Wildview

Abenteuer Natur(schutz)fotografie

Tag: Ilulissat

Stimmungen 11.08.2009

Noch imposanter wirkt die Szenerie auf mich als ich am nächsten Abend von Land aus das Naturschauspiel betrachte.

Verlässt man den Ort Ilulissat über einen kleinen Wanderweg, dauert es keine halbe Stunde und man steht direkt vor den Eisbergen. Ich suche mir die höchste Erhebung aus, die sich möglichst nahe an der Wasserstraße befindet und genieße den vor mir liegenden Anblick. Es ist kurz vor 23 Uhr als die Lichtverhältnisse die besten fotografischen Ergebnisse liefern. Die hellgelbe Sonne steht im Westen knapp über dem Horizont und hüllt das Eis in warme Farbtöne. Ich richte die Kamera nach Süden aus und bekomme so einen schönen Kontrast, denn der Himmel ist an dieser Stelle schon dunkler als das blauweiße Eis. Durch den Einsatz eines Polfilters, der ein Teil des Lichtspektrums absorbiert, wird dieser Effekt noch verstärkt.

Jetzt kommt das wirklich Tolle, das wohl jeden Naturfotografen in Verzückung versetzt. Die berühmte „blaue Stunde“, also jene viertel bis halbe Stunde nach Sonnenuntergang wo sich das Restlicht des Tages in schöner Gleichmäßigkeit über die Motive verteilt und magische Lichtstimmungen produziert. Hier dauert sie praktisch die ganze Nacht. Die Sonne versinkt zu dieser Jahreszeit gerade mal knapp unter die Horizontlinie und wandert an ihr entlang, um nach fünf Stunden schon wieder zu erscheinen. Besonders in Küstennähe lassen sich in solch einem Licht schöne silhouettenhafte Motive erstellen.
Es ist lange nach Mitternacht als ich durch das inzwischen schlafende Ilulissat zurück in mein Domizil marschiere. Viel weiß ich nicht über das Leben dieser Menschen, doch es ist unschwer zu erkennen, dass sich auch heute noch große Teile ihres Alltages an den klimatischen Bedingungen ausrichten. Man darf nicht vergessen, dass ein großer Teil des Jahres ganz andere Temperaturen herrschen als jetzt. Dann sind auch die Ränder Grönlands mit Schnee bedeckt und es gibt sogar eine Zeit, in der die Sonne den Weg über den Horizont nicht schafft. Wohl auch um in dieser dunklen Zeit nicht in Depressionen zu verfallen sind die Häuser der Menschen in knalligen Farben bemalt, was sehr schön aussieht.

Am meisten freuen sich wohl die Huskys auf den Winter. Dann werden sie endlich wieder in der für sie herrlich kalten Jahreszeit vor die Schlitten gespannt und dürfen nach Herzenslust laufen. Zu Dutzenden sitzen sie vor den Häusern und immer wieder fängt einer an jämmerlich zu heulen, was dann alle Andere veranlasst, in diese Symphonie mit einzustimmen.

Die Inuit haben es in vielerlei Hinsicht nicht einfach, ihr Leben in der heutigen Zeit selbst zu bestimmen.  Sie müssen ihre Wurzeln als nomadisierende Jäger in enger Verbindung mit der Natur und  dem modernen vom Landesverwalter Dänemark stark europäisch geprägten Leben unter einen Hut bringen. Zusätzlich sind es  die von den Industrienationen verursachten klimatischen Veränderungen unter denen die Menschen stark zu leiden haben, weil ihre traditionelle Lebensweise immer mehr erschwert wird. Durch die immer schneller voranschreitende Eisschmelze werden Nahrungsketten durchbrochen und den  Inuit der Zugriff auf ihre Beutetiere stark erschwert. Was ich aber am perfidesten finde, ist die Tatsache, dass unser westlicher Lebensstil soviel chemische Stoffe produziert, die  hier oben im arktischen Norden weit weg von allen Fabriken das Leben mehr und mehr vergiftet. Die am Ende der Nahrungskette stehenden Wale, Robben und Eisbären nehmen durch ihre Beute Gifte wie Dioxin und Quecksilber auf, welches sich ins  Fettgewebe der Tiere einlagert. Hungern die Tiere baut sich das Fett ab, was zum Teil zu Vergiftungen führen kann. Erst gestern habe ich mit einem Herrn der örtlichen Umweltbehörde gesprochen, der mir von einer Studie erzählt hat, die auf den Farör Inseln erstellt wurde. Demnach wird darin den Inuit komplett abgeraten, überhaupt noch wilde Tiere zu jagen. Die gesundheitlichen Risiken sind einfach schon zu groß. Mal wieder begegne ich einem Volk, das durch  industriell produzierte Nahrung seine Gesundheit beeinträchtigt. Das bestätigt sich leider  auch anhand der zahlreichen übergewichtigen Leute, die hier durch die Straßen laufen.

Angekommen 08.08.2009

Ich bin im ca. 5000 Einwohner fassenden Städtchen Ilulissat  in West-Grönland angekommen.

Seit nunmehr sechs Jahren bearbeite ich das Ökosystem Wald als fotografisches Thema für Greenpeace.

Ich reise mit meiner Kamera herum und dokumentiere die Schönheit und die Zerstörung unserer Erde. Was mache ich nun hier im völlig baumlosen Norden?

Die Antwort ist simpel: Es ist der alle ökologischen Themen überspannende Klimawandel, der mich veranlasst hat, Teil der Aktionen von Greenpeace in der Arktis zu werden.

Näheres findet Ihr auf www.greenpeace.de im Blog unter Iris Menn.

Nirgendwo sonst auf der Welt zeigen sich die Auswirkungen der Klimaverschiebungen deutlicher als im immer schneller schmelzenden Eis der Polregionen.

Im Dezember diesen Jahres findet in Kopenhagen die Alles entscheidende Klimakonferenz statt, in der ein Nachfolgemodell zur Deklaration von Rio gefunden werden muss.

Es ist vielleicht die letzte Chance der Menschheit sich endlich zu besinnen und gemeinsam die Reduktion der klimaschädlichen Treibhausgase soweit voranzutreiben, dass die Erderwärmung unter den für alle Kreisläufe so kritischen zwei Grad Celsius bleibt.

Ich habe nun knapp zwei Wochen Zeit mich mit dieser Problematik zu beschäftigen, dazuzulernen und schöne Fotos der kargen aber wunderschönen Landschaften Grönlands zu machen.

Ich bin gespannt, was die kommenden Tage für Abenteuer bereithalten.

Wildview läuft unter Wordpress 3.4.2
Anpassung und Design: Gabis Wordpress-Templates