollen Fototag verhelfen.

Das Experiment Familienurlaub und Fotografieren für das Projekt zu kombinieren ist gelungen. Allen hat die abwechslungs- und lehrreiche Zeit gefallen. Auf mich wartet nun Europas wohl „wildester Wald“ in Russlands fernem Ural. Ich bin sehr gespannt.

Ein Hauch von Wildnis 29.05.2010

Die Reise in die wilden Wälder Europas führt mich zu unseren Nachbarn nach Niederösterreich. Es ist die Zeit der Pfingstferien was mich in den Genuss bringt mit Familienanhang auf Entdeckungstour zu gehen. Meine Freundin Elfriede mit ihren zwei Kindern Sophie (11) und Felix (13) begleiten mich zum einzigen wirklichen Wildnisgebiet im deutschsprachigen Raum um den fast 1900 m hohen Gipfel des Dürrenstein Berges. Als wir in der Region ankommen sind wir von Anfang an beeindruckt wie dünn Besiedelt dieser Landstrich in den Ybbstaler Alpen ist. Ausgedehnte Wälder ziehen sich die Berghänge hinauf und die Dörfer haben in weiten Teilen ihren traditionellen Charakter erhalten. Besonders die Rothschildhäuser haben es uns angetan. Von der Familie Rothschild als Herrenhäuser und Forsthäuser gebaut kommt diese Bauform nur hier in den Tälern um die Wälder des Dürrenstein Massivs vor. Der Familie Rothschild haben wir es auch zu verdanken das sich auf fast 500 Hektar Fläche ein Mischwald erhalten hat, der seit der letzten Eiszeit keine Axt bzw. Säge mehr erblickte.

Aus heutiger Sicht eine wirkliche Sensation in einem Land, das seit Jahrhunderten intensive Forstwirtschaft betreibt. Albrecht Rothschild entschloss sich im Jahre 1875 in Sinne des Umweltschutzes das Gebiet als Primärwald für die Nachwelt zu erhalten. Heute ist der sogenannte Rothwald Teil der Kernzonen des Wildnisgebietes Dürrenstein. Menschen haben nur im Rahmen limitierter und geführter Touren Zutritt. Der Urwald selbst ist wegen seiner sensiblen Kreisläufe für Besucher gesperrt. Neugierige Entdecker werden aber wohl in erster Linie von der Unzugänglichkeit des Gebietes abgeschreckt. Im endlos erscheinenden Meer der Forstwälder ist der Urwald, sollte man seine Lage nicht genau kennen, fast unauffindbar. Wir haben das Glück, dank meines beruflichen Backgrounds, eine exklusive Führung in den Urwald mit dem zuständigen Ranger zu bekommen. Hans ist ein sehr sympathischer Mensch mit dem wir uns sofort blendend verstehen. Über holprige Forststraßen fahren wir durch die forstlich genutzten Wälder. Immer wieder sehen wir das Massiv des Dürrenstein über die Baumwipfel ragen. Als der Fahrweg endet laufen wir über einen schmalen Pfad ins Unterholz.

Obwohl die umliegenden Wälder zum Teil recht naturnah bewirtschaftet werden spüre ich sofort als wir die imaginäre Linie in den Primärwald überschreiten. Ich habe im Rahmen dieses Projektes in relativ kurzer Zeit viele Urwaldreste in Europa besucht. Trotzdem ist es jedes Mal wieder auf ein Neues ein intensives Erleben, durch einen Baumbestand zu laufen in dem sich die Natur nach ihren Regeln frei entwickeln kann. Schnell merken wir warum man dieses sensible Ökosystem unter Verschluss halten muss. Würden hier unkontrolliert viele Menschen über den Waldboden marschieren wäre ein Großteil der am Boden wachsenden Flora wie Pilze, Moose, Blumen und Farne gefährdet. Der Urwald ist einfach zu klein als das er einem großen Besucheransturm gewachsen wäre.

