Wildview

Abenteuer Natur(schutz)fotografie

Ozean Teil 4: „Grenzgang“ 05.04.2013

Rechts und links von mir springen David und Richard ins Wasser. Ich prüfe ein letztes Mal ob mein Atmungsgerät funktioniert, führe meine linke Hand zur Maske um sie zu fixieren und lasse mich rücklings vom Bootsrand in den warmen Ozean fallen. Die See ist recht aufgewühlt. Bevor mich die Wellen vom Boot entfernen greife ich nach der Kamera die mir unser Kapitän über den Bordrand reicht. So schnell es mir möglich ist tauche ich unter die Wasseroberfläche ab. Sofort wird es ruhiger. Ich sehe wie sich meine zwei Kameraden immer weiter absacken lassen. Bevor ich es ihnen gleichtue, richte ich die Blitzarme der Kamera aus, schalte alle Geräte ein und orientiere mich.

Wir haben den Hafen heute noch in der Dunkelheit verlassen und sind weit hinaus zum Außenriff gefahren um Zeuge eines außergewöhnlichen Naturschauspiels zu werden. Richard ist Tauchführer und erkundet das Marine Leben bei Palau seid vielen Jahren. Wir freuen uns darauf ihn begleiten zu dürfen.  In ungefähr zwanzig Metern Tiefe erreichen wir die Plattform des Riffs. Es sieht aus wie ein Tafelberg  unter Wasser.  Schon beim Näherkommen kann ich die Bewegungen einer großen Masse sehen welche über der Ebene schwebt und sich in ihrer Form ständig verändert. Kurze Zeit später erkenne ich das es sich dabei um tausende Individuen handelt die sich im Schutze des Schwarmes zusammen gefunden hat. Bis zu zwanzigtausend Exemplare des „roten Schnappers“ haben sich hier kurz vor Vollmond versammelt. Sie treffen sich zum Laichen und das bedeutet wenn wir Glück haben werden wir Zeugen großer Action sein.

Schon allein der Anblick von so vielen Fischen ist ein Erlebnis für mich und ich muss mich am Riemen reißen nicht allzu aufgeregt zu sein. In achtzehn bis zwanzig Metern Tiefe ist der Luftverbrauch schon recht hoch, besonders wenn man seine Bewegungen nicht bewusst kontrolliert. Es gelingt mir nur zum Teil denn jede Bewegung mit der Kamera ist ein gewisser Kraftaufwand. Ich nähere mich den Tieren bis ich von allen Seiten von ihnen umgeben bin. Es ist unglaublich. Ein Teil des Schwarms entfernt sich von der Mehrheit und lässt sich über der steil abfallenden Kante der Riffplatte in die Tiefe fallen. Es geht los. Ich versuche in unmittelbarer Reichweite der Ausreißer zu bleiben. Es sind einige hundert Tiere die nun zum sogenannten „Tiefensprung“ ansetzen.

Männchen und Weibchen beginnen sich in ihrem Schwimmverhalten zu synchronisieren und steigen dann in rascher Geschwindigkeit mehrere Meter nach oben. Dadurch erhöht sich der Druck im inneren der Fische und ermöglicht ein schnelleres ausstoßen von Sperma und Eiern. Das geht alles so schnell von Statten.

Das Wasser beginnt sich trüb einzufärben als die Männchen ihren Beitrag leisten und ihr Sperma verlieren. Plötzlich mischen sich auch jede Menge Räuberfische unter die Schnapper. Sie haben weit geöffnete Mäuler und versuchen sich wohl soviel Laich wie möglich einzuverleiben. Mein Blick fällt auf den Tauchcomputer. Die Luft ist schon über die Hälfte aufgebraucht obwohl ich erst eine knappe viertel Stunde abgetaucht bin. Der Tiefenmesser zeigt 35 Meter. Das ist nicht „Ohne“. Ich darf auf keinen Fall vergessen auf die “Grundzeit“ zu achten. Zu lange in großer Tiefe kann gefährlich werden, besonders wenn man nicht mehr ausreichend Luft hat um dann langsam an die Oberfläche zu kommen. Ich versuche immer alle Geräte im Auge zu behalten und an die wichtigsten Grundlagen des sicheren Tauchens zu denken. Doch was meine Augen unmittelbar darauf erblicken, lässt mich dann doch fast in Ekstase fallen. Das Spektakel hat weitere Neugierige angelockt. Ich sehe einen größeren Körper unter den laichenden Schnappern entlanggleiten und brauche nicht viel Zeit um zu erkennen, dass es sich hierbei um einen Hai handelt.

Das es keiner der verhältnismäßig kleinen Riffhaie ist wird mir klar als er den Schwarm in einem Bogen umrundet und dabei in ruhigen gleichmäßigen Bewegungen in meiner Richtung schwimmt. Jetzt heißt es ruhig bleiben, keine Panik oder allzu große Freude. Ich versuche mir ins Gedächtnis zu rufen was David mir über Haibegegnungen erzählt hat. Wenn möglich solle ich die Atmung anhalten, denn die Tiere haben vor den austretenden Luftblasen eher Angst und kommen nicht allzu Nahe. Ich mache mir keine großen Illusionen darüber, dass mir das mehr als ein paar Sekunden gelingt könnte. Außerdem kommt der Hai mir eh schon erfreulich nahe. Ich fixiere ihn mit der Kamera und versuche die richtigen Einstellungen zu erwischen. Ich bin aufgeregt und irgendwie fahrig in meinen Gedanken. Das Tier ist drei bis vier Meter groß und wunderschön anzuschauen. Ob ich in diesem Moment Angst habe weiß ich ehrlich gesagt gar nicht. Schon wenige Sekunden später ist er aus meiner Reichweite verschwunden, so dass ich es eher bedauere zu wenig Kraft zu haben um ihm zu folgen. Richard wird mir später berichten, das ich eine Begegnung mit einem Bullenhai hatte und David erzählt das so mancher Taucher hunderte von Tauchgängen braucht um diese Tiere in freier Wildbahn zu sehen. Manchmal muss man halt auch Glück im Leben haben und zur rechten Zeit am rechten Ort sein. Ich werfe einen Blick auf meine Daten und merke, dass ich mich auf 42 Metern Tiefe befinde. Das ist nicht gut. Deswegen auch die Schwierigkeiten bei der Konzentration.  Ich habe gerade den Ansatz eines Tiefenrausches erlebt. Ich muss zusehen, dass ich geordnet aber zügig an die Oberfläche komme. Ich orientiere mich und lasse mich langsam nach oben aufsteigen. Doch es ist noch nicht vorbei.

Plötzlich bin ich von hunderten von Barrakudas umgeben. Diese länglichen Fische scheinen neugierig zu sein. In einem großen Bogen umkreisen sie mich einige Male. Ich versuche mit der Kamera den Bewegungen zu folgen um diese Begegnung mit möglichst vielen Fischen auf dem Foto zu dokumentieren. So schnell sie aus dem tiefen Blau des Ozeans aufgetaucht sind, so schnell sind sie auch wieder verschwunden. Plötzlich bin ich absolut alleine. Ich sehe weder das Riff, noch laichende Fischschwärme, noch meine Tauchfreunde. Währe ich nicht sowieso schon beim Aufstieg gewesen so müsste ich Diesen jetzt unmittelbar beginnen. So schnell kann man unter Wasser die Orientierung verlieren. Meine Luft reicht gerade noch aus um in fünf Metern Tiefe einen dreiminütigen Sicherheitstop zu machen, dann erreiche ich die aufgewühlte Wasseroberfläche. Ich blase meine rote Boje auf und schwenke sie über mir. Die Begegnung mit den Barrakudas hat mich einige hundert Meter vom Boot abtreiben lassen. Ich bin froh, dass unser Kapitän aufmerksam ist und mich zwischen den Wellen recht zügig erkennt. Theoretisch kann mir mit aufgeblasener Tauchweste nichts passieren, doch die hohen Wellen lassen Einen, wenn man nicht aufpasst, immer wieder Salzwasser schlucken, und die Strömung könnte mich im schlimmsten Fall immer weiter vom Boot wegtreiben.

 

Als ich am Abend mit David in unserer Lieblingsbar sitze und meinen Mangosaft schlürfe, wird mir mal wieder bewusst was für ein unglaubliches Glück ich habe diesen Beruf ausüben zu dürfen. Was wir Zwei  haben erleben dürfen ist mit keinem Geld der Welt aufzuwiegen. Teilzuhaben an den Wundern die dieser Planet bereithält ist das Höchste aller Güter welches ich mir wünschen kann. Heute bin ich aber auch an meine Grenzen gestoßen. „Tiefer“ oder „Länger“ wäre nicht möglich gewesen. Die Natur lehrt uns auch immer wieder unserer Fehlbarkeit und Winzigkeit in den Weiten der Elemente bewusst zu werden. Vielleicht ist es deshalb für Viele so schwer zu glauben, dass unsere Spezies in der Lage sein soll, das Gleichgewicht der Erde schon nachhaltig gestört zu haben. Wir sind, wie der Fischschwarm auch, Lebewesen die in Massen auftreten. Nur hat der moderne Mensch keine natürlichen Feinde mehr welche seinen Wachstum begrenzt halten, so wie es eigentlich in der Natur bei Lebewesen der Fall sein sollte die sich zu stark vermehren. Wir können uns nur selbst Grenzen setzen, und das fällt uns unendlich schwer. Ich weiß nicht wie viel Urwald noch abgeholzt, wieviele Ozeane noch überfischt, wieviele Tierarten noch ausgestorben und wie stark das Klima noch aus dem Gleichgewicht gebracht werden muss bis die Menschheit erkennt das sie auf einen Weg ist, auf dem es ab einem bestimmten Punkt kein Zurück mehr gibt. “Aussterben ist für immer“ lautet ein bekannter Spruch. Er ist leider allzu wahr und schon für weite Teile der Schöpfung gefährlich real.

Ozean Teil 3: “Tierreich” 02.04.2013

Der von mir sehr geschätzte Tierfotograf Ingo Arndt hat eines seiner großen Fotoprojekte „Tierreich“ genannt. Er ist dafür auf die Suche nach Tieren gegangen die in als Herden, Schwärmen oder Kolonien auftreten. Während mir große Ansammlungen von Menschen eher unangenehm sind (vom Publikum bei einem guten Konzert mal abgesehen) ist das Beobachten von großen Tierzusammenkünften eines der schönsten Naturerlebnisse überhaupt. Ich befinde mich immer noch in Palau wo ich zusammen mit David Hettich in Form zahlreicher gemeinsamer Tauchgänge mein Vortragskapitel „Ozean“ entstehen lasse.

Hier haben auch wir das tolle Gefühl gespürt welches unser gemeinsamer Freund Ingo bei der Umsetzung seines  Projektes immer wieder gehabt haben muss. Wir waren unmittelbare Zeugen faszinierender Tiermassen.

Solche Erlebnisse bereichern meinen Job als Naturfotograf ungemein. Die zahllosen Wunder die ich im Laufe der letzten zwanzig Jahre mit der Kamera dokumentieren durfte haben mich die Achtung gelehrt welche ich heute gegenüber unserer fantastischen Heimat Erde empfinde. Deswegen bin ich wahrscheinlich auch so ungemein wütend auf uns Menschen. Unser rücksichtsloser Umgang mit den Lebensgrundlagen stellt den schnellen Gewinn und kurzfristigen Wohlstand über das langfristige Wohl all derer, die nach uns kommen. Verlierer sind am Ende Alle. Die Tier- und Pflanzenwelt aber auch unserer Kinder und Kindeskinder. Was der Großteil der Menschen bis heute nicht verinnerlicht hat, ist das unser Überleben unmittelbar mit intakten Kreisläufen in den verschiedenen Ökosystemen zusammen hängt. Basierend auf diesen Gedanken habe ich das Konzept zu „Naturwunder Erde“ konzipiert. Ich möchte versuchen unsere Welt als „großes Ganzes“ zu präsentieren. Es muss gelingen Gesellschaft, Politik und Wirtschaft davon überzeugt, ihr Dogma „Wachstum“ in die Schlüsselworte „Nachhaltigkeit“ und „Effizienz“  zu verwandeln. Nachhaltige Kreisläufe sind das Einzige das meiner Meinung nach in Zukunft „wachsen“ darf. Unsere Erde ist zwar groß, aber die Einflussnahme von sieben Milliarden Menschen ist inzwischen zu stark geworden. Der Planet kann dies auf lange Sicht nicht verkraften wenn er auch in Zukunft eine immer noch steigende Anzahl hungriger und nach Wohlstand dürstender Menschen mit Rohstoffen versorgen soll. Wenn meine Fotos und Geschichten bei den Besuchern der fertigen Show ähnliche Gedankengänge auslösen, dann habe ich einen guten Job gemacht. Ende 2015 nach dreihundert Auftritten zusammen mit Greenpeace werden wir wissen ob und bei wie vielen Menschen es geklappt hat.

 

David schwimmt ungefähr dreihundert Meter vor mir. Wir sind im Moment die einzigen Besucher von einem der touristischen Highlights auf dem Inselarchipel Palau. Die Pressluftflasche haben wir nicht dabei. Tauchen ist im berühmten „Jellyfish Lake“ nicht erlaubt. Mit Schnorchel, Taucherbrille und Flossen ausgestattet bewegen wir uns über den See. Mal schauen wir unter mal über die Wasseroberfläche. Dieser See ist wirklich eine Besonderheit im Spektrum natürlicher Vielfalt. Mit der Erhöhung des Meeresspiegels zum Ende der letzten Eiszeit ist Salzwasser durch das poröse Kalkgestein der „Rock Islands“ gedrungen und hat die Senke gefüllt die heute den etwa vierhundert Meter langen See ausmacht. Durch kleine Öffnungen zum umliegenden Ozean müssen irgendwann die Quallen gekommen sein welche sich hier im Wasser tummeln. Bis zu dreißig Millionen sollen es in Hochzeiten sein. Ein Ort den der Mensch eigentlich inständig meiden sollte, denn bekanntlich Nesseln Quallen und das tut höllisch weh. Doch während ihrer Zeit innerhalb der abgeschlossenen Welt des Sees, hat die Evolution  die Medusen, wie sie auch genannt werden, ihre Fähigkeit zur Verteidigung genommen. Vielleicht weil natürliche Feinde fehlen. Zu anderen Quallenarten unterscheiden sie sich zudem das die Endteile ihrer Arme stark verkürzt sind und die Pigmentfarbe Blau fehlt.  Zu Anfang erblicken wir nur vereinzelte Exemplare die sich im grün schimmernden Wasser in ihrer für sie typischen Art bewegen indem sie sich immer wieder gegen den Uhrzeigersinn drehen. Damit lassen sie ihrem Körper gleichmäßig Licht zukommen. Denn sie tragen Symbionten in sich, die durch Lichtaufnahme Energie entwickeln welche die Quallen ernähren. Das gleiche Prinzip funktioniert übrigens auch bei Steinkorallen welche die Riffe bilden. Stoßen die Korallen die Symbionten aus Stressgründen ab, zum Beispiel durch einen erhöhten Säuregehalt des Wassers, so sterben die Wirte. Dies nennt man allgemein Korallenbleiche, ein Phänomen welches  leider in Zeiten des Klimawandels immer häufiger beobachtet wird.

