Wildview

Abenteuer Natur(schutz)fotografie

Mondsüchtig 05.01.2010

Das Gebirge um den „Bavella Pass“ gilt wegen seiner bizarren Gesteinsformationen, die zum Teil wie Nadeln in den Himmel ragen, als schönster Bergzug der Insel. Da es auch hier Vorkommen alter Laricio Kiefern gibt haben wir uns diese Region im südlichen Korsika als zweiten Arbeitsschwerpunkt ausgesucht. Ausgangspunkt ist das kleine Dörfchen Zonza, das auf siebenhundert Meter gelegen seinen ursprünglichen Charme bewahrt hat. Es gibt einen kleinen Bäcker, zwei bis drei Kaufläden in denen lokale Produkte angeboten werden und das eine oder andere Cafe, welche jahreszeitlich bedingt geschlossen haben. Nachdem wir unsere Bleibe wegen eines Regensturmes fast achtundvierzig Stunden nicht verlassen konnten, stelle ich morgens um sechs erfreut fest, dass sich die Wolken weitestgehenst verzogen haben und die Sterne am Himmel blinken. Wir erreichen die Passhöhe eine halbe Stunde vor Sonnenaufgang. Es ist bitterkalt. An vielen Stellen ist der Boden mit einer dicken Eisschicht überzogen. Jeder Schritt muss wohlüberlegt sein, sonst landet man schneller auf dem Hosenboden als einem lieb sein kann. Besonders mit einer Kamera in der Hand kann dies sehr unschöne Folgen haben. Die folgenden Minuten bis zum Sonnenaufgang und darüber hinaus sind einfach traumhaft.

Korsika  046

Das erste Dämmerlicht des Tages taucht die Szenerie in magisches Licht. Himmel, Berge, Bäume, Schneefelder – durch die geringe Lichtmenge sind alle Elemente innerhalb desselben Kontrastumfanges. Ich bewege mich so schnell es geht zwischen den Jahrhunderte alten Bäumen auf der Passhöhe hin und her um in der kurzen Zeit die mir bleibt, möglichst viele Motive zu erkennen und auch als Foto umzusetzen.

Korsika  047

Kurz vor Sonnenaufgang ist an diesem Morgen der schönste Moment, als sich die Wolken rosa einfärben und die Landschaft mit einer zarten Farbschicht überziehen. Nach diesem erfolgreichen Morgen schmeckt das Croissant vom Bäcker besonders gut. Der kommende Tag verspricht abermals einen freien Wolkenhimmel. Dieses Mal klingelt der Wecker zwei Stunden früher. Während des Regensturms war Vollmond, weshalb wir beschlossen haben, die verbliebene Kraft dieser Lichtquelle für unsere Arbeit zu nutzen. Das Ergebnis hat mich sehr positiv überrascht. Dieses Mal laufen wir von der Passhöhe den Wanderweg aufwärts zum nächsten Gipfel. Doch weit kommen wir nicht.

Korsika  048

Die skurrilen Formen der Bäume lassen mich ständig innehalten und das Stativ positionieren. Es ist noch mitten in der Nacht und doch brauchen wir keine künstliche Beleuchtung, um uns zu orientieren. Glücklicherweise ist es fast windstill, so dass die Kälte einigermaßen zu ertragen ist. Elly tut mir ein wenig leid. Da sie ja keine Fotos macht, ist sie nicht mit adrenalisierender und somit wärmender Tätigkeit beschäftigt. Immer wieder sehe ich sie, wie sie sich mit gymnastikähnlichen Bewegungen warm hält. Mit Belichtungszeiten von bis zu zwanzig Sekunden wird das Foto soweit ausgeleuchtet, dass man eigentlich nur am strahlenden Sternenhimmel erkennt, dass es sich hier um eine Nachtaufnahme handelt. Ich bin begeistert.

Korsika  049

Mit dem ersten Morgenrot verändert sich die Situation im Minutentakt, wodurch ich mal wieder eine Menge über spannendes Licht lerne. Zwei großartige Sonnenaufgänge entschädigen für die ansonsten recht schwierigen Bedingungen. Korsika ist ein Paradies für Fotografen und wir haben schon viele Bildideen die wir für unser Waldprojekt zu anderen Jahreszeiten umsetzen können. Wir werden die Insel wiedersehen.

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