Besonders schön ist eine Stelle, an der ein riesiger alter Stamm einen Bach aufgestaut hat, über dem sich das Nass in einem kleinen Wasserfall weiter talwärts bewegt. Vergleicht man den Artenreichtum auf dem Waldboden im Urwald mit bei uns üblichen Nutzwäldern, so kann man sehr leicht erkennen wie schwer es viele Lebensformen haben sich im gängigen Forstwald durchzusetzen. Besonders jetzt im Frühjahr entdeckt man hier neu entstehendes Leben in allen Ecken, Ritzen und Mulden. Auch für die Kinder ist die Exkursion mit Hans dem Ranger sehr lehrreich. Sie bekommen die Besonderheiten eines Naturwaldes direkt vom Fachmann geschildert.

Nach diesem Erlebnis besteht im Familienrat Einigkeit das wir diese schöne Landschaft auch noch aus einer anderen Perspektive erleben wollen. Zwei Tage später planen wir eine Besteigung des Dürrensteins. In Gedanken stelle ich mir die Fotos vor die ich, einer Luftaufnahme ähnlich, von dort oben vom Urwald machen könnte. Mitten in der Nacht verlassen wir die Behaglichkeit der Betten und fahren im Schein des Vollmondes die Bergstraße hinauf zur Ybbstalhütte. Die Genehmigung vom örtlichen Förster ermöglicht uns auf halbe Höhe mit dem Auto zu fahren. Aus fotografischer Sicht ist es wichtig zum Sonnenaufgang kurz vor fünf Uhr auf dem Gipfel zu sein um das bestmögliche Licht zur Bildgestaltung zu nutzen. Nach starkem Regen am Vortag versprechen der klare Sternenhimmel und einige Restwolken großartige Stimmungen. Dass ich trotz frühzeitigem Aufstehen das beste Licht um eine knappe halbe Stunde verpasse ist schon fast zu peinlich um es hier aufzuschreiben. Doch Fehler passieren und die Folgen muss man akzeptieren. Ich fahre am Fuße des Berges aus Versehen in eine Abzweigung des Hauptweges die zwar Ausgeschildert war, sich aber wenige hundert Meter später als reiner Wanderweg entpuppt. Was für ein Bild müssen wir abgegeben haben als wir mitten in der Nacht, mitten im Nichts, mit unserem ungelenken Kastenwagen am Berghang stecken geblieben sind. In Millimeterarbeit haben wir dann das Auto wieder zurückgesetzt. Teilweise ging es zur einen Seite steil bergab so dass wir alle heilfroh waren als wir wieder am Ausgangspunkt ankamen. Diese ganze Aktion hat uns aber fast anderthalb Stunden gekostet. Obwohl ich beim Aufstieg die letzten Meter fast gerannt bin war an ein pünktliches Ankommen nicht mehr zu denken. Die Tour hinauf auf den Dürrenstein war trotzdem grandios. Die Blicke in alle Himmelsrichtungen bestätigen den Eindruck einer sehr naturreichen Region. Stolz tragen wir uns in Gipfelbuch ein und genießen die herrlichen Panoramen.

Man sieht unheimlich viel bewaldete Bergzüge, doch der Blick auf den Urwaldteil ist vom Gipfel aus durch einen Vorgelagerten weniger hohen Berg verstellt. Zusammen mit Felix beschließen wir unserer Wanderung ein echtes Outdoor Erlebnis anzuhängen. Wir steigen auf der Gegenseite des Dürrenstein über die sehr steilen Hänge hinab und laufen in einer Senke zu dem den Blick versperrenden Felsbrocken. Dabei ist es stellenweise so steil das ich mich nur vorantraue indem ich mich an Grasbüscheln festhalte die zum Glück immer wieder auf den Geröllfeldern wachsen.

