Wildview

Abenteuer Natur(schutz)fotografie

Tag: Greenpeace

Ein Projekt nimmt Formen an….28.07.2010

Das Schöne an einem kreativen Schaffensprozess ist die Tatsache, dass man sehen kann, was man kreiert. In den vergangenen Monaten habe ich vor allen Dingen den Fotopool zu „Europas wilden Wäldern“ erstellt. Nun nutze ich die Sommerpause, um die Bilder zu sortieren und die Multivisionsshow zu strukturieren. Ich überlege mir einen roten Faden, der sich durch den Abend ziehen wird und bringe Bilder in die richtige Reihenfolge. Diese Abfolge leite ich dann an meinen Freund Kai Arend weiter (www.mabon.de). Er wird dazu sicherlich wieder wunderschöne Musik komponieren. Das macht er nun schon seit vielen Jahren für meine Diaschauen. Das Zusammenspiel aus Bild und Musik ist ein harmonischer Kontrapunkt zu meinen erzählten Geschichten und gestattet dem Zuschauer, sich immer wieder mit seinen eigenen Gedanken in die Bilder zu vertiefen. Außerdem sind meine Kolleginnen Inga, Astrid und Elfriede mit großem Eifer dabei, die anstehende Vortragstournee zu organisieren. Auftrittsorte müssen gefunden und koordiniert, Kontakte zu Plakatierern geknüpft werden. Am 12. November soll dann die große Vortragstournee starten, welche den wilden Wald in den kommenden zwei Jahren in 250 Säle der Republik bringen soll. Demnächst werden wir die Termine auch hier bekanntgeben. Eines der wichtigsten Werkzeuge zur Bewerbung der Veranstaltung ist sicherlich das Plakat. Ich möchte es heute an dieser Stelle gerne vorstellen. Meiner Meinung nach ist es sehr gelungen und ich hoffe, dass dies auch die Besucher so sehen und in Scharen zu den Vorstellungen kommen. Ab Mitte August werde ich mich nochmals aufmachen, um in einer langen finalen Reise durch Skandinavien, der Ukraine und Rumänien die letzten Lücken in der Storyline zu schließen. Ich freue mich sehr darauf, die fertige Show auf die Bühne zu bringen, denn ich glaube, dass hier etwas Sehenswertes am Entstehen ist.

Abgehoben 16.06.2010

Eine Reise nach Russland ist immer etwas Besonderes. Zum einem ist die Größe des Landes mit keiner anderen Region auf der Welt zu vergleichen – schon gar nicht innerhalb Europas. Zum Anderen sind wir in unserer Jugend mit einem eisernen Vorhang aufgewachsen, welcher uns Jahrzehnte impliziert hat dahinter lebe der böse Feind. Im Rahmen meiner Greenpeace Tätigkeit ist dies nun meine dritte Reise in ein Land das wohl für viele Menschen aufgrund der politischen Altlasten bis heute weitestgehend unbekanntes Territorium ist. Für mich war bisher jede Reise ein spannendes Abenteuer bei dem ich unglaubliche Landschaften kennenlernen durfte.

Zudem kam ich immer  mit der Erkenntnis nach Hause, dass die Menschen auf der anderen Seite der politischen Glaubensgrenze eben auch nur Menschen sind. Mein erstes Ziel war das Greenpeace Büro in Moskau. Die Kollegen vor Ort haben die kommende Reise für mich organisiert. In der russischen Hauptstadt prallen Moderne und Vergangenheit mit voller Wucht aufeinander. Die riesigen und in großer Anzahl an den Straßenrändern aufgestellten Werbetafeln versprechen eine farbenfrohe Konsumwelt und zeigen, dass auch die Russen den Verheißungen des Kapitalismus erlegen sind. So reihen sich viele westliche Luxusschlitten in die meist dreispurigen Staus der Millionenmetropole nahtlos ein. Es gibt zahlreiche Gewinner die aus der Öffnung der Märkte und der Privatisierung ehemaligen „Allgemeingutes“ durchaus profitiert haben. Freilich nicht die breite Masse der Bevölkerung welches sich auch im Zustand des Großteiles der Gebäude wiederspiegelt. Viele Bauwerke sind schon zu Soviet-Zeiten farblos gewesen und erscheinen heute als dringend renovierbedürftig.

Beeindruckend ist eine Fahrt mit der Moskauer U-Bahn. Ich schleppe über 50 kg Gepäck mit mir herum und bin froh endlich im Abteil zu sitzen. Die Rolltreppe, welche die Menschenmassen in die Unterwelt zur Bahn transportiert, wirkt endlos. Man hat die Bahn wirklich tief in die Erde gegraben. Alle Stationen die ich kennen lernen durfte gleichen eher Museen als Bahnsteigen. Riesige Bilder und Mosaiken legen Zeugnis ab von einer vergangenen Zeit die mit der heutigen marktorientierten Gesellschaft wohl nicht mehr viel gemeinsam hat. Von außen ist das Greenpeace Büro nicht als solches zu erkennen. Ich passiere eine Sicherheitskontrolle und betrete die Büroräume. An die fünfzig Personen arbeiten hier und geben ihr Bestes, dass die Naturschätze dieses Riesenlandes nicht gänzlich dem kurzfristigen Gewinn des Marktes geopfert werden, sondern für kommende Generationen erhalten bleiben. Ich lerne Anna und Sergey kennen, die mich in den nächsten zwei Wochen begleiten wollen. Unser Ziel ist die Provinz Komi am östlichen Ende des Europäischen Kontinents. Komi ist ungefähr so groß wie Frankreich, es leben dort aber nur ca. eine Millionen Menschen. Von Sergey erfahre ich, dass die Finnen hier in Komi ihre Wurzeln haben. Nach einem zweieinhalbstündigen Flug (fast solange wie der von Deutschland nach Moskau) landen wir in Uchta, der Stadt die unserem Ziel am nächsten liegt welches man mit dem Flugzeug erreichen kann. Nahe der Busstation quartieren wir uns ein.

Auch das Hotel ist nicht unbedingt sofort als solches zu erkennen. Da die Russen neben der anderen Sprache auch eine andere Schrift benutzen, ist eine Orientierung für mich sowieso sehr schwierig. Beim Einchecken wird man oftmals noch an alte Sovietzeiten erinnert. Denn als Ausländer muss man sich eigentlich an jeder Station der Reise bei den Behörden registrieren lassen. Früher wäre ein Herumreisen als Westler in diesem Land schlicht unmöglich gewesen. Auch heute ist es nicht ganz einfach und ich bin froh, dass meine Kollegen das eine und andere Mal die Formalitäten für mich erledigen oder die Menschen dazu bewegen ein Auge zuzudrücken, zumal es sich nur um einen kurzen Transitstop handelt. Später betreten wir dann ein Restaurant in dem die Gäste mit Dauerbeschallung durch Musikfernsehen berieselt werden. So erfahre ich, dass man den Siegersong von unserer Eurovision Song Contest Gewinnerin Lena als Handy Klingelton erwerben kann. Auch sonst weisen die gezeigten Beiträge auf eine gänzliche Annäherung der zwei einstmals verfeindeten Systeme zumindest im kulturellen Bereich hin. Am kommenden Morgen geht die Reise im Überlandbus weiter. Vier Stunden fahren wir auf teils unbefestigten Straßen gen Osten. Wir passieren endlose Baumreihen und sumpfige Freiflächen.

