Wildview

Abenteuer Natur(schutz)fotografie

Archiv: Donnerstag, 21. Januar 2010

Saukalt 21.01.2010

Vergangenes Jahr bin ich in einer einwöchigen Pause meiner damals laufenden Vortragstournee Anfang Februar nach Polen gefahren. An der ostpolnischen Grenze zum Nachbarn Weißrussland befindet sich im Bialowieza Nationalpark einer der letzten Flachland Urwälder Mitteleuropas. Hauptattraktion ist neben den alten Bäumen das in der Region lebende Wisent. Es ist das europäische Pendant des amerikanischen Büffels und war im Jahr 1921 praktisch ausgerottet. Nur 54 Wisente haben zu diesem Zeitpunkt in zoologischen Gärten überlebt. Sie bildeten den Grundstock für eine erfolgreiche Nachzucht. In den 50er Jahren wurden die ersten Tiere in die Bialowiezer Heide ausgewildert. Heute gibt es eine recht stabile Population von ca. 450 Exemplaren dieser Wildrinder. Sie erhalten das Erbe ihrer einst in den weitläufigen Urwäldern Europas lebenden Vorfahren aufrecht. Damals bin ich sieben Tage durch Wälder gestreift, habe mich im Tarnzelt verkrochen und Schneestürmen getrotzt. Ich war mit der Bildauswahl recht zufrieden, wohl wissend, dass ich ja dieses Jahr nochmals herkomme und es mit den gemachten Erfahrungen noch besser machen kann. Tja, inzwischen bin ich eine halbe Woche mit meinem Greenpeace Kollegen Oliver Salge, selbst ein begeisteter Fotograf, in Ostpolen. Mit jedem Tag der vergeht gefallen mir meine Bilder vom vergangenen Jahr besser und besser. Bisher will einfach nichts gelingen.

Bialowieza

Es ist noch kälter als letztes Jahr, es liegt haufenweise Schnee und wir haben auch schon Wisente entdeckt. Doch sie zu sehen ist eine Sache, gute Fotos zu machen eine Andere. Ich hoffe auf den morgigen Tag. Wir haben eine Herde mit sechzehn Tieren lokalisiert. Am Abend standen sie auf einem freien Feld ohne Zugang zu größeren Waldgebieten, in die sie sich verstecken könnten. Ihre  Fluchtdistanz liegt ungefähr bei hundert Metern. Wir hoffen, dass wir einen von uns mit Hilfe unserer Tarnkleidung etwas näher an die Herde heranbringen können indem der Andere die Aufmerksamkeit auf sich lenkt. Mal schauen ob es besser klappt als in den vergangenen Tagen. Morgen früh um halb sechs klingelt der Wecker. Das Thermometer wird dann minus siebzehn Grad anzeigen. Durch den starken Wind fühlt es sich aber wie minus siebenundzwanzig Grad an. Bisher haben die Kameras trotz Kälte einwandfrei funktioniert. Die größte Schwachstelle werden wieder unsere Hände sein. Dort kriecht die Kälte trotz Handschuhe als erstes die Finger hoch. Zum ersten Mal auf dieser Reise können wir Morgen mit etwas Sonnenlicht rechnen. Ich bin sehr gespannt.

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