 

Zuerst versuche ich einzelne Quallen abzulichten, was nicht weiter schwer fällt, denn die Tiere kommen bis unmittelbar unter die Oberfläche. Irgendwann fällt mir auf das David an einer Stelle in Ufernähe schon recht lange ausharrt und in die Mangroven blickt. Als er wahrnimmt das ich zu im schaue gibt er mir ein Zeichen und ich schwimme auf ihn zu. Mit gedämpfter Stimme fragt er mich ob mir an unserer Umgebung etwas auffalle. Es dauert kaum drei Sekunden da sehe ich es vor mir. Auf einen Ast liegt ein Krokodil. Ein Salzwasserkrokodil. Richtig gefährlich Burschen, sagt man. Die können bis zu sechs Meter groß werden. Unser Exemplar ist vielleicht eineinhalb Meter lang. Eine Tatsache die mich momentan aber nur unwesentlich beruhigt. Ein Krokodil im „Jellyfisch Lake“ in dem jeden Tag duzende Touristen planschen? Es liegt ganz friedlich da. Wir wollen Beide zumindest ein Beweisfoto machen. Mit unseren Weitwinkelobjektiven im Unterwassergehäuse kein einfaches Unterfangen. Ganz langsam versuche ich mich dem Tier zumindest ein klein wenig zu nähern. In diesem Moment macht es einen Satz nach vorne und springt blitzschnell zu uns ins Wasser. Damit war der Gag er Reise geboren. Unter brüllendem Gelächter erzählt David später Allen die es hören oder auch nicht hören wollen wie mir in diesem Moment ein schlichtes „Ach du Scheiße“ rausgerutscht ist und wir uns Beide wie die Wilden mit hektischen Schlägen unserer Flossen versucht haben zu entfernen. Ich glaube es hat so ungefähr zehn Sekunden gedauert bis der Verstand wieder die Oberhoheit über das Gehirn erobert hat.  Ein Krokodil im Jagdmodus hätte keine Probleme uns zu erreichen egal wie sehr wir uns auch bemühen aus seiner Reichweite zu kommen. Also haben wir aufgehört zu paddeln und uns unserem Schicksal hingegeben. Doch der geöffnete Rachen der sich aus der trüben Tiefe erhebt bleibt eine Urangst in meiner Vorstellung. Nach und nach wird die Atmung wieder normal und die Panik verschwindet. Das Krokodil hatte wohl genauso viel Angst vor uns wie wir vor ihm und ist einfach geflüchtet. Auf Palau ist es zum Glück bisher kaum zu ernsthaften Zwischenfällen mit diesen urzeitlichen Gesellen gekommen. So bleibt uns zwar ein Schreckmoment aber auch ein tolles Ergebnis, dieses Tier überhaupt in seiner natürlichen Umgebung entdeckt zu haben.

Wir schwimmen gemeinsam weiter in Richtung östliches Ende des Sees. Es ist noch Vormittag. Zu diesem Zeitpunkt halten  sich dort ein Großteil der Quallen auf. Inzwischen schwimme ich fast ständig mit dem Kopf unter der Wasseroberfläche.  Aus einzelnen Tieren werden Duzende, dann Hunderte und später Tausende die ins Blickfeld geraten. Es ist ein Anblick der schwer zu beschreiben ist. Irgendwann sind wir komplett von diesen seltsamen Lebewesen umgeben. Ihre Haut fühlt sich weich an. Ekel verspüre ich keinen, im Gegenteil. Die Quallen sind so zart das wir aufpassen müssen mit unserem Flossenschlag nicht ständig einige dieser Geschöpfe zu verletzen. Von nun an zahlt sich mein vier Kilogramm schwerer Gürtel aus, den ich die ganze Zeit um die Hüften trage. Er macht es mir einfach mich wie ein Stein absinken zu lassen und in diese unwirkliche Welt aus glibberigen Körpern und grün schimmerndem trüben Wasser eintauchen zu lassen. Außerdem profitiere ich davon, dass wir vor einigen Wochen bei den Wal-Haien auf den Philippinen schon einmal beim Schnorcheln waren. Ich kann inzwischen besser die Luft anhalten und durchaus vier bis fünf Meter abtauchen.

Der Blick ist atemberaubend, was nicht schadet denn Atmen ist sowieso nicht möglich. Besonders der Anblick gegen das Licht ist gewaltig. Als würde man ins Weltall schauen und an endlos vielen Planeten vorbeigleiten. Ich schiebe die Kamera vor mir her und versuche möglichst Bilder zu machen in denen sich die Medusen gleichmäßig über das Bild verteilen. Das geht im Endeffekt nur über die Masse an Auslösungen, denn Planen kann man so ein Foto bei der kurzen Zeit des Abtauchens nicht. Es ist eine Mischung aus Glück, Intuition und Beherrschung der Technik. Viele Male lasse ich mich nach unten fallen und stoße kurze Zeit später laut prustend durch die Oberfläche.

Erst als wir ziemlich erschöpft sind machen wir uns langsam auf dem Schwimmweg zum Steg über den alle Besucher in den See einsteigen. Inzwischen sind zwei große Gruppen japanischer Touristen beim Schnorcheln. Ein Großteil der Besucher verweilt in der Mitte des Sees, was dem Hauptteil der Quallen Ruhe vor allzu vielen Eindringlingen verschafft. Auf dem Weg zurück schwimmen wir in Ufernähe und treffen doch noch auf einen Fressfeind der Schwabbelwesen. An ins Wasser gestürzten Bäumen wachsen weiße Anemonen die sich an Quallen gütlich tun. Haben sie diese erst einmal in ihren Fängen werden die Medusen praktisch nach und nach ausgesaugt. Ein schaurig schöner Anblick.

Als wir über einen kurzen steilen Pfad durch den Wald zurück zu unserem Boot marschieren sind wir voller Begeisterung über die Erlebnisse in diesem außergewöhnlichen Salzwassersee. Doch auch hier bleibt zu hoffen, dass man die steigenden Besucherzahlen richtig dosiert. Es ist praktisch wie überall auf der Welt. Wenn zu viele Naturfreunde über Natur herfallen, dann nimmt diese meist Schaden. Bisher haben die Touristen nachweislich drei neue Lebensformen in diesem See eingeschleppt mit bisher ungewissen Folgen. Ob es da ausreicht das sich jeder Besucher die Schuhe abputzen muss bevor der sich auf den Weg zum See macht wird die Zukunft zeigen. Es ist auf jeden Fall gut zu wissen das es sechs weitere Quallenseen auf Palau gibt zu denen der Mensch aber keinen Zutritt hat.

Ozean Teil 2: “dem Paradies ganz nah” 30.03.2013

Manchmal muss man im Leben Entscheidungen treffen. Als ich über das Konzept für mein Greenpeace-Project „Naturwunder Erde“ nachgedacht habe, war mir von Anfang an klar, dass ich keine fotografische Hommage über unseren Planeten umsetzen kann, wenn ich das Element Wasser ausspare. Immerhin sind 70 Prozent unserer Welt mit Ozeanen überzogen, und diese sind die artenreichsten Ökosysteme überhaupt. Deshalb habe ich im letzten Jahr einen Tauchkurs belegt und auf der Grundlage meines stark ausgeprägten Selbstvertrauens eine sehr hochwertige Unterwasserausrüstung gekauft. Das war riskant. Ich hatte zu diesem Zeitpunkt keine Ahnung ob ich in der Lage sein würde, die gewünschte fotografische Qualität auch unter der Wasseroberfläche umzusetzen. Meine werte Frau Mama wird nicht müde zu betonen wie wasserscheu ich als Kind gewesen bin, und in der Tat war das nasse Element nie eine Wohlfühlzone für mich. Doch ich habe diesen Schritt nicht bereut – im Gegenteil. Ich bin inzwischen bei fast siebzig Tauchgängen und habe einen der besten Unterwasserfotografen Deutschlands als Partner an meiner Seite um das Kapitel „Ozean“ umzusetzen. David Hettich (www.abenteuer-ozean.de) ist mit über dreitausend Ausflügen ins Reich der unterdrückten Farben praktisch im Wasser aufgewachsen. Der Junge ist zwölf Jahre jünger als ich und hat die Vita eines  alten Hasen. Durch ihn lerne ich jeden Tag dazu und bin begeistert über all die Wunder die wir durch unsere Abenteuer vor die Linse bekommen.

Wir sind auf dem Inselstaat Palau der im pazifischen Ozean liegt. Die Hauptinseln sind besiedelt und in der heutigen Zeit praktisch wie ein zusätzlicher Bundesstaat der Vereinigten Staaten einzuordnen. Von der ursprünglichen Inselkultur der Mikronesier ist, zumindest Oberflächlich gesehen, fast nichts mehr wahrzunehmen. Kaum eine Ansicht die nicht irgendwie an eine Kleinstadt irgendwo in der militärischen Schutzmacht USA erinnert. Vielleicht ist alles noch ein wenig ärmlicher, was auch am tropischen Klima liegen kann. Kein Metall das nicht rostet, kein Holz das nicht fault, keine Farbe die nicht bleicht, wenn man nicht ständig erneuert.

In den letzten Jahren ist der Tourismus beständig auf Wachstumskurs. Dies bringt zwar eine Menge Geld auf das Archipel, aber auch die üblichen Probleme im Windschatten in Form von vermehrtem Müllaufkommen, Land- und Energienutzung.

  

Palau hat das Glück das sich ein Großteil seiner Naturwunder vom bewohnten Festland entfernt in den vorgelagerten Korallenriffen befinden. Innerhalb des großen Außenriffs befinden sich die faszinierenden „Chelbacheb“- Inseln auch „Rock Islands“ genannt. Über 200 aus der Wasseroberfläche ragende Kalksteininseln in allen möglichen Formen und Größen sind für mich neben der fantastischen Vielfalt im Ozean die Hauptattraktion. Sie sind mit dichtem Urwald überzogen und nicht selten mit einem Sandstrand geadelt, welche wohl bei den meisten Naturfreunden schnell die Assoziation vom Paradies hervorrufen. Während des zweiten Weltkrieges wurde hier ordentlich gewütet. Die Japaner haben hier über hunderttausend Soldaten verloren. Einige ihrer zerschossenen Flugzeuge und Schiffswracks sind heute beliebte Tauchziele, weil sie im Laufe der Zeit mit einer Vielzahl an maritimen Lebensformen überzogen wurden.

Glücklicherweise sind die „Rock Islands“ heute Teil des Weltnaturerbes der UNESCO und Palaus Präsident hat im Jahre 2003 das erste Haischutzgebiet überhaupt ins Leben gerufen. Dies nährt die Hoffnung, dass man sich dem Wert seiner natürlichen Schätze durchaus bewusst ist. Jedes Jahr werden weltweit Millionen Haie vom Menschen dahingeschlachtet – ein Irrsinn wenn man dazu in Relation setzt wie viele Menschen durch diese Spezies tatsächlich zu schaden kommen. So sehr ich Herrn Spielberg als Regisseur von tollen Kinoerlebnissen schätze, hat er doch mit seinem „Weißen Hai“ bei unzähligen Menschen Ängste geschürt und eine Vorstellung geschaffen, die dieser Tierart in keinster Weise gerecht werden. 

Doch Palau kann noch so viel zum Erhalt seiner Naturschätze unternehmen, wenn die Weltgemeinschaft nicht anfängt über neue Wege im Umgang mit unseren Lebensgrundlagen nachzudenken, wird es den Staat in der heutigen Form irgendwann nicht mehr geben. Die Inseln von Mikronesien gehören zu den ersten großen Verlierern des vom Menschen gemachten Klimawandels. Erwärmt sich der Planet weiter, übersäuren die Ozeane und die Korallen werden sterben. Damit verliert das Land nicht nur die wichtigste Einnahmequelle in Form des Tourismus, sondern die heimischen Fischer auch ihre Lebensgrundlage, denn fast alle Kreisläufe im maritimen Leben sind mehr oder weniger stark mit der fragilen Welt der Korallenriffe verbunden. Vermehrte Taifune haben schon heute eine zerstörerische Kraft über und unter Wasser und der Anstieg des Meeresspiegels ist ebenfalls ein elementares Problem. Aufgrund all dieser Gefahren forderte Palaus Präsident  am 22. September 2011 in der UN-Vollversammlung dazu auf, dass diese ein Rechtsgutachten des Internationalen Gerichtshofes in Den Haag zu der Frage der Verantwortlichkeit der Staaten für die Folgen des andauernden Klimawandels einholen möge. Im Moment wird darüber diskutiert ob die Vollversammlung das tun solle, und ich hoffe inständig, dass die Initiative Palaus Erfolg haben wird.