Geografisch liegt unser Ziel, die kleine Stadt Vuktyl auf der Höhe von Mittelfinnland, ca 300 km unterhalb des Polarkreises. 15000 Menschen leben hier in einer typischen sovietischen Trabantenstadt. Solche Städte gibt es in Russland viele, da sich eigentlich überall irgendein Rohstoff aus der Erde pressen lässt. Heute ist die Stadt ganz in der Hand von „Gasprom“. Der Gaskonzern scheint die einzige Quelle zu sein, die diese Gemeinde am Leben hält. Ansonsten ist hier nicht viel geboten. Es gibt weder ein Kino noch sonstige reichhaltige Abwechslung. Aber es gibt hier Natur im Überfluss. Nicht weit von Vuktyl erheben sich die Berge des Ural, welche die geografische Grenze zwischen dem europäischen Teil des Landes und dem weit größeren asiatischen Teil bilden. Fast drei Millionen Hektar (!!) Wildnis sind hier von der UNESCO als Weltnaturerbe ausgezeichnet und unter Schutz gestellt worden. Der „Komi Virgin Forest“ ist das größte Naturschutzgebiet in Europa. Er beherbergt Urwälder von einer Größenordnung wie sie in keinem anderen Teil unseres Kontinents mehr vorkommen.

Mit großer Vorfreude betrete ich das Büro der Nationalparksleiterin Tatiana Fomicheva. Von Andrey, der bei Greenpeace für die Ausweisung von Weltnaturerbestätten zuständig ist, weiß ich von seiner Bekanntschaft mit der Dame. Die Zwei haben im Prozess den Komi Wald unter Schutz zu stellen eng zusammen gearbeitet. Als Dankeschön möchte uns Frau Fomicheva gerne helfen. Ich verstehe zwar nichts von dem was dort im Büro verhandelt wird, doch anhand der ausgelassenen Stimmung erahne ich einen positiven Verlauf. Meine Hoffnungen werden sogar übertroffen als mir Anna mitteilt, dass wir zu einem Hubschrauberflug eingeladen sind. Damit geht ein Traum für mich in Erfüllung. Ich habe mir sehr gewünscht innerhalb dieses Projektes über die „Wilden Wälder Europas“ , einmal die Luftperspektive zu bekommen. Jetzt sollte es sogar beim größten Urwald des Kontinents klappen. Für die Zeit nach dem Flug wird eine Flußexpedition für uns geplant, die uns weit in die Berge des Ural bringen soll. Wow. Nach zwei Tagen zähem Warten bringt man uns zum ehemaligen Flugplatz der Stadt. Heute wird das Flugfeld nur noch von den Hubschraubern des „Gasprom“ Konzerns benutzt und ich bin gar nicht überrascht als auch wir wenig später in einen Transporthubschrauber des Energieriesen steigen.

Am frühen Morgen hab ich nochmals schwer gezittert. Dicke Wolken und Dauerregen lassen das ganze Vorhaben sehr fraglich erscheinen. Gegen zehn Uhr gab es dann Entwarnung und wir bekommen unsere Starterlaubnis. Die Wolken beginnen sich aufzulockern und entlassen nur noch partielle Schauer auf die Erde. Aus fotografischer Sicht hätte mir überhaupt nichts Besseres passieren können. Auch bei Luftaufnahmen gibt es nichts Langweiligeres als blauer Himmel ohne Wolken. So aber fliegen wir hinein in ein regelrechtes Inferno aus Licht, Schatten, Wolken und Regenwänden. Es ist grandios. Die Minuten vergehen „wie im Flug“. Der Hubschrauber folgt dem Verlauf eines der großen Flüsse die ihren Anfang in den Bergen des Ural nehmen. Unter uns nur ungezähmte Wildnis. Es ist ein fantastischer, für Europa fast unwirklicher Anblick, wenn man auf unseren Planeten blickt an Stellen wo er völlig frei von menschlichen Einflüssen ist. Nach ca. einer Stunde landen wir an einem Flussufer und besuchen einen Einsiedler, der seit über dreißig Jahren in einem kleinen Holzhaus in der Weite dieser Wälder lebt. Lange bevor das Gebiet unter Naturschutz gestellt wurde hat er sich hier niedergelassen. Heute erledigt er Aufgaben für den Nationalpark und freut sich über uns unerwartete Gäste. Ich stelle mir vor wie es sein muss hier draußen zu überleben. Die kurzen Sommer sind Moskitoverseucht und die kalten und dunklen Winter endlos. Bei aller Liebe zur Natur möchte ich nicht mit ihm tauschen. Die Einsamkeit würde mich wohl zermürben, trotz Bären, Elche und Wölfe als Nachbarn.

Unser Flug führt uns weiter über die ersten Ausläufer des Ural. Wir sehen die Baumgrenze nicht weit oberhalb der Flüsse, ein Zeichen, dass wir uns sehr weit im Norden befinden. In den Höhenlagen des bis zu zweitausend Meter hohen Gebirges liegt nach wie vor Schnee. Immer wieder entladen sich regionale Schauer über der Taiga was zu spannenden Lichtverhältnissen und sogar zu Regenbögen führt. Als wir wieder auf dem Flugfeld landen habe ich jegliches Zeitgefühl verloren. Fast drei Stunden sind vergangen und ich bin völlig erschlagen von den wunderbaren Eindrücken die sich uns offenbart haben. Fast tausend Mal habe ich auf den Auslöser gedrückt. Da nur die besten Bilder überleben wartet eine Menge Arbeit am Computer auf mich. Doch zuvor wollen wir uns dem Komi Urwald vom den Wasserstraßen aus nähern.

Deutschlandreise 28.04.2010

Auf der Reise durch meine Heimat komme ich in den hessischen Kellerwald. Heute ist der vornehmlich aus Buchen bestehende Naturraum ein Nationalpark. Bezeichnend für unseren Umgang mit dem Naturerbe ist die Tatsache, dass es fast 18 Jahre gedauert hat um alle Widerstände zu überwinden und ein Gebiet von lächerlichen 6000 Hektar aus der Nutzung zu nehmen.

Damals war es nicht zuletzt das Eingreifen von Greenpeace das den entscheidenden Pusch in Richtung Naturschutz gegeben hat. Insbesondere der unermüdliche Einsatz der ehrenamtlichen Greenpeacer hat geholfen Ängste in der Bevölkerung abzubauen und die Weltuntergangsszenarien der Nationalparks Gegner zu entkräften. In diesem Zusammenhang muss man ganz klar die Aktionen der Greenpeace Gruppe Marburg würdigen, die ähnlich wie bei der „Road to Copenhagen“ mit den Meerjungfrauen (wie hier im Blog beschrieben) als Aktionstools über tausend Laubsägezwerge gebastelt haben. Diese wurden zum Symbol der Kampagne und sind Teil dieser Erfolgsgeschichte. Mich interessieren bei meinem Besuch im Kellerwald zum jetzigen Zeitpunkt aber nicht die typischen Buchenwälder sondern eine Besonderheit, die es so in dieser Form eigentlich nicht mehr gibt. Ich wandere etwas außerhalb des Nationalparks auf einem Höhenzug zur Halbinsel Scheid. Unter mir sehe ich die aufgestauten Wasser des Edersees der den Park im Norden begrenzt. Auf einer Länge von einem Kilometer passiere ich den einzigartigen Eichenwald der „Kahlen Haardt“.

Mehrhundertjährige Eichen haben sich hier in bizarren Wuchsformen in den nackten Felsen gekrallt. Aufgrund der Unzugänglichkeit des Steilhanges hat niemals ein Mensch eine Axt an diesen Bäumen angesetzt. Durch die Südhanglage hat sich eine besondere, sehr wärmeliebende Vegetation entwickelt, deren Baumschicht sich in erster Linie aus Traubeneichen zusammensetzt. Sie sind ein vegetationsgeschichtliches Relikt und Zeuge einer Zeit, als Mitteleuropa noch großflächig von Eichenwäldern beherrscht war (bis ca. 3000 v.Chr). Im Zuge der nachfolgenden Klimaabkühlung gelangte schließlich die Buche zur Dominanz. Eichenwälder konnten sich nur in kleinen Flächen an besonderen Standorten mit warmen Mikroklima halten. Wie hier am Hang wo sich der Boden im Sommer sehr stark erwärmt.

