Wildview

Abenteuer Natur(schutz)fotografie

Tag: Blue Corner

Ozean Teil 2: “dem Paradies ganz nah” 30.03.2013

Manchmal muss man im Leben Entscheidungen treffen. Als ich über das Konzept für mein Greenpeace-Project „Naturwunder Erde“ nachgedacht habe, war mir von Anfang an klar, dass ich keine fotografische Hommage über unseren Planeten umsetzen kann, wenn ich das Element Wasser ausspare. Immerhin sind 70 Prozent unserer Welt mit Ozeanen überzogen, und diese sind die artenreichsten Ökosysteme überhaupt. Deshalb habe ich im letzten Jahr einen Tauchkurs belegt und auf der Grundlage meines stark ausgeprägten Selbstvertrauens eine sehr hochwertige Unterwasserausrüstung gekauft. Das war riskant. Ich hatte zu diesem Zeitpunkt keine Ahnung ob ich in der Lage sein würde, die gewünschte fotografische Qualität auch unter der Wasseroberfläche umzusetzen. Meine werte Frau Mama wird nicht müde zu betonen wie wasserscheu ich als Kind gewesen bin, und in der Tat war das nasse Element nie eine Wohlfühlzone für mich. Doch ich habe diesen Schritt nicht bereut – im Gegenteil. Ich bin inzwischen bei fast siebzig Tauchgängen und habe einen der besten Unterwasserfotografen Deutschlands als Partner an meiner Seite um das Kapitel „Ozean“ umzusetzen. David Hettich (www.abenteuer-ozean.de) ist mit über dreitausend Ausflügen ins Reich der unterdrückten Farben praktisch im Wasser aufgewachsen. Der Junge ist zwölf Jahre jünger als ich und hat die Vita eines  alten Hasen. Durch ihn lerne ich jeden Tag dazu und bin begeistert über all die Wunder die wir durch unsere Abenteuer vor die Linse bekommen.

Wir sind auf dem Inselstaat Palau der im pazifischen Ozean liegt. Die Hauptinseln sind besiedelt und in der heutigen Zeit praktisch wie ein zusätzlicher Bundesstaat der Vereinigten Staaten einzuordnen. Von der ursprünglichen Inselkultur der Mikronesier ist, zumindest Oberflächlich gesehen, fast nichts mehr wahrzunehmen. Kaum eine Ansicht die nicht irgendwie an eine Kleinstadt irgendwo in der militärischen Schutzmacht USA erinnert. Vielleicht ist alles noch ein wenig ärmlicher, was auch am tropischen Klima liegen kann. Kein Metall das nicht rostet, kein Holz das nicht fault, keine Farbe die nicht bleicht, wenn man nicht ständig erneuert.

In den letzten Jahren ist der Tourismus beständig auf Wachstumskurs. Dies bringt zwar eine Menge Geld auf das Archipel, aber auch die üblichen Probleme im Windschatten in Form von vermehrtem Müllaufkommen, Land- und Energienutzung.

  

Palau hat das Glück das sich ein Großteil seiner Naturwunder vom bewohnten Festland entfernt in den vorgelagerten Korallenriffen befinden. Innerhalb des großen Außenriffs befinden sich die faszinierenden „Chelbacheb“- Inseln auch „Rock Islands“ genannt. Über 200 aus der Wasseroberfläche ragende Kalksteininseln in allen möglichen Formen und Größen sind für mich neben der fantastischen Vielfalt im Ozean die Hauptattraktion. Sie sind mit dichtem Urwald überzogen und nicht selten mit einem Sandstrand geadelt, welche wohl bei den meisten Naturfreunden schnell die Assoziation vom Paradies hervorrufen. Während des zweiten Weltkrieges wurde hier ordentlich gewütet. Die Japaner haben hier über hunderttausend Soldaten verloren. Einige ihrer zerschossenen Flugzeuge und Schiffswracks sind heute beliebte Tauchziele, weil sie im Laufe der Zeit mit einer Vielzahl an maritimen Lebensformen überzogen wurden.

Glücklicherweise sind die „Rock Islands“ heute Teil des Weltnaturerbes der UNESCO und Palaus Präsident hat im Jahre 2003 das erste Haischutzgebiet überhaupt ins Leben gerufen. Dies nährt die Hoffnung, dass man sich dem Wert seiner natürlichen Schätze durchaus bewusst ist. Jedes Jahr werden weltweit Millionen Haie vom Menschen dahingeschlachtet – ein Irrsinn wenn man dazu in Relation setzt wie viele Menschen durch diese Spezies tatsächlich zu schaden kommen. So sehr ich Herrn Spielberg als Regisseur von tollen Kinoerlebnissen schätze, hat er doch mit seinem „Weißen Hai“ bei unzähligen Menschen Ängste geschürt und eine Vorstellung geschaffen, die dieser Tierart in keinster Weise gerecht werden. 