Felix ist da wesentlich gelenkiger. Der Bursche besucht seit einiger Zeit einen Kletterkurs und weist mit seinen dreizehn Jahren eine Trittsicherheit auf die mich staunen lässt. Wir entdecken eine kleine Höhle von deren Wänden Wasser auf den Boden tropft. Eine gute Gelegenheit die Trinkflaschen aufzufüllen. Es ist fast Mittagszeit und die Sonne entfaltet eine starke Kraft. Man merkt heute zum ersten Mal das der Sommer vor der Türe steht. Als wir nach einem erneuten sehr steilen Aufstieg am Grad des Berges ankommen werden wir für unsere Mühen belohnt. Der Rothwald breitet sich vor uns aus und ich kann meine erhofften Bilder machen.

Das frische grün der Buchen und der dunkle Teint der Tannen und Fichten geben schöne Kontraste. Dazwischen sehen wir auch immer wieder tote Stämme stehen, ein sicheres Indiz für einen Naturwald. Vor allem aber sehen wir die Unterschiede zu den Forstwäldern die den Urwald unmittelbar umgeben. Auch hier gibt es große Unterschiede. Während die Menge naturnaher Mischwälder erfreulich groß ist, erkennen wir auch immer wieder Fischten Monokulturen. Diese sind nicht selten von Borkenkäfernestern befallen, eine Problematik auf die ich im meinem letzten Bericht über den bayrischen Wald ausführlich eingegangen bin. Während ich fotografiere erkundet Felix den Bergzug und berichtet mir von über achtzig Gemsen die er entdeckt hat. Doch die Kraft auch noch auf Gemsensafari zu gehen reicht nicht aus. Ich muss noch die Ausrüstung und meinen alten Körper über den Gipfel des Dürrensteins zurück zum Auto schleppen. Die Kräfte wollen eingeteilt sein, denn sie sind nicht endlos. Am kommenden Tag war der männliche Teil unserer Gemeinschaft zwar hochzufrieden, aber ungemein still und träge. Es fühlte sich noch lange Zeit an als würden alle Muskeln katern. Herrlich.

Zeit des Erwachens 23.05.2010

Der Blick vom 1373 m hohen Gipfel des Lusens fällt auf eine riesige Fläche des Hochwaldes, die sich über beide Teile der Landesgrenze zieht. Während sich in tieferen Lagen die Baumbestände aus Buchen, Fichten und Tannen zusammensetzen, wachsen in den Hochlagen nur die kälteverträglichen Fichten.

Der Anblick der sich dem Wanderer bietet wirkt unreal und beängstigend. Unzählige graue Baumskelette ragen in den Himmel. Kaum ein Baum hat dieses apokalyptische Szenario überstanden. Schuld an diesem Massensterben ist ein paar Millimeter großer Knirps, der Borkenkäfer. Als Anfang der achtziger Jahre ein Sturm etwa 70.000 Festmeter Holz auf den Boden knickte, entschied der damalige Minister Hans Eisenmann, 30.000 Festmeter davon liegen zu lassen. Dies sollte eigentlich eine selbstverständliche Entscheidung sein. Die Idee, die hinter einem Nationalpark steckt, ist es ja die Natur „Natur sein zu lassen“ und in diese Gebiete nicht mehr einzugreifen. Doch Leben wir nun mal in einer vom Menschen so stark veränderten Umwelt, dass die Folgen natürlicher Einflüsse wie z.B.  Stürme dramatische Auswirkungen auf die Natur haben können.

Ein angeschlagener kranker Fichtenbestand ist ein idealer Lebensraum für den Borkenkäfer. Im Forstwald werden die Sturmschäden sofort beseitigt, so dass es nicht zum Ausbruch einer Massenvermehrung des kleinen gefräßigen Gesellen kommen kann. Was macht man aber in einem Gebiet, das sich selbst überlassen wird? Ein Gebiet, das sich auf dem Weg zurück zur Wildnis befindet? Die damalige Entscheidung des Ministers hatte schwerwiegende Folgen, die bis heute sichtbar sind und wohl noch für viele Jahre das Volk in zwei konkurrierende Lager teilen wird. Es kam wie es kommen musste. Der Borkenkäfer begann sich im Sturmholz wohlzufühlen. Zur Eiablage bohrt er Gänge in die Rinde oder direkt ins Holz. Dadurch entstehen die Brutsysteme. Besonders die Larven der Rindenbrüter (z.B. des Buchdruckers) sind eine Gefahr für den Baum.  Sie ernähren sich von den saftführenden Schichten in der Rinde. Diese sind die Lebensadern des Baumes, weshalb ein Befall meist zum Absterben desselben führt. Der Nationalpark Bayrischer Wald sollte für den Borkenkäfer in den kommenden Jahrzehnten zum Schlaraffenland werden.

