Wildview

Abenteuer Natur(schutz)fotografie

Tag: Greenpeace Gruppe Marburg

Deutschlandreise 28.04.2010

Auf der Reise durch meine Heimat komme ich in den hessischen Kellerwald. Heute ist der vornehmlich aus Buchen bestehende Naturraum ein Nationalpark. Bezeichnend für unseren Umgang mit dem Naturerbe ist die Tatsache, dass es fast 18 Jahre gedauert hat um alle Widerstände zu überwinden und ein Gebiet von lächerlichen 6000 Hektar aus der Nutzung zu nehmen.

Damals war es nicht zuletzt das Eingreifen von Greenpeace das den entscheidenden Pusch in Richtung Naturschutz gegeben hat. Insbesondere der unermüdliche Einsatz der ehrenamtlichen Greenpeacer hat geholfen Ängste in der Bevölkerung abzubauen und die Weltuntergangsszenarien der Nationalparks Gegner zu entkräften. In diesem Zusammenhang muss man ganz klar die Aktionen der Greenpeace Gruppe Marburg würdigen, die ähnlich wie bei der „Road to Copenhagen“ mit den Meerjungfrauen (wie hier im Blog beschrieben) als Aktionstools über tausend Laubsägezwerge gebastelt haben. Diese wurden zum Symbol der Kampagne und sind Teil dieser Erfolgsgeschichte. Mich interessieren bei meinem Besuch im Kellerwald zum jetzigen Zeitpunkt aber nicht die typischen Buchenwälder sondern eine Besonderheit, die es so in dieser Form eigentlich nicht mehr gibt. Ich wandere etwas außerhalb des Nationalparks auf einem Höhenzug zur Halbinsel Scheid. Unter mir sehe ich die aufgestauten Wasser des Edersees der den Park im Norden begrenzt. Auf einer Länge von einem Kilometer passiere ich den einzigartigen Eichenwald der „Kahlen Haardt“.

Mehrhundertjährige Eichen haben sich hier in bizarren Wuchsformen in den nackten Felsen gekrallt. Aufgrund der Unzugänglichkeit des Steilhanges hat niemals ein Mensch eine Axt an diesen Bäumen angesetzt. Durch die Südhanglage hat sich eine besondere, sehr wärmeliebende Vegetation entwickelt, deren Baumschicht sich in erster Linie aus Traubeneichen zusammensetzt. Sie sind ein vegetationsgeschichtliches Relikt und Zeuge einer Zeit, als Mitteleuropa noch großflächig von Eichenwäldern beherrscht war (bis ca. 3000 v.Chr). Im Zuge der nachfolgenden Klimaabkühlung gelangte schließlich die Buche zur Dominanz. Eichenwälder konnten sich nur in kleinen Flächen an besonderen Standorten mit warmen Mikroklima halten. Wie hier am Hang wo sich der Boden im Sommer sehr stark erwärmt.

Es ist schwer zu glauben, dass viele der Bäume älter als 500 Jahre sein sollen, denn ihr niedriger und oft verdrehter Wuchs lässt das wahre Alter nur erahnen. Während die umstehenden Buchen und Elsbeeren schon grüne Blätter austreiben, stehen die Eichen noch kahl im Hang. Sie strahlen gespenstische Schönheit aus und ermöglichen es mir faszinierende Bilder zu schießen.

Die Reise führt mich in die Sächsische Schweiz östlich von Dresden. Hier befindet sich eine wunderschöne Erosionslandschaft, von der ich mir Fotos erhoffe die geschlossene Waldlandschaften zeigen ohne Zeichen von menschlichem Einfluss. Es ist nämlich gar nicht so leicht in Deutschland Ansichten zu finden, die einen unberührten Naturraum zeigen, der nicht irgendwo durch eine Straße, einen Strommasten oder Ähnliches durchschnitten ist. Die Sandsteinfelsen im Nationalpark sind wirklich wunderschön und laden zum Klettern und Träumen ein. Die pitoreske Schönheit der Natur hat die Menschen schon früh in ihren Bann gezogen.