Es ist schwer zu glauben, dass viele der Bäume älter als 500 Jahre sein sollen, denn ihr niedriger und oft verdrehter Wuchs lässt das wahre Alter nur erahnen. Während die umstehenden Buchen und Elsbeeren schon grüne Blätter austreiben, stehen die Eichen noch kahl im Hang. Sie strahlen gespenstische Schönheit aus und ermöglichen es mir faszinierende Bilder zu schießen.

Die Reise führt mich in die Sächsische Schweiz östlich von Dresden. Hier befindet sich eine wunderschöne Erosionslandschaft, von der ich mir Fotos erhoffe die geschlossene Waldlandschaften zeigen ohne Zeichen von menschlichem Einfluss. Es ist nämlich gar nicht so leicht in Deutschland Ansichten zu finden, die einen unberührten Naturraum zeigen, der nicht irgendwo durch eine Straße, einen Strommasten oder Ähnliches durchschnitten ist. Die Sandsteinfelsen im Nationalpark sind wirklich wunderschön und laden zum Klettern und Träumen ein. Die pitoreske Schönheit der Natur hat die Menschen schon früh in ihren Bann gezogen.

So ist die berühmte Brücke, welche die Steintürme der Bastei miteinander verbindet, das erste Bauwerk das ausschließlich zur touristischen Nutzung errichtet wurde. Ich erreiche das Gebiet in der Nacht um Ein Uhr und laufe die Route der Aussichtsplattformen im Schein des fast vollen Mondes ab um mir ein Bild der Lage zu machen. In der Dunkelheit erscheint die Landschaft noch märchenhafter. Störend wirken nur die Güterzüge, deren lautes Dröhnen vom Fuße des nahen Elbtales wie ein Echo nach oben dringt. Scheinbar die ganze Nacht ist der Warenfluss zwischen Deutschland und der tschechischen Republik in Bewegung. Die Grenze verläuft direkt am Fuße der Bastei. Den Bergen zugewandt, ist die Natur auch auf der tschechischen Seite in Form des Nationalparks Böhmische Schweiz geschützt. Pünktlich zum Sonnenaufgang sitze ich auf einem der Felsen und richte meinen Blick auf die Schluchtwälder der steil abfallenden Sandsteinformationen.

Durch ihre Unzugänglichkeit sind diese Bereiche des Nationalparks besonders naturnah und mit einer Vielzahl verschiedener Baumarten bewachsen. Im zentralen Teil des Nationalparks finde ich die ersehnten Ausblicke über geschlossene Waldlandschaften. Doch sind diese Wälder, nach jahrhundertelanger forstwirtschaftlicher Nutzung, weit davon entfernt urwaldähnliche Strukturen aufzuweisen. So dominiert auch hier die zur Holzerzeugung angepflanzte Fichte. Auf meiner Wanderung zum Sandsteinfelsen „Winterstein“, der einen wunderschönen Panoramaausblick auf alle Bereiche des Nationalparks verspricht, passiere ich immer wieder Bereiche in denen Holz eingeschlagen wird. Dies mag auf den ersten Blick erstaunen, denn in einem Nationalpark dürfen in der Regel keine Eingriffe an der Natur stattfinden. In diesem Fall wird versucht, die Sünden der Vergangenheit zu reparieren. Durch anhaltende Luftverschmutzung und das deutlich erwärmte Klima sind viele der ortsfremden Fichten geschädigt. Borkenkäfer haben die kranken Bäume befallen und durch Fraßgänge unter der Rinde die Fichte zum Absterben gebracht. Um eine Massenausbreitung des Käfers zu verhindern werden die toten Bäume entfernt um so gleichzeitig heimischen Baumarten wie Buche, Eiche, Weißtanne und Kiefer bessere Wuchsbedingungen zu bieten. Dieser Umbau steht weiten Teilen der deutschen Forstwälder bevor, denn der Klimawandel hat gerade erst begonnen. So wird es allerhöchste Zeit, dass wir auf eine völlig verfehlte, nur auf Gewinnmaximierung orientierte Forstpolitik reagieren, wenn wir unsere Wälder auch in einer veränderten Zukunft erhalten wollen.

Nichts desto Trotz ist dieser Teil unseres Landes einer der Schönsten die ich bisher besucht habe. Hierher komme ich garantiert zurück. Doch jetzt habe ich erstmal ein Date mit einem sehr fotogenen Vogel.

Weckruf in Kopenhagen 13.12.2009

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Was für eine Kraftquelle. Ich habe mich an einem Lichtmasten drei Meter nach oben geschoben und sehe eine endlos erscheinende Karawane an mir vorbeiziehen. Bis zum Horizont bewegt sich diese Menschenmenge.

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Viele marschieren laut singend, nach Trommeln tanzend, die Laola Welle formend, oder einfach nur schweigend durch die Straßen der dänischen Hauptstadt Kopenhagen. Es ist ein lebensfrohes Bild. Junge und alte Menschen sind aus aller Welt angereist um hier mit fantasievollen Kostümen, geschmückten Wagen und jeder Menge Fahnen, Schildern und Bannern ihre Meinung kund zu tun. Es gibt Momente da habe ich fast wässrige Augen vor Freude.

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Zum ersten Mal seitdem ich mich mit dem Thema Klimawandel beschäftige habe ich das Gefühl, dass ich kein Exot mehr bin. Dass unsere Spezies nicht zum größten Teil aus Ignoranten, Gierhälsen und Egoisten besteht. Mit bis zu 50.000 Teilnehmern hat die Polizei gerechnet, über 100.000 sind gekommen. Es ist Halbzeit bei der Klimakonferenz in Kopenhagen. Innerhalb des Konferenzzentrums feilen tausende Vertreter ihrer jeweiligen Länder und Interessensvertretungen darum wie letztendlich die Vereinbarung lauten wird, die von über 170 Ländern ratifiziert werden soll.

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Während man dabei leicht den Eindruck kriegen könnte, es sind ein paar kleine Kinder am Werk, die sich in ihrem Sandkasten um die besten Förmchen und Schaufeln zum Sandburgbauen streiten, ist die Position der Mahner vor den Toren ganz klar. Kopenhagen muss eine völkerrechtlich verbindliche Vereinbarung hervorbringen. Es ist eine der letzten Chancen der Menschheit, den Klimawandel so zu bändigen, dass sich unser Planet in wenigen Jahrzehnten nicht in einer globalen Dauerkrise befindet. In diesem Szenario müssten sich bis zu neun Milliarden Menschen mit sehr viel weniger Lebensgrundlagen begnügen. Kriege würden nicht mehr aus Glaubensfragen oder anderen Dummheiten geführt, sondern es ginge um Zugang zu gutem Wasser, Nahrung und Lebensraum. Das meistgehörte Schlagwort bei der Demo heißt deshalb „Climat Justice“ – Klimagerechtigkeit. Dazu sind die Industriestaaten doppelt gefordert. Zum einen müssen sie ihren Ausstoß an schädlichen Treibhausgasen bis zum Jahr 2050 fast gegen Null fahren und zum anderen die Entwicklungs- und Schwellenländer mit technischem „Know How“ versorgen. Die wollen verständlicherweise ähnlichen Wohlstand wie die Menschen in den reichen Staaten. Dass sie sich diesen nicht mit den gleichen falschen Wegen ermöglichen wie wir ist es die moralische und existenzielle Pflicht unserer politischen und wirtschaftlichen Führer dafür zu sorgen, dass diese Länder das „fossile Zeitalter“ in ihrer Entwicklung überspringen und gleich in nachhaltige Gesellschaftsmodelle investieren.