David und ich waren drei Mal am berühmten Tauchplatz „Blue Corner“ welcher besonders für seine Haisichtungen bekannt ist. Dort haben wir uns an der Abbruchkante des Riffs mit dem Strömungshaken eingehängt. Dank eines Seiles werden wir vor dem Abdriften bewahrt und können in aller Ruhe beobachten was vor unseren Augen alles vorbeischwimmt. Bei einem von drei Versuchen haben wir beste Bedingungen. Die Sicht ist glasklar und die Vielzahl an Schwarmfischen und vor allem Haien die friedlich wenige Meter vor unseren Augen vorbeitreiben ist atemberaubend. In fünfzehn bis zwanzig Metern Tiefe werden wir  Zeuge eines vielfältigen Lebens welches, hat man es nicht mit eigenen Augen gesehen, kaum vorstellbar erscheint. Besonders fasziniert bin ich natürlich von den Riffhaien die in stoischer Ruhe keine drei Meter von mir entfernt an uns vorbeitreiben.

Neben der Vielzahl an Fischen welche die Strömung zur Nahrungsaufnahme nutzen ist das Riff mit unzähligen Korallen aller möglichen Farben und Formen bewachsen. Besonders die Fächerkorallen sind fotogen. Da unter Wasser die Farben schon nach wenigen Metern verschwinden ist es wichtig mit Blitzlicht zu fotografieren, damit diese wieder sichtbar werden. Für mich ist das ein herantasten an einen Bereich in der Fotografie der mir sehr fremd geworden ist. Ich habe in den vergangenen zwanzig Jahren in meiner Naturfotografie bewusst auf Blitzlicht als Gestaltungsmittel verzichtet und mich nur auf das natürliche Licht verlassen. Unter Wasser ist das unsinnig, so dass ich mich Stück für Stück bemühe das Blitzlicht in richtiger Dosierung mit dem natürlichen Licht zu mischen. Am Schönsten wirken die Fächerkorallen wenn sie gegen die Wasseroberfläche fotografiert sind. Stellt  man es geschickt an leuchten sie dann in all ihrer Pracht durch die Kraft des Blitzes und das Wasser wird Kontrastreich von tiefblau bis hellblau wiedergegeben.

Es dauert einige Zeit bis ich die richtige Dosierung hinbekomme. Dazu kommt natürlich immer noch die Schwierigkeit des Tauchens selber. Je stärker die Strömung desto schwieriger kann man die Kamera und vor allem den eigenen Körper tarieren. Was bei David spielerisch leicht aussieht ist bei mir als Neuling sehr harte Arbeit. Die Tarierung ist auch aus Naturschutzgründen sehr wichtig, denn  sehr schnell sind zarte Korallen zerstört wenn man seine Bewegungen nicht unter Kontrolle hat. Ich kann nicht behaupten das mir an jedem Tag viele Spitzenfotos gelingen, doch im Laufe der Zeit addieren sich die gelungenen Bilder und ich glaube das Kapitel „Ozean“ wird zu einem sehr spannenden Teil meiner neuen Multimediashow.

Ozean Teil 1: “Sanfte Riesen” 19.03.2013

Ein dunkler Schatten gleitet neben unserem Boot durch das tiefblaue Wasser. Schemenhaft kann ich das Wesen erkennen, weswegen mein Freund und Kollege David Hettich und ich auf die Philippinen gereist sind um es in seinem natürlichen Lebensraum zu fotografieren.

Sofort setze ich mir die Taucherbrille auf den Kopf, ziehe die Flossen über die Füße, prüfe den um meine Hüften hängenden Gewichtgurt und greife zum Unterwassergehäuse in dem sich meine Kamera befindet. Einen Augenblick später bin ich schon vom warmen Wasser des Ozeans umgeben. Während sich das Wasser wieder beruhigt  und die Sicht klar wird blicke ich unter die Oberfläche um den momentanen Ort des Tieres zu lokalisieren. Dabei versuche ich möglichst ruhig durch den Schnorchel ein und auszuatmen.  In ungefähr vier Meter Tiefe schwimmt nun ein männlicher Walhai direkt auf mich zu. Ich kann sein breites Maul, seine weißen Rückenpunkte und die für Haie so typische spitz zulaufende Schwanzflosse erkennen. So gut es mir als Anfänger möglich ist, versuche ich Luft in meinen Brustkorb zu pumpen um dann den Oberkörper nach unten fallen zu lassen. Kräftige Beinstöße bringen mich komplett unter die Wasseroberfläche. Besonders mit dem schweren Kameragehäuse das ich dabei vor mir herschiebe ist das gar nicht so einfach.

Innerhalb weniger Sekunden nähere ich mich dem größten Fisch unserer Erde. Es sind nur kurze Augenblicke in denen ich diese unglaublichen Einblicke in seine Welt genießen kann, denn dann meldet sich mein ungeschulter Körper, oder ist es der Kopf, der mir sagt das er dringend wieder Luft zum atmen möchte. Während ich den Auslöser der Kamera praktisch ständig durchdrücke versuche ich so gut es geht auch Details der Szenerie wahrzunehmen. So kann ich gerade noch seine kleinen Augen erkennen, die seitlich des Riesenmaules sitzen, bevor mein Instinkt mich wieder nach oben in meinen eigenen Lebensraum zurückschickt. In solchen Momenten beneide ich David, dem das Wasser zur zweiten Heimat geworden ist. Seine Jahrzehnte lange Taucherfahrung hat ihn  gelehrt viel länger ohne Sauerstoff auszukommen, und so gelingt es ihm noch für einige Zeit parallel neben dem Walhai her zu tauchen, während ich schon wieder Luft schnappend zur Oberfläche durchstoße. Die Tiere sind Vegetarier und ernähren sich von Plankton welches sie sich durch Mundöffnung schieben indem sie das Meerwasser filtern. Dieses junge Männchen ist ungefähr sechs bis sieben Meter groß. Ausgewachsene Walhaie können bis zu vierzehn Meter erreichen. Solche Exemplare hat David schon bei den Galapagos Inseln fotografiert. Die Tiere sind übrigens waschechte Haie. Den Zusatz Wal haben sie nur wegen ihrer Größe bekommen.

 

Heute ist unser dritter Tag bei den friedlichen Riesen und es scheint mein Glückstag zu sein. Der Fisch bleibt auf einer für mich erreichbaren Wassertiefe und lässt sich durch uns menschliche Besucher nicht von seinem Weg abbringen. So kann ich immer wieder zu ihm abtauchen, was mir mit Hilfe der einheimischen jungen Männer gelingt, welche in kleinen Ruderbooten sitzen und als sogenannte „Spotter“ für uns Touristen die Walhaie orten helfen. Sofort nach meinem Auftauchen, werde ich aufgesammelt und kann mich auf dem Kanu für einige Sekunden erholen. Während dessen rudert uns mein Helfer wie ein Wilder weiter um mich wieder vor den Fisch zu bringen.  Dabei fallen meine Blicke immer wieder auf die schöne Kulisse der Insel Süd-Leyte, von deren Ufer wir nur wenige duzend Meter entfernt nach den Walhaien Ausschau halten.

Erstaunlich das sich die Tiere so nahe an der Küste aufhalten. Die Landschaft ist in erster Linie mit Kokospalmen bewachsen. Diese sind zwar wunderschön anzusehen, aber vom Menschen eingeführt. Nur in den höheren Lagen und an steilen Hängen erkenne ich die ursprüngliche Vegetation, den tropischen Regenwald. Einfache Hütten und kleine Fischerboote säumen den Küstenabschnitt und immer wieder beobachte ich Kinder die fröhlich am Wasser spielen. Während auch die Philippinen mit einer schnell wachsenden Bevölkerung zu kämpfen haben, scheint hier die Balance noch recht gut erhalten. Das Bild das sich mir erschließt kommt dem Idyll das man sich als Reisender erhofft an diesem Fleckchen Erde noch recht nahe. Die Menschen aus dem lokalen Dorf haben erkannt welche Attraktion sich hier in den Gewässern vor ihrer Haustüre tummelt. Das Schöne daran ist, das man hier nicht in blindem Aktionismus verfällt um möglichst schnell viele Besucher anzulocken, sondern zusammen mit einer Naturschutzorganisation das Leben der Haie erforscht und den Tourismus mit strengen Regeln und Abläufen versieht welche die Tiere schonen sollen. So bekommt die Gemeinde für jeden Besucher eine Gebühr und viele Junge Männer und Frauen haben einen Job als „Tourguide“ und „Spotter“ bekommen. Tauchgänge mit Pressluftflachen sind nicht gestattet, da sich die Tiere durch die ausgestoßenen Luftblasen erschrecken. Außerdem sind Blitzaufnahmen verboten, was fotografisch sowieso unsinnig wäre. Just im gleichen Zeitraum als David und ich hier unsere Tage verbringen habe ich auf „Spiegel-online“ einen Artikel über Walhaie in einer anderen Region auf den Philippinen gelesen. Durch die Tiere ist das dortige Dorf zu großem Wohlstand gekommen, weil man begonnen hat sie anzufüttern und den Besuchern so praktisch Walhai Sichtungen garantieren kann. Für die Fische ist das verheerend, denn sie werden abhängig und verlieren komplett ihre natürlichen Instinkte. Ich bin froh, dass wir hier in Süd-Leyte das hiesige Projekt mit unserem Besuch unterstützen können. Die Leute sind extrem freundlich und haben ein ernsthaftes Interesse die Fische und ihren Lebensraum zu erhalten. Seit 1998 dürfen Walhaie auf den Philippinen übrigens nicht mehr gejagt werden.

Auf dem Rückweg zu unserer Tauchbasis sitze ich vorne am Bug unseres Bootes. Es ist komplett windstill. Mir ist als würden wir über das Wasser schweben. Die See breitet sich wie eine große Spiegelfläche vor mir aus.  Der Fahrtwind streicht angenehm über die Haut. Am Horizont bauen sich große Wolkenberge auf die den Himmel dunkel färben. Es wird bald regnen. Eine Gruppe Delphine kreuzt unseren Weg. Immer wieder springen sie aus dem Wasser als wollten sie mich Grüßen.  Dies sind Momente in denen es mir nicht schwer fällt die Probleme der weiten Welt wegzuschließen und die Schönheit des Augenblickes in vollen Zügen zu genießen.

 

Patagonien Teil 3: “Mondsüchtig” 03.03.2013

Ein Gletscher entsteht in Regionen wo es viel schneit. Durch sein Eigengewicht wird der Schnee stark gepresst und transformiert sich zu Eis. Das patagonische Eisfeld ist praktisch ein riesiger Gletscher. Auf einer Länge von 350 Kilometer haben sich hier im südlichen Südamerika die Hochebenen der Anden mit Eis überzogen. Entlastung des durch neue Schneefälle verursachten Druckes verschafft sich dieser kalte Riese in Form unzähliger großer und kleinerer Gletscher durch die das Eis zwischen den Bergen hindurch Talwärts gepresst wird. Auf argentinischer Seite mündet das Eis unter Anderem in zwei riesigen Seen, auf der chilenischen Seite direkt in den pazifischen Ozean. Abgesehen vom antarktischen Kontinent und der Arktis mit Grönland befindet sich hier in Patagonien die größte zusammenhängende Eisfläche der Erde.

Und ich befinde mich nun am Abend des dritten Tages unserer kleinen Expedition an einem der schönsten Orte in dieser sowieso schon sagenhaft faszinierenden Landschaft. Wir haben  unser Zeltlager am Fuße des „Cerro Torre“ aufgeschlagen. Genau an der Stelle wo ein vom Bergmassiv kommender Gletscher sich mit dem Eisfeld vermischt. Mit seinen vielen Türmen ist der „Cerro Torre“ einer der schönsten und markantesten Gipfel überhaupt auf der Welt. Ihn hier von seiner Rückseite in dieser archaischen Umgebung so nahe vor mir aufragen zu sehen löst bei mir Glückshormone aus, die mich in den kommenden Tagen fast schweben lassen.

Der Marsch an diese Stelle verlief ohne Komplikationen und war verglichen mit dem Aufstieg aufs Eisfeld am Vortrag relativ  human. Das Wetter ist nach wie vor stabil. Der Wind hält sich in Grenzen und die Sicht ist klar. Bisher stimmt die Wettervorhersage genau. Wenn uns unser Glück nicht verlässt haben wir von nun an noch zwei Tage bis der Umschwung kommt und uns der Sturm vom Eisfeld bläst. Es ist eine Nacht vor Vollmond. Wir wollen die zwei kommenden Tage an diesem Ort verbringen um hier den Schwerpunkt meiner fotografischen Arbeit in den Kasten zu bekommen. Meine Stimmung ist euphorisch.

Komplettiert wird meine gute Laune durch die perfekte Übergabe der fehlenden Ausrüstung am Nachmittag durch den zuverlässigen Boten. Jetzt habe ich eine vernünftige Hose an und erfreue  mich an meinem eigenen Stativ. Der Bergführer welcher mir die Sachen gebracht hat, wird die Nacht hier oben mit uns verbringen, und morgen früh in einem weiteren Gewaltmarsch den Weg zurück nach „El Chalten“ bewältigen. Wir erinnern uns: zu Beginn der Tour war mein Gepäck nicht rechtzeitig mit mir in Patagonien angekommen. Ich habe lange überlegt ob ich 300€ in diesen Lieferservice investieren soll. Nun stehe ich vor dieser unglaublichen Kulisse aus Granit, Eis und Schnee und bin heilfroh diese Entscheidung getroffen zu haben.

