Wildview

Abenteuer Natur(schutz)fotografie

Tag: Fotografie

Tasmanien Teil 3: “Von zivilem Ungehorsam” 15.01.2013

„Ziviler Ungehorsam“ ist keine Straftat und schon gar kein Ansatz zum Terrorismus. Unsere Welt wird immer mehr von den Machtinteressen großer Konzerne gesteuert. Allein in der Europäischen Union nehmen tausende Lobbyisten Einfluss auf unsere demokratisch gewählten Volksvertreter, damit innerhalb des als so freiheitlich gepriesenen westlichen Lebensstils der Wille des Geldes nicht zu kurz kommt. Friedlicher Widerstand ist in vielen Fällen wichtig und richtig und wird meiner Meinung nach vom der breiten Masse der Gesellschaft in der Regel viel zu wenig unterstützt. Es ist halt bequemer im Strom mit zu schwimmen und all die Segnungen unserer Überflussgesellschaft kritiklos zu konsumieren, als zu hinterfragen und die negativen Auswirkungen unserer „schönen neuen Welt“ verbessern zu wollen. Das oft schon kleine Gruppen mit gezielten Kampagnen viel Wirbel verursachen und Veränderungen bringen können, zeigt die tägliche Arbeit unzähliger Nichtregierungsorganisationen und Bürgerinitiativen weltweit.

Dass diese in den Medien von rechten Betonköpfen oft als „Gutmenschen“ verspottet werden sehe ich eher als Auszeichnung, denn als Affront. Es muss doch inzwischen jedem halbwegs Gebildeten klar sein, das die Menschheit unseren Planeten in Zukunft nicht mehr im gleichen Maße ausbeuten darf wie in der Vergangenheit. Kapitalismus und Wirtschaftswachstum funktionieren auf Dauer nur dort, wo unbegrenzte Ressourcen vorhanden sind. Unsere Heimat, die Erde ist zwar groß aber nicht Grenzenlos.  Doch all den gierigen, machtgeilen, superreichen Anzugträgern in den Chefetagen der Geld-, Holz-, Erdöl- Kohle-, Nahrungsmittel-, und anderer Konzernindustrie die mit Rohstoffen hemmungslose Wachstumsorgien betreiben, scheint dies völlig egal zu sein. Anstatt ihre in den vergangenen Jahrzehnten angehäuften Reichtümer zu nutzen um in nachhaltige Alternativen zu investieren, wird an der Macht festgehalten um den Planeten möglichst bis zum letzten Moment mit selbstzerstörerischen Strukturen zu bestehlen.

Für jedes Problem gibt es auch eine Lösung bzw. eine bessere Alternative. Aber anstatt in einem bisher nie dagewesenen Kraftakt das Ruder rum zu reißen und weltweit auf naturnahe Landwirtschaft, erneuerbare Energien, und nachhaltige Rohstoffnutzung zu setzen, werden weiter neue Kohlekraftwerke gebaut, Urwälder gerodet, Ozeane überfischt und unsere Erde wider besseres Wissen für nachfolgende Generationen immer mehr ruiniert.

Auf meiner Tasmanien-Reise habe ich ein wunderbares Beispiel zivilen Ungehorsams kennen lernen dürfen und freue mich, dass es auch auf der anderen Seite der Welt zumindest einem Teil der Bevölkerung nicht egal ist was mit unseren Lebensgrundlagen geschieht. Lange bevor Miranda Gibson (wie im 1. Teil berichtet) auf den Baum gestiegen ist um ein sichtbares Zeichen gegen die unsägliche Abholzung tasmanischer Urwälder zu setzen, gab es im „Upper Florentine“ Tal eine der am längsten andauernden Blockaden in der Geschichte der  australischen Umweltbewegung. Diese dauert praktisch bis heute an. Das „Florentine“  ist neben den „Styx“, „Weld“ und „Huon“ Tälern eines jener Gebiete die wegen ihrer riesigen Eukalyptusbäume von höchstem ökologischem Wert sind und sich leider nur am Rande des UNESCO Weltnaturerbe Gebietes befinden, aber nicht darin. Vor sechs Jahren begann die Forstwirtschaft eine vier Kilometer lange Straße in das bis dahin völlig intakte Wildnis-Gebiet zu schlagen um dann mithilfe weiterer Straßen den Wald systematisch zerstören zu können. Dies löste einen Sturm der Entrüstung aus und es begann eine Auseinandersetzung die wohl in diesem Ausmaß bisher in der Geschichte einmalig ist. Die Straße wurde von den Umweltschützern mit Kreativität und Ausdauer über die Jahre blockiert und so die Holzfäller an ihrem Tun gehindert. Bis zu hundert Menschen nahmen in den Hochzeiten der Blockade an den Aktionen teil, Monat für Monat, Jahr für Jahr. Unzählige Male wurde das Camp von der Polizei geräumt oder von Randalierern zerstört und immer wieder aufgebaut. Große Umweltbewegungen hatten ihren Anteil am Widerstand, doch die Hauptlast trugen die örtlichen Bürgerbewegungen, die mit wenig finanziellen Mitteln aber viel Mut und Einsatz den Widerstand am Leben hielten.

Als ich das „Florentine Camp“ erreiche, treffe ich dort auf zwei Brüder aus der Bürgerbewegung die hier für einige Zeit die Stellung halten und vorbeifahrende Touristen über die Problematik der Urwaldzerstörung informieren. Ich werde freundlich aufgenommen und fühle mich hier sofort pudelwohl. Rechts und links der Straße ragen riesige Eukalyptusbäume in die Höhe. Taucht man in den Wald ein, befindet man sich sofort in einer anderen Welt. Die Umweltschützer haben im Laufe der Zeit diverse Wanderwege angelegt welche ich dankbar beschreite um meine Bilder vom gemäßigten Regenwald zu machen. Die ganz großen Bäume kommen im reinen Regenwald nicht vor, denn Eukalypten können sich mit den Schalen ihrer Samen nur durch Feuer vermehren. Doch das Gebiet um das Camp herum ist dank hoher Niederschläge, mit allen Attributen eines Regenwaldes ausgestattet. Diese Vegetation ist für mich eine der schönsten Waldtypen überhaupt. Vereint sie doch die monumentale Größe der Baumriesen mit den hemmungslosen, alles überziehenden grünen Moosteppichen des Regenwaldes. Eine betörende Mischung. Wie erkaltet muss ein Menschenherz sein, das hier mit der Säge ankommt um diese Harmonie zu zerstören.

Ich habe mehrere Tage Zeit meine Bilder zu erarbeiten. Die Temperaturen sind recht erfrischend,  was mir sehr entgegen kommt. Ein zumeist bedeckter Himmel und hin und wieder Regen erleichtern die Arbeit.