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Was mich besonders freut, ist das sich im Getümmel der Klimaaktivisten auch eine Gruppe bewegt, die vor drei Monaten zweitausend Kilometer südlich in Konstanz losgelaufen ist, um zu Fuß zur Konferenz zu gelangen. Achim und seine Mitstreiter sind wohlauf und seit einer Woche im Camp der Greenpeace Aktivisten untergebracht. In einer alten Lagerhalle etwas außerhalb des Stadtkerns, haben sich über zweihundert Greenpeacer aus aller Herren Länder versammelt, um die Demonstration und die Aktionen der darauffolgenden Tage vorzubereiten. Über dreitausend Schilder haben sie gesägt und geklebt. Nicht nur für die eigenen Leute, sondern zum Verteilen auch für andere Demonstranten. Als ich am Morgen vor der Demo mit der Gruppe um den Leiterwagen ins Zentrum laufe, sehe ich, als wir einen Kanal überqueren, eine alte Bekannte wieder. Am Kai liegt die „Arctic Sunrise“, das Greenpeace Schiff mit dem ich schon in Amazonien, Patagonien und Grönland auf Missionen war. Dahinter liegt die etwas kleinere „Beluga“ und am kommenden Nachmittag soll noch die „Rainbow Warrior“ in Kopenhagen einlaufen. Man merkt es nähert sich langsam die entscheidende Phase der Konferenz. Nächste Woche kommen die Merkels, Obamas und Co zum großen Finale. Der Druck auf die Konferenzteilnehmer muss weiterhin spürbar bleiben. Wir dürfen unsere Lebensgrundlagen und die vielen Wunder dieses fantastischen Planeten nicht den Interessen der großen Konzerne opfern, die sich meist nur ihren Aktionären verpflichtet fühlen. Denn egal was in Kopenhagen beschlossen wird, der Prozess des Wandels wird uns Alle unser ganzes Leben begleiten, ob wir wollen oder nicht.

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Achim würde am liebsten den Leiterwagen drehen und nach Westen loslaufen. In Mexiko findet im kommenden Jahr die nächste Versammlung zum Klima statt. Ich persönlich bin auch weiterhin hoch motiviert. Durch die Demonstration habe ich jede Menge Kraft geschöpft, um den Kampf für eine lebenswerte Zukunft unserer Kinder weiter zu führen.

„Planet der Wälder“ – Ein Rückblick 07.12.2009

Als ich Anfang des Jahres 2003 bei Greenpeace in Hamburg anrief, habe ich noch nicht geahnt wie nachhaltig dieser Schritt mein Leben beeinflussen sollte. Es war der Beginn eines Projektes, das nun fast sieben Jahre später mit dem 437sten Vortrag an der Universität in Magdeburg seinen vorläufigen Abschluss finden sollte. Der Reihe nach. Ich war frustriert über einen Artikel im Greenpeace Magazin, wo geschrieben stand, dass schon 80 % aller Naturwälder auf der Erde vom Menschen zerstört worden sind. Außerdem war ich sowieso frustriert, da mein Leben zu diesem Zeitpunkt eher unrund verlief, um es mal vorsichtig auszudrücken. Es war Zeit für einen Wandel und so war ich fest entschlossen, mich an die Rettung des Planeten zu machen. Dieser hatte mir in den Jahren davor auf vielen Reisen soviel Freude und positive Erfahrungen geschenkt, dass es nun an mir war, etwas davon zurückzugeben. Ich wollte meine Fähigkeiten mit der Kamera in den Dienst der Natur stellen, und da schienen mir die Regenbogenkrieger von Greenpeace die richtigen Partner zu sein. Von Kindheit an habe ich verfolgt was die Aktivisten in ihren teils spektakulären Aktionen leisten und ich habe sie immer bewundert. Um die Verantwortlichen von meiner Ernsthaftigkeit zu überzeugen, habe ich kurzerhand die Hamburger Musikhalle angemietet. In einem Saal mit 600 Sitzplätzen saßen dann zwei Waldkampaigner und haben sich meine Panoramadiaschau über den Südwesten der USA angeschaut. Ich wollte zeigen was man bei Menschen für Emotionen auslösen kann wenn man gute Fotografie mit Musik und Information mischt und zu einem multimedialen Gesamtwerk vereint. Ich habe Eindruck hinterlassen. Man schickte mich in den zweitgrößten Regenwald der Erde, in das Kongobecken nach Afrika. Ich sollte Bilder für das Archiv erstellen, was mir auch mit viel Schweiß und Tränen gelang. Es war bis zum heutigen Tag die anstrengenste Reise meines Lebens. Da es sieben große Waldgebiete auf dem Planeten gibt habe ich darauf gedrängt, auch andere Wälder dokumentieren zu dürfen. Ich wurde daraufhin erst nach Papua Neuguinea, nach Patagonien und dann nach Sibirien geschickt. Der Auftrag war in erster Linie dafür zu sorgen, dass die der weltweiten Kampagne zum Schutz der Urwälder angeschlossenen Kollegen mit Bildmaterial für ihre Arbeit versorgt werden. Doch ich hatte mehr im Sinn. Ich wollte die Geschichten die ich erlebte der Öffentlichkeit erzählen. Den Menschen zeigen was Greenpeace dort draußen für wichtige Arbeit macht, um unsere Lebensgrundlagen zu erhalten. Also habe ich an zwölf Abenden im Sommer 2004 Open Air Shows in meiner Heimatregion am Bodensee organisiert.

Poster Urwald_E4

Daraufhin kamen über dreitausend Menschen zur Bilderschau mit dem Titel „Abenteuer Urwald“. Es waren bezaubernde Abende dabei. Laue Sommernächte an denen der See das Mondlicht reflektierte und über die große Leinwand liefen meine Bilder von fernen Waldgebieten. Die Tour war ein voller Erfolg. Über siebzig Menschen meldeten sich um in Friedrichshafen eine ehrenamtliche Greenpeace Gruppe zu gründen, die bis zum heutigen Tag aktiv ist. Jetzt war klar, dass man mich nicht nur als Fotograf einsetzen kann, sondern auch als Botschafter für die Ziele, die Greenpeace kommuniziert. Weitere Reisen folgten. Parallel haben wir eine erste große Vortragstournee durch ganz Deutschland geplant, die ich fast im Alleingang organisierte. Unterstützung bekam ich von Inga Rohlmann aus dem Greenpeace Netzwerk, mit der ich seitdem eng zusammen arbeite.

Plakat Greenpea_

Unter dem Titel „Grüner Planet“ erzählte ich an 122 Abenden meine Geschichten vor über 20.000 Menschen. Es war eine lange anstrengende Tour mit unzähligen Erlebnissen, die ohne größere Unfälle verlief. Im Frühjahr des Jahres 2006 folgte dann die spannendste Reise – in den größten Tropenwald der Erde, nach Amazonien. Ich bin auf den höchsten Berg von Brasilien gestiegen, habe Urwaldvölker besucht und eine grandiose Natur erlebt, die mich nachhaltig beeindruckt hat. Doch nirgends wurde mir die menschliche Unvernunft so klar vor Augen geführt wie hier im Süden des Amazonas Binoms. Ich bin über hunderte Quadratkilometer große Sojafelder und Rinderweiden geflogen. Endlose Monokulturen auf denen vor wenigen Jahren noch der artenreichste Regenwald der Erde stand.

Amazonas

Allein diese Reise bot so viel Stoff, dass ich daraus einen eigenen Vortrag bastelte, der im Sommer desselben Jahres auf 30 Open Air und 25 Indoor Shows zum Einsatz kam. Dies war aber auch nur eine weitere Zwischenstation zum großen Abschlussprojekt, dem „Planet der Wälder“.

