Wildview

Abenteuer Natur(schutz)fotografie

Archiv: Januar 2010

Wintertraum am Hexenberg 27.01.2010

In den Sagen und Mythen unserer Kultur ist der Blocksberg im Harz der Versammlungsort von Hexen. Heute nennt man ihn einfach Brocken. Er ist 1100 Meter hoch und ist die größte Erhebung im Mittelgebirge des Harzes. Zu allen Seiten breitet sich norddeutsches Flachland aus. Für Fotografen ist der Berg ideal. Sowohl morgens als auch abends wird der Berghang wegen seiner Alleinstellung von den ersten und letzten Sonnenstrahlen erfasst, was besonders im Winter zu grandiosen Farbenspielen führen kann. Wir erleben im Moment einen erstaunlich strengen Winter. Wochenlanger Dauerfrost und ausgedehnte Schneefälle habe ich in dieser Intensität schon seit vielen Jahren nicht mehr wahrgenommen.

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Mein Besuch im Nationalpark Harz fiel dann auch ganz bewusst auf einen Tag an dem kaltes aber sonniges Wetter prognostiziert wurde. Gutes Licht ist in der Fotografie immer Voraussetzung für tolle Ergebnisse. Bei Winterlandschaften gilt das umso mehr. Verschneite Bäume vor wolkenverhangenem Himmel ergeben eine graue Soße, die meist langweilig wirkt. Mittags um zwölf bin ich im kleinen Kurort Schierke losmarschiert und erst spät in der Nacht, ausgepowert aber völlig begeistert ob der schönen Eindrücke, zurückgekommen. Mein erstes Ziel im Nationalpark ist der Urwaldsteig. Dies ist ein Holzsteg, der für Besucher in den Teil des Waldes gebaut wurde, der die lange Ausbeutung durch Bergbau und die damit verbundene Holznutzung überstanden hat. Jahrhunderte alte säulenstämmige Fichten stehen, wie im Naturwald üblich, in lichter Dichte unterhalb des Brockengipfels. Der Wald ist durch Nebel, Wind, Schnee und Kälte überzogen mit Raureif und Eis.

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So schön habe ich Bäume noch nie im Winterkleid gesehen. Einzelne Lichtstrahlen treffen bis zum Boden und schaffen im Unterholz spannende Kontraste. Die alten Bäume haben die Kraft den Belastungen von Stürmen, Schnee und Eisanhang zu trotzen. Ortsfremde, oft aus Flachlandherkünften angepflanzte Wirtschaftsforste, knicken hingegen bei Wetterextremen ein wie Zahnstocher. Dies kann man in Teilen des Harzes eindrucksvoll beobachten. Dort wo der z.B. Orkan Kyrill schwere Schäden anrichtete hat  der Borkenkäfer leichtes Spiel die angeschlagenen Wälder gänzlich zu zerstören. Ich habe bisher noch nie davon gehört, dass dieser kleine Räuber in gesunden Naturwäldern großflächig Bäume abtöten konnte. Vom Urwaldsteig steige ich die restlichen vier Kilometer auf den Brocken. Zu Zeiten der deutschen Teilung war der Gipfel militärisches Sperrgebiet. Heute freuen sich jedes Jahr hunderttausende Touristen an den schönen Ausblicken und die Natur hat auf der Fläche des Nationalparks ihre Ruhe vor wirtschaftlicher Ausbeutung und militärischer Strategie.

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Ich warte gespannt auf die Minuten zwischen Sonnenuntergang und Nachtschwärze. Im Minutentakt ändern sich die Farbnuancen, die die verschwindende Sonne über die verkrüppelten Gipfelfichten schüttet. Wie Gnome stehen die vom Wind in eine verkrustete Eisschicht gehüllten Bäume bis zur Baumgrenze.

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Nur die obersten Meter am Gipfel sind außerhalb ihres natürlichen Lebensraumes. In der Dunkelheit beginne ich meinen Abstieg. Doch von Dunkelheit kann eigentlich keine Rede sein. Das Mondlicht taucht die Welt in eine fahle aber gleichzeitig aufregende Atmosphäre. Wieder bin ich absolut alleine. Ich genieße dieses Gefühl der Abgeschiedenheit, das Eintauchen in eine wilde Landschaft. Alles wirkt so friedlich und intakt. Beim Urwaldstieg verweile ich besonders lange.

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Mit Hilfe von langen Belichtungszeiten und der weichen Sanftheit des Mondlichts banne ich die vereisten Bäume als wahren Märchenwald auf meinen Fotochip. Nur nach Hexen, die auf ihren Besen über den klaren Sternenhimmel sausen, habe ich vergeblich Ausschau gehalten.

