Wildview

Abenteuer Natur(schutz)fotografie

Archiv: Mai 2012

Dem Paradies so nahe…. 16.05.2012

Der Besuch bei den Löwenäffchen die in den Schattenbäumen der Kakaoplantage bis heute überlebt haben, gab uns einen ersten Eindruck vom Charakter des Atlantischen Küstenregenwaldes. Jetzt galt es diesen Tropenwald in seiner Urform zu dokumentieren.

Dafür befinden wir uns nun weiter südlich im Bundesstaat Paraná. Noch Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts war dieser Teil Brasiliens fast vollständig mit Urwald bedeckt. In einem Zeitraum von sechzig Jahren hat der Mensch diesen Wald praktisch komplett vernichtet und in Agrarland oder Sekundärwald verwandelt. Heute leben etwa 2/3 der brasilianischen Bevölkerung im ehemaligen Gebiet der “Mata Atlântica”. Hier im Süden fällt die Hochfläche des Landesinneren von fast 1000 Meter in Form des Küstengebirges bis auf Meereshöhe ab.  Die Artenvielfalt ist auch heute noch eine der höchsten der Welt, obwohl nur noch unzusammenhängende Reste des einst so großen Urwaldes existieren. In den Bergen die sich über der Bucht von Paranaguá unweit der Hauptstadt Curitiba erheben, sind noch beachtliche Waldstücke in gutem Zustand vorhanden. Unsere erste Erkundung führt uns auf dem “Camino do Itupava” auf einer Länge von zwanzig Kilometern durch diesen Lebensraum. Der alte Jesuitenpfad war die erste Verbindung zwischen der Küstenregion und dem höher gelegenen Inneren dieses riesigen Landes. Heute sind die Ausläufer der Großstadt Curitiba bis fast an den Startpunkt des Pfades herangerückt. Es dauert einige Zeit bis wir in die Ruhe und Unberührtheit eintauchen können. Als uns der gepflasterte Pfad steil nach unten führt, wandern wir durch eine Vielfalt an Pflanzen die uns voll in ihren Bann zieht. Durch die hohen Niederschläge existiert hier eine extrem dichte Vegetation. Unter den großen Bäumen, die eine geschlossene grüne Decke bilden, existiert ein immerfeuchtes und schattiges Mikroklima. Auf mehreren Schichten wachsen hier die unterschiedlichsten Pflanzen. Alles ist mit Moosen überzogen. Lianen verbinden die verschiedenen Höhen und bieten neben den Bäumen Lebensraum für Epiphyten.

Am häufigsten sehen wir Bromelien, die wohl auffälligsten aller Aufsitzerpflanzen. An den unmöglichsten Orten haben sie sich mit ihren Wurzeln festgekrallt. Besonders wenn sie ihre rot-gelben Blüten ausbilden, setzen sie einen leuchtenden Kontrast zum dominanten Grün des Waldes. Aber auch Orchideen sind prominente Epiphyten.  Wenn sie nicht in Blüte stehen, werden sie von mir recht oft übersehen. Luis geschultes Biologenauge erkennt da schon viel mehr und weiß mich in so manches Geheimnis dieses Ortes einzuweihen. Je näher wir der Küste kommen desto mächtiger scheinen die Bäume zu werden.