Plakat Planet dW-RZ

Ich wollte einen Vortrag, der die globale Waldsituation in all seiner Schönheit und Vielfalt wiedergibt. Ich habe die noch fehlenden Wälder besucht und mich dann an die Bearbeitung des Materials gemacht. Dabei ist zusammen mit Thomas Henningsen, dem Kampagnenleiter von Greenpeace, ein stattlicher Bildband erstanden, der im Bucher Verlag erschienen ist.

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Der Vortrag feierte seine Premiere am 29.10.2007 vor 200 Besuchern im süddeutschen Nürtingen. Der Kreis schließt sich am 27.11.2009 an der Uni in Magdeburg, wo vor 115 Menschen die mit 250 Terminen bisher längste Vortragstour in meiner zwanzigjährigen Geschichte als Referent zu Ende ging. So ziemlich alles was man erleben kann, habe ich erlebt. Ich stand an manchem Abend vor zwanzig Besuchern, manchmal aber auch vor fünf- bis sechshundert. Ich habe insgesamt 437 Waldvorträge gehalten. 66616 Menschen haben die Shows gesehen. Das kann sich wirklich sehen lassen, wenngleich ich manchmal etwas frustriert feststellen muss, das diese Menge an Menschen die ich über mehrere Jahre erreiche bei einem Bundesligaspiel an einem Nachmittag zusammenkommen. Oder bei einer Quizshow im TV zehnfach vor der Glotze sitzen. Trotzdem bin ich zufrieden, denn der persönliche Austausch in einem Vortragsaal ist wesentlich intensiver als durch die Anonymität des Fernsehens oder Kinos. Ich habe auf Fotofestivals gesprochen, vor Schulklassen, an Forstschulen, in Kirchengemeinden und Stadthallen. Am Schönsten sind jedoch die vielen wunderbaren Standorte unserer Open Air Shows gewesen. Diese befanden sich zum Teil auf Naturbühnen mitten im Wald. Bei schönem Wetter war dies ein unheimlich intensives Erlebnis für mich und die Besucher. Was mich besonders freut ist die Tatsache, dass sich aufgrund meiner Arbeit inzwischen vier ehrenamtliche Greenpeace Gruppen gegründet haben und insgesamt 3437 Menschen zu Förderern wurden. Das ist besonders wichtig, denn Greenpeace ist unabhängig und nimmt kein Geld von der Industrie oder anderen Interessensgruppen. Die Arbeit basiert in allen vierzig Ländern wo Greenpeace tätig ist nur auf Privatspenden. Ich bin froh, dass ich hier einen wichtigen Beitrag leisten kann. Wer meinen Blog bis hier verfolgt hat, wird wissen, dass die Arbeit an dieser Stelle aber nicht aufhört. Ich kann mir ein Leben ohne Umweltbotschaft eigentlich nicht mehr vorstellen. Heute beginnt in Kopenhagen die Klimakonferenz. Wie wichtig diese für unser Aller überleben ist, habe ich an anderer Stelle schon deutlich gemacht. Auch wenn ich allein die Welt sicherlich nicht retten kann, so bin ich doch in der Lage, innerhalb meiner Möglichkeiten einen wichtigen Beitrag zum globalen Umdenken unserer Spezies zu leisten. Deshalb geht im Herbst des kommenden Jahres eine weitere große Vortragstour los, in der ich soviel wie möglich Menschen für die Schönheiten unserer Erde begeistern möchte. Bis es soweit ist mache ich mich auf die Suche nach Urwäldern bei uns in Europa. Wer mich begleiten will, kann dies hier unter wildview.de sehr gerne tun.

Zwanzig Jahre Mauerfall und ein Bollerwagen in Berlin 09.11.2009

Wie die Zeit vergeht. Zum vierten Mal besuche ich die Karawane nach Kopenhagen. Unsere unermüdlichen ehrenamtlichen Klimaaktivisten sind an einem Spätsommertag in Konstanz am Bodensee losmarschiert und heute am Tag des zwanzigsten Jubiläums des Mauerfalls in der Hauptstadt Berlin angekommen.

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Der Weg zur Klimakonferenz am 6. Dezember in Kopenhagen wird immer kürzer. Der vierhundert Kilo schwere Leiterwagen sieht inzwischen etwas angeschimmelt aus, ist aber ansonsten in erstaunlich gutem Zustand. Ebenso die Stimmung in der Gruppe. Laufen ist zum Normalzustand geworden. Der Körper ist trainiert, der Wille gefestigt. Die Reise könnte wohl über Kopenhagen hinaus einfach weitergehen. Neben den Feierlichkeiten zum Tage der Freiheit, herrscht auch im politischen Berlin Hochbetrieb. Kanzlerin Merkel steht kurz vor ihrer Regierungserklärung und sämtliche Fraktionen halten ihre Sitzungen ab. Heute zahlt sich der Einsatz aus mit dem unsere Läufer um Achim, Merle, Julian und Sarah auf dem Weg in den Norden Kontakte zu lokalen Politikern gesammelt haben. Dadurch ist ein Treffen mit der grünen Parteispitze entstanden und ein Gespräch mit der gesamten Fraktion der Linkspartei. Zwar „nur“ die Opposition, aber immerhin! Ich treffe die Gruppe vor dem Greenpeace-Büro in der Chausseestraße im Zentrum von Berlin. Zum Zentrum der Macht sind es nur wenige Kilometer. Wir überqueren die Spree und kommen in Sichtweise des Kanzleramtes. Ab hier wird es spannend, denn um den Reichstag befindet sich eine Bannmeile, die jede Art von Demonstration verbietet.

Road to Copenhagen - Berlin  3797

Das Bild mit Merkels Arbeitsplatz und der Gruppe um den Leiterwagen gelingt. Doch kaum kommen wir in Sichtweite des Bundestages sind wir plötzlich von mindestens vier wild gestikulierenden Polizisten umgeben. Unsere Gruppe besteht aus mehr als drei Personen und wir haben in Form des Banners auf dem Bollerwagen auch eine Aussage. Mit unserem bloßen Dasein verstoßen wir gegen das Versammlungsverbot innerhalb der Sperrzone. Da wir aber die Einladungen der Fraktionen vorweisen können, sehen die Beamten von einer Anzeige ab und es bleibt bei einer mündlichen Verwarnung. Für den Bollerwagen ist aber an dieser Stelle Schluss. Alle aus der Gruppe die eine Einladung zum Politikerbesuch besitzen werden unter Polizeibegleitung zu unserem Treffpunkt geführt. Es geht um den Reichstag herum zu einem der großen Gebäude in denen sich die Büros der Abgeordneten und deren Zuarbeiter befinden. Tausende Berliner und Touristen bestaunen hier die handbemalten Dominosteine, die anlässlich des geschichtsträchtigen Ereignisses der Wiedervereinigung ums Brandenburger Tor und den Reichstag aufgestellt wurden.

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Später am Abend werden sie dann symbolträchtig umgestoßen. Mit Besucherausweisen bestückt führt uns dann ein Mitarbeiter der grünen Partei durch die Hallen und Gänge des politischen Berlins. Ich muss zugeben, das hat mich schwer beeindruckt. Über einen unterirdischen Gang gelangen wir in den Reichstag. Ein Aufzug bringt uns dann auf das Stockwerk wo die Fraktionen der einzelnen Parteien tagen.

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Wir befinden uns genau über dem Bundestag und auf der Ebene unterhalb der Glaskuppel von dem aus die Besucher in den Plenarsaal schauen können. Unser Termin mit Trittin, Beck und Künast findet kurz vor dem Beginn der Fraktionssitzung statt. Während wir auf die „Stars“ der Ökopartei warten läuft so manch bekanntes Gesicht an uns vorbei. Für kurze Zeit sind unsere tapferen Klimakämpfer von Mikrophonen und Kameras umgeben. Der Informationsaustausch findet dann so ein bisschen zwischen Tür und Angel statt. Lächelnd und anerkennend nickend, lauschen die drei Politiker der Unternehmung „Road to Copenhagen“.