Weitere Stürme führten zu weiteren Windbrüchen welche zu immer neuen „Käferlöchern“ führten. Diese breiteten sich aus und verschmolzen schließlich zu großen Gebieten. Die Population erhöhte sich in den Folgejahren so stark, dass sogar gesunde, stehende Fichten angefallen wurden und dem unweigerlichen Ende entgegen sahen. Besonders dramatisch war die Entwicklung während der 90er Jahre. Just in der Zeit als man die Fläche des Parks auf die heutigen 24.000 Hektar vergrößern wollte, konnte man dem rasanten Niedergang der „wogenden Waldlandschaften“ innerhalb kürzester Zeit verfolgen. Es gab heftigen Widerstand in der Bevölkerung, welche die Vernichtung „ihres Naturerbes“ nicht tatenlos mit ansehen wollten. Aus heutiger Sicht grenzt es fast an ein Wunder, dass sich die Nationalparks Befürworter haben durchsetzen können.

Der Park wurde vergrößert, der Entwicklung freien Lauf gelassen. Nur in den Randlagen wurde und wird der Käfer bekämpft, um ein Überspringen auf private Wälder zu verhindern. Aus fotografischer Sicht ist dieser morbide Anblick sehr reizvoll, es entstehen Bilder, die ihre ganz eigene Stimmung entfalten. Zusammen mit meinen Kollegen, die ebenfalls am Fotografentreffen teilgenommen haben, gelingt es uns die Situation mit vielen eindrücklichen Aufnahmen festzuhalten. Auch wenn es auf den ersten Blick so erscheint, so kann vom Ende der Welt keine Rede sein, im Gegenteil.

So schnell sich der Niedergang der Fichten Monokulturen vollzogen hat, so rasant erfolgt die Wiederauferstehung. Überall wachsen junge Ebereschen, Fichten und Buchen. Ein gemischter Jungwald ist am entstehen. Selbst in den Höhenlagen wo es die Natur, bedingt durch das raue Winterklima, am schwersten hat regt sich wieder Nachwuchs zwischen dem Todholz. Hier wurde aus meiner Sicht genau das Richtige getan. Durch mutige Entscheidungen kann hier im Laufe der kommenden Generationen ein echtes Naturjuwel entstehen, welches für andere Regionen zum Vorbild werden wird.

Über die Grenzen des Nationalparks hinaus fangen die Probleme nämlich gerade erst an. Als die Forstwälder Mitteleuropas fast zur Gänze in Fichtenreinbestände umgewandelt wurden, hat man sich ein riesiges Problem geschaffen, welches in relativ kurzen Zeiträumen gelöst werden muss. Bedingt durch die Klimaerwärmung und die damit einhergehende steigende Zahl an Wetterextremen, wird es die ortsfremde Fichte in unseren Breitengraden immer schwerer haben zu überleben. Zudem ihr fast flaches Wurzelwerk sie schon für mittelschwere Stürme sehr anfällig macht, und sie sehr schnell umknicken können. Die Buchen, die in vielen teilen Europas vor einigen Jahrzehnten den Fichten haben weichen müssen, sind besser auf das wärmere Klima angepasst.