Besonders alte Würgefeigen können mächtige Brettwurzeln ausbilden die alle anderen Baumarten recht schmächtig erscheinen lassen. An solchen Bäumen verweilen wir immer recht lange, denn sie bieten eine Vielzahl an Motiven. Während den Tagen in der “Mata Atlantica” bekomme ich auch dreimal Schlangen zu sehen, was mir im Amazonas nicht vergönnt war. Die Tiere wollen in erster Linie in Ruhe gelassen werden und verschwinden jedes Mal recht schnell zwischen dem Gestrüpp. Nur einmal gelingt mir ein Schnappschuss auf eines dieser von uns Menschen so gefürchteten Geschöpfe. Luis schätzt die Schlange als hochgiftige Lanzenotter ein, was mir einen gehörigen Schrecken einjagt. Bin ich kurz zuvor doch fast auf das Tier drauf getreten. Erst später als wir das Foto anderen Biologen zeigen erfahren wir das es eine ungiftige Art ist, die aber der Lanzenotter sehr ähnlich sieht. Immer wieder zischen Kolibris an uns vorbei. Die kleinen Vögel sind so schnell das man sie, wenn sie rumfliegen, kaum wahrnehmen kann. Durch ihre hohe Herzfrequenz müssen sie ständig Energie tanken. Wenn sie dann für wenige Sekunden ihre langen spitzen Schnäbel in Blüten tauchen und dabei bewegungslos in der Luft hängen, besteht die beste Chance sie zu beobachten.

Der Flügelschlag ist dabei so schnell das er nur mit dem Blitzlicht eingefangen uns sichtbar gemacht werden kann. Erst in der Dunkelheit und nach mehr als zwanzig Kilometer Fussmarsch kommen wir völlig erschöpft an unserem Nachtlager an. Die schwere Fotoausrüstung fordert ihren Tribut und so bin ich froh das am kommenden Tag eine Bootstour auf dem Programm steht, die auch mit müden Gliedern zu meistern ist.

 

Es herrscht immer noch tiefe Dunkelheit als wir mit dem kleinen Motorboot durch das Gewirr von Wasserstraßen fahren. Wir wollen zum Sonnenaufgang draußen in der Bucht sein um das bewaldete Küstengebirge vom Wasser aus fotografieren zu können. Mit dem ersten Morgengrau sehen wir die Silhouetten einzelner Berge rechts und links vor uns über den Morgennebel ragen. In der Nacht hat es stark geregnet und noch immer entlädt sich die eine oder andere Wolke in leichten Schauern. Trotzdem haben wir uns entschlossen die Tour anzutreten. Vereinzelte Wolkenlücken mit durchblitzenden Sternen lassen einen Wetterwechsel möglich erscheinen. Sollten sich die Wolken zum Sonnenaufgang hin auflösen, wären tolle Lichtstimmungen durchaus realistisch. Mit dem ersten Tageslicht offenbart sich die ganze Schönheit dieser Landschaft aus Wasser, Wald und Gebirge. Die dem Festland vorgelagerten Mangroven sind in diesem Teil der Bucht völlig intakt. Mangroven sind eine ganz speziell angepasste Baumspezies. Sie sind Salzpflanzen die im Gezeitenbereich tropischer Küstenregionen ihren Lebensraum haben. Sie bilden Stelzwurzeln aus die bei Ebbe gut sichtbar aus dem Wasser ragen. Wir lenken unser kleines Boot an eine Stelle an der wir direkt auf die “Serra do Itaqui” blicken, einem Teil des Küstengebirges das unter Naturschutz steht und dessen Hänge noch komplett mit Urwald bewachsen ist.

Es wird tatsächlich einer jener besonderen Morgenstimmungen, die meinen Beruf immer wieder so magisch machen. Mit dem durchbrechen des Sonnenlichts sehen wir das Land vor uns in eine Vielfalt an Farben tauchen und die noch verbliebenen dunklen Wolken werden mit einem Regenbogen geschmückt. Wir staunen über große Eisvögel die durch die Mangroven jagen. Über unseren Köpfen fliegen dutzende Papageien auf ihrem morgendlichen Weg zur Nahrungsbeschaffung. Auf den Ästen der höheren Bäume hocken Kormorane mit ausgebreiteten Flügeln um diese mit den wärmenden Strahlen der Morgensonne zu trocknen. In Gedanken stelle ich mir vor, das ungefähr so das Paradies aussehen muss. Alles scheint perfekt, selbst die vereinzelten Fischerboote passen ins Bild, da es sich hier nicht um industrielle Ausbeutung handelt. Wir lenken das Boot zwischen die Mangroven. Es herrscht Windstille, so dass das Gebirge mir dem Gezeitenwald im Vordergrund ein perfektes Spiegelbild abbildet.