So ist die berühmte Brücke, welche die Steintürme der Bastei miteinander verbindet, das erste Bauwerk das ausschließlich zur touristischen Nutzung errichtet wurde. Ich erreiche das Gebiet in der Nacht um Ein Uhr und laufe die Route der Aussichtsplattformen im Schein des fast vollen Mondes ab um mir ein Bild der Lage zu machen. In der Dunkelheit erscheint die Landschaft noch märchenhafter. Störend wirken nur die Güterzüge, deren lautes Dröhnen vom Fuße des nahen Elbtales wie ein Echo nach oben dringt. Scheinbar die ganze Nacht ist der Warenfluss zwischen Deutschland und der tschechischen Republik in Bewegung. Die Grenze verläuft direkt am Fuße der Bastei. Den Bergen zugewandt, ist die Natur auch auf der tschechischen Seite in Form des Nationalparks Böhmische Schweiz geschützt. Pünktlich zum Sonnenaufgang sitze ich auf einem der Felsen und richte meinen Blick auf die Schluchtwälder der steil abfallenden Sandsteinformationen.

Durch ihre Unzugänglichkeit sind diese Bereiche des Nationalparks besonders naturnah und mit einer Vielzahl verschiedener Baumarten bewachsen. Im zentralen Teil des Nationalparks finde ich die ersehnten Ausblicke über geschlossene Waldlandschaften. Doch sind diese Wälder, nach jahrhundertelanger forstwirtschaftlicher Nutzung, weit davon entfernt urwaldähnliche Strukturen aufzuweisen. So dominiert auch hier die zur Holzerzeugung angepflanzte Fichte. Auf meiner Wanderung zum Sandsteinfelsen „Winterstein“, der einen wunderschönen Panoramaausblick auf alle Bereiche des Nationalparks verspricht, passiere ich immer wieder Bereiche in denen Holz eingeschlagen wird. Dies mag auf den ersten Blick erstaunen, denn in einem Nationalpark dürfen in der Regel keine Eingriffe an der Natur stattfinden. In diesem Fall wird versucht, die Sünden der Vergangenheit zu reparieren. Durch anhaltende Luftverschmutzung und das deutlich erwärmte Klima sind viele der ortsfremden Fichten geschädigt. Borkenkäfer haben die kranken Bäume befallen und durch Fraßgänge unter der Rinde die Fichte zum Absterben gebracht. Um eine Massenausbreitung des Käfers zu verhindern werden die toten Bäume entfernt um so gleichzeitig heimischen Baumarten wie Buche, Eiche, Weißtanne und Kiefer bessere Wuchsbedingungen zu bieten. Dieser Umbau steht weiten Teilen der deutschen Forstwälder bevor, denn der Klimawandel hat gerade erst begonnen. So wird es allerhöchste Zeit, dass wir auf eine völlig verfehlte, nur auf Gewinnmaximierung orientierte Forstpolitik reagieren, wenn wir unsere Wälder auch in einer veränderten Zukunft erhalten wollen.

Nichts desto Trotz ist dieser Teil unseres Landes einer der Schönsten die ich bisher besucht habe. Hierher komme ich garantiert zurück. Doch jetzt habe ich erstmal ein Date mit einem sehr fotogenen Vogel.

1200 Meerjungfrauen zum Abschied 07.09.2009

Heute ist es also soweit. Monatelange Vorarbeit liegt hinter ihnen, die eigentlichen Strapazen stehen ihnen noch bevor. Während ein Großteil der Menschheit mit relativem Desinteresse auf die Bedrohungen der Erderwärmung reagiert, sind es einige die sich mit dermaßenem Idealismus engagieren, als gelte es die peinliche Trägheit der Masse wieder auszugleichen. Fünf ehrenamtliche Greenpeacer aus Marburg und Radolfzell wollen das auf der Klimakonferenz im Dezember in Kopenhagen was läuft, und zwar eine klare politische Vorgabe, die die Staatengemeinschaft zwingt endlich die klimaschädlichen Kreisläufe in Wirtschaft und Gesellschaft nachhaltiger und zukunftsweisender zu gestalten. Dafür wollen sie laufen. 2000 km von Konstanz kreuz und quer durch Deutschland. Bis zur Konferenz am 5. Dezember in Kopenhagen. Zwischen 25 und 30 km und das Tag für Tag, egal bei welchem Wetter.