 

Natürlich war ich auch in reinen Regenwaldgebieten unterwegs. In ihnen ist der „Myrtle“ Baum dominierend. Diese Bäume können im Laufe der Jahrhunderte imposante Formen annehmen und stattliche Größen erreichen. Doch neben den Eukalytusbäumen wirken sie richtig mickrig. Der „Myrtle“ stammt aus der Familie der Südbuchen, welche auch in Südamerika, in Patagonien heimisch sind. Der größte zusammenhängende reine Regenwald befindet sich im Nordwesten Tasmanien, dem Tarkine. Eine bis heute wilde, abgeschiedene Region, die aber durch massive Minenprojekte sehr stark gefährdet ist. Ich durchstreife dort verschiedene Wälder und unternehme abenteuerliche Erkundungen im dichten Unterholz zu Wasserfällen und abgelegenen Aussichtspunkten. Doch meine faszinierendsten Regenwaldbilder bekomme ich an einer Stelle, die man ganz leicht per Spaziergang erreichen kann. Am Besucherzentrum des „Cradle Mountain“ Nationalpark führt ein gut ausgebauter Bohlensteg auf einem kleinen dreißig minütigen Rundweg durch einen zauberhaften Märchenwald.

Ich habe so auf ganz einfache Weise die Möglichkeit, morgens und abends die verschiedenen Lichtsituationen zu nutzen. Im Wald  fotografiere ich immer nur mit indirektem Licht. Es ist erstaunlich wie sich der Zeitpunkt und der Einstrahlwinkel der Hauptlichtquelle auf die Fotos stimmungsmäßig auswirken.

Als ich mit meinen Freunden im „Florentine Camp“am Lagerfeuer sitze, kann ich schon recht entspannt auf eine stattliche Ansammlung schöner Bilder blicken. In den vergangenen zwei Wochen habe ich immer wieder Kontakt zu Miranda Gibson gehalten. Ich wollte erfahren ob ein Besuch auf ihrer Plattform noch innerhalb meines Aufenthaltes in Tasmanien möglich sein wird. Es waren die Waldbrände welche die ganze Aktion für einige Zeit gefährdet haben. Ein Feuer war gefährlich nahe an die Region herangekommen in der Miranda seit über vierhundert Tagen auf einem riesigen Eukalyptusbaum ausharrt. Erst als es völlige Entwarnung gibt, ist Miranda bereit wieder Besucher zu empfangen. Heute habe ich das OK erhalten. Ein Team aus professionellen Kletterern wird mich am letzten Tag meiner Reise zu ihr in die Höhe befördern.

Ich treffe morgens um acht Uhr am Fuße des „Observertree“ ein. Vier Aktivisten aus Hobard sind anwesend.  Sie alle sind gekommen nur um mich auf den Baum zu ziehen. Ich freue mich sehr dass die ganze Sache noch klappt. Ich bin aber auch ein wenig nervös, denn die sechzig Meter bis hoch zur Plattform sehen von hier unten verdammt weit weg aus. Bei solchen Gelegenheiten kann man wunderbar lernen seine Ängste in den Griff zu bekommen und die eigenen Grenzen wieder etwas weiter auszudehnen. Ich bekomme die Ausrüstung angelegt und werde an das Seil gehängt, welches Miranda zuvor aus der Höhe herab gelassen hat. Am Anfang schließe ich die Augen und hänge ziemlich verkrampft im Seil. Meter für Meter geht es nach oben. Immer wieder drehe ich mich hin und her was nicht gerade zur Entspannung beiträgt. Mit der Zeit überwiegt die Neugier und ich beginne meine Umgebung zu studieren. Es ist eine interessante Perspektive hier zwischen den Bäumen zu hängen. Kaum habe ich begonnen die Anblicke zu genießen, hänge ich auch schon unterhalb der schmalen Eingangsplatte und Miranda zieht mich herein. Zuerst sichert sie mich mit einem anderen Seil, so dass ein Sturz über den Rand der Plattform praktisch unmöglich ist. Sie selbst ist ebenfalls jederzeit mit einem Seil gesichert. Wer einmal starke Windböen in 60m Höher erlebt hat weiß wie schnell die einen wegblasen können. Zum Glück ist es momentan absolut windstill und der Himmel ist von einer Wolkenschicht bedeckt. Ideale Bedingungen für mein Anliegen. Miranda ist eine recht zierliche Frau Anfang dreißig. Ich bin fast zwei Stunden in ihrem Reich über den Bäumen. Der Ausblick ist wunderschön, wären da nicht die vielen Kahlschläge die man von hier ebenso erkennen kann wie die noch intakten Wälder. Nachdem wir uns über die momentane politische Situation unterhalten haben beginne ich damit einige Fotos von ihr zu machen.

Ich möchte ihre Geschichte unbedingt in meiner neuen Show einbauen. Sie ist ein positives Beispiel dafür was ein einzelner Mensch zu leisten vermag, wenn er Ideale hat und fest an eine Sache glaubt. Die Bilder zeigen  eindrucksvoll wie winzig die Plattform ist auf der die seit so langer Zeit ihre Tage verbringt. Langweilig ist dies wohl nicht. Sie gibt mir einen Einblick wie stark sie dank moderner Technik mit dem Rest der Welt vernetzt ist. Diese Aktion bringt nur Erfolg, wenn möglichst viele Menschen davon erfahren und sich mit den Zielen solidarisieren. Das ist ein Fulltimejob der nie langweilig wird. Trotzdem bedarf es einer ungeheuren mentalen Stärke hier oben auszuharren. Ich bin mir nicht sicher ob ich dazu fähig wäre. Ich stelle ein kleines Aufnahmegerät zwischen uns und sie spricht innerhalb eines einzigen Versuchs ohne sich zu verhaspeln über ihre Mission. Diese zwei Minuten werden die Besucher der Multivisionsshow später Mirandas Stimme hören können, angereichert mit meinen Bildern. Miranda mag zierlich erscheinen, doch ihr Wille ist ungebrochen. Ich glaube ihr aufs Wort wenn sie mir sagt das sie erst wieder einen Fuß auf die Erde setzen wird, wenn die Urwälder um sie herum nicht mehr zerstört werden.

 

Am selben Abend sitze ich schon wieder im Flieger nach Hause. Der Besuch bei dieser Frau wirkt noch lange auf mich nach. Gäbe des doch auf der Welt mehr Miranda Gibsons. Warum sind solche Leute immer die Minderheit? Mich hat die Begegnung mit ihr enorm motiviert, innerhalb meiner Möglichkeiten mit aller Kraft weiter zu machen. Meine Fotografien haben ebenfalls Potenzial zur Motivation und Begeisterung von Menschen. Je mehr sie zu Gesicht bekommen, desto größer die Chance das der Eine oder Andere seine ganz private Miranda Gibson in sich entdeckt.

Keine zwei Wochen nach meinem Besuch auf Mirandas Plattform hat die australische Regierung bekannt gegeben, das sie auf einer Fläche von 170.000 Hektar den Wald schützen, und an die UNESCO den Antrag stellen möchte, diese Gebiete ins Weltnaturerbe aufzunehmen. Das wäre ein großartiger Erfolg und für Miranda auch Gelegenheit ihren Baum wieder zu verlassen, denn dieser Antrag beinhaltet praktisch all jene Täler in denen die großen Eukalyptusbäume stehen und weswegen die Umweltbewegung seit mehr als dreißig Jahren kämpft. Doch Worten müssen Taten folgen. Zum Zeitpunkt als ich diese Zeilen schreibe ist Miranda immer noch auf der Plattform denn ihre Kollegen haben nach wie vor Einschläge genau dort nachgewiesen wo eigentlich der Schutzstatus kommen soll. Es darf aber durchaus gehofft werden, dass der „zivile Ungehorsam“ zum Erfolg führen wird und ein kleiner aber wichtiger Teil Natur unseres Planeten vor der weiteren sinnlosen Zerstörung verschont bleibt.