Neben Korallenriffen und den tropischen Regenwäldern zählen Mangroven zu den produktivsten Ökosystemen der Erde. In den Kronen des Mangrovenwaldes leben Reptilien und Säugetiere. Viele Wasservögel nutzen das reiche Nahrungsangebot und nisten in den Baumkronen, was auf unserer Tour unschwer zu erkennen ist. Das dichte Wurzelwerk der Mangroven bietet einer großen Zahl von Organismen auf engem Raum eine hohe Zahl kleinster Habitate. Die Wurzeln ermöglichen vielen Fischen, Muscheln und Krabben einen sicheren Lebensraum und den Larven und Jungtieren vieler Arten beste Bedingungen. Auf den hölzernen Wurzeln der Bäume finden Schnecken, Algen, Austern, Seepocken und Schwämme ihr Zuhause. Es ist ein lebendiger Naturraum, der ebenso wie viele andere Ökosysteme durch die Unvernunft des Menschen zu verschwinden droht.  Mangrovenwälder sind in vielen Teilen der Welt vor allem durch die Anlage und Ausweitung von intensiv bewirtschafteten Garnelenzuchten gefährdet.  Außerdem sind Verschmutzung durch Öl, aber auch Trockenlegungen im Zuge des Siedlungsausbaus im Küstenbereich Gefährdungen dieses empfindlichen Habitats. Die Erträge der Küstenfischerei gehen dort drastisch zurück, wo die Mangrovenwälder großflächig abgeholzt wurden. Eine Wiederaufforstung wird in manchen Teilen der Welt probiert, ist in den allermeisten Fällen aber extrem schwierig. All das ist bekannt – trotzdem hält die Zerstörung von Mangrovengebieten unvermindert an. Der Verlust der letzten 20 Jahre beläuft sich auf 25 % der im Jahre 1980 vorhandenen Fläche. Dabei bieten diese Wälder auch Schutz gegen Küstenerosion. Gerade auch die große Tsunamikatastrophe in Asien vor einigen Jahren hat gezeigt wie intakte Mangroven die Gewalt des Wassers auf Siedlungen an der Küste reduzieren können.

 

In der Bucht von Paranaguá sind zumindest in dem Teil wo wir uns aufhalten die Kreisläufe intakt. Doch die der Region ihren Namen gebende Stadt Paranaguá hat 150.000 Einwohner. Hier befindet sich Brasiliens wichtigster Exporthafen für das im Land erzeugte Soja. Wie so oft liegen auch hier Himmel und Hölle sehr eng beieinander.

Spurensuche 10.05.2012

Wer sich mit Tropenwald in Brasilen beschäftigt denkt wohl in der Regel zuerst an Amazonien, den größten Regenwald der Erde. Dabei gibt es mit der “Mata Atlantica” ein Wald Ökosystem welches in vielerlei Hinsicht mit dem Amazonas Biom mithalten kann. Die “Mata Atlantica” ist eine in der Welt einzigartige Vegetationsformation in Hinsicht auf biologische Vielfalt und landschaftliche Schönheit. In der Vergangenheit erstreckte sich der Küstenregenwald über 15% des brasilianischen Territoriums mit etwa 1,3 Millionen qkm.  Dieser Lebensraum stellt eines der komplexesten Ökosysteme des Planeten dar und gilt als eines der am stärksten bedrohten Gebiete überhaupt. Auch mir war neu, das der atlantische Küstenregenwald unter allen Wäldern der Erde über die höchste Vielfalt an Biodiversität verfügt, und somit auch Artenreicher als der Amazonas ist. Man geht von mehr als 10.000 Pflanzenarten, etwa 620 Vogelarten, und 261 Säugetierarten aus. Doch dieser Zauberwald ist bis heute zu über 90 % vernichtet oder in Sekundärwald verwandelt worden. Die  Entwicklung lässt sich durchaus mit unseren Wäldern vergleichen – es kamen Menschen die das Land besiedelt haben. Ein Großteil der Millionenstädte befinden sich heute dort wo sich einst Affen in den Baumwipfeln die Felle lausten. Meinem Reisepartner Luis habe ich auf diesem Trip schon viel zu verdanken. Sein wunderbares Organisationstalent hat die Tour bisher so erfolgreich gemacht. Es sollte noch besser werden, denn hier in der “Mata Atlantica” ist praktisch sein zweites Zuhause. Luis hat hier fünf Jahre gelebt und als Biologe in den Wäldern Spinnen erforscht. Seine Kenntnis der Region und seine unzähligen Kontakte sollten uns auch in den kommenden Tagen unzählige Türen öffnen. Unser erstes Ziel ist das kleine Städtchen Ilheus im Bundesstaat Bahia. In dieser Region wird Kakao produziert, was deutlich zu riechen ist, wenn man an den Fabriken vorbeifährt. Wir besuchen hier eine Kakaofarm etwa 20 km im Landesinneren.Die Fazenda trägt den schönen Namen “Almada” und hat eine Größe von ungefähr 500 Hektar. Elf Familien leben auf dem Gelände und arbeiten in der Plantage.