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Für ein Gruppenfoto wird die Zeit dann fast schon wieder zu knapp. Ich hatte gerade ein störendes Mikro aus dem Bildkreis geschoben und schon waren die Drei wieder weg. Etwas ausführlicher wird unser Besuch bei der Linkspartei. Hier sind wir von der Umweltpolitischen Sprecherin als erster Programmpunkt in die Fraktionssitzung eingeladen worden.

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Achim und Sarah haben sogar einen Platz zwischen Herrn Gysi und Frau Pau zugewiesen bekommen. Mit Namensschild wohlgemerkt. Erinnern sie sich noch an die tausend handbemalten Meerjungfrauen aus dem ersten Teil meiner Berichterstattung in Konstanz? Vierundsiebzig davon haben wir mitgebracht. Jeder Abgeordnete der Linken hat eines dieser von Kinderhand gebastelten Symbole der Stadt Kopenhagen auf seinem Tisch gestellt bekommen. Herr Gysi hat die Sitzung offiziell eröffnet und dann das Wort an Achim und Sarah übergeben, die ihre zehn Minuten wirklich souverän genutzt haben.

Road to Copenhagen - Berlin  3800

Leidenschaftlich haben sie über ihr Projekt und ihre Erwartungen an die Politik referiert und aus meiner Sicht einen sehr guten Eindruck hinterlassen. Wenn das mal auch bei den Regierungsparteien möglich gewesen wäre. Im Anschluss an die Termine haben uns dann noch zwei Umweltreferenten der Linkspartei eine private Führung durch die Gebäude ermöglicht. Abseits der Besucherrouten konnten wir für kurze Zeit ein wenig politische Alltagsluft schnuppern und die zahlreichen Kunstgegenstände, Ausstellungen und Zeitzeugen dieses historischen Gebäudes bestaunen. Besonders interessant fand ich die Graffitis russischer Soldaten, die man bei der Renovierung des Reichstages freigelegt und auch erhalten hat. Das ist ein schönes Zeichen der Toleranz hier im Zentrum der deutschen Politikmacht. Frau Merkel hat sich bisher nicht persönlich zu den zehntausend Briefen geäußert, die von unserer Gruppe in der Bevölkerung gesammelt wurden. In ihnen wird sie aufgefordert, persönlich nach Kopenhagen zu reisen um mit ihrem politischen Gewicht der wohl wichtigsten Konferenz in der Menschheitsgeschichte zu einem passablen Ergebnis zu verhelfen. Immerhin hat sie im Zuge ihrer Regierungserklärung erklärt, genau dies tun zu wollen. Ob zu dieser Entscheidung auch unsere Aktionen eine kleine Rolle gespielt haben, wird wohl ein Geheimnis bleiben. Tatsache ist, das es sich immer lohnt für das was man glaubt, auch einzustehen.

Road to Copenhagen - Berlin  3803

Das Treffen der Gruppe mit Sigmar Gabriel, dem neuen Parteichef der SPD, werde ich leider nicht mehr erleben, weil mich mein Zeitplan weitertreibt. In Kopenhagen sehe ich die Gruppe hoffentlich gesund und munter wieder. In der Zwischenzeit reise ich nach Finnland, um dort für den neuen Vortrag zu fotografieren. Mit den letzten Vortragsabenden werde ich außerdem meine fast dreijährige Tournee zum „Planet der Wälder“ nach 250 durchgeführten Aufführungen beenden. Die kommenden Wochen werden nicht langweilig.

Wenn die Panzer schweigen….. 20.10.2009

Die Geschichte des Nationalpark Hainich hat eine positive Kraft die Vorbildcharakter für andere Projekte dieser Art haben kann. Zu Zeiten des Eisernen Vorhangsballerten hier die Panzer der Russen und der Nationalen Volksarmee der DDR abwechselnd ihre Übungsgeschosse in die Landschaft. Ironischerweise können sich in den Randzonen militärischer Sonderzonen vielfältige Biotope bilden oder bleiben erhalten, weil eine sonstige Nutzung der Natur weitestgehenst ausbleibt.

Hainich  044

Die ökologische Besonderheit der Region wurde schnell erkannt, als nach der Wiedervereinigung unseres Landes die Volksarmee Geschichte war, und die Russen wieder in Russland ihre Geschosse in die eigene Landschaft knallten. Im Westen Thüringens nahe Bad Langensalza und Eisenach gelegen ist der Hainich auf seinen 16.000 Hektar von Verkehrswegen fast gänzlich unberührt. Er ist eines der größten zusammenhängenden Laubwaldgebiete in Mitteleuropa. Doch die Idee aus dem Hainich einen Nationalpark zu machen stieß am Anfang nicht überall auf Wohlwollen. Die Angst und Skepsis unter Anwohnern, Waldbesitzern und in der Bevölkerung war groß. Es dauerte einige Jahre bis es gelang den südlichen Teil des Hainich mit 7500 Hektar aus der Nutzung zu nehmen und sich wieder selbst zu überlassen. Der restliche Teil des Gebietes wird wie schon in der Vergangenheit als Plenterwald naturnah bewirtschaftet. Man achtet darauf, dass verschiedene Generationen unterschiedlicher Baumarten einen ökologisch gesunden Zustand des Waldes garantieren. Nur vereinzelt werden Bäume eingeschlagen. Ein Modell, das nicht den maximalen Gewinn einer reinen Baumplantage bringt, aber stabile Wälder garantiert. Diese sind auch in der Lage den Folgen des Klimawandels besser zu trotzen als z. B. reine Fichtenmonokulturen.  Heuer ist der Nationalpark 10 Jahre alt geworden und erzählt eine tolle Erfolgsgeschichte. Hunderttausende Besucher kommen in die Region, unter anderem auch wegen des eingerichteten Baumkronenpfades. Hier können die Naturfreunde auf Baumwipfelhöhe den Wald aus einer ungewohnten Perspektive kennenlernen. Infotafeln bieten dem Besucher Aufklärung über die Wichtigkeit von naturnahen Wäldern für die Artenvielfalt und das Klima. Gewonnen hat eigentlich jeder. Dort wo noch vor wenigen Jahren Kugeln knallten entwickeln sich heute seltene Tier- und Pflanzenarten, die in umliegenden stark genutzten Landwirtschaftlichen Flächen keine Überlebenschance haben. Darüber hinaus ist der gesamte Hainich bei der Europäischen Union als FFH Gebiet gemeldet (Flora & Fauna Habitatsrichtlinie). Mit dem europäischen Schutzgebietsnetz „Natura 2000“ wird so versucht, den immer weiter fortschreitenden Artenschwund durch Zerstörung der Lebensräume zu stoppen. Ich bin aus zweierlei Gründen in den Hainich gereist. Als „Urwald von Morgen“ ist er natürlich Bestandteil meines Waldprojektes, das momentan am entstehen ist. Außerdem treffe ich zum dritten Mal alte Bekannte wieder.

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Die „Road to Copenhagen“ führt direkt durch den Hainich Nationalpark. Vor über sechs Wochen sind Merle, Achim, Sarah und Julian in Konstanz am Bodensee losgelaufen. Das Ziel ist die Klimakonferenz in Kopenhagen Anfang Dezember. Die Botschaft ist klar: „Klimaschutz ohne wenn und aber“. Wir haben keine Zeit mehr zu verlieren. Es ist inzwischen erwiesen, dass die Erderwärmung immer schneller voranschreitet. Diese hat verheerende Folgen für zukünftige Generationen. Über 1000 lange Kilometer haben sie bisher ihren 400 kg schweren Bollerwagen durch die Lande gezogen. Weder platte Reifen, Achsenbrüche, durchgelaufene Schuhe, Dauerregen, starke Steigungen noch Gegenwind konnten sie von ihrem Weg abbringen. Ich treffe die Gruppe leicht erschöpft aber in mental intakten Zustand am Baumkronenpfad im Nationalpark, auf dem wir gemeinsam die Schönheit der leider farblosen (sprich: grünen) Herbstblätter bestaunen.