Sternenstille 23.01.2010

Wir Menschen haben unseren Lebensraum so nachhaltig verändert, dass bei uns heute ein knapp 50 qkm kleines Gebiet als wichtigstes Relikt echten Tieflandurwaldes bezeichnet werden kann. Das ist lächerlich wenig, wenn man bedenkt, dass Europa früher über weite Teile mit mächtigen Baumriesen bedeckt war. Der Naturwald hat hier nur deshalb noch Bestand, weil das Gebiet an der Grenze zu Weißrussland schon im Mittelalter ein beliebtes Jagdgebiet der Polnischen Könige war. Der Holzeinschlag wurde schon früh verboten.

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Heute ist diese kleine Insel im Meer der Forstwälder ein unersetzlicher Rückzugsraum vieler bedrohter Tier- und Pflanzenarten und wichtiger Tummelplatz für Forscher, die die Kreisläufe der Natur verstehen wollen. Es ist kaum zu glauben, aber man hat insgesamt 12.000 Tierarten in Bialowieza entdeckt. Die biologische Vielfalt wird erweitert durch 3.500 Pilz- und 5.500 Pflanzenarten!!! Dies sollten sich alle Leute zu Gemüte führen, die glauben, dass man Natur nicht mehr sich selbst überlassen kann und der Mensch ordnend eingreifen muss. Von denen gibt es leider viel zu Viele. Denn gerade dort wo die Kreisläufe nicht vom Menschen zerstört wurden, befindet sich eine solche Vielzahl an Leben, dass man nur staunen kann.

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Mich wundert immer wieder, dass dies auch auf relativ kleinen Flächen funktioniert. Ich habe vom Parkranger die Erlaubnis mich der Kernzone des Nationalparks ohne Führer zu nähern. Die gespurten Touristenpfade darf auch ich nicht verlassen, doch die Genehmigung ermöglicht es mir außerhalb der normalen Besuchszeiten auf Fotopirsch zu gehen. Wie bekomme ich diesen wunderschönen Wald optisch anspruchsvoll ins Bild gesetzt? Das ist gar nicht so einfach. Die Region ist absolut flach. Mächtige Eichen stehen neben Kiefern, Hainbuchen und Fichten. Die Vielfalt der verschiedenen Baumarten ist enorm. Zusammen bilden sie aber ein optisches Durcheinander. Das wird noch erschwert, weil weißer Schnee den Kontrast zu den dunklen Bäumen erhöht. Zweimal bin ich bei bedecktem Himmel durch den Wald gelaufen. Alles wirkte grau. Das fotografische Ergebnis war furchtbar langweilig. Kein Aufbau, keine Tiefe, Bilder für den Papierkorb. Heute will ich es besser machen. Ich starte am Nachmittag. Eine tief stehende Wintersonne sendet ihre zarten Strahlen durch das Unterholz. Nur wenig Sonnenlicht gelangt so in den Wald. Immerhin entstehen, besonders im Gegenlicht interessante Kontraste und ich beginne mit der Arbeit. Es ist fast zwanzig Grad unter Null und zum Glück absolut windstill. Ich warte bis die Sonne die Bühne verlässt und die Blautöne am Himmel dunkler werden. Nach und nach fangen zwischen den Silhouetten der Bäume die Sterne an zu blinken. Es ist noch eine Woche bis zum Vollmond.

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Doch schon reicht die Kraft des Erdtrabanten aus, den nächtlichen Wald für meine Augen sichtbar zu erhellen. In dem Moment wo das Mondlicht zur stärksten Lichtquelle geworden ist, beginnt der Schnee regelrecht zu leuchten. Durch den geringen Kontrast entsteht eine fast magische Atmosphäre. Ich stehe in der absoluten Stille des Waldes. In der Ferne höre ich ein Käuzchen. Das Jaulen in den Tiefen des Waldes rechne ich den Hunden der umliegenden Dörfer zu und nicht einem jagenden Wolfsrudel. Man muss sich ja nicht unnötig beunruhigen. Nur wenn ab und zu ein wenig Schnee von den Ästen fällt, erwische ich mich dabei etwas zusammenzuzucken. Das Geräusch erinnert an Schleifgeräusche und ich konzentriere mich darauf nicht an Gruselfilme zu denken. Der Sternenhimmel ist so herrlich klar. Weder Lichtverschmutzung größerer Städte noch sonstiger Dreck menschlicher Zivilisation trübt hier die Sicht auf die Unendlichkeit des Universums.

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In der Silhouette kommen die Charaktere der Bäume sehr gut zur Geltung. Im letzten Glimmen des vergangenen Tages fotografiere ich den Wald mit Belichtungszeiten, die mir die Sterne als feststehende Punkte auf den Chip der Kamera bannen. Doch da im All alles in Bewegung ist, werden aus den Punkten schon noch dreißig Sekunden kleine Linien. Wenn man lange genug belichtet gibt es am Himmel durchgezogene Kreise, die sich alle um den Fixstern drehen. Ich nutze die Langzeitbelichtung drei Mal aus. Das erste Bild belichte ich dreizehn Minuten, das Zweite sechsundzwanzig und das dritte mit zweiundfünfzig Minuten. Um dabei nicht zu erfrieren muss ich mich ständig in Bewegung halten. Ich laufe unermüdlich durch den Wald. Die Fototasche wärmt mir dabei den Rücken, lässt mich aber auch spürbar ermüden.