Der Alltag von Millionen Kakaobauern ist extrem schwierig geworden, seitdem die Preise auf dem Weltmarkt zusammengebrochen sind. Außerdem gefährdet seid einigen Jahren eine mysteriöse Pilzkrankheit die Ernte. Es sind harte Zeiten, was die Chefin der Farm dazu veranlasst über neue Strategien zum Erhalt des Unternehmens nachzudenken. Auf der noch recht jungen Juliana Torres lastet ein schweres Erbe. Seid sechs Generationen befindet sich die Farm im Besitz ihrer Familie und gute Ideen sind vonnöten. Ein Ansatz könnte der Ökotourismus sein, denn die Plantage hat einige Juwelen zu bieten. Als wir das Herrenhaus betreten, öffnet sich für uns ein Tor in eine andere Welt. Als wäre die Zeit stehen geblieben, fühlen wir uns um hundert Jahre zurückversetzt.

Liebevoll bis ins kleinste Detail ist hier alles erhalten was das Leben in früheren Tagen geprägt hat. Von der Veranda blicken wir auf einen schönen Garten und im Hintergrund beginnt die Plantage die einem alten Wald zumindest optisch sehr nahe kommt.

Hier gibt es zwar keinen Urwald mehr, doch die großen alten Bäume vom ursprünglichen Wald wurden als Schattenbäume stehen gelassen. Dadurch können die am Boden wachsenden, nur wenige Meter hohen Kakaostauden in deren kühlendem Schatten gut gedeien. Dieser Tatsache ist es zu verdanken das sich hier eine Kolonie der vom Aussterben bedrohten Goldkopf-Löwenäffchen hat erhalten können.

Sie sind eine Symbol für den immer weiter voranschreitenden Lebensraum Verlust unter dem in der “Mata Atlantica” viele Arten zu leiden haben. Es gibt in Brasilien vier verschiedene Gattungen von Löwenäffchen. Biologen gehen davon aus das schon in wenigen Jahren Zwei davon verschwunden sein werden. Dies versucht man hier zu verhindern indem die Tiere beobachtet werden um mehr über ihre Bedürfnisse und Lebensgewohnheiten zu erfahren. Frau Torres arbeitet in dieser Sache mit einer Umweltorganisation zusammen die das Monitoring der Äffchen finanziert und durchführt. Die Affen leben in zwei Gruppen mit um die sieben Familienmitgliedern. Jeweils zwei Tiere wurden mit einem Sender versehen, der es den Biologen ermöglicht die Tiere in den Wipfeln der Bäume zu orten.