 

“Baikal See” Teil 4: Kommunikationsprobleme 13.10.2012

Am Morgen des vierten Tages stehe ich am Ufer der großen Uschkani Insel und blicke mit bangem Gefühl im Magen auf die große Wasserfläche. Es ist ein klarer ruhiger Tag, nur über den am linken Ufer aufragenden Bergen ziehen langsam Wolken heran. Ob die Kommunikation wohl geklappt hat? Wird das Boot tatsächlich kommen, welches uns auf die andere Seite des Baikal Sees bringen wird? Zum jetzigen Zeitpunkt ist der Transport seid einer halben Stunde überfällig. Dies wäre nicht weiter schlimm, wäre das Morgenlicht nicht so wundervoll farbenfroh, was mich ziemlich unruhig werden lässt. Wir müssen uns noch eine weitere halbe Stunde gedulden, bis wir am Horizont einen kleinen Punkt ausmachen der sich beständig unserer Insel nähert. Sie kommen tatsächlich. Zwei Männer auf einem Schlauchboot, welches das Emblem der Seerettung trägt. Ich bitte Arkady die Herren darauf hinzuweisen das es absolut wichtig für meine Arbeit ist, wenn irgendwie möglich bei den Robben auf den kleinen Nachbarinseln vorbeizuschauen.  Wir verstauen unser Gepäck, bezahlen das Quartier und verabschieden uns von den Inselbewohnern. Der See hat kaum Wellengang, so dass wir recht sanft über die Wasserfläche gleiten. Unsere Chauffeure sind freundlich aber wortkarg. Ich weiß bis heute nicht was mich geritten hat, aber als wir die Robben-Inseln passieren ohne das wir uns ihnen nähern, hinterfrage ich es nicht und lasse es einfach geschehen. Ein schwerer Fehler den ich später noch schwer bereuen sollte. Während wir die acht Kilometer Distanz zum Festland überwinden werden die Inseln hinter uns immer kleiner. Wir fahren parallel zu den mächtigen Erhebungen des Zabajkalski Nationalparks. Der Park schützt die Wildnis einer Halbinsel die wegen Ihrer Form auch „Große Nase“ genannt wird. Unser kleines Motorboot bringt uns an grandiosen Landschaften vorbei. Inzwischen ziehen mächtige weiße Quellwolken über die links und rechts von uns aufragenden Berge. Es ist ein perfekter Herbsttag in einer wunderbaren Umgebung. Die auf den Bergzügen wachsenden Wälder sind eine Augenweide.

Nur hier und da ragen skelettartige schwarzweiße Inseln  aus dem grün-goldenen Farbenmeer. Die Birken haben leider schon früher ihr Laub verloren, was aber das wunderbare Gesamtbild nicht weiter stört. Warum unser Bootsführer so drängt als ich ihn immer mal wieder um einen kurzen Stop für ein paar Fotos bitte, erschließt sich mir zu diesem Zeitpunkt leider nicht. An einer Stelle an der heißes Wasser aus dem Boden dringt machen wir für ein paar Minuten Rast. Mit Holzbalken ist die Quelle zu einem kleinen Pool aufgestaut, in das sich Besucher hineinbegeben können. Wir passieren zwei kleine Ortschaften die innerhalb der Grenzen des Nationalparks liegen. Die Häuser sind, wie für die Region typisch, komplett aus Holz errichtet. Gegen Mittag erreichen wir eine Bucht in der ein Geländewagen mit einem Anhänger steht. An einem Feuer sitzt der Fahrer und wartet auf unsere Ankunft. Wir bekommen eine Portion leckeren Eintopf zu essen, während unsere neuen Freunde das  Boot auf den Anhänger ziehen.

Nach einer Stunde Fahrt über holprige Pisten erreichen wir das andere Ende der „Großen Nase“. Über eine etwa zwanzig Kilometer breite Landzunge, die sich nur wenig über dem Wasser erhebt, ist hier die Halbinsel mit dem Festland verbunden. Das Gelände ist eine Moorlandschaft die nur an manchen Stellen mit Bäumen bewachsen ist. Wir halten an einem Strand, über dem sich unmittelbar dahinter die Berge erheben. Hier stellt sich mir unser Bootsführer zum ersten Mal offiziell vor. Angenehm „Alexander“, sogar ein paar Worte englisch kann er sprechen. Mit einem kleinen Rucksack auf dem Rücken gibt er mir ein Zeichen zum Aufbruch. In diesem Moment begreife ich was hier eigentlich los ist. Als wir vor einigen Tagen im Hotel auf der Insel Olchon mit den dortigen Leuten die Überfahrt organisiert haben, erzählte ich von meinem Wunsch, hier auf der „Großen Nase“ einen Berg zu besteigen um die Landschaft des Baikal Sees aus der Erhebung fotografieren zu können. Nicht erzählt habe ich damals, das solch eine Tour wegen der Fotografie über mehrere Tage dauern sollte und daher gut vorbereitet werden muss. Bei Alexander angekommen ist die Information, dass er uns von der Insel abholen und am selben Tag auf den Berg heraufbringen soll. Wie ich heute weiß, durchaus ein möglicher Plan, denn es gibt tatsächlich diverse Aussichtspunkte die man schon nach wenigen Stunden Fußmarsch erreichen kann.

Jetzt war es erst mal an mir meinen Reisegenossen klarzumachen das der Weg in die Berge für mich ein etwas Längerer sein wird, da ich, um den Sonnenauf- und Untergang einzufangen, auch dort oben übernachten muss. So beschließen wir nach „Ust-Barguzin“ zu fahren um dort die nötigen Lebensmittel einkaufen zu können. Hätte die Kommunikation von Anfang an funktioniert so hätten wir sicherlich an diesem schönen Tag gute Chancen gehabt auf den kleinen Inseln die Robben zu sehen. Zeit genug wäre gewesen. Eine neue Chance sollte ich nicht mehr bekommen, was zwar der geneigte Leser meines Blogs schon weiß (siehe Teil 1), mir damals aber noch nicht klar war. Das sich Arkadi am nächsten Morgen verabschieden wird, weil er den Marsch in die Berge nicht mitmachen will ist für mich fast befreiend. Er hat sich nicht gerade als Organisations- und Kommunikationstalent hervorgetan.

Am nächsten Morgen holt mich Alexander kurz nach Sieben am Hotel ab. Früher zu fahren hat keinen Zweck, denn um auf die Halbinsel zu kommen muss man einen großen Fluss überqueren. Dazu gibt es eine Fähre und die fährt morgens zum ersten Mal um acht Uhr. Ich habe für drei Tage Nahrung und Wasser im Rucksack und alles was man zum Aufenthalt in freier Natur benötigt. So stehe ich nun wieder am Fuße des Berges, nur mit dem Unterschied zu Gestern das die Landschaft heute in ein alles durchdringendes Grau eingehüllt ist. Der Himmel ist von einer dicken Wolkendecke überzogen und lässt kaum Chancen auf Farbenbildung erhoffen. Trotzdem mache ich mich zusammen mit Alexander an den steilen Aufstieg. Wir haben beschlossen das er mir hilft das Gepäck auf den Berg zu tragen und mich dann meinem Schicksal überlässt. Das Warten auf das richtige Licht wäre für ihn nur langweilig und den Weg zurück schaffe ich auch ohne Hilfe, da ich ja kein Wasser mehr ins Tal tragen muss. So ganz „Ohne“ war der Abstieg dann allerdings doch nicht.

