Wildview

Abenteuer Natur(schutz)fotografie

Im Land der lustigen Schilder 28.09.2009

Schon nach drei Kilometern steht mir der Schweiß auf der Stirn. Es ist ein wunderschöner Spätsommertag, von herbstlichen Temperaturen ist kaum was zu spüren. Es ist nur ein kleines Stückchen Weg, den ich hier mithelfe den Bollerwagen zu ziehen und schon nach der ersten Steigung steigt auch meine Achtung vor der Leistung dieser Gruppe in den Himmel.

Steigerwald  125

Wir durchqueren den östlichen Steigerwald, jenes Gebiet, das vor einigen Jahren als zukünftiger Nationalpark ins Gespräch gebracht worden ist. Seitdem gibt es auch eine massive Widerstandsgruppe, die sich diesen Plänen entgegen stellt, als ginge es darum den Aufstieg des Teufels aus der Hölle zu verhindern. Die politischen Vorgaben auf Bundesebene sind eigentlich ganz klar. Im Zuge der europäischen FFH Richtlinie (Flora-Fauna-Habitat zur Bewahrung der Artenvielfalt) hat sich Deutschland verpflichtet, 5% seiner Wälder aus der Nutzung zu nehmen. Natürliche Kreisläufe werden so wieder zugelassen, Urwälder von morgen können entstehen. Auf einer Liste der in Frage kommenden Gebiete steht der Steigerwald ganz oben. Das hat einen guten Grund. In kaum einem anderen Teil Deutschlands findet man ähnlich großflächige Buchenwälder wie hier zwischen Würzburg und Bamberg im Norden Bayerns. Ohne menschlichen Einfluss wäre Mitteleuropa weitestgehenst von Buchenwäldern bedeckt. Durch die Industrialisierung der Holzwirtschaft erhielten die Förster in weiten Teilen des Kontinents Anweisungen, die heimische Buche gegen die schneller wachsende und somit gewinnbringendere Fichte zu ersetzen. Die meisten der Forstamtsleiter folgten auch brav dieser Vorgabe. Zum Glück nicht Alle. Im fränkischen Steigerwald gab es in den Siebzigerjahren einen Herrn Sperber, der nicht nur den Buchenbestand erhalten, sondern sein Holz auch noch auf sanfte Weise mit Pferden aus den Wäldern holen lies. Naturnaher Waldbau, der heute vielen alternativ arbeitenden Förstern als Vorbild gilt. Während in den meisten Wirtschaftswäldern klimaanfällige Monokulturen entstanden, wurde im Steigerwald ein Wald bewahrt, der seiner ursprünglichen Form zumindest recht nahe kommt. Inzwischen ist Herr Dr. Sperber weit über siebzig Jahre alt und es wäre für ihn die Vollendung eines Lebenstraumes, wenn „sein“ Wald den Status eines Nationalparks bekäme. Eine handvoll Personen ist damit überhaupt nicht einverstanden.

Steigerwald  123

Ihnen ist es leider gelungen mit scharfer Polemik und der gezielten Verbreitung von Halb- und Unwahrheiten soviel Ängste in der Bevölkerung zu verbreiten, dass sich der Prozess zur Umwandlung von Naturpark in Nationalpark festgefahren hat. Während wir unseren Bollerwagen durch die kaum befahrenen Straßen des Waldes ziehen kommen wir immer wieder an den skurrilsten Auswüchsen der Nationalparkgegner vorbei. Das ganze Gebiet ist bestückt mit großflächigen Plakaten, die vor den Gefahren des Nationalparks warnen.

Steigerwald  126

In eindeutiger Tonlage geschrieben, die eigentlich nicht kommentiert werden braucht. Mit großem Spaß ziehen wir mit unserer Karawane an den sich selbst entlarvenden Botschaften vorbei. Ich werde in den Steigerwald zurückkehren um zu verschiedenen Jahreszeiten meine Fotos zu machen. Ich bin gespannt wie die Entwicklung dieses Themas weitergehen wird. Zusammen mit den Kopenhagenläufern bringen wir am Abend noch meinen Vortrag „Planet der Wälder“ in der Haßfurter Stadthalle auf die Leinwand, um in der Region mit interessierten Menschen das Thema Wald zu behandeln.

Steigerwald  122

Mit 140 Besuchern werden unsere Erwartungen sogar übertroffen und wir müssen noch Stühle in den dann wirklich supervollen Raum stellen. Einen Tag nach dem aus unserer Sicht so bedauerlichen Wahlergebnisses vor so vielen Leuten zu Umweltthemen sprechen zu dürfen, hat mir wirklich gut getan und Kraft gegeben, voll motiviert weiterzumachen. Die Gruppe wird morgen weiter nach Norden laufen. Im Nationalpark Hainich werde ich sie hoffentlich bald wiedersehen.
Hier gibt es noch einen schönen Film über die Tour

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