Doch Palau kann noch so viel zum Erhalt seiner Naturschätze unternehmen, wenn die Weltgemeinschaft nicht anfängt über neue Wege im Umgang mit unseren Lebensgrundlagen nachzudenken, wird es den Staat in der heutigen Form irgendwann nicht mehr geben. Die Inseln von Mikronesien gehören zu den ersten großen Verlierern des vom Menschen gemachten Klimawandels. Erwärmt sich der Planet weiter, übersäuren die Ozeane und die Korallen werden sterben. Damit verliert das Land nicht nur die wichtigste Einnahmequelle in Form des Tourismus, sondern die heimischen Fischer auch ihre Lebensgrundlage, denn fast alle Kreisläufe im maritimen Leben sind mehr oder weniger stark mit der fragilen Welt der Korallenriffe verbunden. Vermehrte Taifune haben schon heute eine zerstörerische Kraft über und unter Wasser und der Anstieg des Meeresspiegels ist ebenfalls ein elementares Problem. Aufgrund all dieser Gefahren forderte Palaus Präsident  am 22. September 2011 in der UN-Vollversammlung dazu auf, dass diese ein Rechtsgutachten des Internationalen Gerichtshofes in Den Haag zu der Frage der Verantwortlichkeit der Staaten für die Folgen des andauernden Klimawandels einholen möge. Im Moment wird darüber diskutiert ob die Vollversammlung das tun solle, und ich hoffe inständig, dass die Initiative Palaus Erfolg haben wird.

David und ich waren drei Mal am berühmten Tauchplatz „Blue Corner“ welcher besonders für seine Haisichtungen bekannt ist. Dort haben wir uns an der Abbruchkante des Riffs mit dem Strömungshaken eingehängt. Dank eines Seiles werden wir vor dem Abdriften bewahrt und können in aller Ruhe beobachten was vor unseren Augen alles vorbeischwimmt. Bei einem von drei Versuchen haben wir beste Bedingungen. Die Sicht ist glasklar und die Vielzahl an Schwarmfischen und vor allem Haien die friedlich wenige Meter vor unseren Augen vorbeitreiben ist atemberaubend. In fünfzehn bis zwanzig Metern Tiefe werden wir  Zeuge eines vielfältigen Lebens welches, hat man es nicht mit eigenen Augen gesehen, kaum vorstellbar erscheint. Besonders fasziniert bin ich natürlich von den Riffhaien die in stoischer Ruhe keine drei Meter von mir entfernt an uns vorbeitreiben.

Neben der Vielzahl an Fischen welche die Strömung zur Nahrungsaufnahme nutzen ist das Riff mit unzähligen Korallen aller möglichen Farben und Formen bewachsen. Besonders die Fächerkorallen sind fotogen. Da unter Wasser die Farben schon nach wenigen Metern verschwinden ist es wichtig mit Blitzlicht zu fotografieren, damit diese wieder sichtbar werden. Für mich ist das ein herantasten an einen Bereich in der Fotografie der mir sehr fremd geworden ist. Ich habe in den vergangenen zwanzig Jahren in meiner Naturfotografie bewusst auf Blitzlicht als Gestaltungsmittel verzichtet und mich nur auf das natürliche Licht verlassen. Unter Wasser ist das unsinnig, so dass ich mich Stück für Stück bemühe das Blitzlicht in richtiger Dosierung mit dem natürlichen Licht zu mischen. Am Schönsten wirken die Fächerkorallen wenn sie gegen die Wasseroberfläche fotografiert sind. Stellt  man es geschickt an leuchten sie dann in all ihrer Pracht durch die Kraft des Blitzes und das Wasser wird Kontrastreich von tiefblau bis hellblau wiedergegeben.

Es dauert einige Zeit bis ich die richtige Dosierung hinbekomme. Dazu kommt natürlich immer noch die Schwierigkeit des Tauchens selber. Je stärker die Strömung desto schwieriger kann man die Kamera und vor allem den eigenen Körper tarieren. Was bei David spielerisch leicht aussieht ist bei mir als Neuling sehr harte Arbeit. Die Tarierung ist auch aus Naturschutzgründen sehr wichtig, denn  sehr schnell sind zarte Korallen zerstört wenn man seine Bewegungen nicht unter Kontrolle hat. Ich kann nicht behaupten das mir an jedem Tag viele Spitzenfotos gelingen, doch im Laufe der Zeit addieren sich die gelungenen Bilder und ich glaube das Kapitel „Ozean“ wird zu einem sehr spannenden Teil meiner neuen Multimediashow.

Wildview läuft unter Wordpress 3.4.2
Anpassung und Design: Gabis Wordpress-Templates