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Abenteuer Natur(schutz)fotografie

Eine Annäherung an die Plitvicer Seen 08.10.2009

Gäbe es sie nicht, müsste man sie erfinden. Dass sich hier jährlich 800.000 Menschen über die Stege schieben, kann man als lästig bezeichnen, ist aber ein Zeichen für die Einzigartigkeit der Seenlandschaft im Nationalpark Plitvicer Seen. Kaskadenförmig sind 16 kleine und größere Seen angeordnet, eingerahmt von Hügelketten die mit urwaldartigen Mischwäldern bewachsen sind. Natürliche Barrieren aus Kalk, die durch unterirdische Karstzuflüsse entstehen, trennen die einzelnen Seebecken voneinander. Insgesamt beträgt der Höhenunterschied vom ersten bis zum letzten See 133 Meter.

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Das fließende Wasser bahnt sich seinen Weg durch Löcher im Karst oder fällt über die Gesteinskanten als wunderschöne Fälle in das nächste Becken. Von der UNESCO ist dieses Gebiet wegen seiner Einzigartigkeit als Weltnaturerbe anerkannt worden. Die Anreise zum Park von Slowenien kommend ist für uns ein Wechselspiel der Emotionen. Wir fahren auf kleinen, fast zur Gänze leeren Straßen und  durchqueren eine Landschaft, deren Bergzüge mit naturbelassenen endlos erscheinenden Wäldern bedeckt ist. Bäche und Flüsse folgen ihrem natürlichen Lauf und heideartige Wiesen zeugen von wenigen menschlichen Aktivitäten. Dass dies zum Teil auch einen wirklich traurigen Hintergrund hat, sehen wir immer dann wenn wir durch kleine und kleinste Ortschaften kommen, in denen Häuser bis auf die Grundmauern niedergebrannt sind oder zumindest dutzende Einschusslöcher in den Wänden aufweisen. Es ist noch keine 20 Jahre her da schlugen sich die einzelnen Völker im sich auflösenden Staatenverbund Jugoslawien für einige Jahre die Köpfe ein. Mitten in Europa, keine 6 Autostunden von uns entfernt. Zehntausende wurden getötet oder aus ihrer Heimat vertrieben. Viele Häuser sind inzwischen wieder aufgebaut worden, stehen aber unverputzt in der Landschaft. Für mich und Elly, die  beide nie haben „Kugeln pfeifen hören“ (was für ein Glück) sind das sehr nachdenkliche Stunden. Uns wird bewusst wie wenig selbstverständlich es für viele Menschen ist, in Frieden und Wohlstand aufzuwachsen und ein Leben in wirklicher Freiheit leben zu dürfen. Im Nationalpark verschwinden diese Gedanken und wir sind begeistert über die intakte Natur. In den glasklaren Seen schwimmen Forellen und Elritzen.

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Im Sonnenlicht sieht es fast so aus als würden die Fische in der Luft schweben. Dadurch das man die Besonderheit dieses Gebietes früh erkannt und entsprechend geschützt hat, haben sich in diesem Ökosystem so gut wie alle Tierarten erhalten, die auch schon vor Ankunft der Menschen hier ihren Lebensraum hatten. Es ist schön zu wissen, das nach wie vor Bären, Wölfe und Luchse durch die Wälder streifen, und Steinadler ihre Kreise über den Wipfeln ziehen. Ein Großteil der Besucher besteht aus Reisegruppen, die mit Bussen angefahren kommen. Es gibt zwei, drei Hauptrouten, auf denen ca. 90 Prozent der Menschenmassen über Holzstege und mit Elektrobooten durch die Wald und Seenwelt geleitet werden. Wenn man es geschickt anstellt, kann man dem Großteil des Ansturms ausweichen. Nachdem wir die Gegend zwei Tage lang erkundet haben, sind mir all die Plätze bekannt auf denen die schönen Motive fotografiert werden können.

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Wir starten vor Sonnenaufgang und laufen noch im Dunkeln durch den Wald, um im Morgengrauen an der richtigen Stelle zu stehen. Die Pristavci Fälle sind eines der fotografischen Highlights, die im ersten Morgenlicht in ihrer ganzen Schönheit erstrahlen. Seit drei Tagen knallt direktes Sonnenlicht vom wolkenlosen Himmel, so dass ich eigentlich nur am frühen Morgen und späten Abend eine Chance auf einigermaßen brauchbares Fotolicht habe. Dreimal hintereinander stehe ich zum Sonnenaufgang an meinem Aussichtspunkt. Am ersten Morgen bricht das Gewinde in meinem Stativkopf.  Am zweiten Tag habe ich den Kugelkopf mit Klebeband halbwegs auf dem Stativ fixiert. Doch nur in absolut gerader Stellung der Kamera kann ich überhaupt Fotos machen. Neben dem zu harten Licht während des Tages, schlägt der wohl auch hier in Südeuropa viel zu trockene Sommer voll durch und verhindert die für diese Jahreszeit typischen Herbstfarben des Laubes. Nur an den Stellen wo der Wind über die Seen pfeift sind einige Ahornbäume bereits gelb und vereinzelte Büsche setzen rot leuchtende Farbtupfer.

Blog Plitviver Seen  171

Viel zu viele Blätter hängen vertrocknet an den Ästen oder sind schon abgefallen. Die am häufigsten wachsende Baumart neben der Fichte ist die Buche. Ihre Blätter sind besonders innerhalb des Waldes noch komplett grün und vermitteln alles andere als herbstlichen Farbenrausch. Erst für kommende Woche sind herbstliche Temperaturen und Regen vorausgesagt. Also nutze ich die Zeit für Erkundungen im Umfeld des Nationalparks um dann, wenn Licht und Motiv stimmen, bereit zu sein. Leider ist die freie Zeit meiner Freundin Elly schon wieder vorbei. Ich begleite sie Richtung Heimat, um gleichzeitig kaputte Teile meiner Ausrüstung auszutauschen und fotografierte Bilder zu sichern. Die kommenden zwei Wochen werde ich wieder alleine auf Motivjagd gehen. Von den Plitvicer Seen wird man noch von mir hören.

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