Es ist nach zwanzig Uhr als ich mich zusammen mit Luis auf den Weg mache um zu fotografieren. Das Licht ist in diesem Moment durch vorbeiziehende Wolken sehr schön. Der richtige Zeitpunkt um ein Portrait von uns Beiden zu machen. Ich stelle das Stativ mit der Kamera vor uns auf. Lachend blicken wir in Richtung Aufnahme und warten während der Zeitauslöser seine 10 sec Vorlauf ablaufen lässt. Das Grauen kommt in Form einer massiven Windböe. Wie in Zeitlupe fängt das Stativ an zu kippen um dann immer schneller nach vorne zu fallen. Das Lächeln gefriert, und mehr als einen Entsetzensschrei bekomme ich nicht zu Stande. Es ist längst zu spät. Die Nikon D3x ist mit voller Wucht, mit dem 17-35mm Objektiv voraus, auf das massive Eis geknallt. Der Polfilter ist zersplittert und das Bajonett worauf die Linse geschraubt ist, sichtbar verbogen. Mir ist sofort klar das ich es hier mit einem elementaren Schaden zu tun habe (1500 € Reparatur wie sich später heraus stellt). Was mich aber in diesem Moment viel mehr entsetzt ist die Tatsache, dass ich gerade meine Anzahl Akkus halbiert habe. Die ansonsten von mir sehr geschätzte Firma Nikon verbaut für so gut wie jede Kamera verschiede Energiespeicher und jetzt habe ich ein Problem mit der Einteilung. Hemmungsloses herum Geballere kann ich mir jetzt nicht mehr leisten, denn meine geplanten Nachtaufnahmen kosten viel Strom und ich möchte ja bis letzten Tag der Wanderung  fotografieren können. Das ich mich auch maßlos über mich geärgert habe ist klar. Noch wenige Minuten vor dem Unfall habe ich mich wegen der vereinzelten Windböen ermahnt vorsichtig zu sein, nur um es dann kurz darauf im entscheidenden Moment zu vergessen. Aber solche Dinge passieren, und man muss damit umgehen können.

Nicht mehr ganz so euphorisch aber trotzdem voller Tatendrang marschieren wir ein wenig später auf einem mit Schnee bedeckten Hang steil nach oben. Von hier aus haben wir eine prima Aufsicht auf den sich direkt unter uns ausbreitenden Gletscher und die dahinter aufragenden pittoresken Türme des „Cerro Torre“. Mit einer kleinen Veränderung unseres Standpunktes können wir von hier aus auch wunderbare Aufnahmen vom Eisfeld machen. Die Berge sind an diesem Abend wolkenfrei. Nicht so der Himmel über der Eisfläche. Eine einzelne, riesige freistehende Wolke steht über dem Horizont. Je weiter die Sonne dahinter versinkt desto intensiver färbt sie sich ein.

Ich habe in meinem Leben gewiss schon viele farbenfrohe Wolkenstimmungen erlebt, doch eine solche Perfektion in Form und tiefroter Farbe ist mir nicht in Erinnerung. Mehrere Minuten schauen wir gespannt auf das Schauspiel bis die Farben mehr und mehr verblassen.

Inzwischen ist es auf der dem Sonnenuntergang gegenüberliegenden Seite schon recht duster. Jetzt wird es auch hier fotografisch spannend, denn der Himmel ist nun dunkler als das Gestein der Berge. An ihnen reflektiert sich nach wie vor das indirekte Licht es vergangenen Tages während im Himmel bereits die ersten Sterne sichtbar werden.

Es weht keinerlei Wind und somit sind wir von absoluter Stille umgeben. Da ist sie wieder, die Magie – jene Momente die ich als Naturfotograf so sehr liebe.  Es wird noch besser.

Vor uns auf dem Gletscher entstehen plötzlich tiefschwarze Schattenpartien, während weite Bereiche der Bergkette und des Eisfeldes zu leuchten beginnen. Mondlicht hat in Winterlandschaften eine erstaunliche Kraft.  Ich könnte ein Buch lesen, wenn ich wollte. Will ich aber nicht. Ich fotografiere. Damit die Sterne als Punkte und nicht als bewegte Linien abgebildet werden muss die Belichtungszeit unter 13 Sekunden bleiben. Es ist schon nach Mitternacht. Trotzdem reicht es wenn ich die Kamera auf eine Empfindlichkeit von 500 ASA einstelle. Meine Nikon D4 ist für solche Verhältnisse hervorragend geeignet. Der Vollformat Sensor schafft Nachtaufnahmen in bisher nicht gekannter Qualität. Am Schönsten ist die Szenerie als sich unsere einstige rote Wunderwolke über den Himmel auf die andere Seite bewegt hat und nun direkt über dem „Cero Torre“ und seinen Nachbarbergen steht.

Fotografenherz was willst du mehr? Absolut nichts! Glücklich falle ich gegen Ein Uhr dreißig auf die harte Isomatte und schlafe selig ein. Um halb vier klingelt der Wecker. Jeder der die letzten Blog-Einträge aufmerksam gelesen hat wird ungefähr einschätzen können wie wenig mein Körper eigentlich in der Lage sein  müsste den Schlafsack nun schon wieder zu verlassen. Doch allein der Gedanke an die mich umgebende Landschaft lassen genügend Adrenalin durch mich hindurchschießen das ich im Nu hellwach bin. Ohne die Anderen zu wecken schlüpfe ich in meine Kleidung und verlasse das Zelt. Es herrscht noch tiefe Nacht. Inzwischen steht der Mond im Nordwesten über dem Eisfeld. Mit dem Anbruch des Tages wird ihn seine Bahn etwas vor Sonnenaufgang verschwinden lassen. Was in den folgenden Minuten geschieht ist fast noch spannender als die blaue Stunde am Abend. Nun folgt die Transformation von Dunkel nach Hell. Diese beginnt mit zarten Schleiern in denen der Nachthimmel hinter der Gebirgskette wunderschöne Blautöne annimmt.

Davor sind einige Bereiche des „Cerro Torre“ noch  direkt vom Mondlicht angestrahlt. Ebenso das Eisfeld. Der Himmel ist von kleinen Wolkengruppen bedeckt durch die immer wieder die Sterne schimmern. So etwas habe ich bisher noch nie erlebt. Unglaublich zu welchen Kompositionen die Natur fähig ist. Wir befinden uns noch weit über eine Stunde vor Sonnenaufgang und jede Minute ändert sich die Symphonie aus Formen und Farbtönen. Ein Tag mit mehr Wolken liegt vor uns, das kann ich anhand der veränderten Verhältnisse schon jetzt sagen. Ich bleibe bis kurz nach Tagesanbruch auf den Beinen. Nach einigen Minuten des direkten Sonnenlichts sind die Stimmungen die ich so gerne für meine Aufnahmen benütze, vorbei. Jetzt wird es endgültig Zeit für mich zu ruhen. Zum Glück werden wir eine weitere Nacht an dieser Stelle bleiben. Bis zum frühen Abend verbringe ich den ganzen Tag in der Horizontale. Als ich mit schweren Gliedern das Zelt verlasse ziehen fantastische Wolkenberge über uns hinweg. Die Berge sind Teilweise verhüllt, was einen schönen Kontrast zum Vorabend bedeutet. An diesem Abend versuche ich etwas früher zum Schlafen zu kommen was mir nur teilweise gelingt. Durch die unterschiedliche Wettersituation ergeben sich wieder so viele neue Motive, so dass ich lange aufbleibe und meine Akkus rasant an Kraft verlieren sehe. Egal, hier bin ich am Ort meiner Wünsche. Vollmond über dem Eisfeld eine Lebenserfahrung und wahrscheinlich in dieser Form einmalig im Leben. Gespenstisch leuchtet das Mondlicht von hinten an die über das Gebirge ziehenden Wolken.

Mit dem Weitwinkel stelle ich mich direkt an den Gletscherrand. Die zerfurchte Oberfläche des Eises sieht spannend aus, als weiße Wolken und leuchtende Sterne über ihr stehen.

Am nächsten Tag warten zwanzig Kilometer Fußmarsch auf uns. Unsere Guides haben uns eindringlich gebeten früh loszulaufen, da für die Mittagszeit starke Winde prognostiziert wurden. Bis dahin sollten wir die Eisfläche verlassen haben und uns im Schutz der Geröllfelder befinden. Ich komme auf fast sechs Stunden Schlaf als ich am Morgen des Aufbruchs aus dem Zelt steige. Wie schon in der Nacht zu sehen war hängen auch jetzt viele Wolken über uns am Himmel. Es herrscht eine komplett andere Stimmung als am vorherigen Tagesanbruch. Farbenspiele gibt es durch die Wolkendichte kaum, zu wenig Licht dringt durch die einzelnen Lagen. Aufregend ist die Szenerie aber trotzdem, eben auch weil sie so anders ist.

Die Wanderung wird auch weiterhin großartig bleiben. Der Unfall mit der Kamera wird am Ende das einzige Missgeschick sein. Wir schaffen es rechtzeitig vor dem Sturm festen Boden unter den Füßen zu bekommen und folgen in den kommenden Tagen dem Lauf des riesigen Viedma Geltschers. Dabei befinden wir uns fast ständig einige hundert Meter oberhalb der Eisfläche was uns grandiose Ausblicke auf diese aride Landschaft ermöglicht. Es dauert nicht lange und wir entdecken im Geröll die ersten Pionierpflanzen.

Moose und Beeren zaubern Grün und Rottöne in die sonst so lebensfeindlich erscheinende Umgebung. Der Kreis schließt sich als ein paar Tage später die ersten Bäumchen auftauchen. Zuerst sind sie klein und verkrüppelt, vom Wind am Boden gehalten. Später massiv und stolz. Es sind Südbuchen die hunderte von Jahren dem Wetter getrotzt haben. Zumindest dort, wo sie nicht wegen menschlicher Bedürfnisse nach Holz oder Weideland haben weichen müssen.

Kurz vor Ende des Weges wird es dann nochmals richtig abenteuerlich. Es gilt einen zweiten Fluss zu durchqueren. Dieses Mal sind wir aber am Nachmittag angekommen und wir merken sehr schnell dass dies kein leichtes Spiel werden wird. Die Gletscher schmelzen um diese Jahreszeit rasant und die eigentlich viel zu warmen Tage tun ihr Übriges. Nur mit der Erfahrung unserer Guides und den langen Seilen ist es uns gelungen durch das bis zu hüfthohe reißende Wasser zu kommen. Wichtig war, das es uns gelingt die Rucksäcke trocken auf die andere Seite zu bringen. Das hätte noch gefehlt das kurz vor Schluss auch noch die andere Kamera Schaden nimmt.

Alles ist gut gegangen. Erschöpft bis zum Umfallen, aber überglücklich, beenden wir nach acht Tagen diese Tour mit dem Gefühl etwas ganz Besonderes erlebt zu haben. Durch die Nacht auf dem Eisfeld wurde einer meiner Lebensräume Wirklichkeit. Die Realität war mindestens so schön, als es sich die Sehnsucht in meiner Fantasie vorstellen konnte.  Träumen ist toll – Erleben ist besser.

Patagonien Teil 2 “Ein langer Tag” 26.01.13

Die Sonne versteckt sich noch hinter den uns umgebenden Gipfeln, als wir die Bergstiefel ausziehen und uns an die Durchquerung des Flusses machen. Das Wasser ist bitterkalt, was kein Wunder ist, entspringt es doch einem Gletscher der nur wenige hundert Meter über uns sein kostbares Nass entlädt. Wir kommen alle ohne Probleme auf die andere Seite und setzen unseren Marsch fort. Die letzten Bäume liegen inzwischen weit hinter uns. Wir laufen durch eine Moränenlandschaft aus Geröll und von früherem Eis geschliffenem Gestein. Als die Sonne schon hoch am fast wolkenlosen Himmel steht erreichen wir einen See. Dieser ist dem Gletscher über den wir auf das Eisfeld hinaufsteigen wollen vorgelagert. Wir sehen in etwa 800m Entfernung die Gletscherzunge. Von unserem Guide erfahren wir, das noch im Jahr 2000 unser momentaner Standpunkt die Stelle war, an die das Eis gereicht hat.

Eine schockierende Nachricht. Natürlich kenne ich viele der Fakten und Abläufe über unsere sich schnell ändernde Welt in Zeiten des wandelnden Klimas. Doch anhand solcher sichtbarer Beispiele das ganze Ausmaß des Dramas zu sehen, ist nochmals eine andere Sache. Für einige Zeit fällt es mir schwer, die mich umgebene Natur genießen zu können. Ich muss immer wieder darüber nachdenken was wohl mit all den Millionen Menschen überall auf der Welt geschieht, wenn alle Gletscher abgeschmolzen sind, auf deren Existenz ihr Überleben aufbaut. Der Schwund ist dramatisch und Besserung ist nicht in Sicht – im Gegenteil.

Als wir uns durch das Geröll und über die Schuttablagerungen bis zur Gletscherkante vorgearbeitet haben, wird es Zeit die Steigeisen überzuziehen. Wir gewöhnen uns sehr schnell an die ungelenk wirkenden Schuhergänzungen. Zusammen mit jeweils zwei Stöcken geben sie uns beim Aufstieg über das Eis Halt und sicheres Auftreten. Die Oberfläche des Gletschers ist durchzogen von unzähligen Spalten und Gletschermühlen, in denen das Schmelzwasser im Untergrund verschwindet.

Wir sind fasziniert von der uns umgebenden Landschaft. Große, kleine und kleinste Geröllbrocken werden mit der Bewegung des Eises langsam in Richtung Tal transportiert. Nach einigen Stunden des stetigen aber moderaten Anstieges kommen wir an eine steil aufsteigende Felswand über die sich mehrere Wasserfontänen stürzen. In früheren Zeiten war auch hier das Gestein von einer massiven Eiswand überzogen. Doch in den immer wärmeren Sommern hat das Eis an dieser Stelle keine Chance mehr gegen die Kraft der Sonne.