Durch den schneebedeckten extrem steilen Pfad im oberen Teil der Route, mit über zwanzig Kilogramm auf dem Rücken, habe ich meine beiden großen Zehen über mehrere Stunden so stark in den Schuhen gepresst, das ich später an Beiden die Nägel verloren habe. An Schnee habe ich beim Aufstieg noch nicht gedacht. Wir marschieren durch eine große Fläche Wald die im vergangenen Jahr gebrannt hat. Überall liegen Bäume quer. Nur einige wenige alte Riesen haben die Kraft gehabt der Feuerwalze zu widerstehen. Es bietet sich ein düsteres Bild durch das wir laufen, verstärkt noch durch den wolkenbehangenen Himmel. In der Natur sind Brände im borealen Wald aber nicht weiter schlimm, sofern sie durch Blitzeinschlag oder andere natürliche Umstände entstehen. Die Natur bekommt die Chance zur Erneuerung und lässt schon nach kurzer Zeit wieder eine neue Vegetation entstehen. Problematischer wird die Sache mit den Bränden in den vergangenen Jahren durch den Klimawandel. Vermehrte Dürrephasen führen in manchen Erdteilen zu verstärkten Waldbränden, welche mit dem natürlichen Kreislauf der Natur nicht mehr vereinbar sind.

Den besten Blick auf den Baikal See mit der Landzunge und den dahinter am Festland aufragenden Bergen bekomme ich auf halber Höhe zum Gipfel. Ich entscheide mich an dieser Stelle mein Lager aufzuschlagen. Der Gipfel ist zwar höher, aber für eine Aufnahme der Landschaft wohl zu weit nach hinten verlagert. Außerdem kann ich ja in den kommenden Tagen mit leichtem Gepäck Touren an alle möglichen Ecken und Enden des Gebirges unternehmen. Nachdem mir Alexander versichert hat, das ein Auto am Nachmittag des dritten Tages am Ende der Straße auf mich warten wird, macht er sich an den Abstieg, und ich bleibe alleine zurück. Trotz der mich umgebenden verbrannten Büsche und Bäume ist der Blick auf die Welt von hier oben spektakulär. In einer Mulde zwischen großen Felsbrocken schlage ich mein kleines Zelt auf. Da der Gipfel in Wolken gehüllt ist kann ich mir einen weiteren Aufstieg zur Erkundung der Gegend für heute ersparen. Ich lege mich in meinen Schlafsack und das große Warten beginnt. Gegen Abend sehe ich kleine Lücken im Wolkenmeer. Der eine oder andere Sonnenstrahl kann seinen Weg auf das unter mir liegende Land erreichen.

Das Licht ist weit davon entfernt perfekt zu sein. Trotzdem bin ich natürlich zur Stelle und schieße einige Fotos. In der Nacht verschwinde ich tief in meinem Schlafsack. Hier oben ist es schon empfindlich kalt um diese Jahreszeit. Der Wecker klingelt am nächsten Morgen eine dreiviertel Stunde vor Sonnenaufgang. Der Blick aus dem Zelt ist zunächst ernüchternd. Ich entdecke kaum Sterne über mir, was wohl bedeutet, dass der Himmel nach wie vor bedeckt ist. Trotzdem schäle ich mich aus der Wärme hinaus, steige in die kalten Stiefel und laufe zum Aussichtspunkt. Ich habe Glück. Genau im Osten, dort wo die Sonne aufgeht, gibt es größere Lücken im Wolkengeflecht. In den Minuten vor Sonnenaufgang färben sich Teile des Himmels violett ein, was wiederrum den Baikal See farbig reflektieren lässt.

Dabei entstehen einige schöne Motive. Der Sonnenaufgang selbst bleibt meinen Blicken aber verborgen. Trotzdem stehe ich völlig fasziniert auf meinem Felsen und beobachte was unter mir passiert. Von der offenen Seeseite treiben langsam dicke Wolken über die Wasserfläche, die das Land mehr und mehr bedecken. Für einige Minuten befinde ich mich genau zwischen zwei Wolkenschichten.

Diese Wetterlage beschert mir faszinierende An-und Ausblicke. Erst als sich die Landschaft um mich herum praktisch unsichtbar gemacht hat, mache ich mich auf den Rückweg in den Schlafsack. Im Schlaf vergeht die Wartezeit am schnellsten und so bin ich nicht undankbar schon bald wieder wegzudösen. Am späteren Vormittag ist die Welt um mich herum nach wie vor grau und kalt. Erste Schneeflocken fallen sanft zur Erde und mir schwant so langsam das es mit dem erhofften Wetterwechsel wohl nichts mehr wird.

Zum Abendessen sitze ich schon im Weiß. In der darauffolgenden Nacht muss ich immer wieder Schnee von meinem Zelt entfernen damit die Wände nicht zu stark eingedrückt werden. Weder an diesem Abend noch am nächsten Morgen kommt die Kamera zum Einsatz. Stunde um Stunde liege ich in meinem Zelt und habe kaum noch Hoffnung auf eine weitere Chance zur Landschaftsfotografie. Eine Tour auf den Gipfel ist durch den Schnee gefährlich und fotografisch sinnlos, da ich sowieso nichts sehen würde.

Geduld gehört zu einen jener Tugenden die ich mir für diesen Job habe aneignen müssen. Es ist nicht das Softwareprogramm am Computer welches die Fotografie spannend macht – sondern die Jagd nach dem Licht in freier Natur. Es gehört zum Berufsbild einfach dazu dass man auch mal zwei Tage wartet, ohne das noch einmal etwas Positives geschieht.

Savanne Teil 4: Artenreich 20.06.2012

Eines der schönsten Naturerlebnisse auf unserer Erde dreht die oft vorherrschenden Verhältnisse um, indem der Mensch in eine Art Käfig verbannt wird und die Tiere frei umherziehen können. Die große Savanne die in Form der Serengeti und des Masai Mara Nationalparks vor dem Einfluss unserer Spezies geschützt wird, lässt sich nur aus dem Auto heraus erkunden. Der Gast bekommt genaue Regeln auferlegt und das ist auch gut so. Selbst in Afrika, geschweige denn im Rest der Welt gibt es kaum noch vergleichbare Regionen. Das Ökosystem Savanne wird heutzutage fast vollständig von uns Menschen zum Ackerbau und zur Viehzucht genutzt. An Orten wo beides nicht betrieben wird sind die Tiere meist weggeschossen oder stark reduziert. Führt man sich diese Realität vor Augen, so kann die Wichtigkeit dieses Landstrichs gar nicht hoch genug eingeschätzt werden.


Hier im nördlichen Tansania und im südlichen Kenia haben die großen Herdentiere wie Gnus und Zebras noch die Möglichkeit ihren Instinkten zu folgen und ohne die Zerschneidung von Zäunen oder Straßen über die offenen Ebenen zu ziehen. Die Jahreszeiten teilen sich in Trockenzeit und Regenzeit. Die große Tierwanderung, auch Migration genannt, befindet sich immer in den Regionen in denen das Gras der Savanne grün und saftig ist. Ihre Route verläuft dabei Kreisförmig innerhalb der Grenzen des heutigen Schutzgebietes und wiederholt sich Jahr für Jahr.