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Durch die lange Belichtungszeit multipliziert sich das Mondlicht zu solchen Mengen, dass die Bäume, sofern sie direkt angestrahlt werden, wieder Konturen bekommen. Die Zeichnung der Rinde wird sichtbar und sogar das Grün der Fichten und Kiefernnadeln kann man erkennen. Eine faszinierende Beleuchtung. Diesem wunderbaren Wald würdig. Ich bin erschöpft aber sehr zufrieden.

Jagdszenen 22.01.2010

Unser Plan ging natürlich grandios schief. Eigentlich  waren die Voraussetzungen gut.

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Das Morgenrot versprach einen klaren Wintertag und die Tiere waren fast an derselben Stelle wie am Vorabend. Wir befinden uns etwa sechzig Kilometer nördlich vom Bialowieza Nationalpark Hier lebt die meines Wissens einzige Wisentherde, die wirklich völlig frei durch die Landschaft zieht. Während die Tiere im Bereich des Nationalparks über die langen und kalten Wintermonate angefüttert werden um sie in der Region zu halten, müssen diese Wisente ihre Nahrung selber finden. Dies ist wohl auch der Grund, warum sich diese eigentlich in den Wäldern lebenden Tiere vornehmlich auf verschneiten Feldern und Wiesen aufhalten und nicht in ihrem angestammten Lebensraum zwischen den Bäumen. Ich nehme an, dass in den heutigen Forstwäldern die Bäume einfach zu dicht stehen um genügend Nahrungsmittel für die Tiere auf dem Waldboden bereitzuhalten. Da der Naturwald aber so gut wie weg ist, bieten die uneingezäunten, offenen Flächen die bessere Alternative.

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Mit dem Kopf schaben sie den Schnee beiseite um an das darunter liegende Gras zu kommen. Ich schleiche mich, ganz der Abenteurer, im Schatten eines Gebüsches von hinten an die Tiere heran. Olli marschiert ganz langsam von der anderen Seite auf die Herde zu. Jeder Meter ist anstrengend. Mit gefühlten hundert Lagen Kleidern ist die Bewegungsfreiheit eingeschränkt. Die Kamera samt Stativ ist unhandlich und bei jedem Schritt sinkt man dreißig Zentimeter in den Schnee. Ich bin relativ nah an die Wisente herangekommen. Doch um die Kamera in eine passable Ausrichtung zu bringen brauche ich zwischen den Gräsern, Ästen und Schilfrohren freie Sicht. Olli überschreitet die Fluchtdistanz wohl im selben Moment wie ich für die Tiere sichtbar werde. Während am Horizont eine glutrote Sonne aufgeht und die Eislandschaft in warme Farbtöne kleidet, sehen wir die Herde in heller Panik in großem Schneegestöber davonrennen.

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Nach vierhundert Metern kommen sie zur Ruhe als wäre nichts gewesen. Für uns sind sie wieder unerreichbar weit weg. Es ist zu kalt um gleich noch mal einen Versuch zu starten. Also muss es das Abendlicht richten. Nachdem wir uns in der Herberge aufgewärmt haben sind wir um vierzehn Uhr wieder vor Ort. Kurz nach Vier versinkt die Sonne hinter dem Horizont. Die Tage sind noch extrem kurz. Regel Nummer eins in der Tierfotografie: Man kann sich nicht an wilde Tiere heranschleichen. (Vielleicht um sie tot zu schießen, aber nicht um gute Fotos zu machen.) Tarnanzüge haben nur einen Wert wenn man vorher am Ort des Geschehens ist, und darauf wartet, dass die Tiere zum Fotografen kommen. Da dies auf den offenen Feldern aber nicht funktioniert gehe ich an diesem Nachmittag zu einer Taktik über die auch schon im vergangenen Jahr funktioniert hat. Ich stülpe mir mein Tarnzelt über und nähere mich ganz langsam den Tieren ohne mich zu verstecken. Das Tarnzelt ist grün, könnte aber auch lila sein. Die Farbe spielt keine Rolle, denn auch ein weißes Tarnzelt würden die Tiere durch die Bewegung wahrnehmen. Ich setzte darauf, das sich die Wisente durch meine längere Anwesenheit beruhigen und durch die komische Zeltform auch nicht als Bedrohung sehen. So kann ich die Fluchtdistanz vielleicht etwas verkürzen. Jeder Meter ist anstrengend. Die linke Hand trägt das Stativ und mit der rechten Hand halte ich das Zelt. Gleichzeitig versuche ich durch das Minifenster genug zu sehen um die Richtung zu halten und durch die gebückte Haltung keinen Hexenschuss zu bekommen. Der Hauptvorteil des Zeltes ist es, dass es mir den Wind vom Körper hält und ich es so viel länger in dieser Eiseskälte aushalte. Irgendwann bin ich nah genug, um die Herde ablichten zu können.