Unsere Führer holen lange Seile aus dem Rucksack. Für uns beginnt ein spannender Aufstieg über glatten und steilen Untergrund.  Da jeder von uns einen Klettergurt um den Unterleib gebunden hat, können wir uns ins Seil einhaken und auch dieses Hindernis ohne Zwischenfälle überwinden. Oben angekommen befinden wir uns am Rande des patagonischen Eisfeldes. Hier oben ist das Eis trotz Sommerwärme nach wie vor mit Schnee bedeckt. Eine riesige weiße Fläche liegt vor uns, die nach wie vor stetig ansteigt. Alle Unebenheiten im Eis sind von der Schneefläche bedeckt. Wir ziehen uns Schneeschuhe über um auf der sich gegen Nachmittag aufwärmenden Schneemasse nicht allzu weit einzusinken. Als zwei Dreiergruppen sind wir nun mit je einem Seil miteinander verbunden. Ungefähr zehn Meter Abstand liegen zwischen uns. Sollte jemand in eine vom Schnee verborgene Gletscherspalte fallen haben die anderen beiden so die Chance ein weiteres Abrutschen zu verhindern und ihn oder sie wieder raufzuziehen. Der weitere Weg ist eigentlich einfach zu bewältigen, doch wir alle merken inzwischen, dass die Kräfte schwinden. Es ist inzwischen später Nachmittag. Wir sind schon elf Stunden in Bewegung. Unser Ziel für die erste Nacht ist eine kleine Schutzhütte die sich auf der Landesfläche von Chile befindet. Für kurze Zeit verlassen wir also Argentinien und marschieren in ein anderes Land. Ich muss wohl nicht erwähnen wie dämlich ich es fand, das wir um diesen Schlenker ins Nirgendwo – fern jeglicher Zivilisation machen zu dürfen, vor der Wanderung extra bei der Polizei in El Chaiten einen Ausreisestempel abholen mussten.  Die Hütte liegt etwas erhöht auf einem Geröllfeld und ist schon aus weiter Ferne sichtbar. Es ist erstaunlich wie lange „sichtbar“ sein kann, wenn jeder Schritt Mühe kostet und das Gewicht des Rucksacks unbarmherzig auf die Schultern drückt. Die Tasse voller Spagetti, die wir am Abend im Schutze der Blechwände zu uns nehmen könnte wohl köstlicher nicht schmecken. Ich bin seid fünfzehn Stunden auf den Beinen und mein Körper schreit eigentlich nach Ruhe und Schlaf. Doch gerade jetzt ist das nicht möglich. Ich kam zum fotografieren hier raus und jetzt beginnt nun mal die Zeit mit dem interessanten Licht. Mein Freund Luis war schon zu Beginn des Tages körperlich etwas angeschlagen. Tapfer hat er sich bis hier aufs Eisfeld geschleppt. Für ihn ist der Tag nun zu Ende. Fast wie in Trance fällt er aufs Bett und ist sofort eingeschlafen. Das beste Mittel um wieder zu Kräften zu kommen. Glück für mich, denn so kann ich mir sein Stativ ausleihen und in Ruhe arbeiten. Wer den ersten Teil dieses Berichtes gelesen hat weiß, dass ich meines erst Morgen erwarte. Wenn es dann hoffentlich durch einen topfitten Kurierservice gebracht wird.

Ich schleppe meine müden Glieder zur höchsten Stelle in dieser Umgebung. Der Ausblick ist wunderbar. Lässt man den Blick unseren auf dem Schnee gut sichtbaren Spuren folgen, blickt man direkt auf den „Fitz Roy“ und die ihn umgebenden Berge. Links von mir habe ich freie Sicht auf das Eisfeld  an dessen Horizont wiederum vereinzelte Gipfel von Gletschereis und Schnee überzogen sind. Hinter mir ist gerade in einem violett eingefärbten Himmel der fast volle Mond aufgegangen. Als die Sonne im Westen hinter dem Horizont verschwindet färben sich die Wolken über der Kulisse des „Fitz Roy“ ein. Es erstrahlt ein intensives Pink und bildet für wenige Minuten meinen emotionalen Höhepunkt an diesem wunderbaren Tag.

Alle anderen befinden sich schon in tiefen, erholsamen Schlaf, als ich nach Mitternacht zurück in die Schutzhütte komme. Obwohl ich komplett ausgelaugt bin schlafe ich nicht sofort ein. Zu wunderbar sind die Eindrücke die in meinem Kopf herumschwirren. Ich bin an einer der schönsten Stellen unseres Planeten und wir scheinen auch für die kommenden Tage Glück mit dem Wetter zu haben. Ein Lebenstraum wird gerade wahr.

Patagonien Teil 1 “Hosenlos” 25.01.2013

Es scheint tatsächlich zu klappen. Irgendwie mutet es unwirklich an den kleinen schwarzen Fleck in der endlos erscheinenden weißen Eisfläche langsam näher kommen zu sehen. Besonders mit dem Wissen das dieser höchstwahrscheinlich mein ganz persönlicher Zustellservice ist. Er wird mir mein Stativ bringen um an einem der schönsten Plätze der Welt in der Lage zu sein professionell zu arbeiten. Zehn Minuten später haben wir Gewissheit. Die patagonische Eisfeldpost arbeitet zuverlässig. Der topfitte Bergführer hat innerhalb eines Tages unsere Expeditionsgruppe eingeholt.

Eine Strecke, für die wir mit unserem schweren Gepäck fast zwei Tage gebraucht haben, hat er in neun Stunden bewältigt, um seine Fracht pünktlich abzugeben. Ich bin erleichtert. Das Experiment ist geglückt. Was war geschehen?

 

Es gibt Dinge die einem Fotografen auf Auslandseinsatz einfach nicht passieren sollten. Besonders wenn Termine anstehen die man auf keinen Fall verpassen möchte. Ich stehe am Gepäckband im kleinen Flughafen von El Calafate im argentinischen Patagonien und schon nach wenigen Minuten habe ich ein flaues Gefühl im Bauch. Die Reihen der Passagiere die noch auf Koffer warten lichten sich, und mir wird klar dass ich in Schwierigkeiten stecke. Für den morgigen Tag habe ich eine Expedition auf das patagonische Eisfeld gebucht um Fotos für mein neues Projekt „Naturwunder Erde“ zum Thema „Gletschereis“ zu machen. Doch mein Gepäck hat es leider nicht auf den gleichen Flieger geschafft. Meine zwei Freunde Lisa und Luis, welche mich auf der Wanderung begleiten werden, hatten mehr Glück. Ihre Ausrüstung ist komplett. Noch am selben Abend halten wir Krisensitzung im Büro unseres Reiseveranstalters. (www.walkpatagonia.com – sehr zu empfehlen) Wir sind im kleinen Ort „El Chalten“ welcher am Fuße der berühmten Berge „Cerro Torre“ und „Fitz Roy“ liegt. Hier ist der Ausgangspunkt für zahlreiche Wanderungen und Klettertouren in die patagonische Wildnis.

Laut Aussage der Fluggesellschaft wird das Gepäck am übernächsten Tag gegen Mittag geliefert. Das klingt nicht weiter Schlimm. Doch unsere Wanderung führt durch raues Land und die Wettervorhersage verspricht stabile Bedingungen in den kommenden Tagen. Mit jedem Tag den wir warten wird die Chance eines Wetterumschwungs größer. Was mich jedoch am meisten antreibt ist die Aussicht Vollmondlicht bei klarem Nachthimmel auf dem Eisfeld erleben zu können. Es hilft alles nichts – wir müssen wie geplant am nächsten Tag los. Zum Glück hatte ich meine Wanderschuhe und die Regenjacke im Flieger bei mir. Mein Handgepäck besteht aus der fast kompletten Fotoausrüstung, welche natürlich die Grundvoraussetzung für meine Arbeit ist. Das Einzige was mir ernsthaft Sorgen macht, ist das fehlende Stativ. Es ist für jeden Naturfotografen ein unerlässliches Werkszeug. Gerade auch hier in Patagonien wo ich von Gletschern und Bergen umgeben sein werde und das zu erwartende Mondlicht lockt. So entscheiden wir uns zu einem ungewöhnlichen Schritt. Zoe, die Organisatorin der Tour, engagiert einen weiteren Guide. Dieser wird, zwei Tage nach uns, in der Frühe mit leichtem Gepäck starten, um mir das Stativ und eine vernünftige Wanderhose direkt auf das Eisfeld zu bringen. Wenn alles klappt werden wir uns auf der Rückseite des „Cerro Torre treffen. Das er nicht mehr am selben Tag loslaufen kann an dem mein Gepäck voraussichtlich angeliefert wird, liegt an der Gletscherschmelze.  Auf dem Weg hoch zum Eisfeld gilt es einen Fluss zu überqueren der nur in den frühen Morgenstunden problemlos zu passieren ist. Je länger die Sonne auf die Eismassen scheint, desto stärker lässt das die Wasserwege anschwellen und wird für Menschen unpassierbar.

Den Tag über verbringe ich mit einer Tour durch die kleinen Läden El Chaitens um mir fehlende Ausrüstung zu leihen oder im Notfall auch zu kaufen. Zum Glück mangelt es hier an nichts. Jährlich kommen mehr Naturfreunde in dieses abgelegene Gebiet und so ist hier alles zu haben was das Wanderherz begehrt. Nicht ohne Stolz wirbt man hier mit dem Slogan „Wanderhauptstadt der Welt“.

Seit meinem letzten Besuch in El Chaiten vor acht Jahren hat sich viel getan. Neue Veranstalter haben sich angesiedelt, Restaurants eröffnet und die Zahl der Hotels nimmt ständig zu. Noch sind es in erster Linie junge Menschen mit Rucksäcken und langen Haaren die über die Hauptstraße schlendern. Doch spätestens seitdem vor drei Jahren die geteerte Straße von El Calafate nach El Chaiten fertig gestellt wurde, ändert sich das Bild zusehenst. Inzwischen kommen duzende Reisebusse mit Pauschaltouristen und die sorgen dafür, dass die Hotels immer größer werden und das Preisgefüge nach oben verschoben wird. Ich wage nicht zu sagen ob der Charme den dieser kleine Ort bis heute versprüht, auch in weiteren acht Jahren immer noch vorhanden sein wird. Am Spätnachmittag habe ich alles zusammen. Rucksack, Schlafsack, Isomatte und Regenhose sind geliehen. Unterwäsche, Sonnenbrille, Handschuhe und Hut gekauft. Wir haben zwei Bergführer und einen weiteren Träger im Team. Da auch Luis als begeisterter Hobbyfotograf viel Ausrüstung mit rumschleppt, haben wir uns dadurch eine kleine Erleichterung genehmigt, die sich aber nicht sonderlich bemerkbar macht. Die Wanderung wird acht Tage dauern und da kommt einiges zusammen. Besonders bei Lebensmitteln. Mit gut fünfundzwanzig Kilo auf dem Rücken habe ich ordentlich zu schleppen. Den ersten Preis in der Kategorie „dämlichstes Outfit“ geht eindeutig an mich. Eine dunkelblaue lange Unterhose und darüber eine viel zu große, kurze Sporthose sehen einfach umwerfend aus. Der „running Gag“ der Tour ist gefunden. Ich bin dem Spott meiner Freunde ausgeliefert, ertrage ihn aber in Würde. Immerhin haben wir durch meinen „Ausrüstungskompromiss“ die Chance auf eine Vollmondnacht am Fuße des „Cerro Torre“ wieder erhöht.

 

Es ist nach siebzehn Uhr als unsere sechs Personen große Gruppe den achtzig Kilometer langen Marsch beginnt. Die Tage hier im Süden sind lang so das wir durchaus noch eine gute Anzahl Kilometer bei Tageslicht schaffen können. Während ein großer Teil Patagoniens aus eher karger Steppenlandschaft besteht wachsen hier in den meist von Flüssen gespeisten Tälern Südbuchenwälder.

Diese Bäume haben durch ihr Alter wunderbar verwachsene Formen. Obwohl wir anfänglich durch Privatland laufen welches nicht in Form eines Nationalparks geschützt ist, haben die Bäume Urwaldcharakter. Hier hat man nie aus kommerziellen Gründen Holz gefällt. Als alter Waldfan bin ich sofort von der mich umgebenden Vegetation begeistert. Überall am Boden liegt totes Holz herum. Die Südbuchen gehören zur gleichen Familie wie die Myrtle-Bäume welche ich vor wenigen Wochen im gemäßigten Regenwald in Tasmanien fotografiert habe. Man sollte besonders hier in diesem Teil von Südamerika jeden Baum wie ein Heiligtum behandeln. Denn verglichen mit der Gesamtfläche Patagoniens sind es nur kleine Bereiche die bewaldet sind. Weiter im Süden wachsen die Bäume wegen des rauen Klimas kaum größer als Büsche. Im Norden werden die Regenwälder an den Andenhängen immer noch gnadenlos zu Holzschnipseln zerlegt – als Grundlage für Papier. Bei meiner ersten Patagonien-Reise vor acht Jahren, als das Schicksal dieser Wälder im Zentrum meiner Arbeit stand, habe ich das mehr als genug mitansehen müssen. Insofern bin ich fast erleichtert während der jetzigen Reise relativ entspannt durch diesen Märchenwald zu laufen um mich an der Schönheit dieser erhabenen Gestalten erfreuen zu können. Im dunkler werdenden Umgebungslicht gleichen die Silhouetten mehr und mehr den „Ents“, die wohl jedem „Herr der Ringe“ Fan nachhaltig in Erinnerung sind. Da die einzelnen Bäume recht weit auseinander stehen erleben wir an unserem ersten Abend in der Wildnis ein weiteres Schauspiel was solch eine Wanderung zu so Besonderem macht. Der fast volle Mond taucht über der Bergflanke auf und scheint zwischen den Zweigen hindurch bis auf den Waldboden. Das Licht ist so magisch das es mich in diesem Moment nicht wundern würde wenn plötzlich Elfen oder Zwerge vor uns stünden. Es ist so hell, das wir nur ganz selten unsere Taschenlampen einschalten müssen, um den Weg nicht aus den Augen zu verlieren. Das einzige Geräusch ist der mit Gletscherwasser gefüllte Fluss dessen Verlauf wir leicht ansteigend weiter ins Tal hinein folgen. Wir lagern erst als wir nah genug an dem Fluss sind, den wir am kommenden Morgen in der Frühe überqueren müssen. Es wird eine kurze Nacht. Trotzdem schlafe ich zufrieden ein.

Tasmanien Teil 3: “Von zivilem Ungehorsam” 15.01.2013

„Ziviler Ungehorsam“ ist keine Straftat und schon gar kein Ansatz zum Terrorismus. Unsere Welt wird immer mehr von den Machtinteressen großer Konzerne gesteuert. Allein in der Europäischen Union nehmen tausende Lobbyisten Einfluss auf unsere demokratisch gewählten Volksvertreter, damit innerhalb des als so freiheitlich gepriesenen westlichen Lebensstils der Wille des Geldes nicht zu kurz kommt. Friedlicher Widerstand ist in vielen Fällen wichtig und richtig und wird meiner Meinung nach vom der breiten Masse der Gesellschaft in der Regel viel zu wenig unterstützt. Es ist halt bequemer im Strom mit zu schwimmen und all die Segnungen unserer Überflussgesellschaft kritiklos zu konsumieren, als zu hinterfragen und die negativen Auswirkungen unserer „schönen neuen Welt“ verbessern zu wollen. Das oft schon kleine Gruppen mit gezielten Kampagnen viel Wirbel verursachen und Veränderungen bringen können, zeigt die tägliche Arbeit unzähliger Nichtregierungsorganisationen und Bürgerinitiativen weltweit.