Die Meisten, die wie ich in den Siebzigern und Achtzigern ihre Kindheit und Jugend verbracht haben, werden sich mit Wohlwollen an die Tiersendungen von Bernhard Grzimek erinnern. Er hat das Naturverständnis einer ganzen Generation geprägt und maßgeblich dazu beigetragen das wir unsere Weltsicht über den eigenen Tellerrand hinaus, weiträumiger definieren. Unvergessen ist sein Film „Serengeti darf nicht sterben“. Zusammen mit seinem Sohn Michael ist er über Monate mit dem Flugzeug in den Himmel gestiegen und hat die Tiere auf ihrem Weg beobachtet. Diesen zwei Visionären haben wir es zu verdanken, das man damals die für die Herden relevanten Regionen unter Schutz gestellt hat. Professor Grzimek hat für dieses Werk den wohl höchsten Preis bezahlt den ein Vater erleiden muss. Sein Sohn Michael starb beim Absturz eben jenes Flugzeugs mit dem die Beiden der Welt ein so großes Geschenk gemacht haben. Das Leben ist manchmal wirklich extrem unfair.

 

Wir erreichen die Serengeti am nördlichen Eingang. Hier oben sind die Tiermassen augenscheinlich noch nicht angekommen, denn das Gras steht an manchen Stellen bis zu einem Meter hoch. Es sieht herrlich aus wie sich die Halme sanft im Wind bewegen und der Blick weit in die Ferne reicht. Trotz der Begrenzung des Jeeps befällt mich beim Anblick dieser Natur ein beschwingtes Gefühl von Freiheit.

Immer wieder sehen wir Giraffen an Akazien und Büschen stehen. Antilopen, Elefanten, Perlhühner, Wildschweine, und unzählige Vögel machen die Fahrt zu einer aufregenden Entdeckungstour die zu keinem Zeitpunkt Langeweile aufkommen lässt. Nach einigen Stunden Fahrzeit erreichen wir das Zentrum des Schutzgebietes. Hier fließen wichtige Lebensadern dieses Ökosystems in Form größerer Flüsse, die ein zahlreiches Auftreten tierischer Bewohner versprechen. Um diese Jahreszeit, es ist nun Mitte Juni, werden hier die ersten Herden der großen Wanderung erwartet. In den kommenden Tagen schlagen wir unser Lager auf einem Campingplatz auf. Dieses wird Tagsüber von unserem Koch James bewacht. Wenn wir abends müde aber glücklich von der Fotopirsch zurückkehren, empfängt er uns mit einem fürstlichen Essen, welches er mit einfachsten Mitteln zubereitet. Meine Kraft reicht in der Regel noch dazu, die im Laufe des Tages gemachten Bilder am Labtop zu sortieren bevor ich mich ins Reich der Träume verabschiede.

Besonders hier im Herzen der Serengeti bildet ein Netz aus ungeteerten Wegen den Besuchern die Möglichkeit den Tieren bei ihrer Suche nach Nahrung und ihrem alltäglichen Kampf ums Überleben zuzusehen. Das verlassen der Wege ist strengstens untersagt was ich sehr begrüße. Es sind viele Besucher die mit ihren Eintrittsgeldern das Schutzgebiet am Leben halten. Man stelle sich nur mal vor wie es hier aussähe, würde jeder rumkurven können wo er wollte. Ganz abgesehen von den armen Tieren, die dann gar keine Ruhe mehr hätten.

Besonders die Raubtiere sind sowieso schon Leid geprüft. Immer wenn ein Fahrer eine Gruppe Löwen im Gras sitzen oder einen Leoparden im Baum liegen sieht, verbreitet sich diese Nachricht wie ein Lauffeuer. Die Jeeps sind untereinander mit Mobilfunk verbunden und die Fahrer nutzen diese Kommunikationsmöglichkeit nicht nur zum Austausch von Klatsch und Tratsch. So kann es vorkommen, dass sich um ein Gepardenpärchen, das sich um der Mittagshitze zu entgehen in einem Gebüsch niedergelassen hat, bis zu zwei Duzend Jeeps und Kleinbusse quetschen. Das Verhalten der Insassen dieser Blechkisten zeugt nicht immer von Respekt gegenüber den Tieren, was mich nicht selten schamvoll bewegt ihnen ein lautloses „Entschuldigung“ zurufen lässt. Klar, nicht jeder Besucher hat ein schweres Teleobjektiv am Start. Aber muss man auch noch mit der kleinsten Knipse Formatfüllende Portraits machen und den Tieren so Nah auf die Pelle rücken das man sie bald berühren kann? Es ist erstaunlich mit welcher stoischen Gelassenheit sie die mangelnde Würde des Menschen nicht nur kompensieren, sondern souverän mit Ignoranz und Ruhe dem fremden Wesen zeigen, wer hier die Herren im Grase sind.

Es existiert eigentlich nur eine Vorgabe durch die Nationalparks Verwaltung die mir als Fotograf richtig wehtut. Wir dürfen das Lager erst um sechs Uhr in der Früh verlassen und müssen abends um achtzehn Uhr von der Ausfahrt zurück sein. Wer meine Arbeitsweise durch die hier geschriebenen Blogeinträge kennt weiß, dass ich eigentlich schon in der Dunkelheit losziehe um dann bei Sonnenaufgang an einer besonderen Stelle zu sein. Dies ist hier in der Serengeti nur begrenzt möglich da es um sechs Uhr morgens schon recht hell ist. Schlimmer noch ist die Abendregelung. Die Mutter aller Savannenbilder, das Motiv welches das Wort „Klischee“ praktisch erzwungen hat – nämlich die knallrote Sonne die hinter einer Akazie oder besser noch dem Hals einer Giraffe untergeht, dieses Muss für jede Afrikabildstrecke, ist theoretisch unmöglich zu erstellen. Die Sonne versinkt während unserer Besuchszeit erst kurz nach halb Sieben hinter dem Horizont. Zu dieser Zeit darf kein Auto mehr unterwegs sein. Eines Abends habe ich unseren Fahrer Arnold dazu gebracht, die Regeln aufs maximal Äußerste zu dehnen und den Sonnenuntergang noch in der Savanne mit der Kamera einzufangen.

Als wir bei fast vollständiger Dunkelheit um kurz nach Sieben im Camp ankamen sind wir dann auch prommt erwischt worden. Zum Glück blieb es bei einer scharfen Verwarnung und Arnold musste wegen meines Berufes keine negativen Folgen für seinen Beruf befürchten. Gelohnt hat es sich für mich allemal wie das Ergebnis eindrucksvoll beweist.