Doch auch die Buche wird zunehmend Schwierigkeiten bekommen, zumindest regional. Schon heute zeigen die Bäume in manchen Teilen Ostdeutschlands in besonders heißen regenarmen Sommern erste Anzeichen von Hitzestress. Dieser wird zunehmen, je trockener die Landstriche werden. Trotz aller Horrorszenarien die einem im Kopf herumschwirren wenn man über die Folgen des Klimawandels nachdenkt verlasse ich den Bayrischen Wald mit einer positiven fast euphorischen Stimmung. Hier kann man allen Ignoranten und Ewiggestrigen vorführen, dass die Natur durchaus in der Lage ist, sich selbst wieder ins Gleichgewicht zu bringen, egal wie stark der Mensch zuvor an ihr herumgemurkst hat. Ein Besuch in Deutschlands ältestem Nationalpark möchte ich jedem Naturinteressierten empfehlen.

Der Höllenbach ist wunderschön 21.05.2010

Auf Einladung der Parkverwaltung „Bayrischer Wald“ bin ich in Deutschlands ältesten Nationalpark gefahren. Zum 40- jährigen Jubiläum wurden einige Kollegen und ich zum viertägigen fotografischen Rundgang geladen. Die aktuelle Situation dieser Waldlandschaft an der Landesgrenze zur tschechischen Republik sollte mit schönen Bildern dargestellt werden.

Immerhin bildet der Bayrische Wald zusammen mit dem Nationalpark Böhmerwald auf der tschechischen Seite die größte zusammenhängende Waldfläche Mitteleuropas. Ich bin dieser Einladung gerne gefolgt, passt sie doch perfekt in mein aktuelles Projekt über „Europas wilde Wälder“. Die Nationalparks-Idee entstand in den USA, wo mit dem Yellowstone Park das erste großflächige Schutzgebiet der Erde eingerichtet wurde. Heute gibt es weltweit tausende solcher Parks, die die Vielfalt des Lebens auf der Erde schützen sollen. Oftmals sieht die Situation auf dem Papier wesentlich besser aus als die Realität vor Ort. Unzählige Male habe ich selbst erlebt, wie Missmanagement, Korruption und mangelnde Überwachung den Grundgedanken der Nationalparks ad absurdum geführt haben, auch bei uns in Europa.

Über ein unfähiges Management kann sich der Nationalpark Bayrischer Wald nicht beklagen. Viele Mitarbeiter generieren sich aus den Leuten, die früher in den Wäldern als Förster gearbeitet haben. Wenn man bei uns in Deutschland Natur schützen will besteht die Hauptschwierigkeit darin, dass jeder Winkel im Land irgendwie und von irgendjemanden genutzt wurde und wird. Als vor 40 Jahren das Waldgebiet zwischen den Gipfeln des Rachel und des Lusens aus der Nutzung genommen wurde, war dies insofern machbar, als dass es sich dabei um Staatswald gehandelt hatte und keine privaten Waldbauern entschädigt werden mussten. Ein weitaus größeres Problem bei solchen „zurück zur Natur“ oder „Wildnis wagen“ Prozessen sind oftmals die Ängste der Bevölkerung.

Die Geschichte des Bayrischen Waldes ist da geradezu ein Paradebeispiel und dauert bis heute an. Was sich hier abspielt kann wie eine Schablone auf alle zukünftigen Abläufe im Naturschutz genutzt werden. Durch die sich abzeichnende Klimaerwärmung stehen wir gerade am Anfang einer Entwicklung die sehr tiefgreifend sein wird. Man wird sich in Zukunft fragen, warum man die Zeichen der Zeit nicht schon früher erkannt und alte Denkmuster und Gewohnheiten viel schneller verworfen hat. Der bayrische Wald ist ein riesiges Freiluftlabor, ein Blick in die Zukunft, ein Ängste verbreitendes Ungetüm oder, je nach Blickwinkel, ein wirklich großer Hoffnungsschimmer. Dazu aber später mehr.