Dass diese in den Medien von rechten Betonköpfen oft als „Gutmenschen“ verspottet werden sehe ich eher als Auszeichnung, denn als Affront. Es muss doch inzwischen jedem halbwegs Gebildeten klar sein, das die Menschheit unseren Planeten in Zukunft nicht mehr im gleichen Maße ausbeuten darf wie in der Vergangenheit. Kapitalismus und Wirtschaftswachstum funktionieren auf Dauer nur dort, wo unbegrenzte Ressourcen vorhanden sind. Unsere Heimat, die Erde ist zwar groß aber nicht Grenzenlos.  Doch all den gierigen, machtgeilen, superreichen Anzugträgern in den Chefetagen der Geld-, Holz-, Erdöl- Kohle-, Nahrungsmittel-, und anderer Konzernindustrie die mit Rohstoffen hemmungslose Wachstumsorgien betreiben, scheint dies völlig egal zu sein. Anstatt ihre in den vergangenen Jahrzehnten angehäuften Reichtümer zu nutzen um in nachhaltige Alternativen zu investieren, wird an der Macht festgehalten um den Planeten möglichst bis zum letzten Moment mit selbstzerstörerischen Strukturen zu bestehlen.

Für jedes Problem gibt es auch eine Lösung bzw. eine bessere Alternative. Aber anstatt in einem bisher nie dagewesenen Kraftakt das Ruder rum zu reißen und weltweit auf naturnahe Landwirtschaft, erneuerbare Energien, und nachhaltige Rohstoffnutzung zu setzen, werden weiter neue Kohlekraftwerke gebaut, Urwälder gerodet, Ozeane überfischt und unsere Erde wider besseres Wissen für nachfolgende Generationen immer mehr ruiniert.

Auf meiner Tasmanien-Reise habe ich ein wunderbares Beispiel zivilen Ungehorsams kennen lernen dürfen und freue mich, dass es auch auf der anderen Seite der Welt zumindest einem Teil der Bevölkerung nicht egal ist was mit unseren Lebensgrundlagen geschieht. Lange bevor Miranda Gibson (wie im 1. Teil berichtet) auf den Baum gestiegen ist um ein sichtbares Zeichen gegen die unsägliche Abholzung tasmanischer Urwälder zu setzen, gab es im „Upper Florentine“ Tal eine der am längsten andauernden Blockaden in der Geschichte der  australischen Umweltbewegung. Diese dauert praktisch bis heute an. Das „Florentine“  ist neben den „Styx“, „Weld“ und „Huon“ Tälern eines jener Gebiete die wegen ihrer riesigen Eukalyptusbäume von höchstem ökologischem Wert sind und sich leider nur am Rande des UNESCO Weltnaturerbe Gebietes befinden, aber nicht darin. Vor sechs Jahren begann die Forstwirtschaft eine vier Kilometer lange Straße in das bis dahin völlig intakte Wildnis-Gebiet zu schlagen um dann mithilfe weiterer Straßen den Wald systematisch zerstören zu können. Dies löste einen Sturm der Entrüstung aus und es begann eine Auseinandersetzung die wohl in diesem Ausmaß bisher in der Geschichte einmalig ist. Die Straße wurde von den Umweltschützern mit Kreativität und Ausdauer über die Jahre blockiert und so die Holzfäller an ihrem Tun gehindert. Bis zu hundert Menschen nahmen in den Hochzeiten der Blockade an den Aktionen teil, Monat für Monat, Jahr für Jahr. Unzählige Male wurde das Camp von der Polizei geräumt oder von Randalierern zerstört und immer wieder aufgebaut. Große Umweltbewegungen hatten ihren Anteil am Widerstand, doch die Hauptlast trugen die örtlichen Bürgerbewegungen, die mit wenig finanziellen Mitteln aber viel Mut und Einsatz den Widerstand am Leben hielten.

Als ich das „Florentine Camp“ erreiche, treffe ich dort auf zwei Brüder aus der Bürgerbewegung die hier für einige Zeit die Stellung halten und vorbeifahrende Touristen über die Problematik der Urwaldzerstörung informieren. Ich werde freundlich aufgenommen und fühle mich hier sofort pudelwohl. Rechts und links der Straße ragen riesige Eukalyptusbäume in die Höhe. Taucht man in den Wald ein, befindet man sich sofort in einer anderen Welt. Die Umweltschützer haben im Laufe der Zeit diverse Wanderwege angelegt welche ich dankbar beschreite um meine Bilder vom gemäßigten Regenwald zu machen. Die ganz großen Bäume kommen im reinen Regenwald nicht vor, denn Eukalypten können sich mit den Schalen ihrer Samen nur durch Feuer vermehren. Doch das Gebiet um das Camp herum ist dank hoher Niederschläge, mit allen Attributen eines Regenwaldes ausgestattet. Diese Vegetation ist für mich eine der schönsten Waldtypen überhaupt. Vereint sie doch die monumentale Größe der Baumriesen mit den hemmungslosen, alles überziehenden grünen Moosteppichen des Regenwaldes. Eine betörende Mischung. Wie erkaltet muss ein Menschenherz sein, das hier mit der Säge ankommt um diese Harmonie zu zerstören.

Ich habe mehrere Tage Zeit meine Bilder zu erarbeiten. Die Temperaturen sind recht erfrischend,  was mir sehr entgegen kommt. Ein zumeist bedeckter Himmel und hin und wieder Regen erleichtern die Arbeit.

 

Natürlich war ich auch in reinen Regenwaldgebieten unterwegs. In ihnen ist der „Myrtle“ Baum dominierend. Diese Bäume können im Laufe der Jahrhunderte imposante Formen annehmen und stattliche Größen erreichen. Doch neben den Eukalytusbäumen wirken sie richtig mickrig. Der „Myrtle“ stammt aus der Familie der Südbuchen, welche auch in Südamerika, in Patagonien heimisch sind. Der größte zusammenhängende reine Regenwald befindet sich im Nordwesten Tasmanien, dem Tarkine. Eine bis heute wilde, abgeschiedene Region, die aber durch massive Minenprojekte sehr stark gefährdet ist. Ich durchstreife dort verschiedene Wälder und unternehme abenteuerliche Erkundungen im dichten Unterholz zu Wasserfällen und abgelegenen Aussichtspunkten. Doch meine faszinierendsten Regenwaldbilder bekomme ich an einer Stelle, die man ganz leicht per Spaziergang erreichen kann. Am Besucherzentrum des „Cradle Mountain“ Nationalpark führt ein gut ausgebauter Bohlensteg auf einem kleinen dreißig minütigen Rundweg durch einen zauberhaften Märchenwald.

Ich habe so auf ganz einfache Weise die Möglichkeit, morgens und abends die verschiedenen Lichtsituationen zu nutzen. Im Wald  fotografiere ich immer nur mit indirektem Licht. Es ist erstaunlich wie sich der Zeitpunkt und der Einstrahlwinkel der Hauptlichtquelle auf die Fotos stimmungsmäßig auswirken.

Als ich mit meinen Freunden im „Florentine Camp“am Lagerfeuer sitze, kann ich schon recht entspannt auf eine stattliche Ansammlung schöner Bilder blicken. In den vergangenen zwei Wochen habe ich immer wieder Kontakt zu Miranda Gibson gehalten. Ich wollte erfahren ob ein Besuch auf ihrer Plattform noch innerhalb meines Aufenthaltes in Tasmanien möglich sein wird. Es waren die Waldbrände welche die ganze Aktion für einige Zeit gefährdet haben. Ein Feuer war gefährlich nahe an die Region herangekommen in der Miranda seit über vierhundert Tagen auf einem riesigen Eukalyptusbaum ausharrt. Erst als es völlige Entwarnung gibt, ist Miranda bereit wieder Besucher zu empfangen. Heute habe ich das OK erhalten. Ein Team aus professionellen Kletterern wird mich am letzten Tag meiner Reise zu ihr in die Höhe befördern.

Ich treffe morgens um acht Uhr am Fuße des „Observertree“ ein. Vier Aktivisten aus Hobard sind anwesend.  Sie alle sind gekommen nur um mich auf den Baum zu ziehen. Ich freue mich sehr dass die ganze Sache noch klappt. Ich bin aber auch ein wenig nervös, denn die sechzig Meter bis hoch zur Plattform sehen von hier unten verdammt weit weg aus. Bei solchen Gelegenheiten kann man wunderbar lernen seine Ängste in den Griff zu bekommen und die eigenen Grenzen wieder etwas weiter auszudehnen. Ich bekomme die Ausrüstung angelegt und werde an das Seil gehängt, welches Miranda zuvor aus der Höhe herab gelassen hat. Am Anfang schließe ich die Augen und hänge ziemlich verkrampft im Seil. Meter für Meter geht es nach oben. Immer wieder drehe ich mich hin und her was nicht gerade zur Entspannung beiträgt. Mit der Zeit überwiegt die Neugier und ich beginne meine Umgebung zu studieren. Es ist eine interessante Perspektive hier zwischen den Bäumen zu hängen. Kaum habe ich begonnen die Anblicke zu genießen, hänge ich auch schon unterhalb der schmalen Eingangsplatte und Miranda zieht mich herein. Zuerst sichert sie mich mit einem anderen Seil, so dass ein Sturz über den Rand der Plattform praktisch unmöglich ist. Sie selbst ist ebenfalls jederzeit mit einem Seil gesichert. Wer einmal starke Windböen in 60m Höher erlebt hat weiß wie schnell die einen wegblasen können. Zum Glück ist es momentan absolut windstill und der Himmel ist von einer Wolkenschicht bedeckt. Ideale Bedingungen für mein Anliegen. Miranda ist eine recht zierliche Frau Anfang dreißig. Ich bin fast zwei Stunden in ihrem Reich über den Bäumen. Der Ausblick ist wunderschön, wären da nicht die vielen Kahlschläge die man von hier ebenso erkennen kann wie die noch intakten Wälder. Nachdem wir uns über die momentane politische Situation unterhalten haben beginne ich damit einige Fotos von ihr zu machen.

Ich möchte ihre Geschichte unbedingt in meiner neuen Show einbauen. Sie ist ein positives Beispiel dafür was ein einzelner Mensch zu leisten vermag, wenn er Ideale hat und fest an eine Sache glaubt. Die Bilder zeigen  eindrucksvoll wie winzig die Plattform ist auf der die seit so langer Zeit ihre Tage verbringt. Langweilig ist dies wohl nicht. Sie gibt mir einen Einblick wie stark sie dank moderner Technik mit dem Rest der Welt vernetzt ist. Diese Aktion bringt nur Erfolg, wenn möglichst viele Menschen davon erfahren und sich mit den Zielen solidarisieren. Das ist ein Fulltimejob der nie langweilig wird. Trotzdem bedarf es einer ungeheuren mentalen Stärke hier oben auszuharren. Ich bin mir nicht sicher ob ich dazu fähig wäre. Ich stelle ein kleines Aufnahmegerät zwischen uns und sie spricht innerhalb eines einzigen Versuchs ohne sich zu verhaspeln über ihre Mission. Diese zwei Minuten werden die Besucher der Multivisionsshow später Mirandas Stimme hören können, angereichert mit meinen Bildern. Miranda mag zierlich erscheinen, doch ihr Wille ist ungebrochen. Ich glaube ihr aufs Wort wenn sie mir sagt das sie erst wieder einen Fuß auf die Erde setzen wird, wenn die Urwälder um sie herum nicht mehr zerstört werden.

 

Am selben Abend sitze ich schon wieder im Flieger nach Hause. Der Besuch bei dieser Frau wirkt noch lange auf mich nach. Gäbe des doch auf der Welt mehr Miranda Gibsons. Warum sind solche Leute immer die Minderheit? Mich hat die Begegnung mit ihr enorm motiviert, innerhalb meiner Möglichkeiten mit aller Kraft weiter zu machen. Meine Fotografien haben ebenfalls Potenzial zur Motivation und Begeisterung von Menschen. Je mehr sie zu Gesicht bekommen, desto größer die Chance das der Eine oder Andere seine ganz private Miranda Gibson in sich entdeckt.

Keine zwei Wochen nach meinem Besuch auf Mirandas Plattform hat die australische Regierung bekannt gegeben, das sie auf einer Fläche von 170.000 Hektar den Wald schützen, und an die UNESCO den Antrag stellen möchte, diese Gebiete ins Weltnaturerbe aufzunehmen. Das wäre ein großartiger Erfolg und für Miranda auch Gelegenheit ihren Baum wieder zu verlassen, denn dieser Antrag beinhaltet praktisch all jene Täler in denen die großen Eukalyptusbäume stehen und weswegen die Umweltbewegung seit mehr als dreißig Jahren kämpft. Doch Worten müssen Taten folgen. Zum Zeitpunkt als ich diese Zeilen schreibe ist Miranda immer noch auf der Plattform denn ihre Kollegen haben nach wie vor Einschläge genau dort nachgewiesen wo eigentlich der Schutzstatus kommen soll. Es darf aber durchaus gehofft werden, dass der „zivile Ungehorsam“ zum Erfolg führen wird und ein kleiner aber wichtiger Teil Natur unseres Planeten vor der weiteren sinnlosen Zerstörung verschont bleibt.

