Wildview

Abenteuer Natur(schutz)fotografie

Ein Kampf und Margarete 11.09.2009

Es sind oft Winzigkeiten die aus einem Schnappschuss ein Meisterwerk machen. Besonders in der Tierfotografie entscheiden manchmal der Hauch einer Sekunde oder ein paar Millimeter am Autofokus ob ein Bild den Menschen ein „Ahh“ und „Ohh“ entlockt , oder ob man mal wieder knapp am Siegerfoto vorbeigeschossen hat.  Ich sitze den dritten Abend im Versteck und beobachte einen Bären, der genüsslich Lachse verspeist, die Lassie dort am Nachmittag deponiert hat. Ein Artgenosse nähert sich langsam aber beständig. Solche Situationen gab es eigentlich schon oft, so dass ich etwas überrascht bin als plötzlich ein regelrechter, vielleicht zehn sekündiger Kampf entsteht, bei dem der fressende Bär ganz klipp und klar macht wer hier der Herr im Wald ist. Ein Hieb verbunden mit einem tiefen Grollen stellt klar, wer fressen darf und wer zu warten hat. So eine Szenerie ist natürlich der absolute Fotografentraum und ich habe auch ca. zehn mal auf den Auslöser gedrückt. Trotzdem bin ich mit den Bildern nicht ganz zufrieden.

Die Situation zeigt wie schwierig es ist wirklich außergewöhnliche Bilder von Tieren zu machen. Ich hatte die Kamera so eingestellt, dass  ich 1/100 sec Belichtungszeit zur Verfügung hatte. So musste ich im Dämmerlicht die Empfindlichkeit nicht allzu hochstellen und kam mit 800 ISO noch auf einen Wert, der die Bilder halbwegs pixelfrei abbildet. Doch wenn zwei Bären aufeinander losgehen sind die Bewegungen viel schneller, als dass man mit 1/100 sec ein wirklich scharfes Bild bekommt. So ist es mir zwar gelungen eine spannende Szenerie festzuhalten, in den Fotografenhimmel komme ich mit der Aufnahme aber noch nicht.

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Das wurmt natürlich mächtig, denn wie groß sind wohl die Chancen solch eine Szenerie jemals wieder vor die Kamera zu bekommen?  Noch habe ich ja einige Tage Zeit. Kurz darauf läuft einer der Bären keine zehn Meter an meinen Versteck vorbei. Dieser Bär war schon Gestern hier im Sumpf. Ich habe ihn Margarete getauft, denn er hat einen gelben Knopf im Ohr (Steifftierfans wissen Bescheid) Das ist zwar aus fotografischer Sicht ärgerlich, verdirbt es doch ein wenig den Wildnischarakter des Bildes, doch es zeigt, dass die Bären den Finnen nicht gleichgültig sind und an ihnen geforscht wird.

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Das ist schon ein besonderes Gefühl, so nah unter diesen Tieren zu weilen. Respekt sollte man auf jeden Fall vor ihnen haben, um sich nicht leichtsinnig zu verhalten. Angst muss es aber meiner Meinung nach nicht sein. Die Tiere haben in der Regel viel mehr Furcht vor den Menschen als umgekehrt. Würden wir auf der Nahrungsliste der Bären stehen, gäbe es in ganz Europa keinen einzigen Bären mehr, soviel ist klar. In der Regel fressen Bären Beeren und Gräser. Lassi meint, selbst wenn man ihnen jeden Tag 1000 kg Fleisch vorsetzt, würden sie ihr Fressverhalten nicht ändern und auch weiterhin ihre Ration Grünzeug zu sich nehmen. Das beruhigt mich ein wenig, hatte ich schon Bedenken, dass unsere Fotofütteraktionen die Tiere träge und faul machen und sie so in Abhängigkeiten geraten. Dass dies nicht der Fall ist sehen wir auch an den Ausscheidungen der Bären, die wirklich wie gequirltes Beerenpüree (!) aussehen. Pünktlich zur Morgendämmerung bin ich wach. In der Ferne sehe ich  noch einen Bären, der aber bald im Wald verschwindet. Der Rest des Morgens bleibt tierfrei, abgesehen von den dutzenden Raben, die eigentlich immer hier sind. Eine dichte Wolkendecke liegt über dem Land, mein warmer Atem zaubert kleine Wolken, selbst innerhalb des Verstecks. Es gab wohl Frost heute Nacht, ein Zeichen, dass der Winter naht. Bis um acht Uhr sitze ich eingehüllt in meinen Schlafsack, dann mache ich mich auf den Rückweg, darauf hoffend, dass die kommende Nacht neue Gelegenheiten zum Fotografieren bieten wird.

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