Zuerst fahre ich in den nördlichen, jüngeren Teil des Nationalparks. In der Nähe des Falkenstein Gipfels gibt es eine kleine Schlucht. Diese ermöglicht Einblicke wie es in bayrischen Wäldern aussehen könnte, hätte der Mensch die Natur nicht zur Nutzung massiv verändert. Zusammen mit einem Kollegen laufe ich von oben kommend dem kleinen Pfad entlang des Höllbachs. Im weiteren Verlauf fällt dieser Wasserlauf in mehreren Kaskaden die Felsen hinab. Das „Höllbachgespreng“ erweißt sich für mich als absoluten fotografischen Glücksfall.

Hier entstehen Motive vom Wald, wie man ihn sich früher bei der Lektüre alter Märchenbücher vorgestellt hat. Der Boden ist übersät mit felsigem Granit. Überall wachsen Moose und die gelben Knospen der Sumpfdotterblumen setzen frühlingshafte Akzente. Ein Ort, an dem Kobolde und Gnome wohnen „müssen“. Selten habe ich ein so fotogenes Fleckchen Natur erlebt wie hier im Bayernwald. Jahrhunderte alte Fichten recken ihre Wurzeln über Granitblöcke und ihre toten Artgenossen versorgen die kommenden Baumgenerationen in ihrem Verwitterungsprozess mit Nährstoffen. Wir haben Glück, fast den ganzen Tag filtert eine geschlossene Wolkendecke das harte Sonnenlicht und bietet ideale Arbeitsbedingungen.

Wie ein kleiner Junge klettere ich über Wurzeln, erkunde kleine Höhlen, und entdecke auch im Detail immer wieder Neues und Schönes. Durch die zeitlich aufwendige Fotografie vergeht der Tag wie im Flug und man vergisst dabei fast wie winzig dieses wunderbare Kleinod doch ist. Besser hätte der Aufenthalt im Nationalpark nicht beginnen können.

Fenster in die Vergangenheit 13.05.2010

Die zweite gemeinsame Wanderung mit Walter Frank in den Karpaten führt uns in den „Domogled Valea Cernei“ National Park südlich des markanten Retezat Gebirges. Der Park schützt ein 60 km langes Tal an dessen von Karstgestein dominierten Spitzen eine endemische Kiefernart wächst.

In tieferen Lagen dominiert dichter Buchenwald und am Talgrund fließt der Fluss dessen Wasser in geduldiger Beharrlichkeit im Laufe der Jahrmillionen diesen imposanten Einschnitt ins Gestein gegraben hat. Das Tal war bisher von Bausünden verschont geblieben. Doch auch hier sehen wir wie mehr und mehr illegal errichtete Prachtvillen neureicher Rumänen die schönen Wiesen versiegeln. Wer verzichtet schon gerne auf ein Zweithaus im Paradies wenn die Strafen lächerlich gering sind und der eigentlich strafbare Bau im Schutzgebiet ohne weitere Folgen bleibt. Bei Kilometer 20 der Talstraße beginnt unsere Tour. Über eine schwankende Hängebrücke überwinden wir den Flusslauf und steigen die ersten Höhenmeter durch dichten Wald nach oben. Wir passieren ein verlassenes Gehöft, von dem mir Walter erzählt, dass sich dessen Besitzer vor einigen Jahren erhängt hatte. Die Einsamkeit war wohl doch zu groß geworden und der Schnaps als einzig erreichbarer Freund nicht mehr tröstlich genug. Eine steil abfallende Felswand können wir nur passieren indem wir über ein handgefertigtes Leitersystem nach oben klettern. Ich bin mal wieder schwer beeindruckt mit welcher Eleganz mein nicht mehr ganz junger Begleiter dieses Hindernis meistert, und das trotz seines großen Rucksack auf dem Rücken. Wir erreichen die Hochebene und besuchen eine Region in der die Zeit stehen geblieben ist. Über einen Kamm laufen wir durch Wiesen auf deren frühlingshafter Blüte vereinzelt Pferde und Ziegen stehen. Der Ausblick auf das Tal und die umliegenden Berge ist wunderschön. Vereinzelte Häuser der Bauernfamilien geben Einblick in einen Lebensstil, der noch nicht vor allzu langer Zeit auch bei uns Alltag gewesen ist.