Für drei Tage begleiten wir die Äffchen im Wald und bekommen Einblicke in ihren Alltag. Fotografisch ist diese Aufgabe nicht einfach zu lösen. Zumeist befinden sich die Tiere weit außerhalb der Reichweite unserer Kameras. Doch zumindest einmal am Tag kommen sie auf Ihrer Suche nach Nahrung auch in tiefer gelegene Bereiche des Waldes. Diese Minuten sind für uns entscheidend. Es ist erstaunlich wie schnell sich die Tiere bewegen und mit einer Leichtigkeit von Baum zu Baum springen. Innerhalb der Gruppe herrscht ein ausgeprägtes Sozialverhalten. Oft beobachten wir sie bei der gegenseitige Fellpflege und sehen wie sie sich die Nahrung teilen. In manchen Augenblicken sind sie nur wenige Meter von uns entfernt und schauen mit ihren kleinen Gesichtern auf uns herab. Fühlen sie sich belästigt, geben sie schrille Laute von sich die eher an einen Vogel als an einen Affen erinnern.

Löwenäffchen sind Allesfresser, die sowohl Insekten, Spinnen, Schnecken, Vogeleier und kleine Wirbeltiere als auch Früchte zu sich nehmen. Es macht Spaß ihnen bei ihren Abläufen zuzuschauen. Daraus ein vernünftiges Foto zu erstellen ist harte Arbeit unter der besonders das Kreuz zu leiden hat – fällt der Blick doch meist nach Oben. Wie schön wäre es wenn die “Almada” Farm ein Vorbild werden könnte, die die Belange der Natur und der Menschen am selben Ort vereint.

Ich bin überzeugt davon das in vielen Fällen die Bedürfnisse der Menschen mit wenig Aufwand viel besser in Einklang mit unserer Umwelt gebracht werden könnten, wenn wir es nur wollten. Doch zumeist ist es eine Eigenart die unsere Art zu prägen scheint und die dies verhindert, nämlich unsere Gier. Ein markantes Beispiel dieser Unvernunft begleitet Luis und mich Thematisch dieser Tage auf unserer Reise durch Brasilien. Die geplante Umsetzung eines neues Waldgesetzes. Vordergründig erzählt man, damit Millionen Kleinbauern aus der Illegalität führen zu wollen, indem man nachträglich Rodungen legalisiert. Doch letztlich ist dieses Gesetz ein Machwerk der Agrarlobby aus Sojabauern und Rinderzüchtern die damit ihre eh schon unglaublich starke Macht auszubauen wollen. Tritt es in Kraft, dürfen auch steile Hänge gerodet werden und der Schutzabstand zu Flüssen würde massiv verringert. Umweltschützer auf der ganzen Welt sind sich einig, das dieses Gesetz das langfristige Aus des Amazonas bedeuten würde. Eine Lawine die nicht mehr zu stoppen sein wird. Fast 80% der Brasilianer sind gegen dieses Verbrechen, doch der Senat hat es schon verabschiedet. Die Macht der Barone reicht bis in hohe Regierungskreise. So sind in vielen Fällen die größten Umweltzerstörer diejenigen die ihre eigenen Gesetze schreiben. Mit dem großen Geld kann man sich fast jedes politische Amt erkaufen. Der Gouverneur des Bundesstaates Mato Grosso z.B. ist mit Landraub reich geworden und sitzt heute an den Hebeln der Macht.

Nur noch die Präsidentin Dilma kann dieses Gesetz mit einem Veto zumindest aufschieben. Demnächst findet in Brasilien die wichtige Umweltkonferenz “Rio +20″ statt. Es ist die Hoffnung vieler Menschen mit Verstand, das die Präsidentin im Zuge dieses Welttreffens dieses Gesetz nicht verabschieden lässt um ihr Gesicht zu wahren. Viele haben aber auch Angst, das sich die Umsetzung nach der Konferenz nicht mehr verhindern lässt. Ich hoffe jeden Tag darauf, das dieses für Brasilien und die ganze Welt so ungeheure Verbrechen ausbleibt. Wir brauchen die wenigen noch verbliebenen Urwälder für die Zukunft unser Kinder. Ich werde richtig wütend wenn ich darüber nachdenke, was hier und in anderen Teilen der Welt, aus ähnlichen Gründen, tagtäglich geschieht.