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Doch trotz Abendlicht ist das Bild keine Sensation, dafür sind die Kontraste zu hart. Immerhin habe ich diese Tiere endlich auf meinen Chip gebannt. Das Foto von dem man denken mag, dass es mal kurz aus dem Auto rausgeknipst wurde, hat richtig viel Kraft gekostet. Zum Glück wartet heute Abend eine Sauna auf uns, die uns die Muskeln wieder lockert. Ollis Zeit ist leider schon wieder um. Auf ihn wartet wieder sein Job als Greenpeace Kampaigner. Ich bringe ihn am nächsten Morgen zum Bahnhof und widme mich dann ein weiteres Mal der fotografischen Umsetzung des Urwaldes im Bialowieza Nationalpark.

Saukalt 21.01.2010

Vergangenes Jahr bin ich in einer einwöchigen Pause meiner damals laufenden Vortragstournee Anfang Februar nach Polen gefahren. An der ostpolnischen Grenze zum Nachbarn Weißrussland befindet sich im Bialowieza Nationalpark einer der letzten Flachland Urwälder Mitteleuropas. Hauptattraktion ist neben den alten Bäumen das in der Region lebende Wisent. Es ist das europäische Pendant des amerikanischen Büffels und war im Jahr 1921 praktisch ausgerottet. Nur 54 Wisente haben zu diesem Zeitpunkt in zoologischen Gärten überlebt. Sie bildeten den Grundstock für eine erfolgreiche Nachzucht. In den 50er Jahren wurden die ersten Tiere in die Bialowiezer Heide ausgewildert. Heute gibt es eine recht stabile Population von ca. 450 Exemplaren dieser Wildrinder. Sie erhalten das Erbe ihrer einst in den weitläufigen Urwäldern Europas lebenden Vorfahren aufrecht. Damals bin ich sieben Tage durch Wälder gestreift, habe mich im Tarnzelt verkrochen und Schneestürmen getrotzt. Ich war mit der Bildauswahl recht zufrieden, wohl wissend, dass ich ja dieses Jahr nochmals herkomme und es mit den gemachten Erfahrungen noch besser machen kann. Tja, inzwischen bin ich eine halbe Woche mit meinem Greenpeace Kollegen Oliver Salge, selbst ein begeisteter Fotograf, in Ostpolen. Mit jedem Tag der vergeht gefallen mir meine Bilder vom vergangenen Jahr besser und besser. Bisher will einfach nichts gelingen.

Bialowieza

Es ist noch kälter als letztes Jahr, es liegt haufenweise Schnee und wir haben auch schon Wisente entdeckt. Doch sie zu sehen ist eine Sache, gute Fotos zu machen eine Andere. Ich hoffe auf den morgigen Tag. Wir haben eine Herde mit sechzehn Tieren lokalisiert. Am Abend standen sie auf einem freien Feld ohne Zugang zu größeren Waldgebieten, in die sie sich verstecken könnten. Ihre  Fluchtdistanz liegt ungefähr bei hundert Metern. Wir hoffen, dass wir einen von uns mit Hilfe unserer Tarnkleidung etwas näher an die Herde heranbringen können indem der Andere die Aufmerksamkeit auf sich lenkt. Mal schauen ob es besser klappt als in den vergangenen Tagen. Morgen früh um halb sechs klingelt der Wecker. Das Thermometer wird dann minus siebzehn Grad anzeigen. Durch den starken Wind fühlt es sich aber wie minus siebenundzwanzig Grad an. Bisher haben die Kameras trotz Kälte einwandfrei funktioniert. Die größte Schwachstelle werden wieder unsere Hände sein. Dort kriecht die Kälte trotz Handschuhe als erstes die Finger hoch. Zum ersten Mal auf dieser Reise können wir Morgen mit etwas Sonnenlicht rechnen. Ich bin sehr gespannt.

Hoch oben im Arvenwald 13.01.2010

Es gibt weltweit etwa neunzig Kiefernarten. Eine davon ist die Zirbelkiefer, welche in der Schweiz auch Arve genannt wird. Ich bin in die Ostschweiz gereist um den höchstgelegenden, geschlossenen Arvenwald zu fotografieren. Die Aktion erweist sich als schwieriger durchführbar als ich dachte (aber nur weil ich vorher nicht gründlich recherchiert habe). Dafür wird mir ein anstrengendes aber wunderschönes Schneeerlebnis beschert. Im Engadiner Skiort Scuol weist ein Schild auf das kleine Bergdorf S-charl hin. (S-charl schreibt man wirklich so)  Es bildet den Ausgangspunkt für die Wanderung in den 2322m hochgelegenen Arvenwald mit dem Namen „God da Tamangur“.