 

Tasmanien Teil 2: “Von Oben” 10.01.2013

Die Hitzewelle die weite Teile Australiens und den östlichen Teil Tasmaniens erfasst hat dauert unvermindert an.  Für die kommenden vier, fünf Tage sind selbst für den regenreichen Westen der Insel wolkenfreie Tage prognostiziert. Nicht gerade die besten Voraussetzungen um gemäßigten Regenwald zu fotografieren. Für meine Bildsprache brauche ich bedeckte, gar regnerische Tage mit Nebel um die Fotos zu bekommen die ich innerhalb des Waldes erhalten möchte. Ich versuche aus der Not eine Tugend zu machen und überlege, wie ich diese Wetterlage am Besten für meine Zwecke nutzen kann. Es gilt eine Möglichkeit zu finden die Regenwälder als Teil der Gesamtlandschaft zu fotografieren, und so komme ich sehr bald zu dem Schluss, dass es jetzt genau der richtige Zeitpunkt ist einen Berg zu besteigen. Die zu erwartende Fernsicht wird diese Aufnahmen ermöglichen. Meine Wahl fällt auf einen Berg mit dem lustigen Namen „Frenchmans Cap“. Wie sich später heraus stellt, sieht er aus einem bestimmten Winkel betrachtet tatsächlich wie ein Franzosenhut aus. Er ist der höchste Gipfel  im weiten Umkreis und wenn ich meinen Kartenleserinstinkten vertrauen darf verspricht er 360 Grad Ausblicke auf die von der UNESCO als Weltnaturerbe anerkannte Wildnis, in deren Tälern sich der gemäßigte Regenwald befindet.

Im Wanderführer wird die Tour mit 4-5 Tagen angegeben was für mich eine logistische Herausforderung darstellt. Wenn ich alleine unterwegs bin kommen sehr schnell sehr viele Kilo zusammen die man an Gepäck durch die Gegend schleppen muss. Zusätzlich zur eh schon schweren Fotoausrüstung incl. Stativ, Gehäuse und 3-4 Objektiven, packe ich mein Zelt, Isomatte, Schlafsack und genügend Kleidung ein. Hier sollte man genau überlegen was tatsächlich benötigt wird. In der Regel ist es weniger als man denkt, wenngleich natürlich an der Grundausstattung gegen Kälte, Wind und Regen nicht gespart werden darf. Wichtige Details wie Sonnencreme, Toilettenpapier und Hut dürfen nicht vergessen werden. Hat man alles glücklich im Rucksack kommt dann ein weiterer schwerwiegender Faktor obenauf nämlich die Nahrung. Kaum zu glauben was sich da an Gewicht anhäuft wenn man vier, fünf Tage etwas zu essen haben möchte. Wenn ich alleine unterwegs bin verzichte ich bewusst auf warme Mahlzeiten um mir den Kocher und extra Geschirr sparen zu können. Einmal am Tag gibt es Müsli mit Milchpulver und ansonsten Käse, Brot und Streichcreme. Das Schöne beim Trekking ist dass man keine Gewissensbisse haben muss zahlreich Schokolade zu sich zu nehmen, denn der Körper ist für diese Art von Energie sehr dankbar. Natürlich ist es unumgänglich genau zu prüfen ob auf der zu erwartenden Tour genügend Flüsse den Pfad kreuzen um auch mit Trinkwasser versorgt zu sein. In diesem Fall ist das in ausreichendem Maße der Fall, so dass mir zwei Halbliter Plastikflaschen, rechts und links am Rucksack befestigt, für den Trip genügen werden.

Letztendlich starte ich mit fast 30 kg auf dem Rücken, was bei meinem nicht gerade massiven Körperbau wirklich das absolute Limit darstellt. Wenn es meine Kondition zulässt möchte ich am ersten Tag eine Strecke von sechzehn Kilometern hinter mich bringen. Das ist besonders bei den hohen Temperaturen wirklich kein Pappenstiel. Wenn es wirklich heiß ist, muss dem Körper praktisch ständig Wasser zugeführt werden, damit er leistungsfähig bleibt. Bei jedem kleinen Rinnsal halte ich an und fülle die Flasche auf, eine Energiequelle die nicht versiegen darf. Nachdem der Wanderweg einen ersten kleineren Bergzug überwunden hat, komme ich im nächsten Tal in ein bei vielen Wanderern gefürchtetes Moorgebiet. Auf einer sechs Kilometer langen Strecke nähert man sich dem eigentlichen Bergzug zudem auch der Zielgipfel gehört. Laut den Informationstafeln die am Anfang des Trails aufgestellt sind gibt es Zeiten an denen der geneigte Naturfreund hier bei jedem Schritt bis zu den Knien im Morast zu versinken droht. Kein schöner Gedanke mit schwerem Rucksack auf dem Buckel. Ausgerechnet die unschöne Hitzewelle kommt mir hier zur Hilfe, denn durch den mangelnden Regen in den letzten Tagen und die starke Sonnenstrahlung sind viele der Sumpflöcher ausgetrocknet oder zumindest weniger tief. Natürlich versucht jeder Wanderer das Einsinken im Schlamm zu vermeiden und sucht sich Grasbüschel und Erhöhungen auf denen er das stabil laufen kann. Das führt an vielen Strecken dazu dass ein einst schmaler Pfad immer weiter ausfranst und die eigentlich geschützte Vegetation dabei auf breiter Fläche nachhaltig geschädigt wird. Deshalb geht die Verwaltung der Nationalparke in Tasmanien inzwischen dazu über, an solch fragilen Stellen massive Holzstege zu bauen, auf denen man trockenen Fußes durch die Landschaft kommt. Das mag dem Einen oder Anderen weniger Authentisch erscheinen, doch ich finde es ist eine vernünftige Maßnahme die dem Schutze der Natur dient und eine gute Verwendung der Nationalparks-Gebühren ist. Auf einem Drittel der Strecke sind die Stege über das Moor schon fertig, und die angrenzende Natur beginnt sich sichtbar zu erholen, da keiner mehr in ihr herumirrt.

Als ich den Wald erreiche freue ich mich über leicht kühlenden Schatten. Dafür steigt jetzt der Weg an, was meine Geschwindigkeit stark nach unten sinken lässt. Der schwere Rucksack fordert seinen Tribut. Alle halbe Stunde mache ich für ein paar Minuten Pause um die Schultern zu entlasten und kämpfe mich so durch eine wunderschöne Regenwaldszenerie, die trotz sichtbarer Trockenheit immer noch ihren Zauber versprüht. Gegen Abend erreiche ich mein Etappenziel. An einem von Bergen umgebenen See finde auf einem Moosteppich einen schönen Zeltplatz. Ich erkunde die mich umgebene Landschaft und beschließe, dass die hier vorhandenen Motive eindeutig im Morgenlicht zu fotografieren sind. Nach einem nicht allzu üppigen Abendessen falle ich erschöpft in tiefen Schlaf. Nicht ohne zuvor noch den Wecker gestellt zu haben. Denn das Ausnutzen von guten Lichtsituationen hat bei solchen Touren absolute Priorität, egal wie erschöpft ich bin. Draußen ist es immer noch helllichter Tag. Die Sonne geht erst weit nach einundzwanzig Uhr unter, richtig Dunkel ist es erst viel später.

Die Nächte sind hier kurz, besonders für Naturfotografen. Weit vor Sonnenaufgang stehe ich am Seeufer und platziere das Stativ an einer der wenigen Stellen die eine freie Sicht auf die Landschaft verspricht. Über dem See liegt eine zarte Nebelschicht die dem Foto einen zusätzlichen Reiz verleiht. Es zahlt sich aus, dass ich mir am Vorabend noch die Mühe machte im Unterholz nach einem geeigneten Zugang zu suchen. Am Morgen hätte ich die Stelle im Halbdunkel nicht gefunden oder wäre zu spät zum Fotografieren gekommen. Als die Sonne ihre ersten direkten Strahlen auf die Berghänge scheint, bin ich schon wieder am Zelt und bereite mein Frühstück zu. Ich werde heute früh aufbrechen, da ich schon am Abend auf den Gipfel stehen möchte.

Der Wanderpfad folgt parallel dem Seeufer. Ich finde mich umringt von wilden alten Bäumen mit Regenwaldcharakter. Die Wasserfläche ist immer nur als Ausschnitt zwischen dem Gewirr aus Ästen und Büschen zu sehen. Am Ende des Sees geht es endgültig steil nach oben. Heute sind die Temperaturen merklich angenehmer. Die größere Höhe macht sich bemerkbar. Mit gelegentlichen Fotostops brauche ich gute drei Stunden bis zum Pass. Die Aussicht von der Passhöhe ist grandios. Nach Süden hin fällt der Blick auf die von hier aus endlos erscheinende Wildnis und vor mir erhebt sich zum ersten Mal sichtbar der Gipfel des Frenchmans Cap. Dazwischen liegt ein weiterer Bergzug den es erst noch zu umrunden gilt. Der Wald weicht hier oben mehr und mehr einer buschartigeren Alpinen Vegetation. Wegen des wolkenlosen Himmels ist es schwer vorstellbar das ich hier in einem Gebiet mir hohen Niederschlägen wandere, doch die Vielzahl an verschiedenen Pflanzen sprechen da eine eindeutige Sprache. Das Lager befindet sich wieder an einem Bergsee genau am Fuße der eigentlichen Erhebung des Gipfels. Ich erreiche das Etappenziel am frühen Nachmittag. Es ist eine ähnliche Szenerie wie am Vorabend nur ist alles hier oben noch einen Tick anmutiger, ja gar lieblich. Ein Ort zum Träumen. Man hat hier freie Blicke auf den See und die steil aufragenden Felsen des Berges und die Bäume und Sträucher spiegeln sich in perfekter Symmetrie im windstillen Wasser.

Jetzt bin ich dem eigentlichen Ziel meiner Tour, nämlich die Wildnis von oben zu fotografieren schon recht nah. Ich nutze den Rest des Nachmittags zur Erholung. Von anderen Wanderern weiß ich, dass der Marsch auf den Gipfel von hier aus ca. eineinhalb Stunden dauert. Wegen der Wetterlage ist für mich, zumindest fotografisch, nur die Zeit zwischen Sonnenuntergang und Dunkelheit interessant. Deshalb starte ich den Aufstieg erst nach neunzehn Uhr. Es geht von Beginn an steil nach oben. Ich habe nur noch die Fotoausrüstung und ein wenig Verpflegung auf dem Rücken, was merkliche Entlastung bedeutet. Die alpine Vegetation ist flacher und offener als der Wald und bietet immer wieder betörende Blicke zurück auf den See. In der Nähe des Ufers kann ich mein orangenes Zelt zwischen den Grüntönen der Bäume aufblitzen sehen.  Ab einer gewissen Höhe wachsen nur noch Bodendecker zwischen den Felsen und der Pfad führt steil über loses Geröll und  große Steinplatten. Kaum erreiche ich die, dem Berg wohl seinen Namen gebende, abgeflachte Gipfelseite, bläst mir ein starker Wind ins Gesicht der die Hitze der vergangenen Tage schnell vergessen macht. Als ich dann wenig später auf dem höchsten Punkt des Berges stehe fühle ich es wieder, das Hochgefühl. Tiefe Zufriedenheit und ein wenig Stolz erfüllt mich. Dazu kommt noch die Erkenntnis, dass mein Gespür mich nicht betrogen hat. Die Ausblicke die sich mir bieten sind einzigartig. Bis an die Horizonte in jeglicher Richtung sehe ich einen Höhenzug der sich an den Anderen reiht. Je nach Lichteinfall  und Entfernung verändern sich die Farben.

Als der Sonnenball im Westen über dem von hier aus sichtbaren Ozean verschwunden ist, beginnt meine Arbeit. Auf Hochtouren rase ich von einem guten Ausblickpunkt zum anderen um möglichst keinen schönen Moment zu verpassen. Die entscheidenden Minuten sind jene, an denen der Himmel dieselbe Helligkeit aufweist wie das sich unter ihm ausbreitende Land. Je nachdem wie viel Restlicht noch hinter dem Horizont nachstrahlt und auf der gegenüber liegenden Seite im Osten in Partikeln oder Wolkenfetzen Reflektion findet, lässt die Aufnahme mehr oder weniger farbig erscheinen. Erst als es praktisch komplett Dunkel ist mache ich mich im Schein des Mondlichtes auf den Abstieg. Nur an wenigen steilen Stellen nehme ich meine Taschenlampe zur Hilfe. Erst weit nach Mitternacht liege ich im Schlafsack. Zeit zum Schlafen bleibt kaum denn ich habe mir fest vorgenommen das gleiche Schauspiel mit den sich wechselnden Lichtstimmungen noch einmal zu erleben. Diesmal nur in umgekehrter Reihenfolge: von Dunkel nach Hell. Unerbittlich klingelt mich der Wecker um halb vier aus dem Tiefschlaf. Als ich das Zelt verlasse breitet sich über mir in selten gesehener Klarheit die gesamte Milchstraße aus. Mit schweren Gliedern mache ich mich an den erneuten Aufstieg. Blöd das ich wegen den wenigen Stunden nicht einfach auf dem Gipfel geblieben bin, aber da oben war es einfach zu windig. Zumindest am Abend denn momentan scheint kein Windhauch die totale Stille und den Frieden dieser Nacht zu stören.

Auf halber Höhe zum Gipfel versuche ich mich an einer Nachtaufnahme vom Sternenhimmel zusammen mit dem aufragenden Berg. Dies gelingt dank Digitaltechnik auch ganz gut. Noch in fast völliger Dunkelheit stehe ich später am selben Ort wie wenige Stunden zuvor und warte auf die ersten Anzeichen des neuen Tages. Ich habe diese Prozedur im Laufe meiner über zwanzig Jährigen Karriere als Fotograf inzwischen unzählige Male erlebt und werde nie müde werden erneut nach diesem Schauspiel zu suchen.  Es sind eben jene wenigen Minuten zwischen Tag und Nacht die mir Gänsehaut bereiten. Sie lassen mich zum „Jäger des Lichts“ werden, wie man uns Naturfotografen auch gerne nennt. Mit den ersten Sonnenstrahlen die ihren Weg über den Horizont schaffen ist ein Großteil der Magie auch schon wieder verschwunden, besonders wenn es keine Wolken am Himmel gibt wie momentan. Zufrieden, aber völlig übermüdet mache ich mich auf den Rückweg.