Keine Straße bringt die Verlockungen der modernen Gesellschaft zu diesen Menschen, kein Strom verschafft Lebensqualität wenn es um Wärme und technische Errungenschaften geht. Was die Bauern ihren Feldern nicht abtrotzen oder aus den umliegenden Wäldern gewinnen können, wird über einen Pferdepfad aus dem Talgrund hier herauf gebracht. Wir bekommen die Erlaubnis von einem der Landwirte unsere Zelte auf seiner Wiese mit Panoramablick aufzuschlagen. Eile ist angesagt, denn dunkle Regenwolken haben sich über die Berghänge gezogen und künden von nahender Sturzflut. So liegen wir die kommenden vier Stunden in unseren Schlafsäcken und lauschen den Tropfen die auf unsere Planen prasseln. Eine halbe Stunde vor Sonnenuntergang passiert dann genau das was ich mir insgeheim gewünscht habe. Der Regen hört auf und die Wolken beginnen sich zur schönsten Zeit des Tages hin aufzulösen.

Dies führt zu wunderbaren Lichtstimmungen. Besonders als die Schwarzkiefern in den oberen Lagen des Gesteins sich aus den Wolken schälen entstehen eindrucksvolle Impressionen einer wilden ungebändigten Natur.

Am folgenden Tag setzen wir unsere Wanderung über den Höhenzug fort und passieren die Kapelle und die kleine Schule in der die Kinder der Bauerfamilien vom Analphabetentum befreit werden sollen. Doch es sind nur noch derer Zwei, die hier die Schulbank drücken. Was wohl der offensichtlichste Beweis ist, dass wir es hier mit einer sterbenden Kultur zu tun haben. Die Jungen sind längst in die Städte gezogen, nur die Alten harren aus. Sie trotzen den kalten Wintern und dem körperlich harten Alltag abseits des Einundzwanzigsten Jahrhunderts.

Wir besuchen ein Ehepaar welches die siebzig Lebensjahre schon längst überschritten hat. Es sind freundliche und herzliche Menschen. Auch hier bestätigt sich wieder was mir schon auf vielen anderen Reisen in alle möglichen Winkel der Welt aufgefallen ist. Besonders diejenigen, die in unseren Augen materiell arm sind, aber innerhalb ihrer Kultur gefestigt leben, kennen keinen Geiz.

Nur mit Mühe können wir die Zwei überzeugen, uns nicht mit Eiern, Schnaps und anderen Erzeugnissen aus ihrer täglichen Arbeit zu überhäufen. Als ich mit Walter von dannen ziehe muss ich erst mal meine Gedanken ordnen und mir klar werden was diese Eindrücke mit mir gemacht haben. Würde ich gerne tauschen wollen? Besonders der Gedanke an die langen Winter, wenn es draußen um fünf Uhr dunkel ist und man nichts anderes machen kann als sich Abend für Abend an den Herd bzw. Holzofen zu setzen, lässt mich erschaudern. Als Besucher droht einem leicht die Situation verklärt wahrzunehmen. Besonders wenn man die grandiose Landschaft in denen diese Menschen wohnen mit einbezieht.

Dieser Lebensstil erzeugt keine Erderwärmung, zerstört keine großflächigen Urwaldgebiete. Die Lösung unserer globalen Probleme ist diese Art zu Leben aber trotzdem nicht. Zumal wohl weder ich, noch sonst irgendjemand der je davon profitiert hat, auf die Errungenschaften unserer Zivilisation verzichten möchte. Die Aufgabe wird sein unseren Lebenswandel in die Nachhaltigkeit zu führen. Ich bin überzeugt, dass dies möglich wäre. Dazu müsste der Einzelne aber die Gier nach dem immer „mehr“ überwinden und sich in den Dienst des Allgemeinwohls stellen. Ein Besuch bei den Bauern vom Domogled Tal könnte dabei für Viele eine heilsame Erfahrung sein.

Wildview läuft unter Wordpress 2.9.2
Anpassung und Design: Gabis Wordpress-Templates