Tamangur   308

Eine kleine schneebedeckte Straße windet sich steil den Berg hinauf. Rechts und links sehe ich alte großgewachsene Fichten und Kiefern. Während die Hänge um Scuol meist von Skipisten geprägt sind, ist die Natur in diesem Tal erfreulich intakt. Nach drei Kilometern ist Schluß. Vom Pferdegestüt San Jon geht es die restlichen zehn Kilometer nur zu Fuß oder mit der Pferdekutsche weiter. Ich entscheide mich den Weg durch die Clemgia Schlucht zu Fuß zurückzulegen. Imposante Geröllfelder, steile bewaldete Bergflanken und eine wildromantische Flusslandschaft, die in Jahrmillionen diesen Einschnitt in den Bergen formte, machen den Marsch zu einem optischen Erlebnis. Doch der Preis den ich zahle ist hoch. Zwei Rucksäcke zehn Kilometer weit den Berg hinauf schleppen, lassen mich meine körperlichen Grenzen erkennen. Ich bin fix und fertig als ich gegen Mittag im Wirtshaus Major in S-charl ankomme. Ich gönne mir eine Stunde Pause und mache mich dann nur mit Schneeschuhen und Fotoausrüstung ausgestattet an den Aufstieg zum Tamangur. Wintertage sind kurz. Der Weg über den Pass ist bisher noch nicht gespurt worden, so dass ich nur langsam vorankomme. Nach weiteren vier Kilometern erreiche ich den Rand des Arvenbestandes welcher seit 2007 als Waldreservat geschützt ist.

Tamangur   310

Das Wäldchen ist recht klein, verdient aber Aufmerksamkeit. Die Schweizer sind ein Volk das seit jeher eine intensive Almwirtschaft betreibt. Über Jahrhunderte wurden die Arven als unliebsame Konkurrenz gesehen, die den Grasbewuchs behindern. Futter für das Weidevieh auf den Hochalmen wurde weggedunkelt, weshalb die Bäume raubbauartig geschlagen wurden. Arvenholz wächst sehr langsam. Dafür haben die Bäume eine Lebensdauer von bis zu 1000 Jahren.

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Aufgrund ihrer Trägwüchsigkeit hielt man es nie für lohnend die Zirben (wie sie auch genannt werden) wieder aufzuforsten. Gegen Mittag ziehen immer mehr Wolken auf, so dass ich schon bald meine Pläne von Fotos im schönen Abendlicht aufgeben muss. Mit schweren Füßen mache ich mich, ohne eine Aufnahme im Kasten, auf den Rückweg ins Nachtlager. Kurz nach dem Abendessen falle ich unmittelbar in tiefen Schlaf. Die 18 km Schneewandern machen sich bemerkbar. Der Wecker klingelt am nächsten Morgen unbarmherzig um halb sechs. Mit Freuden blicke ich in einen klaren Sternenhimmel. Bei sechs Grad minus mache ich mich an den erneuten Aufstieg zum Tamangur. Es ist fast Neumond, so dass mir eine kleine Stirnlampe helfen muss, nicht wieder in die Stellen zu treten an denen mich der tiefe Schnee am Vortag hat einsinken lassen. Die minimale Beleuchtung der Sterne genügt um die Berge mystisch aus der Dunkelheit zu heben. Es herrscht absolute Stille. Nur das Knirschen des Schnees, der unter meinem Gewicht nachgibt, ist zu vernehmen. Doch die Stille trügt. Das Hochtal ist voller Leben. Im frischen Schnee sehe ich zahlreiche neue Tierspuren die während der Nachtstunden meinem Pfad gekreuzt haben. Das erste Dämmerlicht des Tages bildet schöne Silhouetten der Berge und Wälder vor einem tiefblauen Morgenhimmel. Die folgende halbe Stunde, also die Zeit vor dem Sonnenaufgang, ist pure Magie. Für viele Fotomotive in der Naturfotografie ist diese Tageszeit perfekt. Für Leute die einfach nur die Schönheit der Erde genießen wollen, sei dieser Abschnitt des Tages unbedingt zum erkunden empfohlen.

Tamangur   309

Ich erlebe den Tagesanbruch zwischen Jahrhunderte alten Kiefern. Während die Sonne die Berggipfel in goldenes Licht taucht, bleiben die Bäume im Schatten des beidseitig aufsteigenden Berghanges. Kiefern sind auch deswegen so faszinierend, weil sie, anders als die meist kerzengeraden Tannen und Fichten, oft individuelle Baumgestalten annehmen. Durch ihre Standorte in oftmals windigen Gegenden, passen sie ihr Wachstum dem Widerstand an. So bilden sie individuelle Formen, die sie von ihren Artgenossen unterscheiden.

Tamangur   312

Wälder in Schneelandschaften zu fotografieren ist nicht ganz leicht, weil in sehr vielen Lichtsituationen der weiße Schnee mit dem dunklen Holz einen unüberwindbaren Kontrast bildet. Wenn man bei bedecktem Himmel eine Schneelandschaft betrachtet, so wirkt diese wie eine schwarz-weiß Aufnahme. Der harte Kontrast lässt Zwischentöne wie das Grün von Baumnadeln fast verschwinden.

