Wildview

Abenteuer Natur(schutz)fotografie

Wahlparty im Steigerwald 27.09.2009

Deutschland hat gewählt. Mit einem Haufen sichtlich bedrückter Greenpeace-Aktivisten sitze ich in einem Restaurant im fränkischen Ebrach vor dem Fernseher. Wir machen uns mit dem Gedanken vertraut, dass es ab sofort eine Politik in unserem Land geben wird, die in nicht wenigen Dingen genau konträr zu den Werten verlaufen wird, für die wir jeden Tag eintreten. Ich bin zurück bei den Langstreckenläufern um Achim Gresser. Vor einem knappen Monat habe ich ihren Start in Konstanz am Bodensee dokumentiert. Heute treffe ich sie im Steigerwaldwieder. Inzwischen ist die Gruppe fast 500 Kilometern gelaufen.

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Seit mehreren Wochen ziehen sie einen über 400 kg schweren Bollerwagen durch das Land, um möglichst viele Menschen auf die Gefahren des vom Menschen gemachten Klimawandels aufmerksam zu machen. Dabei trotzen sie Wind und Wetter, Blasen an den Füßen, Achsenbrüchen, Bergen, Schotterpisten und rabiaten Autofahrern. Bis nach Kopenhagen wollen sie laufen; 2000 lange Kilometer im Dienste einer Weltanschauung, die auf den Punkt gebracht, auf Nachhaltigkeit setzt, anstatt auf den von den meisten Politikern propagierten Wachstum. Es ist deshalb die ruhigste Wahlparty auf der ich bisher gewesen bin und nicht nur weil jedem der Gruppe allein von heute 25 km Fußmarsch in den Knochen steckt. Warum sind die aus unserer Sicht so elementaren Themen wie die Ressourcenknappheit durch Übernutzung im politischen Dialog so gut wie überhaupt kein Thema? Wohl weil sich keiner getraut, den Menschen wirklich die Wahrheit zu sagen. Dann müsste die Politik sich eingestehen, dass unser gesellschaftliches Modell an sich gescheitert ist. Wer will schon antreten und den Menschen sagen, dass unser Lebensstil in Form des ungebremsten Kapitalismus dabei ist, unsere Lebensgrundlagen aufzuzehren? Keine populäre Botschaft wenn es um Wählerstimmen geht. Veränderungen sind äußerst unpopulär, besonders in Wahlkampfzeiten. „Jetzt erst recht“ lautet die Parole, wenn sich unsere Gruppe morgen früh kurz nach Sonnenaufgang wieder aus den Schlafsäcken schält um über die Landstraßen zu ziehen, im festen Willen, die alternative Botschaft in die Welt zu tragen.

Steigerwald  124

1 Kommentar

  1. Bene:

    Dann kann der Steigerwald ja Naturpark werden.
    YeY! ihr seid spitze!

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