An manchem Tage kreuzen wir die Stelle, an welcher der sogenannte „Serengeti Highway“ gebaut werden sollte. Ein Blick auf die reguläre Verkehrsstatistik in Kenia lohnt in diesem Zusammenhang. Da steht, wie oft es zwischen Tier und Auto zu Kollisionen kommt, und zwar auf normalen Straßen außerhalb von Schutzgebieten. Es ist ein absoluter Albtraum sich vorzustellen, was passiert wenn hier zwischen den hunderttausenden Gnus und Zebras täglich hunderte von Lastwagen rasen würden. Ein unerträglicher Gedanke. Natürlich brach nach Bekanntgabe der Pläne ein Sturm der Entrüstung los. Immerhin ist die Serengeti das bekannteste Schutzgebiet der Erde. Auch in der Tagesschau wurde dann irgendwann berichtet, dass die Straße nicht gebaut und es eine südliche Umfahrung geben wird. Doch wer genauer hinschaut wird feststellen, dass diese Geschichte noch lange nicht von Tisch ist. Gerade auch im Zusammenhang mit dem von mir im vorherigen Blog erwähnten Plan, am Natron See Soda Asche abzubauen, bleibt die Straße eine Gefahr. Denn das Eine funktioniert ohne das Andere nicht. Wer sich für diese Thematik interessiert und einen Facebook-Account hat, dem empfehle ich die Seite „Stop the Serengeti Highway“ anzuklicken. Hier wird man allumfassend informiert.

Die Tage an denen sich mächtige Quellwolken über dem Grasland bilden, sind mir die Liebsten. Sie sind wichtige Elemente im Bildaufbau da die ansonsten flache Savanne kaum attraktive Überblicke als Motive zulassen würde. Es sind unvergessliche Anblicke wenn in den Ebenen tausende Tiere grasen und die Wolken darüber thronen.

Einen absoluten Höhepunkt haben wir einige Wochen später in der kenianischen Masai Mara erlebt. Sie schützt die nördlichste Region der großen Tierwanderung, in der die Herden erst im August erwartet werden. Hier ist es uns gelungen einem Geparden bei der Jagd zuzusehen. Das schnellste Tier der Welt in Aktion.

Mir hat noch eine viertel Stunde später vor lauter Aufregung das Herz schneller geschlagen. Unglaublich mit was für einer Präzision und Grazie das Raubtier über die chancenlose Gazelle herfällt. Doch kaum ist das Opfer unter den Klauen des Geparden gesichert, springt ein mächtiger alter Löwe aus dem Gebüsch und verscheucht mit einer einzigen lässigen Bewegung die kleinere und erschöpfte Katze. So kann er die Beute ohne großen Aufwand in den Schatten zu zerren. Was für ein Spektakel – und ich Dussel hatte genau im Moment des Diebstahles die Kamera wegen eines Objektivwechsels außer Reichweite. Erst als der König der Savanne seine Beute wegträgt habe ich die Szene wieder im Bild festhalten können. Ich habe  noch lange Zeit leise vor mich hingeflucht.

Es sind unzählige größere und kleinere Begegnungen die den Besuch in dieser Region so unvergesslich machen. Als wir die Serengeti gen Süden verlassen fahren wir durch eine karge wüstenähnliche Landschaft. Ausbleibende Regenfälle und Millionen Hufe haben den Boden verdichtet und kaum Vegetation übrig gelassen. Schwer vorstellbar, dass sich hier im kommenden Zyklus wieder saftige Wiesen bilden werden. Die Savanne ist ein faszinierender Lebensraum – aber auch ein sehr Fragiler. Gerade Afrika leidet schon heute sehr stark unter den Irrungen und Wirrungen des Klimawandels. Bleibt hier der Regen aus, so ist dieser Ort dem Tode geweiht.

Savanne Teil 3: Vogelparadies 05.06.2012

Ich stehe bis knapp unter dem Knie im warmen Wasser des Natron Sees. Der weiche Schlick des Bodens umschmeichelt meine Füße und die virtuellen Eindrücke die ich während meiner fotografischen Arbeit zu verarbeiten versuche können kaum intensiver sein. Bis zu zweieinhalb Millionen Zwergflamingos haben hier an diesem stark alkalischen Gewässer ihren Brutplatz. Auch wenn ich gar nicht in der Lage bin diese pure Masse an Leben zu überschauen so sind die Abläufe innerhalb meines Blickfeldes schon atemberaubend genug. Noch vor Anbruch des Tages habe ich mich aufgemacht, in den an vielen Stellen extrem flachen See, hineinzulaufen. Der Schlick ist furchtbar glitschig, so dass ich mein Stativ zur Hilfe nehmen muss um nicht immer wieder darauf auszurutschen. Eingehüllt in weiches Licht des anbrechenden Tages, weiß ich manchmal gar nicht in welche Richtung ich meine Kamera schwenken soll, so vielseitig sind die Motive die sich mir bieten.

Immer wieder erheben sich wie auf Kommando, tausende rosa gefärbter Flamingos und bilden eine Wand aus Gefieder in der Luft. Vor der Kulisse des am Horizont aufragenden Vulkanes „Oldoinyo Lengai“ und der Abbruchkante des afrikanischen Grabenbruchs ziehen sie dann über den Himmel, um sich an einer anderen Stelle des großen Sees wieder niederzulassen. Da kommt auch ein abgebrühter Naturfreund in Staunen. Doch auch andere Vogelarten finden in Form von Milliarden kleinster Salinenkrebse ausreichend Nahrung im brackigen abflusslosen Wasser dieses Naturwunders.

Ich beobachte eine große Gruppe Pelikane wie sie etwas abseits der Flamingos nahe einer Seegraswiese stehen. Als sich diese schönen Tiere mit ihren ausladenden Schnäbeln zu bewegen beginnen, sieht es zunächst etwas unbeholfen aus. Sobald sie jedoch in der Luft sind, gleiten auch diese Vögel elegant über den Horizont.

Schon bei meiner ersten Reise vor über fünfzehn Jahren war der Besuch des Flamingo Sees ein absoluter Höhepunkt für mich – emotionaler wie fotografischer Art. Daran hat sich nichts geändert, im Gegenteil. Vielleicht bin ich heute sogar noch einen Tick demütiger, weil ich immer noch das Glück habe, diese Art von Eindrücken innerhalb meines Berufes erleben zu dürfen. Was die Sache zweifellos noch grandioser Macht ist die Evolution meiner Fotoausrüstung. Nach über zwanzig Jahren als Naturfotograf habe ich mir nun endlich einen lang gehegten Traum erfüllt und ein 600mm Objektiv erstanden. In einer Region wie dieser ist so ein Riesending das beste Geschenk das man sich selbst machen kann. Viele der während meiner Afrikareise entstanden Tierbilder belegen dies auf eindrucksvolle Weise.

Was sich in mir zum Vergleich meiner früheren Reisen sehr stark geändert hat ist die Wahrnehmung auf die Realitäten der uns umgebenden Umwelt. Ich habe heute reichlich Informationsquellen durch Greenpeace und anderer Organisationen die mich täglich mit Nachrichten zu ökologischen Themen, z.B. über den Weg sozialer Netzwerke wie Facebook, füttern. Diese machen das Leben nicht gerade sorgenfreier. Sie sind für mich aber eine wichtige Säule mir bei der Bildung meiner Weltanschauung zu helfen und meine Erlebnisse beim Unterwegs sein besser bewerten zu können.