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Tausende von Briefen besorgter Bürger an die Bundeskanzlerin haben sie bisher gesammelt und weggeschickt. Frau Merkel wird darin aufgefordert, persönlich nach Kopenhagen zu reisen und ihrem selbst formulierten Anspruch als Klimakanzlerin (von dem leider inzwischen nichts mehr zu spüren ist) gerecht zu werden. Geantwortet hat sie bisher freilich nicht. Ist ja klar, denn sie ist mit ihrem neuen Koalitionspartner Westerwelle beschäftigt, ein zukunftsfähiges Regierungsprogramm auszuarbeiten. Das kostet alle Intelligenz, Kraft und Voraussicht zu dem die Damen und Herren fähig sind. Steuerentlastungen in Zeiten höchster Staatsverschuldung und verlängerte Laufzeiten überalteter Atomkraftwerke sind geradezu prophetische Glanztaten in eine nachhaltige Zukunft. Kommende Generationen werden es der neuen schwarz-gelben Regierung danken.

In einigen Wochen, wenn unsere unermüdlichen Wanderer in Berlin ankommen, um dort an den Reichstag zu klopfen werde ich die Gruppe hoffentlich gesund und munter wieder sehen.

Wahlparty im Steigerwald 27.09.2009

Deutschland hat gewählt. Mit einem Haufen sichtlich bedrückter Greenpeace-Aktivisten sitze ich in einem Restaurant im fränkischen Ebrach vor dem Fernseher. Wir machen uns mit dem Gedanken vertraut, dass es ab sofort eine Politik in unserem Land geben wird, die in nicht wenigen Dingen genau konträr zu den Werten verlaufen wird, für die wir jeden Tag eintreten. Ich bin zurück bei den Langstreckenläufern um Achim Gresser. Vor einem knappen Monat habe ich ihren Start in Konstanz am Bodensee dokumentiert. Heute treffe ich sie im Steigerwaldwieder. Inzwischen ist die Gruppe fast 500 Kilometern gelaufen.

Steigerwald  127

Seit mehreren Wochen ziehen sie einen über 400 kg schweren Bollerwagen durch das Land, um möglichst viele Menschen auf die Gefahren des vom Menschen gemachten Klimawandels aufmerksam zu machen. Dabei trotzen sie Wind und Wetter, Blasen an den Füßen, Achsenbrüchen, Bergen, Schotterpisten und rabiaten Autofahrern. Bis nach Kopenhagen wollen sie laufen; 2000 lange Kilometer im Dienste einer Weltanschauung, die auf den Punkt gebracht, auf Nachhaltigkeit setzt, anstatt auf den von den meisten Politikern propagierten Wachstum. Es ist deshalb die ruhigste Wahlparty auf der ich bisher gewesen bin und nicht nur weil jedem der Gruppe allein von heute 25 km Fußmarsch in den Knochen steckt. Warum sind die aus unserer Sicht so elementaren Themen wie die Ressourcenknappheit durch Übernutzung im politischen Dialog so gut wie überhaupt kein Thema? Wohl weil sich keiner getraut, den Menschen wirklich die Wahrheit zu sagen. Dann müsste die Politik sich eingestehen, dass unser gesellschaftliches Modell an sich gescheitert ist. Wer will schon antreten und den Menschen sagen, dass unser Lebensstil in Form des ungebremsten Kapitalismus dabei ist, unsere Lebensgrundlagen aufzuzehren? Keine populäre Botschaft wenn es um Wählerstimmen geht. Veränderungen sind äußerst unpopulär, besonders in Wahlkampfzeiten. „Jetzt erst recht“ lautet die Parole, wenn sich unsere Gruppe morgen früh kurz nach Sonnenaufgang wieder aus den Schlafsäcken schält um über die Landstraßen zu ziehen, im festen Willen, die alternative Botschaft in die Welt zu tragen.

Steigerwald  124

Die Nadel im Heuhaufen 20.09.2009

Der Finne und die Finnin haben es gut. Sie leben in einem ziemlich großen Land und sind selbst in ihrer Anzahl recht überschaubar was zumindest rein rechnerisch jedem sehr viel Platz zum Leben bietet. Es gibt einige Gründe auf die Finnen ein bisschen neidisch zu sein. Das Land besteht nämlich fast ausschließlich aus Seen, Flüssen, Mooren und vor allem aus endlosen Wäldern. Das Blockhaus am See mit einer Sauna, die mit dem Holz aus dem eigenen Wäldchen beheizt wird ist hier eher Alltag als Ausnahme, zumindest für die Landbevölkerung. Die gute Nachricht für den Urwaldfotografen lautet, dass es in Finnland im Vergleich zu Mitteleuropa noch relativ viel Naturwald gibt, besonders oberhalb des Polarkreises in Lappland.

Laamasenvaara 19-09  1707

Schaut man sich eine Straßenkarte an, fallen einem neben den recht überschaubaren Hauptstraßen sofort die unzähligen kleinen, schwarz gezeichneten Abzweigungen auf, die sich wie ein Geäst verzweigen und meist irgendwo als Sackgasse enden. Diese Pisten tragen wohl erheblich zum finnischen Lebensstandard bei, denn es sind Forststraßen über die der staatliche Konzern Metsähallitus seine Trucks rollen lässt, die den Wald zu den Sägereien transportieren. Das ist die unschöne Seite wenn man mal gelernt hat, Forstwald von Naturwald zu unterscheiden. Dort wo alle Bäume gleichgroß sind, eng aneinander gedrängt stehen und meist eine gewisse Größe nicht überschritten haben, ist der Wald eine Plantage. Auf meiner Suche nach unberührter Wildnis fahre ich zumeist an solchen Wäldern vorbei. Was das Gesamtbild wieder rettet sind die Moore und Seen, die der Landschaft nach wie vor diesen wilden weiten Charakter verleihen und so faszinierend machen. Immer wieder blicke ich auf die Straßenkarte, um ja keine Abzweigung zu verpassen. Ich bin auf der Suche nach einem Gebiet das Laamasenvaara heißt (das ist noch ein recht einfach auszusprechender Name, Finnen lieben lange Wörter). Greenpeace hat vor einigen Jahren eine Liste angefertigt auf der alle schützenswerten Waldgebiete aufgelistet wurden. Seither wird hart mit Metsähallitus um jeden Baum gerungen. Nach wie vor sind auch Urwälder, obwohl es nur noch so wenige davon gibt, im Visier der Forstleute, bringen sie doch zumindest kurzfristig einen großen Gewinn. Von einer einstigen Urwaldwildnis von 20 Millionen Hektar sind heute nur noch 5 % unangetastet.  In Laamasenvaara hatten die Umweltschützer Erfolg. Hier müssen die Kettensägen schweigen, das Gebiet wurde aus der Nutzung genommen.

Laamasenvaara 19-09  1708

Doch selbst als ich praktisch davorstehe brauche ich einige Zeit um mir klar zu werden, dass ich tatsächlich da bin. Mein Kollege Oliver Salge, der bei Greenpeace Deutschland die Waldkampagne leitet und auch immer wieder in Finnland tätig ist hat mich schon darauf hingewiesen, dass die unberührten Gebiete  zwar ungeheuer artenreich und wunderschön, aber nicht unbedingt sehr groß sind. Auch hier ist es nur ein schmaler Streifen Wald, der eingezwängt zwischen Rodungsflächen ein kleines Moorgebiet einfasst, keine zwei Kilometer lang und noch weniger breit. Dieses Gefühl der unbedeutenden Größe ist genau in dem Moment verschwunden, indem man den Wald betritt. Sofort ist man in einer anderen Welt. Größe ist relativ, ich lasse mich treiben.

