Wildview

Abenteuer Natur(schutz)fotografie

In den Julischen Alpen 02.10.2009

Der Herbst lässt dieses Jahr auf sich warten. Ein trockener Sommer und ein zu warmer September verhindert bisher, dass sich das Laub sein herbstliches Farbenkleid überwirft. Zusammen mit meiner Freundin Elfriede bin ich in den Süden aufgebrochen um herbstliche Buchenwälder in Kroatien zu fotografieren. Da wir aber überall durch grüne Landschaften kamen, sind wir in Slowenien kurzerhand rechts abgebogen und haben den „Triglav Nationalpark“ in den Julischen Alpen angesteuert. Von früheren Touren erinnerte ich mich an wunderbar alte Fichtenwälder in den Berglagen des Parks.

Triglav  2178

Da sich diese sowieso nicht verfärben und mit dem fast 3000 m hohen „Triglav“ noch eine Gipfelbesteigung auf uns wartete, war die Entscheidung schnell getroffen. Wir haben Schlafsäcke und Lebensmittel für vier Tage in die Rucksäcke gepackt und den Wagen am Ende des idyllischen Bohinj-Sees geparkt. Dieser ist zu fast allen Seiten von einer hunderte Meter hohen Felswand eingefasst, die es auch gleich zuerst zu erklimmen gilt. Von unten sieht es so aus als müsste man die glatte Wand hinauf. Folgt man dem Pfad, ist der Weg aber durchaus für jeden halbwegs “fitten“ Wanderer zu schaffen. Nach zwei Stunden steilen Aufstiegs erreichen wir ein Hochplateau mit einem kleinen See, dessen Unzugänglichkeit die Natur wohl vor der Nutzung des Menschen bewahrt hat.

Triglav  2169

Einige schon leicht verfärbte „Ahörner“ wachsen hier oben zwischen wunderbar, mit Flechten überwachsenen uralten Fichten. Während ein Großteil des über 80.000 Hektar großen Parks nach wie vor naturnah bewirtschaftet wird, gehört dieser beständig ansteigende Taleinschnitt sicherlich zu den 1000 Hektar in denen die Wälder nicht „gepflegt“ werden (als ob die Natur Pflege bräuchte – doch genau so stand es auf der Homepage des Parks). Von den rechts und links steil aufsteigenden Kalkwänden der Berge lösen sich von Zeit zu Zeit kleine und größere Felsbrocken. Diese werden auf dem Talboden erst von Moosen in Beschlag genommen, später wachsen auch Fichten auf ihnen. Weit ausladende Wurzeln die sich über die Steine schlängeln, geben dem Wald hier oben den Charakter eines Märchenwaldes.

Triglav  2181

Wir haben auch noch das Glück, dass sich die Wolken immer wieder in Form kleiner Schauer entleeren, worauf kurz darauf dichter Nebel durch die Bäume zieht. Dies verleiht den Fotos ihre besondere Stimmung. Nicht auszudenken wenn jetzt die Sonne scheinen würde, denn harte Kontraste verhindern Fotos wie ich sie mir hier vorstelle. Nach weiteren zwei Stunden verändert sich der Charakter des Waldes auf einer Höhe von ca. 1400 m sichtbar. Wir verlassen das Reich der Fichten und laufen durch recht offenen Lärchenwald. Die Lärche ist die einzige Nadelbaumart, die im Herbst ihre Nadeln verfärbt und später abwirft. Sind sie schon mal an einem Sonnentag durch einen goldenen Lärchenwald gelaufen? Der blaue Himmel und das komplementäre gelb der Nadeln sorgen für ein wahrlich sinnliches Erlebnis. Für uns war es etwas weniger romantisch. Ein starker Wind bläst uns hier oben ins Gesicht und ein immer dichter werdender Nebel lässt die noch weitest gehenst grünen Lärchen schon nach wenigen Metern im optischen Nichts verschwinden. Die Baumgrenze passieren wir am späten Nachmittag. Wir laufen durch eine Geröllwüste die durch den Nebel endlos erscheint. Nur von früheren Touren weiß ich von den um uns herum aufragenden Bergriesen. Auf 1800m finden wir ein Nachtlager in Form einer ganzjährig für Wanderer geöffneten Notunterkunft. Die Hütte liegt auf einer Anhöhe, die wunderbare Blicke auf die westliche Alpenkette des Nationalparks ermöglicht.

Triglav  2171

Zum Tagesende löst sich der Nebel auf und ein fast voller Mond kredenzt uns schöne Stimmungen zur guten Nacht. Müde kuscheln wir uns in den warmen Schlafsack.

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