 

Wer Lust auf eine Reise zu den Löwenäffchen hat und sich im Herrenhaus fürstlich verwöhnen lassen will, findet Informationen im Internet unter: “www.fazendaalmada.com.br”.

Juliana Torres und ihre Familie heißt jeden herzlich Willkommen.

Magische Orte 04.05.2012

Die gefährdetste Ökoregion in Brasilien ist nicht etwa der tropische Regenwald, sondern die Savanne. Diese offenere Landschaftsform war für die ersten Siedler die das heutige Brasilien formten leichter zugänglich als die dichten Wälder des Amazonas. Wir sind im Bundesstaat “Mato Grosso de Sul” in Zentralbrasilien. Die Region ist so groß wie Deutschland. Die Hauptstadt heißt “Campo Grande”, was soviel wie “großes Feld” bedeutet. Ein wirklich treffender Name, denn als wir mit einem gemieteten Auto die Stadt verlassen müssen wir den für uns gängigen Masstab von bewirtschafteten Feldern nach oben korrigieren. Rechts und links der Straße ziehen sich Maisfelder bin zum Horizont, und unzählige Zebu Rinder grasen auf den Weiden. Bis zu jenem Tag, an dem sie auserkoren werden den stetig steigenden Hunger der Menschheit nach Fleisch stillen zu helfen.

Die Zahlen die ich vernommen habe schwanken zwischen 16 und 27 Millionen Rindern allein hier in “Matto Grosso de Sul”. Nach der Fülle an unberührter Natur im intakten Teil Amazoniens muss ich mich erst wieder an diese Art der Realität gewöhnen. Eigentlich ist es hier wie bei uns zu Hause – kultiviertes Land allerorten. Natur hat Inselcharakter. Trotzdem gibt es einen markanten Unterschied. Es Leben nur etwas zwei Millionen Menschen in diesem Bundesstaat. Bei soviel Fläche und so wenig Einwohnern sollte man eigentlich erwarten, dass für Alle genug zum ordentlichen Leben vorhanden ist. Weit gefehlt. Die Welt ist nicht fair. Dies lässt sich auch hier sehr leicht erkennen. Noch viele Kilometer außerhalb von “Campo Grande” sehen wir unzählige Baracken die sich am Straßenrand aufreihen. Aus Wellblech, Holzresten und Plastikplanen notdürftig zusammengezimmert, fristen hier die “Sem Terra” (Landlosen) ein menschenunwürdiges Dasein. Sie sind – wie die Favela Bewohner der Grossstädte (Elendsviertel), die Verlierer der aufstrebenden brasilianischen Konsumgesellschaft. Die Menschen wurden zumeist von ihrem angestammten aber nicht verbrieften Land von Rinderbaronen vertrieben. Deren Grund übersteigt nicht selten die Größe unserer heimischen Landkreise. Eine krasse ungleiche Verteilung von Wohlstand und Landbesitz, die zwangsläufig zu grossen sozialen Problemen und Spannungen führt und in ganz Brasilien bis heute ungeklärt ist.

 

Unser Ziel ist die kleine Stadt “Bonito” die sich selbst als Hauptstadt des Ökotourismus preist. Zumindest in Ansätzen wird hier bewiesen, das man mit Naturschätzen auch schonend umgehen kann. Das hier vorherrschende natürliche Landschaftsbild ist die “Cerrado” eine Baumsavanne. Diese wird ergänzt durch dichte saisonal laubabwerfenden Wälder. Trotz der intensiven Landnutzung sehen wir immer wieder Korridore der natürlichen Vegetation. Diese sorgen auch heute noch für eine Fülle an Artenvielfalt. Besonders die Vogelwelt ist hier in reichlichen Farbtönen vertreten.