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Der Boden unter meinen Füßen ist ein weich gepolstertes Bett aus Moosen und Flechten. In etwas trockeneren Gebieten wachsen rote, schwarze und blaue Beeren zwischen den Bäumen, eine der Hauptnahrungsmittel der Bären. Pilze aller Arten und Größen fühlen sich auf dem feuchten Grund sehr wohl, ebenso auf abgestorbenen Bäumen.

Nadel im Heuhaufen  1710

Immergrüne Kiefern und Fichten sind die Hauptbaumarten, immer wieder aufgelockert durch weißstämmige Birken, die ihre Blätter bereits im goldenen Kleid des Herbstes tragen. Es ist bereits Ende September, eigentlich müssten auch die Bodendeckerpflanzen bereits in voller Farbenpracht strahlen, doch der Indian Summer ist dieses Jahr sehr zurückhaltend. Wohl weil es ein recht trockener Sommer war und wirklich kalte Nächte, die den Farbenwechsel beschleunigen bisher ausgeblieben sind. Am Anfang ist es immer recht schwierig für mich, im Wald Motive zu erkennen. Das pure Durcheinander an Strukturen macht die Fotografie von Wäldern recht anspruchsvoll. Doch mit der Zeit tauchen sie auf, erst vor meinem inneren Auge, dann auf der Festplatte der Kamera.

Nadel im Heuhaufen  1712

Auch wenn es verglichen mit den vom Menschen gemachten Waldgebieten tatsächlich nur vereinzelte Nadeln im Heuhaufen sind, lohnt es sich um jeden Quadratmeter Urwald in Europa zu kämpfen. Sie sind das natürliche Erbe, das wir zukünftigen Generationen bereiten.

Sermilik Fjord (Westgrönland) 20.08.2009

Auch wenn ich bisher immer nur kurze Abschnitte der Kampagnen  begleitet habe bei denen Greenpeace Schiffe im Einsatz sind (2004 in Patagonien & 2006 in Amazonien), so löst es doch immer wieder ein gewisses Gefühl von Stolz aus, wenn man an Bord geht und Teil dieser Gemeinschaft wird. Die Schiffe sind für mich Symbole, die viel über die Arbeit von Greenpeace aussagen. Sie erreichen jeden Ort auf dem Planeten. Da Ausbeutung und Zerstörung oft dort stattfinden, wo das Auge der Tagespresse nicht hinschaut, sind es die Schiffe, die da sind um aufzuklären und Schweinereinen zu verhindern (Sorry für die Wortwahl, aber genau das ist die richtige Ausdrucksweise für die Überfischung unserer Meere und die Zerstörung unserer Urwälder.)

Vom kleinen Ort Tasiilaq nimmt die „Arctic Sunrise“ Kurs auf den großen Sermilik Fjord, in dessen Verlauf ein halbes duzend Gletscher ihre Eismassen ins Wasser kalben. Entsprechend viele Eisberge passieren wir schon am Anfang des Fjords.

Der Hauptgrund dieser Expedition ist es, unabhängigen Wissenschaftlern ihre Forschung zu ermöglichen. Im Jahre 2005 gab es schon einmal eine Expedition. Alte und neue Daten sollen nun miteinander verglichen werden, um fundierte Rückschlüsse ziehen zu können, wie stark die Klimaveränderung auf die Gletscherschmelze Einfluss hat. Von Gordon Hamilton, einem Wissenschaftler der Universität von Maine, erfahren wir, dass sie schon im Jahre 2005 ungläubig gestaunt haben und es kaum glauben konnten was sie an Daten ermittelt haben. Der Helheim Gletscher, der in den Sermilik –Fjord mündet, hat seine Geschwindigkeit zwischen 2004 und Juli 2005 nahezu verdoppelt. Bisher ist die Gletscherschmelze vom Grönlandeis im Bericht des Weltklimarates (IPCC) gar nicht ausreichend berücksichtigt. Was den Anstieg des Meeresspiegels betrifft, hat dieses Eis aber durchaus ein großes Gewicht. Würde die gesamte Eismasse von Grönland auf einmal ins Wasser kippen, hätte dies einen Anstieg von mindestens 6 Metern zur Folge. Schon wesentlich weniger höheres Meerwasser hat für Millionen Menschen verheerende Auswirkungen, denn die meisten Großstädte der Welt sind direkt am Wasser gebaut. Momentan steigt der Meeresspiegel um wenige Millimeter im Jahr, was die Sache für viele Menschen wohl als sehr harmlos erscheinen lässt. Doch Prozesse, die einmal in Fahrt gekommen sind, lassen sich oft nur sehr schwer oder gar zu spät wieder korrigieren. Hat mal jemand versucht eine abgehende Lawine aufzuhalten? So ähnlich verhält es sich leider in vielen Abläufen, die wir durch unser Eingreifen gerade in der Natur anrichten. Seit dem ersten Bericht des Weltklimarates wurden die Prognosen eigentlich ständig zu unseren Ungunsten korrigiert, das heißt die negativen Auswirkungen sind schon heute massiver und die Abläufe schneller als bisher befürchtet.

Was Gordon und sein Team auf unserer Fahrt durch den Fjord messen werden, wird wohl leider  keine frohe Kunde für die Menschheit bringen. An verschiedenen Stellen und Tiefen im Wasser werden Messungen zum Salzgehalt und der Temperatur gemacht.

Geprüft werden soll unter anderem wie stark die durch den Klimawandel veränderten Meeresströmungen Einfluss auf das Gletschereis nehmen. Man vermutet, das deutlich mehr subtropisches Wasser in den Norden gelangt, was die Gletscherschmelze verstärkt.

Das Schiff ist voll mit Menschen. Die kommenden Tage sollen auch dazu genutzt werden, möglichst vielen Fernsehteams aus aller Welt die Gelegenheit zu geben, über diese Thematik zu berichten.

Iris Menn ist Meereskampaignerin bei Greenpeace Deutschland. Sie hat mit ihrer monatelangen Vorarbeit maßgeblich dazu beigetragen, dass diese Expedition durchgeführt wird. Von hier aus bis zum Ende der Expedition in sechs Wochen wird sie an Bord der Arctic Sunrise bleiben. Ihre Hauptaufgabe in den ersten Tagen ist es, die Fernsehteams zu betreuen. Sie muss dafür sorgen, dass die TV Leute (z.B. CNN, ARD, ZDF, RTL etc..) gutes Bildmaterial erstellen können, Interviews mit den Wissenschaftlern geführt werden und sie persönlich mit ihrem Fachwissen die Standpunkte von Greenpeace erläutern kann. (Wer mehr von Iris und der Expedition erfahren will, dem empfehle ich ihren Blog unter www.greenpeace.de/blog)

Für mich ist es sehr aufregend einige Tage diese Abläufe mitzubekommen. Highlight ist ganz klar der Transfer nach Tasiilaq mit dem bordeigenen Hubschrauber. Da nur eine begrenzte Zahl Menschen an Bord übernachten dürfen, gehöre ich zu den  Tagesbesuchern, die die Nacht im Ort verbringen. Es ist grandios, das Meer aus Eisbergen aus der Luft zu sehen. Schade, dass die Transfers zu einem Zeitpunkt stattfinden, an denen die Sonne noch gnadenlos auf das dunkle Wasser und die weißen Eisberge knallt. Dieser hohe Kontrast lässt zwar schöne Dokumentarfotos zu, stimmungsvolle Fotografien, wie ich sie so gerne mache, sind unter diesen Umständen leider unmöglich.

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