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Ich bin nach diesem Morgen sehr zufrieden mit meiner Ausbeute und laufe mit schweren Füßen zurück ins autofreie Dörfchen S-charl. Von dort aus genieße ich die Fahrt in der Pferdekutsche durch die märchenhafte Winterlandschaft zurück nach Scuol. Der Kontrast könnte kaum größer sein. Es ist fast wie eine Zeitblase der man entsteigt, wenn man das Tal wieder verlässt. Sehr schnell hat einen die Realität wieder. Grauer Schneematsch, Straßen voller LKW und skibeladener SUV´s heimfahrender Urlauber, katapultieren einen sofort wieder zurück in den Alltag.

Mondsüchtig 05.01.2010

Das Gebirge um den „Bavella Pass“ gilt wegen seiner bizarren Gesteinsformationen, die zum Teil wie Nadeln in den Himmel ragen, als schönster Bergzug der Insel. Da es auch hier Vorkommen alter Laricio Kiefern gibt haben wir uns diese Region im südlichen Korsika als zweiten Arbeitsschwerpunkt ausgesucht. Ausgangspunkt ist das kleine Dörfchen Zonza, das auf siebenhundert Meter gelegen seinen ursprünglichen Charme bewahrt hat. Es gibt einen kleinen Bäcker, zwei bis drei Kaufläden in denen lokale Produkte angeboten werden und das eine oder andere Cafe, welche jahreszeitlich bedingt geschlossen haben. Nachdem wir unsere Bleibe wegen eines Regensturmes fast achtundvierzig Stunden nicht verlassen konnten, stelle ich morgens um sechs erfreut fest, dass sich die Wolken weitestgehenst verzogen haben und die Sterne am Himmel blinken. Wir erreichen die Passhöhe eine halbe Stunde vor Sonnenaufgang. Es ist bitterkalt. An vielen Stellen ist der Boden mit einer dicken Eisschicht überzogen. Jeder Schritt muss wohlüberlegt sein, sonst landet man schneller auf dem Hosenboden als einem lieb sein kann. Besonders mit einer Kamera in der Hand kann dies sehr unschöne Folgen haben. Die folgenden Minuten bis zum Sonnenaufgang und darüber hinaus sind einfach traumhaft.

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Das erste Dämmerlicht des Tages taucht die Szenerie in magisches Licht. Himmel, Berge, Bäume, Schneefelder – durch die geringe Lichtmenge sind alle Elemente innerhalb desselben Kontrastumfanges. Ich bewege mich so schnell es geht zwischen den Jahrhunderte alten Bäumen auf der Passhöhe hin und her um in der kurzen Zeit die mir bleibt, möglichst viele Motive zu erkennen und auch als Foto umzusetzen.

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Kurz vor Sonnenaufgang ist an diesem Morgen der schönste Moment, als sich die Wolken rosa einfärben und die Landschaft mit einer zarten Farbschicht überziehen. Nach diesem erfolgreichen Morgen schmeckt das Croissant vom Bäcker besonders gut. Der kommende Tag verspricht abermals einen freien Wolkenhimmel. Dieses Mal klingelt der Wecker zwei Stunden früher. Während des Regensturms war Vollmond, weshalb wir beschlossen haben, die verbliebene Kraft dieser Lichtquelle für unsere Arbeit zu nutzen. Das Ergebnis hat mich sehr positiv überrascht. Dieses Mal laufen wir von der Passhöhe den Wanderweg aufwärts zum nächsten Gipfel. Doch weit kommen wir nicht.

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Die skurrilen Formen der Bäume lassen mich ständig innehalten und das Stativ positionieren. Es ist noch mitten in der Nacht und doch brauchen wir keine künstliche Beleuchtung, um uns zu orientieren. Glücklicherweise ist es fast windstill, so dass die Kälte einigermaßen zu ertragen ist. Elly tut mir ein wenig leid. Da sie ja keine Fotos macht, ist sie nicht mit adrenalisierender und somit wärmender Tätigkeit beschäftigt. Immer wieder sehe ich sie, wie sie sich mit gymnastikähnlichen Bewegungen warm hält. Mit Belichtungszeiten von bis zu zwanzig Sekunden wird das Foto soweit ausgeleuchtet, dass man eigentlich nur am strahlenden Sternenhimmel erkennt, dass es sich hier um eine Nachtaufnahme handelt. Ich bin begeistert.

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Mit dem ersten Morgenrot verändert sich die Situation im Minutentakt, wodurch ich mal wieder eine Menge über spannendes Licht lerne. Zwei großartige Sonnenaufgänge entschädigen für die ansonsten recht schwierigen Bedingungen. Korsika ist ein Paradies für Fotografen und wir haben schon viele Bildideen die wir für unser Waldprojekt zu anderen Jahreszeiten umsetzen können. Wir werden die Insel wiedersehen.

Die Insel der knorrigen Kiefern 02.01.2010

Wenn man über alte Wälder in Europa recherchiert kommt man an der Insel Korsika nicht vorbei. Hier wächst die endemische korsische Kiefer, auch Laricio Kiefer genannt. Sie gedeiht in den Höhenlagen zwischen 1000 und 1800 Metern und ist ein Meister der Anpassung. Heiße, trockene Phasen im Sommer erträgt sie mit der gleichen Langmütigkeit wie sturmgepeitschte, bitterkalte und schneereiche Wintermonate.