v.l.n.r: Julian Jaedicke, Sarah Heithausen, Achim Gresser, Merle Drusenbaum, Wolfram Lang

v.l.n.r: Julian Jaedicke, Sarah Heithausen, Achim Gresser, Merle Drusenbaum, Wolfram Lang

Wir treffen uns um 7.30 Uhr im Hafen von Konstanz. Der See liegt in windstiller Gelassenheit vor uns, ein paar Möwen kreisen und die ersten kleinen Touristengruppen schlendern über die Promenade. Ein Kastenwagen fährt vor und bringt eine erstaunliche Abschiedsgesellschaft zum Vorschein. 1200 handgesägte und bemalte Meerjungfrauen, die als Wahrzeichen der Stadt Kopenhagen das Symbol für diese Mammuttour gewählt wurden. Gebastelt und bemalt wurden die Fischdamen von Kindern und Jugendlichen auf etlichen Aktionen, die die Greenpeace Gruppe Marburg veranstaltet hat.

1200 Meerjungfrauen kamen zum Start der Tour in den Konstanzer Hafen

1200 Meerjungfrauen kamen zum Start der Tour in den Konstanzer Hafen

Der ganze Hafenbereich ist gefüllt mit den fantasievoll gestalteten Maskottchen als zwei Politiker erscheinen, um von unseren Helden 4000 Briefe an Bundeskanzlerin Merkel überreicht zu bekommen. In diesen wird sie aufgefordert persönlich nach Kopenhagen zu reisen, um sich für ein vernünftiges Ergebnis bei den Verhandlungen einzusetzen.  Bundestagsabgeordneter Jung von der CDU, der eigentliche Bote zur Kanzlerin hat sein Kommen leider kurzfristig abgesagt, da er zu einer wichtigen Sitzung nach Berlin musste. Als die Briefe später von Achim Gresser, dem eigentlichen Initiator der Aktion, Bürgermeister Claus Boldt (CDU) und Siegfried Lehmann (MdL, Grüne) in der Postannahmestelle des Konstanzer Rathauses abgegeben werden, habe ich so meine leichten Zweifel, dass diese ihren Weg nach Berlin jemals antreten. Ich wünsche mir, dass ich Unrecht habe und Frau Merkel zumindest in einer Randnotiz davon erfährt.

Beschenkt mit einer Meerjungfrau und dem Setzling einer Buche wünschen die Abgesandten der Politik unserer Gruppe eine gute Reise und dann geht es endgültig los. Es wird nicht einfach nur gelaufen, das wäre zu einfach. Niemand würde von der kleinen Gruppe Notiz nehmen. Sie haben sich Meerjungfrauen Kostüme übergezogen und ziehen einen großen getunten Bollerwagen, der die Botschaft der Wanderer unters Volk bringen soll. Mit Grausen denke ich an die vielen Steigungen  und den Gegenwind gegen die das im Inneren mit Ausrüstung und Infomaterial gefüllte Gefährt geschoben werden muss. Ich werde wohl alt…..

In Kreuzlingen am Schweizer Zoll heißt es für mich Abschied nehmen. Nachdem sie dort von einer Abgeordneten des Stadtrates in Empfang genommen wurden, geht die erste Etappe entlang der Schweizer Bodenseeseite. Auf der anderen Seeseite wartet dann das Allgäu. Eine ausgesprochen idyllische Landschaft, aber überzogen mit Hügeln und Bergen. Die erste Herausforderung – mir schaudert und ich habe ehrlichen tiefen Respekt vor Achim und Co….

So flach wie hier im Park von Konstanz wird es wohl nicht bleiben.......

So flach wie hier im Park von Konstanz wird es wohl nicht bleiben.......

In drei Wochen werde ich sie hoffentlich gesund und munter wiedersehen. Im Steigerwald bei Würzburg laufen wir gemeinsam. Der Steigerwald ist potentieller Nationalpark Kandidat. Ein Thema in meinem kommenden Vortrag und ein Projekt, das wir gemeinsam unterstützen wollen. Ich werde wieder von den Meerjungfrauen & Männern und ihrem Bollerwagen berichten. Die „Road to Copenhagen“ ist noch lang.

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