Wildview

Abenteuer Natur(schutz)fotografie

Kategorie: Bergfinken Invasion

Invasion 22.02.2010

Ich habe in meiner Zeit als Fotograf schon vielen wunderbaren Naturereignissen beiwohnen dürfen. Nicht selten bin ich dazu um die halbe Welt gereist. Eines der eindrücklichsten geschah dann diesen Winter vor meiner Haustür, im nahen Schwarzwald. Wenn Menschen in Massen auftreten schreckt mich das eigentlich eher ab. (Rockkonzerte und volle Vortragsäle mal ausgenommen.) Große Versammlungen bei Tieren finde ich aber extrem faszinierend. So war jeder der vier Abende an denen ich dem Spektakel beiwohnen konnte, von dem ich hier berichten möchte, ein absolutes Highlight für die Sinne. Wer weiß ob ich in meiner Lebenszeit etwas Ähnliches nochmals erleben werde. Kurz nach vier Uhr am Nachmittag habe ich mich an der Stelle eingefunden, welche ein Schweizer Naturfreund als Schlafstätte von bis zu vier Millionen Bergfinken identifiziert hatte. Ihm waren die riesigen Vogelschwärme aufgefallen die Abend für Abend über sein Haus flogen.

Mehrere Tage ist er ihnen gefolgt, bis er die Stelle entdeckte, an denen sich die unglaublich zahlreichen kleinen Federknäuel zur Nachtruhe niederlassen. Ich habe mir einen Standpunkt ausgesucht von dem man sowohl einen schönen Blick über den Himmel, als auch in die Kronen der alten Fichten und Schwarzerlen hat, auf denen die Tierchen schlafen. Zuerst ist es ein kleiner Schwarm, vielleicht tausend Tiere, die einmal das Hochtal auf- und abfliegen. Kurze Zeit später, fast jeden Abend zur gleichen Zeit, beginnt dann die Invasion. Als hätten sie eine innere Uhr die sie pünktlich zum Feierabend nach Hause bringt. Tagsüber suchen die Vögel in einem Umkreis von bis zu siebzig Kilometern nach Nahrung. Dabei bevorzugen sie Bucheckern. Die Buchen trugen dieses Jahr schwer unter der Last ihrer „Früchte“. Vielleicht war dies auch ein Grund, warum die Vögel so zahlreich in die Region eingefallen waren. Der Himmel ist überdeckt mit kleinen schwarzen Punkten die sich in geordnetem Chaos den Bäumen nähern. Auch wenn man es nicht glauben mag, nie habe ich einen Vogel mit einem anderen zusammenstoßen sehen.

Der Lärm der durchs Tal hallt ist gewaltig. Er wirkt aber nicht unangenehm. Kaum haben sich einige Tausend auf einem Baum zu Ruhe gesetzt, scheint es dem Einem oder Anderen nicht zu gefallen, und der ganze Ort ist nach wenigen Augenblicken wieder leer.

Es dauert ungefähr eine dreiviertel Stunde bis, so scheint es, kein Ast mehr ohne Bewohner ist und die Vögel endgültig verweilen. Besonders auf den grünen Zweigen der Fichten sieht es aus als wäre der Baum mit tausenden Christbaumkugeln geschmückt. Wenn man dann mit der Kamera einen Moment erwischt, in dem gleichzeitig viele Vögel über das Bildfeld fliegen, schaut es aus als würde es schneien.

Ihre Brutgebiete liegen Nördlich der Ostsee in den dortigen Nadel- und Birkenwäldern. Manche sollen aus dem fernen Osten Russlands gekommen sein um hier im Süden den harten Winter zu überstehen. Dass sie sich in diesem Jahr so nahe an meiner Heimatregion versammelt haben, war reine Glücksache. Die meisten von ihnen werden sich wohl wieder auf ihrem langen Rückweg befinden. Für mich ist so ein Erlebnis ein Geschenk, das zeigt, dass der Mensch noch nicht alle Kreisläufe auf diesem Planeten ruiniert hat. Wenngleich diese Aussage nur standhält wenn man in dreißig Jahren immer noch von sporadischen Invasionen von Millionen Bergfinken berichten kann und diese Bilder dann kein Blick in eine längst vergangene Epoche bedeuten.

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