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Diesem Baum gilt meine Aufmerksamkeit als ich mich, zusammen mit meiner Freundin Elly, zum Jahreswechsel aufmache, um die älteren Exemplare dieser Gattung zu suchen. Kiefern sind glücklicherweise immergrüne Nadelbäume, so dass die Hoffnung besteht im ansonsten recht grauen Winterwald schöne Fotomotive zu finden. Große Urwaldgebiete gibt es auch auf Korsika keine mehr. Seitdem die Insel im Jahr 1768 von Frankreich übernommen wurde, begann eine recht intensive Forstwirtschaft. Besonders die Laricio Kiefer versorgte seitdem die Menschen mit qualitativ hochwertigen, schnell nachwachsendem Holz. Korsika ist fast 200 km lang und maximal 80 km breit. Auf dieser Fläche erheben sich mehr als 40 Gipfel über die 2000 Meter, was viele spannende Ausblicke verspricht. In der Tat, die Insel ist wirklich fantastisch. Hat man erst mal, möglichst schnell, die ausufernden Industrieanlagen und Einkaufszentren der Hafenstadt Bastia hinter sich gebracht, zieht einen die grandiose Bergwelt sehr schnell in ihren Bann. In den tieferen Lagen ist es der Buschwald der Macchia, die die Hänge mit bis zu drei Meter hohen Sträuchern aus Ginster, Wachholder und vielen anderen mediterranen Vegetationsformen überzieht. Die verschlängelten Sträßchen führen oft an steilen Felswänden und tiefen Schluchten hinauf bis zu den Passhöhen.

Korsika  043

Seit Millionen von Jahren bahnt sich Quellwasser seinen Weg durch den Granit von den Höhenlagen hinab ins Meer. Immer wieder rauscht das klare Nass kaskadenartig über verwitterungsresistente Überhänge. Wasserfälle allerorten. Die ersten Wälder die wir zu Gesicht bekommen, hoch oben im „Foret de Valdu Niellu“ reißen uns nicht gerade vom Hocker. Zu offensichtlich steht über weite Teile des von der Straße einsichtigen Waldes ein gleichaltriger Baum neben dem anderen. Ganz klar ein Forstwald, der zur Holzproduktion heranwachsen darf. Auch ein Laie sieht sehr schnell ob es sich um eine junge oder alte Kiefer handelt. Während die Bäume in ihren jungen Jahren eine nach oben spitz zulaufende Form besitzen, werden sie im Alter an den Kronen immer flacher. Besonders an den Passhöhen und auf den schmalen Bergkämmen sieht man die knorrigen Formen alter Kiefern, oft in Jahrhunderten durch starke Winde in ihrer Form den Naturgewalten angepasst. Auch heute noch zieht sich ein Streckennetz von hunderten Kilometern Fußwege über die Insel. Viele stammen aus den Zeiten als das Reisen noch nicht durch das bequeme Automobil so unendlich vereinfacht wurde. Im Sommer sind es viele Wanderer die diese recht anstrengende Möglichkeit nutzen, die Geheimnisse Korsikas auf eigenen Sohlen abseits der Straßen zu erkunden. Auch wir folgen diesen Wegen immer wieder, um an die zauberhaften Ecken dieser Landschaft zu kommen. Es scheint fast als wären wir um diese Jahreszeit die einzigen Besucher auf der Insel, zumindest in den Wäldern sind wir komplett unter uns. Etwas unterhalb des Vergio Passes, immer noch im Valdu Niellu Wald, existiert ein kleines Tal mit einem wunderschönen Wasserfall, in dem die Bäume seit Jahrhunderten wachsen dürfen.

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Noch nie haben wir so riesige Kiefern gesehen. Bis zu sechzig Meter hoch reichen diese Giganten in den Himmel. Es bedarf mehrerer Erwachsener um die massiven Stämme zu umarmen. Die Bäume stehen ziemlich weit voneinander entfernt. Dazwischen wachsen uralte Birken, deren weißgraue Rinde so stark von Flechten überwuchert ist, dass man, bedingt durch die jahreszeitlich fehlenden Blätter, genau hinschauen muss, um sie überhaupt als solche zu erkennen. Ein orkanartiger Wind bläst durch den Bergkamm. Schneereste am sonnenarmen Nordhang lassen erkennen, dass es Winter ist. Fotografisch ist es aber zu wenig um daraus jahreszeitliche Impressionen zu fotografieren. Im Gegenteil, diese weißen Flecken wirken eher störend. Ich male mir aus wie es hier wäre, wenn Neuschnee den Boden bedeckt und der Wind die weiße Pracht noch nicht von den Wipfeln geblasen hat. Oder die Kamera aufs Stativ zu bauen, wenn der Indian Summer die Blätter der Birken im goldenen Kleid erstrahlen lässt. Dazwischen die riesigen Kiefern, die sich in den blauen Herbsthimmel erstrecken. Also wir sind eindeutig zur falschen Zeit in diesem Hochtal, zumindest was die Fotografie betrifft. Mehr Glück haben wir auf der anderen Seite des Gebirges. Durch die Spelunca Schlucht laufen wir durch immergrüne Macchia, deren vielfältige Pflanzenwelt so reichhaltig ist, dass ich mich fast wie in einem gemäßigten Regenwald fühle. Die dicken Wolkenberge die sich zwischen den weit über uns befindenen Gipfeln hängen, wirken wie ein Weichzeichner und lassen das Grün der Büsche, Bäume und Moose intensiv leuchten. Wir folgen einem uralten Pfad durch die Schlucht bis zu der Stelle an der sich die beiden Wildbäche Aitone und Tavulella vereinigen. Hier hat eine der schönsten Zeugnisse menschlicher Baukunst die Jahrhunderte überstanden.