Angetan haben es uns die Tukane die mit ihren riesigen gelben Schnäbeln recht leicht im Gewirr der Zweige auszumachen sind. Für unser Fotoprojekt von besonderem Interesse sind zwei kleine Naturwunder die von “Bonito” aus touristisch vermarktet werden. Als wir in Amazonien die Aras über uns wegfliegen sahen freuten wir uns zwar über deren Anblick, so richtig in Fotoposition haben wir sie aber nicht bekommen. Etwa fünfzig Kilometer außerhalb von “Bonito” sorgt ein Zufall in der Geologie dafür, das wir diese wunderschönen Vögel doch noch fotogen vor die Linse bekommen.

Die Aras fühlen sich im Tropenwald genauso wohl wie in der Savanne. Hier ist eine riesige Doline entstanden – ein über hundert Meter tiefes Loch im Sandstein. Unterirdische Wasserströme haben im tiefer gelegenen Kalkstein, im Laufe von Millionen Jahren, das Material erodiert und Höhlensysteme geschaffen. Diese sind dann irgendwann durch die Last des darüber liegenden Sandsteins eingestürzt. Um die Doline herum sind einige Hektar natürliche Vegetation erhalten. Somit ist der Besitzer des Landes in der glücklichen Situation hier ein privates Naturschutzgebiet zu etablieren, das nicht nur vom Staat unterstützt wird, sondern durch zahlende Besucher auch noch reichlich Gewinn abwirft.

In den rostroten Sandstein Klippen der Doline nisten Dutzende farbenprächtige rote Aras, die den Einsturzkrater mit lauten Gekreische und allerlei waghalsigen Flugmanövern erfüllen. Bis zu vierzig Brutpaare haben hier ihre Heimat. Die Vögel suchen sich einen Partner mit dem sie dann in der Regel den Rest ihres bis zu sechzig Jahre langen Lebens verbringen. Besonders imposant sind die Massenstarts die den Himmel mit rotblauen Farbtupfern sprenkeln. Dies ist einer jener Orte der sich in meinem Gedächtnis in der Kategorie “magisch” ein Plätzlein sichern und unvergessen bleiben wird.

Doch es sollte noch spektakulärer werden.

 

Bisher haben wir in Brasilien zwei Arten von Flüssen kennen gelernt. Das Schwarzwasser wie im Rio Negro und das helle Weißwasser des Amazonas. Nun wollen wir einen Klarwasser Fluss erkunden. Das Quellgebiet des “Rio de Prata” (Silberfluss) ist umgeben von einem Rest uralten Galeriewaldes mit mächtigen Lianen und dicken Wurzeln. Hier gibt es einen Quelltopf an dem durch Kalkstein gepresstes Grundwasser an die Oberfläche dringt. Der karstige Untergrund filtert das Wasser wodurch es absolut kristallklar wird. Jetzt kommt zum ersten Mal mein Unterwassergehäuse zum Einsatz, welches ich mir extra für die Umsetzung von “Naturwunder Erde” gekauft habe. Hier im flachen Gewässer kann ich wunderbar üben mit den Funktionen des Teiles klarzukommen. Nachdem wir von unserem Guide eingewiesen wurden wie wir uns zu verhalten haben schnorcheln wir los. Wichtig ist das wir mit unseren Füßen den sandigen Grund des Flusses nicht berühren um durch aufwirbelnde Sedimente das Wasser nicht zu verunreinigen.

