Wildview

Abenteuer Natur(schutz)fotografie

Kategorie: Belgien

Blau im Wald 26.04.2010

Der „Hallerbos“ Wald in Belgien hat mit Urwald überhaupt nichts zu tun. Trotzdem darf er in einem fotografischen Projekt über Europas Naturwälder nicht fehlen.

Seine Attraktion sind die Hasenglöckchen, die im Frühling für ein paar Tage den Waldboden in ein Meer aus blauer Farbe verwandeln. Wichtig ist, dass man den richtigen Zeit trifft, denn die Blüte ist recht kurz. Über den Wald selbst gibt es nicht allzu viel zu erzählen. Die Hasenglöckchen stammen aus der Familie der Spargelgewächse und wachsen im „Hallerbos“ auf trockenen Böden in von Buchen dominierten Waldbereichen.

Die feuchteren Gebiete, nahe der kleinen Bäche, sind dem Bärlauch vorenthalten welcher zum Zeitpunkt meines Besuches noch nicht in Blüte stand. Leider hat es in diesem Frühjahr kaum geregnet, was sich in der Menge der Blumen durchaus niederschlägt. Trotzdem ist ein Spaziergang durch den blauen Wald auch in dieser Saison ein großartiges Erlebnis.

Doch auch hier, wie in so vielen anderen Naturschutzgebieten nahe Ballungsräumen, hat man das permanente Fahrgeräusch der Autobahn als ständigen Begleiter. „Hallerbos“ liegt nur wenige Kilometer außerhalb des Molochs Brüssel. Als ich bei der Anfahrt zum Wald nur noch zwölf Kilometer Strecke auf dem Navi hatte, konnte ich gar nicht glauben, dass hier bald solch ein Kleinod überleben konnte – befand ich mich doch immer noch inmitten von Gewerbegebieten und Baustellen. Ich habe, Umleitungen eingerechnet, fast eine Autostunde gebraucht um Brüssel zu umfahren, und man braucht keine zehn Minuten zu Fuß um das Gebiet der Hasenglöckchen zu durchlaufen.

Das ist ein generelles Dilemma. Bestand unser Kontinent früher aus Natur, in der sich der Mensch partiell seinen Lebensraum nutzbar machte, ist es heute umgekehrt. Wilde Natur ist auf Inselgröße geschrumpft, die auf immer kleineren Flächen der Artenvielfalt Heimat geben muss. Allein in Deutschland werden 163 (!) Fußballfelder Flächen verbaut – Tag für Tag. Ständig versiegeln wir massiv Böden und verwandeln fruchtbare Erde in Betonwüsten. Jedes neue Industriegebiet sorgt für zusätzlichen Treibhausgas-Ausstoß und beschleunigt den Klimawandel mit all seinen fatalen Folgen für den Planeten. Und das bei schrumpfenden Geburtenraten – zumindest in Europa. Irgendwas läuft hier massiv verkehrt.

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