Ich erreiche das Lager zu einem Zeitpunkt als manch anderer Wanderer den Tag begrüßt und freue mich bis zum Nachmittag im wahrsten Sinne des Wortes nichts tun zu müssen. Am Abend möchte ich zurück zum Pass laufen um dort den nächsten Sonnenuntergang zu fotografieren. Ich werde dort ankommen und keine gute Lichtstimmung vorfinden. Am kommenden Tag werden sich die ersten Wolkenfelder bilden die mich gegen Nachmittag mit starken Regenfällen zurück zum Ausgangspunkt der Tour begleiten. All jene Wanderer die mir auf dem Rückweg entgegen kommen, werden kaum Chancen haben vom  „Frenchmans Cap“ einen Ausblick genießen zu können. Ich habe alles richtig gemacht.

 

Tasmanien Teil 1: “Von Umweltbewegten” 05.01.2013

Gibt es noch wahre Helden? Finden sich noch Menschen die sich für ein Ideal oder eine Sache an die sie glauben einsetzen, und ihre eigenen Bedürfnisse dafür weit nach hinten anstellen? In einer Welt die mehr und mehr durch die Ellenbogen-Mentalität des Kapitalismus geprägt ist, also eher den Eigennutz nährt als das Allgemeinwohl fördert, ist diese Frage wohl berechtigt. Wo sind sie geblieben, unsere Vorbilder zu denen wir gerne aufschauen und von denen wir uns inspirieren lassen?

Ich habe solch einen Menschen getroffen und freue mich hier von Ihr erzählen zu können. Bei der Recherche zum Thema „Gemäßigter Regenwald“ für mein Greenpeace Project „Naturwunder Erde“ stieß ich durch Zufall auf die Seite „observertree.org“ Dabei fand ich heraus das sich in den Wäldern Tasmaniens eine junge Frau seid über einem Jahr auf einer sechzig Meter hohen Plattform in einem Urwaldbaum befindet um damit gegen die andauernde Zerstörung alten Waldes zu protestieren. Zuletzt hatte ich von solch einer Aktion in den USA gehört, wo eine Aktivistin mehr als zwei Jahr auf einem Baum ausgeharrt hat um die umliegenden Wälder zu schützen. Damals ging es um die riesigen „Redwoods“ in Nordamerika, im aktuellen Fall um die nicht minder imposanten Eukalyptusbäume.

Mir ist übrigens aufgefallen, das wenn es um wirklich außergewöhnliche Lebensleistungen im Naturschutz geht, es zumeist Frauen sind die sich hierbei auszeichnen. Dian Fossey mit ihrer Arbeit bei den Gorillas, oder Jane Goodall die “Schimpansenfrau“ sind zwei prominente Beispiele. In meiner Geschichte ist es nun Miranda Gibson, die „Dame im Baum“ die ich unbedingt treffen und innerhalb meiner Arbeit vorstellen möchte.

Tasmanien ist eine südlich von Australien gelegene Insel die ungefähr die doppelte Größe der Schweiz aufweist. Landschaftlich ist Tasmanien ein Mikrokosmos der viele verschiedene Ökosysteme besitzt, nicht zuletzt eine der größten verbliebenen Flächen „gemäßigten Regenwaldes“, die uns auf der Erde bis heute erhalten sind. Der Hauptunterschied zwischen gemäßigtem“ und „tropischen“ Regenwald sind die Temperaturen. Während es in beiden Waldtypen sehr viel regnen muss, wachsen die „gemäßigten“ Regenwälder in Regionen die viel kälter sind, also weiter weg vom Äquator und meist in der Nähe von Küsten. Besonders um naturverbundene Touristen anzulocken wirbt man Stolz damit, dass fast die Hälfte der Landmasse Tasmaniens unter Schutz gestellt ist. Doch genau an dieser Stelle lohnt es sich einen zweiten Blick zu riskieren und etwas genauer zu hinterfragen. Denn trotz zweifellos imposanter Wildnisgebiete leidet die Natur bis heute unter immensen menschlichen Eingriffen die schon vor über dreißig Jahren zur Bildung einer Umweltbewegung geführt haben, welche bis heute ein fester Bestandteil des politischen Alltages geworden ist. Begonnen hat der Widerstand als man plante weite Teile unberührter Natur für Wasserkraft zu fluten. Wenn man eine aktuelle Landkarte Tasmaniens betrachtet, so sieht man das viele der Projekte nicht verhindert werden konnten. Unter den heutigen Gesichtspunkten des Kimawandels ist Wasserkraft natürlich keine „böse“ Energie. Damals spielten diese Aspekte aber noch keine maßgebliche Rolle und es wurden in erster Linie viele, viele Quadratkilometer Natur zerstört. Der heutige Konflikt findet in erster Linie auf zwei Themenfeldern statt. Da sind zum Einen Minen geplant, welche die Landschaft auf riesigen Flächen umpflügen und eine trostlose Ödnis hinterlassen. Zum Anderen werden, aus meiner Weltsicht völlig unverständlich, auch heute noch die letzten Reste tasmanischen Urwaldes vernichtet.

Neben den Regenwäldern, in denen die Süd-Buche als dominante Baumart existiert, gibt es auf der Insel trockene Eukalyptuswälder. Trockener und feuchter Wald überschneiden sich an gewissen Höhenlagen der Gebirge und haben eine Naturform geschaffen, die wirklich unglaublich schön und ökologisch von höchstem Wert ist. Jahrhunderte Alte, bis zu hundert Meter hohe Baumgiganten stehen an den Hängen der Berge. Eukalyptusbäume vermehren sich durch Feuer, weshalb sie im reinen Regenwald keinen Lebensraum finden, da es dort auf natürliche Weise nicht brennt. Wo sich beide Waldarten vermischen, die Baumriesen im Unterholz von Moosteppichen, Farnen und Pilzen umsäumt sind, fühlt man sich wie im Märchenwald. Nun kann man es begrüßen, das auf der Insel viele Gebiete geschützt sind, oder aber auch beklagen, das bei der Ausweisung dieser Orte in den allermeisten Fällen die für das Klima und die Natur so wichtigen Wälder mit den großen Bäumen ausgespart wurden. Das dies unter ökonomischen Gesichtspunkten geschah ist kein Geheimnis, denn wenn es in unserer Welt um Umwelt- kontra Gewinninteressen geht, so hat die Bewahrung der Schöpfung in der Regel die viel schlechteren Karten. So werden bis heute auf Tasmanien im „Kahlschlagverfahren“ Urwälder für den schnellen Gewinn geopfert.

Die Flächen werden danach mit Feuer gesäubert, was weitere Arten verdrängt, und dann meist als reine Plantagen in Monokultur als Kiefern- oder Eukalyptusödnis nachgepflanzt. Mit Millionenbeträgen aus Steuergeldern wurden über 8000 km Forststraßen in die Wälder gebaut. Wer im Gegenzug eine versprochene nachhaltige Arbeitsplatzsicherung erwartet hat, erlebte nur Enttäuschungen. Eben wegen der fehlenden Nachhaltigkeit liegt die tasmanische Forstindustrie am Boden. Doch ähnlich wie unsere heimische Debatte über die Atomkraft geht es hier längst nicht mehr um Argumente sondern um Ideologie. Die „Grünen“ oder „Greenies“ wie sie in Tasmanien genannt werden,  dürfen einfach nicht Recht behalten – und so geht der Wahnsinn in vielerlei Form auf diesem Erdball weiter.

Cecily ist eine Umweltaktivistin die seid den Anfängen der Bewegung vor über dreißig Jahren mithilft, das der Widerstand gegen Unvernunft und Maßlosigkeit nicht ermüdet. Sie ist die Ansprechpartnerin für  Mirandas Angelegenheiten. Nachdem ich sie überzeugt habe, dass meine Intensionen redlich sind  gibt sie mir die Möglichkeit das Projekt der Baumbesetzung näher kennen zu lernen. Zusammen verlassen wir die Hauptstadt Hobart und fahren für zwei Stunden ins Landesinnere in Richtung Berge.  Im südlichen Teil der Insel sind dort große Gebiete als Weltnaturerbe von der UNESCO anerkannt und geschützt. Aber eben nicht die an den Rändern gelegenen Täler mit den riesigen Bäumen. Während mir Cecily während der Fahrt Geschichten aus zwei Generationen umweltbewegten Lebens erzählt fallen mir die trockenen Felder auf die sich rechts und links der Straße ausbreiten. Alles ist ausgedörrt und nur an Stellen in denen künstlich bewässert wird sieht man grüne Pflanzen. Kaum zu glauben das ich in diesem Teil der Welt Regenwald fotografieren kann. Erst als das Gelände hügeliger wird und später gar bergig, ballen sich große Wolkengebilde über den Gipfeln zusammen. Im flachen Land ist es extrem heiß. In dieser Woche werden in Hobart 42 Grad Celsius gemessen, die höchste jemals erfasste Temperatur  in Tasmanien. In wenigen Tagen wird sich die Hitzewelle in wütenden Buschfeuern entladen, welche im Südosten Tasmaniens und in Zentralaustralien weite Landstriche in Schutt und Asche legen. Die Brände werden zum Gesprächsstoff Nummer eins im Land. Alle reden vom Wetter doch kaum einer vom Klima.

Wir parken Cecilys Auto an einer unscheinbaren Stelle am Waldrand. Sie bittet mich all meine Habseligkeiten, die ich nicht mit zu Mirandas Baum nehmen werde im Wald zu verstecken. Das sei sicherer, als sie im Auto zu belassen. Nicht selten kam es in der Vergangenheit vor das Autos von Aktivisten durch aufgebrachte Holzfäller beschädigt wurden. Die Straße ist an dieser Stelle gesäumt von dichtem, artenreichen Wald. Ein kleines lila Plastikband weist uns den Weg hinein ins Dickicht. Wir folgen einem schmalen Pfad durch feuchten Mischwald und schon nach wenigen Minuten kommt die Ernüchterung. Wir stehen am Rande eines großen Kahlschlages. Dies ist ein häufig betriebener Trick der Industrie, den ich schon vor über zwanzig Jahren bei meiner Radtour durch Kanada gesehen habe. Man lässt eine kleine Schneise Wald rechts und links der Straße stehen um durchfahrenden Touristen die Illusion intakter Natur nicht zu zerstören, und wütet dann in der zweiten Reihe. Über eine Stunde lang marschieren wir über eine massiv ausgebaute Forststraße. Diese Wege müssen für schwere Lastwagen befahrbar sein, weshalb sie sich vom Ausmaß abgesehen vom fehlenden Teer-Belag kaum von normalen Straßen unterscheiden. Immer wieder passieren wir Gebiete die bisher vom Einschlag verschont blieben. Direkt neben uns ragen die Giganten in die Höhe. Für mich strahlen diese Bäume eine solche Erhabenheit aus, dass es mir bei dem Gedanken daran, sie einfach umzuhauen um sie zu Papier oder Holz zu verarbeiten, ganz flau im Magen wird.

An dieser Stelle sei erneut gesagt, dass ich keineswegs gegen die generelle Holznutzung bin. Im Gegenteil – Holz ist ein nachwachsender Rohstoff der sich für ganz viele Bereiche unseres täglichen Lebens wunderbar nutzen lässt. Doch was ich aufs Äußerste verabscheue ist wenn man die wenigen der Welt noch verbliebenen Urwälder vernichtet. Diese sind der Menschheit als Orte der Artenvielfalt und Treibhausgasspeicher von viel größerem Nutzen. Gerade auch hier im westlich geprägten Tasmanien braucht kein Mensch Holz aus Urwäldern. Es gibt hier inzwischen mehr als genug Forstwald. Würde man diese nachhaltig, naturnah bewirtschaften, wäre Allen geholfen.

 

Unser Weg führt uns in Serpentinen steil nach oben. An Sammelstellen liegt haufenweise Abfallholz, über das man an anderen Orten froh wäre es nutzen zu können.

Wir sind an der Flanke des Mount Miller, einem Bergzug, der Quellgebiet für drei wichtige Flüsse ist die Tasmanien mit Wasser versorgen. Trotzdem ist die Region, wider besseres Wissen zum Einschlag freigegeben. Dies ist wohl auch einer der Gründe warum Miranda sich einen Baum in dieser Gegend ausgesucht hat. Nur hundert Meter nach dem Ende der Forststraße und dem letzten Einschlag stehen wir plötzlich vor einem mächtigen Eukalyptus, in dessen unmittelbarer Nähe sich ein kleines Camp mit Ausrüstungsgegenständen befindet. Wir sind am Ziel. Mein Blick gleitet den geraden Stamm hinauf und meine Ehrfurcht für diese Frau die dort oben seit über vierhundert Tagen Wind, Wetter und allem politischen Druck trotz steigt weiter an. Verdammt hoch. Kann sich jemand eine knapp drei Meter große Plattform vorstellen die in über 60m Höhe um einen Baum gebaut wurde? Wir sprechen mit Miranda über ein Funkgerät, denn man müsste schon sehr laut schreien um sich über die Distanz verständlich zu machen. Ich führe ein nettes Gespräch mit ihr in dessen Verlauf sie mir einiges über ihre momentane Situation erzählt und ich ihr über meine Arbeit berichte. Miranda hat auf ihrem Baum, einen Internetzugang und begrenzt auch Telefon für Ihre politische Arbeit und ihren Blog auf observertree.org.

Durch eine Öffnung in der Plattform lässt sie ein Seil herunter an dessen Ende Taschen mit Müll und benutzte Kleidung hängen, die Cecily für sie zum Abfall und zur Wäsche bringt. Auch andere menschliche Bedürfnisse werden auf diesem Wege entsorgt. Denn der Gang zu einer normalen Toilette ist Miranda seid über einem Jahr verwehrt. Bevor wir uns wieder verabschieden verspricht sie mir, dass sie versuchen wird, noch innerhalb meines Aufenthaltes in Tasmanien ein Team hier heraus zu bekommen, das mich hinauf zu Ihr auf die Plattform bringt. Ein Tonband-Interview und Fotos für meinen Vortrag sind mein Begehr. Ich spüre eine bange Vorfreude wie es wohl sein mag, an einem Seil hängend diesen Stamm hinauf gezogen zu werden. Bis es soweit ist werde ich mich aufmachen den Regenwald zu fotografieren um den Schwerpunkt meines Auftrages zu erfüllen.

 

 

 

 

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