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Die für Fußgänger gebaute Bogenbrücke „Zaglia“ stammt aus der Zeit der Herrschaft Genuas über Korsika und fügt sich reizend in den wilden Charakter der Landschaft ein. Während es oben im Gebirge, verstärkt durch die starken Winde, sehr kalt ist, laufen wir hier unten, tausend Meter tiefer, mit zwei Lagen weniger Kleidung durch die Gegend. Egal wie die äußerlichen Bedingungen auch sind, die vielfältige Natur der Insel begeistert zu jeder Jahreszeit.

Gedanken zum Jahreswechsel 01.01.2010

Seit meinem letzten Blogeintrag sind einige Wochen vergangen. Auf diesem Wege möchte ich Allen, die so freundlich sind meine Texte hier auf wildview.de zu lesen, ein gesundes, erfülltes und friedliches neues Jahr wünschen. Bevor ich wieder über meine fotografischen Erlebnisse berichte, möchte ich eine kleine Brücke zu meinem letzen Eintrag aus Kopenhagen bauen, um diese Ereignisse, die ja meine Arbeit maßgeblich prägen, nicht unkommentiert zu lassen.

Nachwort  052

Die Hoffnung, dass sich die auf der Klimakonferenz versammelten Repräsentanten der Menschheit auf eine vernünftige zukunftweisende Lebensformel haben einigen können hat sich nicht erfüllt. Im Gegenteil, kurzsichtiger und egoistischer hätte das Mammuttreffen nicht scheitern können. Zum Einen wollten sich die Vertreter der ärmeren Länder nicht ein weiteres Mal von den Industrienationen übervorteilt fühlen, was ich sehr gut verstehen kann. Zum Anderen hatten die Vertreter der wahren „Global Player“, wie z.B. die Energiekonzerne, ihre Leute an den richtigen Stellen platziert. So blieb auch ein so mächtiger Mann wie Amerikas Präsident Obama blass und tatenlos. Ganz zu schweigen vom Unwillen chinesischer Vertreter, die sich ihren Aufschwung zur wirtschaftlichen Weltherrschaft nicht ausbremsen lassen wollen. Solange jeder das Riesenreich China als Billigfabrik missbraucht, von wo aus die restliche Welt mit allem möglichen und unmöglichem Ramsch versorgt wird, sind auch die halbwegs empörten Aufschreie vereinzelter Politiker über die uneinsichtigen Chinesen nur purer Zynismus. Würden wir den ganzen Mist den wir mit einem „Made in China“ Label kaufen auch selber produzieren, wäre unsere Ökobilanz noch viel verheerender als sie sowieso schon ist. Zumindest wäre sie dann ehrlicher und würde zeigen, dass nicht der durchschnittliche Chinese mit seinem Lebensstil den Planeten kaputtmacht, sondern wir so „umweltbewussten“ Westler. Da die Hoffnung bekanntlich zuletzt stirbt, sollten wir den Kopf nun nicht in den Sand stecken. Doch viel Zeit bleibt uns nicht. Denn der Spielraum zu handeln wird immer kleiner. Ich bin überzeugt, das wir vieles von dem was heute auf dem Planeten existiert schon in naher Zukunft starken Veränderungen unterzogen sein wird.

Nachwort  053

Wir haben schon Abläufe in Gang gebracht die nicht mehr rückgängig gemacht werden können. Allenfalls abgemildert. Ob es in Zukunft noch Korallenriffe und Gletschergebiete auf der Erde geben wird, die uns Menschen mit Nahrung und Trinkwasser versorgen, muss schon heute stark bezweifelt werden. Trotzdem müssen wir retten was zu retten ist, denn wir sind eine Spezies, die sich nach wie vor fleißig reproduziert und sogar vermehrt. Im Namen derer die nach uns kommen, gilt es heute zu handeln. So einfach ist das. Lasst uns endlich aus unserem konsumvernebelten Wachkoma erwachen und den Weg in die nachhaltige Gesellschaftsform antreten.

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