Als wir später unsere Reise über eine Schotterpiste in Richtung des Nordeingangs zur Serengeti fortsetzen erklimmen wir die Hochebene des Grabenbruchs. Der Blick fällt zurück auf eine bis zum Horizont reichende Wasserfläche die so vielen Lebensformen Heimat und Nahrung bietet. Mir schaudert bei dem Gedanken, dass für den See Pläne zum Bau einer riesigen Industrieanlage existieren, welche die hier vorhandene Soda Asche abbauen soll. Man behauptet, dass diese Eingriffe keine großen Auswirkungen auf die Tierwelt haben werden. Belegt wird das mit der Feststellung, dass auch an anderen Seen in Ostafrika Flamingos und Industrie Seite an Seite existieren. Unterschlagen wird dabei die Tatsache das die Flamingos zwar je nach Jahreszeit zwischen den Seen hin und herwechseln, sie aber nur ein einziges Brutgebiet haben, nämlich den Natronsee. Diese Industrieansiedlung würde nicht nur eines der letzten wirklich wilden Flecken Ostafrikas seiner Ursprünglichkeit berauben, sie wäre auch der Mitauslöser für ein weiteres großes Verbrechen an Natur, Tieren und den hier lebenden Menschen. Nämlich dem sogenannten „Serengeti Highway“. Um den steigenden Warenfluss aus Nordtansania schneller zu den Häfen des Victoriasees transportieren zu können, plant die Regierung Tansanias eine geteerte Straße von Arusha vorbei am Natronsee und durch die Serengeti. Was dies für aberwitzige Auswirkungen hätte, wenn man Lastwagen durch den berühmtesten Nationalpark der Welt mit seinen großen Tierwanderungen fahren ließe, darauf komme ich im nächsten Kapitel meines Blogs zu sprechen. Richten wir den Focus nochmals auf den Natronsee.

Die kleine unscheinbare Schotterpiste führt direkt zwischen den Ufern des Sees und der Erhebung des Grabenbruches entlang. Der Weg ist so holprig das man an manchen Stellen fast schneller wäre, würde man nebenher laufen. Dies macht einen Großteil des Reizes aus hier mit dem Jeep unterwegs zu sein. Eine Piste dieser Art stört vor allem die hier lebende Tierwelt nicht. Doch genau dieser Weg soll nun geteert werden damit große Trucks die hier abgebaute Soda Asche abtransportieren können. Dem See drohen in der Zukunft genügend Gefahren, auch ohne Industriebetrieb. Fortschreitende Waldzerstörung durch steigenden Siedlungsdruck in der Mau Bergregion auf kenianischer Seite, macht der Natur schwer zu schaffen. Denn diese ist das Quellgebiet zahlreicher Flüsse, die neben der Serengeti auch den Natron See mit Wasser versorgen. Durch die Rohdung des Mau Waldes, kommt es in Kenia zu immer längeren Dürreperioden. Die kühle Luft, die aus dem Wald aufsteigt, prallt normalerweise mit den warmen, vom Victoriasee kommenden Luftmassen zusammen. Dadurch bilden sich regelmäßige Regenfälle. Die radikale Abholzung führt zu weniger Bäumen, weniger kühler Luft und dadurch zu insgesamt weniger Regen. Der Wald hat heute bereits ein Drittel seines ursprünglichen Baumbestandes verloren. Weite Teile Afrikas leiden sowieso schon sehr stark unter der globalen Erwärmung, sei es durch vermehrte Dürre oder auch Überschwemmungen. Diese werden durch lokale Brennpunkte wie das Problem des Mau Waldes massiv verstärkt. Mit Auswirkungen, die für ganze Landstriche verheerende Folgen haben können.

Warum vergessen wir Menschen immer, dass die Natur in Kreisläufen funktioniert. Ein gefällter Baum in einem weit entfernten Wald kann auf lange Sicht einem Flamingobaby die Lebensgrundlage entziehen. Deshalb muss es uns heutzutage auch interessieren, wenn in China der sprichwörtliche Sack Reis umfällt. Denn in einer globalisierten Welt rücken wir durch unser Handeln alle näher zusammen – im Positiven wie im Negativen.

Als wir den Natron See endgültig im Rückspiegel des Jeeps aus den Augen verlieren bemächtigt sich Meiner ein letzter Gedanke zu diesem Thema. Nämlich das ich davor Angst habe mir Vorzustellen, wie es wohl bei einer weiteren Reise in fünfzehn Jahren hier am afrikanischen Grabenbruch zwischen Götterberg und Flamingoparadies aussehen wird. Ob dann mein heute sechsjähriger Sohn auch noch in der Lage wäre dieses Wunder des Lebens in seiner Ursprünglichkeit zu bestaunen? Vieles spricht, zumindest zum jetzigen Zeitpunkt dagegen. Diese Tatsache macht mich sehr traurig.

Bärenparty & Morgennebel 12.09.2009

Stinklangweilig – sollte man meinen. Da sitzt unsereins in einem Holzkasten und starrt stundenlang auf dieselbe Szenerie. Es ist nun der vierte Abend und bisher war keiner wie der Andere. Besonders das Wetter und die damit verbundenen Lichtstimmungen machen einen Großteil des fotografischen Erfolges oder Misserfolges aus – auch und gerade in der Tierfotografie. Einfach nur einen Bären zu fotografieren der sich über eine von Menschenhand platzierte Beute beugt ist spätestens am zweiten Abend langweilig. Es kommt mindestens genauso darauf an das Umfeld in die Aufnahme mit einzubinden, und das wenn möglich noch in einer spannenden Lichtsituation. Hier hilft uns das nordische Wetter zur Zeit wirklich gewaltig. Während über den Tag hin eine dichte Wolkendecke über der Taiga lag, lösten diese sich zum Abend auf und ermöglichten ein tadelloses Abendrot. Dadurch wird das Zeitfenster in dem stimmungsvolle Fotos möglich sind um mindestens eine halbe Stunde erweitert. Bei Bewölkung legt sich allzu schnell tiefe Dunkelheit über das Land, sobald die Sonne hinterm Horizont verschwunden ist. Nicht so heute Abend. Wenn das Licht warm und golden wird steigt die Spannung ob von den so sehnsüchtig herbeigesehnten Akteuren auch einer auftaucht.

Finnland Nacht 4  722

Auf Margarete ist verlass. Sie war die Erste die ihr gelbgepierctes Ohr aus dem Wald streckt. Gefolgt von einem etwas dunkleren Bären sind sie beide eine Weile in meiner Reichweite über die Sumpfwiese gelaufen. Immer wieder strecken sie ihre Nasen in die Luft, ihr Riechorgan scheint wohl besser ausgeprägt zu sein wie ihre Augen. Lassi hat auch auf der anderen Seite der etwa einen Quadratkilometer großen Sumpfwiese ein Fotoversteck aufgebaut. Was sich da etwas später abspielte war schon grandios, leider aber eine halbe Stunde zu spät zum Fotografieren. Es war nahezu Nacht, die klobigen Körper der Tiere aber noch gut zu erkennen. Neun Bären tummelten sich dort auf der anderen Seite. Jetzt wo es dunkel war, machten sie all die coolen Sachen. Es gab Hierarchiekämpfe, sie schwammen in dem Flüsschen das den Sumpf durchzieht und einige standen auf zwei Beinen was ebenfalls auf der Wunschliste eines jeden Tierfotografen steht. Ich liege schon lange im Schlafsack und die letzten Geräusche die ich im Halbschlaf höre sind die der großen Raubtiere außerhalb meines kleinen Kastens. Die Morgenstimmungen waren bisher immer wunderschön, doch heute ist es einfach grandios. Die Nacht war wieder recht kalt, so halte ich den Schlafsack bis zu den Schultern um mich geschlossen, als ich mich wieder auf meinem kleinen Schemel postiere um Ausschau zu halten. Die Party war leider vorbei. Bis auf ein Pärchen Krähen, die sich entweder bezirzend oder streitend durch die Luft wirbelten, war es absolut ruhig. Krähen sind kleiner als Raben und haben Grauanteile in ihrem Gefieder, während die Raben wirklich rabenschwarz sind. Gespenstisch zieht plötzlich Nebel auf, nur silhouettenhaft kann man mit zunehmendem Licht einige kleine Bäumchen erkennen die vereinzelt im Sumpf wachsen. Die Horizontlinie ist aufgelöst.

