Wildview

Abenteuer Natur(schutz)fotografie

Über der Baumgrenze 03.10.2009

Der Tag beginnt mit einem Geschenk für den Fotografen. Eine Gruppe Steinböcke befindet sich in unmittelbarer Nähe unseres Nachtlagers. Über eine Stunde verzögert sich der Weitermarsch, weil sich die Tiere als erstaunlich zutraulich herausstellen.

Triglav  2172

Zuerst bin ich sehr vorsichtig und fotografiere aus der Distanz. Als ich merke, dass die Tiere nicht sehr scheu sind, nähere ich mich ihnen bis auf zehn Meter. Dummerweise ist zu dem Zeitpunkt die Sonne über die Bergkuppe geklettert. Das Licht wird nun zu hart für gute Aufnahmen und so machen wir uns auf den weiteren Aufstieg. Über uns strahlt ein blauer Himmel. Wir nehmen die Landschaft ganz anders wahr als noch gestern im Nebel. Die mystische Stimmung ist weg, heute ist alles weit, offen und erhaben. In kleinen Schritten steigen wir beharrlich die steilen Geröllfelder nach oben. Gegen Mittag hat uns der aus den Tälern aufziehende Nebel eingeholt. Immer wieder schaffen es Sonnenstrahlen durch die Wolken, was die mondartige Landschaft in faszinierende Wechselspiele aus Licht und Schatten taucht.

Triglav  2176

Als wir nach langem Aufstieg eine Passhöhe erreichen geht es auf der anderen Seite wieder fast vierhundert Höhenmeter steil nach unten. Unser Ziel, der Triglav ist noch ein paar „Aufs“ und „Abs“ entfernt. Stunde um Stunde laufen wir der „Dom Planika-Hütte“ entgegen. Gegen 15 Uhr erreichen wir die auf 2500m Höhe gelegene Ausgangsbasis für die Gipfelbesteigung. Wir quartieren uns ein und bereiten den Aufstieg zum Gipfel vor. Der Weg ist über weite Strecken ein Klettersteig, so dass ich nur das Allernotwendigste auf den Rücken packe. Manch Anwesender in der Hütte wundert sich warum wir uns so spät noch auf Weg machen. Denn um sieben Uhr ist es um diese Jahreszeit schon stockdunkel. Doch genau das ist der Plan. Während der Großteil der Wanderer am Abendessen sitzt möchte ich auf dem Gipfel stehen und den Sonnenuntergang fotografieren. Der Aufstieg ist steil und anstrengend. Weite Teile des Pfades sind mit Stahlseilen abgesichert, an denen man sich festhalten kann. Einmal überquert der Weg einen Grad der nur einen halben Meter breit ist. Auf der einen Seite geht es vierhundert Meter in die Tiefe, auf der anderen Seite fast fünfzehnhundert Meter. Schwindelfrei muss man sein, sonst hat man hier keine Freude. Als wir dann auf dem Gipfel stehen, spüre ich kleine Freudentränen meine Wange hinunterkullern.

Triglav  2173

Es ist ein so grandioser, wunderschöner Anblick der in mir diese Emotionen auslöst. Fast die ganze Welt ist verhüllt. Weit unter uns spannt sich ein Teppich aus flauschigen Wolken über die Erde. Nur die hohen Berge ragen heraus. Wie Könige stehen wir auf dem höchsten der erhabenen Gesteinsriesen. Während im Westen die Sonne hinter dem Horizont verschwindet, erhebt sich fast zeitgleich im Osten ein perfekt gerundeter Mond in den lila Abendhimmel.

Triglav  2174

Alle körperlichen Anstrengungen des Aufstieges sind vergessen. Die Erde schenkt uns einmal mehr ein unvergessliches Erlebnis. Erst als das Abendrot dem dunkel der Nacht gewichen ist, machen wir uns an den Abstieg zur Hütte.

Triglav  2175

Genau das, wovor wir von den anderen Wanderern wegen der angeblichen Gefahr gewarnt worden sind, wird dann zum absoluten Wahnsinnserlebnis. Wie durch einen riesigen Reflektor wird das Mondlicht von den weit unter uns gelegenen Wolken reflektiert. Nur zweimal müssen wir die Stirnlampe zu Hilfe nehmen, um auf den Geröllfeldern die Wegmarkierungen zu finden. Den Rest des Weges bewältigen wir in einem der schönsten Lichtstimmungen, die man sich vorstellen kann. Die Welt ist dunkel und strahlt doch so hell. Wer seine Sinne spüren möchte, gehe hinaus in die Elemente.

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