Schon der erste Blick mit der Taucherbrille unter das Wasser ist spektakulär. Alles ist glasklar sichtbar. Es ist als Blicke man in ein riesiges Aquarium. Eben standen wir noch im von Vogelgezwitscher erfüllten, üppig grünen Urwald und plötzlich befinden wir uns in einer stummen aber bunten, türkis-grünen Unterwasserwelt. Im Wasser liegen umgestürzte Baumstämme und Büsche, die unzähligen Fischchen mit ihrem Geäst Schutz vor grösseren Raubfischen bieten. Im offenen Wasser schwimmen Forellengrosse “Piraputingas” mit ihren schwarzorange gestreiften Schwanzflossen. Sie sind die am häufigsten anzutreffende Fischart, zumindest was die größeren Tiere betrifft. Am Grunde wühlen Karpfenähnliche “Curimbatá” im Schlamm nach Nahrung. Immer wieder sehe ich die bis zu einem Meter langen goldgelben “Dourados” in der Stroemung stehen – der größte Raubfisch und Herrscher dieses Habitats. Langsam gleiten wir über leuchtend grüne Wasserpflanzen-Teppiche hinweg die sich mit felsigen und sandigen Untergrund abwechseln. Je nach Sonneneinstrahlung verändert sich die optische Wahrnehmung dieser Welt unter Wasser. An einer Stelle sehen wir einen großen Schwarm “Curimbatas”.

Es muss sich um eine für die Fische angenehme Strömung handeln, denn als wir die Strecke ein weiteres Mal durchschwimmen sind sie ebenfalls hier. Faszinierend wirken auch die fast gänzlich schwarz gefärbten “Pacús”. Sie sind Fruchtfresser und haben eine fast runde abgeflachte Körperform. Mit ihrem Nussknacker-Gebiss können sie dicke Samen öffnen. So sorgen sie dafür das Planzen auch auf dem Wasserweg Verbreitung finden. Irgendwann erreichen wir den eigentlichen Hauptfluss der deutlich kälter ist und durch seine Wassertiefe und die mit geschwemmten Sedimente eine viel geringere Sicht zulässt. Gespenstergleich stehen die Fische hier schon in zwei Metern kaum noch sichtbar im milchigen Wasser. Eine kurze Bootsfahrt im Abendlicht lässt die überhängenden Zweige der großen Bäume in weiches Abendlicht tauchen. Das Boot wird durch einen leise surrenden Elektromotor angetrieben. Kleine Äffchen klettern durchs Geäst und Vögel flattern über uns hinweg. Für einige Augenblicke kann man vergessen, das schon wenige hundert Meter entfernt die endlose Monotonie moderner Agrarwirtschaft das Landschaftsbild prägt.

 

Etwas westlich von Bonito liegt die “Serra de Bodoquena”, eine bergige Region in der ca. 70.000 Hektar Waldland geschützt sind. Wir haben das Glück das der Leiter des Nationalparks sich einen ganzen Tag Zeit für uns nimmt um uns die Gegend zu zeigen. Luis hat sich bei Ihm nach intakten Savannen Landschaften erkundet und er erklärte sich bereit uns diese zu zeigen. Wir fahren in seinem Geländewagen auf holprigen Schotterpisten entlang des westlichen Endes des Waldes. In den Park selbst kann man nicht. Er ist eine reine Wildnis ohne Wege oder touristische Einrichtungen. Wir passieren auch hier viel landwirtschaftlich genutzte Fläche. In dem hügeligen Gelände fällt die Landnutzung aber viel extensiver aus als im flachen Land. Die Landschaft wirkt auf mich sehr Naturnah, obwohl auch hier immer wieder Rinder zwischen den Palmen und Gewächsen der Baumsavanne glotzen. Es wird schon fast Abend als wir eine Abbruchkante erreichen. Hinter uns steigt ein fast voller Mond über die bewaldeten Berghänge, und vor uns blicken wir in eine endlos wirkende Ebene. Auf den ersten Blick erscheint das Land bewaldet. Doch bei genauerem hinsehen erkannt man, dass die Bäume eher klein sind und es sich hier um eine Baumsavanne handelt. Das Land auf welches wir blicken ist indigenes Gebiet.

Zumindest in dem für uns sichtbaren Bereich haben die Indios ihre Heimat im natürlichen Zustand belassen. Es sind nur wenige Minuten die uns zum fotografieren bleiben. Ein knallroter Sonnenball verschwindet über dem Horizont und kurze Zeit später breitet die Nacht ihr schwarzes Tuch über der Welt.

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