Finnland Nacht 4  723

Es ist eigentlich noch fast Nacht als ein einsamer Bär durch die Stille marschiert. Ich stelle die Kamera auf 6400 ISO, den höchsten Empfindlichkeitswert den sie zu bieten hat. Durch den Nebel und das Gegenlicht des anbrechenden Tages entstehen wirklich ganz einzigartige Bilder. Sicherlich haben diese eine gehörige Portion Bildrauschen, was ich bei einer reinen atmosphärischen Aufnahme aber gar nicht als so störend empfinde. Einmal guckt die Morgensonne kurz durch die Nebelschicht, so dass mir fast der einsame Wolf entgeht, der in ca 300 m Entfernung nachschaut was die Bären am Vorabend an Futterresten zurückgelassen haben. Ein Wolf, für mich das geheimnisvollste und schönste Wildtier das wir in unseren Breitengraden haben. Es ist geradezu ein erhebendes Gefühl zu sehen, wie er vorsichtig Meter für Meter über die Waldlichtung läuft.

Finnland Nacht 4  724

Leider kommt er nicht sehr nahe an mein Versteck, doch die Nebelstimmung und die lange Brennweite zaubern eine pastellfarbene Aufnahme die in mir vielerlei Emotionen auslöst und hoffen lässt, dass es weitere Begegnungen mit diesen scheuen Tieren geben wird. Für heute war es das, ich freue mich über die wunderschönen Momente die mir diese wunderbare Naturlandschaft ermöglicht.

Im Niemandsland 10.09.2009

Dunkelheit legt sich über den Sumpf. Die Bäume und sind nur noch silhouettenhaft zu erkennen und die vier dunklen Gestalten die ich noch vage erkennen kann, gleichen schwarzen Klöpsen die sich langsam über die Ebene schieben. Es wäre eigentlich nun an der Zeit in den Schlafsack zu kriechen um möglichst viel Schlaf zu tanken, aber seitdem ich mich zum Blogger auserkoren habe wartet nun noch Arbeit auf mich. Die Welt hofft auf neue Abenteuer (zumindest die drei Leser, die ich inzwischen habe) und so ziehe ich meinen Laptop aus dem Rucksack und schreibe diese Zeilen während keine zweihundert Meter von mir entfernt vier Braunbären durch den Sumpf marschieren.
Ich stecke mitten in der Arbeit an meinem neuen Greenpeace Waldvortrag, der den Titel „Mythos Urwald- Europas Wildes Erbe“ tragen soll und bis November 2010 soweit im Kasten sein muss, dass wir damit wieder auf große Vortragstour gehen können.
Nun bin ich also in den Osten von Finnland gereist um zwei der sagenumwobensten und mystifisziertesten Wesen zu fotografieren, die einmal in ganz Europa zu Hause waren, nämlich Bären und Wölfe. Hier an der russischen Grenze im sogenannten Niemandsland, einem fünf Kilometer breiten Grenzstreifen, dem sich offiziell keiner nähern darf befindet sich ein kleines Paradies für Fotografen und Naturfreunde. In jungen Jahren hat hier der finnische Fotograf Lassi Rautiainen begonnen die Tiere zu studieren, um ihre Wanderrouten und Fressgewohnheiten kennen zu lernen. Er baute sich Fotoverstecke und lockte die Tiere mit Schweinskadavern vor die Kamera, was ihn im Laufe der Jahre zu einem der erfolgreichsten Tierfotografen von Nordeuropa werden lies. Mir und vielen anderen Bedürftigen kommt es heute zugute, dass Lassi ein ausgesprochen fleißiger Geschäftsmann ist und die Fotoverstecke seit 1991 auch anderen zur Nutzung anbietet.

Billig ist er nicht, das muss man sagen. Aber lohnen tut es sich allemal, weil es ansonsten für einen Nichteinheimischen nahezu unmöglich ist, die Tiere (zumindest hier in Europa) zu Gesicht bzw. vor die Kamera zu bekommen.
Meistens kommen sie in der Dämmerung morgens und abends oder mitten in der Nacht. Um diese Jahreszeit herrschen fast sieben Stunden absolute Dunkelheit, welche man mit gesundem Schlaf sehr schnell überbrücken kann. Ich bin um 18 Uhr im Fotoversteck angekommen, und kaum hatte ich meine Kamera installiert  kam schon der erste Bär aus dem Unterholz. Es ist jedes mal wieder ein absolutes Erlebnis diese Tiere in freier Wildbahn zu sehen.

Es gibt momentan ungefähr 1000 Bären in Finnland, von denen jedes Jahr bis zu 60 abgeschossen werden dürfen. Das bringt sie zwar nicht an den Rande der Ausrottung, trotzdem überfällt mich jedes Mal regelrechte Wut wenn ich daran denke, dass es Leute gibt, die diese Tiere aus purem Vergnügen abknallen. Wir sind hier weder in Afrika wo ein Devisen bringender Luxusjagdtourismus den Menschen vor Ort zu überleben hilft, noch sind diese Jäger indigene Ureinwohner welche die Jagd aus kulturellen Gründen zum Ernähren ihrer Familien brauchen. Wer seine Lebensmittel in Plastik verpackt aus dem Supermarkt bezieht hat aus meiner Sicht kein Recht diese Tiere zu töten. Also lasst sie in Gottes nahmen in Ruhe…..
Es ist mein zweiter Abend in einem von Lassis Verstecken. Während in der ersten Nacht so gut wie nichts los war, ist heute Abend regelrechte Bärenparty, zwischen die sich auch noch ein Wolf verirrt. Leider spielt sich alles ein wenig zu weit von mir ab, was mir zwar schöne Eindrücke liefert, aber trotz einem 500mm Objektiv und einer Brennweitenverlängernden Dreiviertelzoll Chip Kamera wollen die Bilder die ich gerne machen möchte, zumindest heute Abend noch nicht gelingen. Erst als es zappenduster ist, laufen zwei der Bären fast direkt an meinem Bretterverschlag vorbei, und mir bleibt die Hoffnung, dass  sie genau dieses in den kommenden Tagen nochmals im Abendlicht tun.


Ich musste gar nicht bis zum kommenden Abend warten.  Mit der Dämmerung begann sich ein zarter Nebelschleier über die Sumpfwiesen zu legen. Zwei der Bären waren die Nacht über im Sumpf geblieben, was mir nun die ersten vernünftigen Fotos ermöglichte.  Der werdende Tag hätte gar nicht schöner beginnen können. Es dauerte fast eineinhalb Stunden bis die wärmende Kraft der Sonne diese mystische Stimmung verscheucht hat und wir den Rückweg in unser Tagesdomizil antraten.

Wildview läuft unter Wordpress 3.4.2
Anpassung und Design: Gabis Wordpress-Templates