Wildview

Abenteuer Natur(schutz)fotografie

Tag: Kamera

Jagdszenen 22.01.2010

Unser Plan ging natürlich grandios schief. Eigentlich  waren die Voraussetzungen gut.

Bialowieza- Blog 2

Das Morgenrot versprach einen klaren Wintertag und die Tiere waren fast an derselben Stelle wie am Vorabend. Wir befinden uns etwa sechzig Kilometer nördlich vom Bialowieza Nationalpark Hier lebt die meines Wissens einzige Wisentherde, die wirklich völlig frei durch die Landschaft zieht. Während die Tiere im Bereich des Nationalparks über die langen und kalten Wintermonate angefüttert werden um sie in der Region zu halten, müssen diese Wisente ihre Nahrung selber finden. Dies ist wohl auch der Grund, warum sich diese eigentlich in den Wäldern lebenden Tiere vornehmlich auf verschneiten Feldern und Wiesen aufhalten und nicht in ihrem angestammten Lebensraum zwischen den Bäumen. Ich nehme an, dass in den heutigen Forstwäldern die Bäume einfach zu dicht stehen um genügend Nahrungsmittel für die Tiere auf dem Waldboden bereitzuhalten. Da der Naturwald aber so gut wie weg ist, bieten die uneingezäunten, offenen Flächen die bessere Alternative.

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Mit dem Kopf schaben sie den Schnee beiseite um an das darunter liegende Gras zu kommen. Ich schleiche mich, ganz der Abenteurer, im Schatten eines Gebüsches von hinten an die Tiere heran. Olli marschiert ganz langsam von der anderen Seite auf die Herde zu. Jeder Meter ist anstrengend. Mit gefühlten hundert Lagen Kleidern ist die Bewegungsfreiheit eingeschränkt. Die Kamera samt Stativ ist unhandlich und bei jedem Schritt sinkt man dreißig Zentimeter in den Schnee. Ich bin relativ nah an die Wisente herangekommen. Doch um die Kamera in eine passable Ausrichtung zu bringen brauche ich zwischen den Gräsern, Ästen und Schilfrohren freie Sicht. Olli überschreitet die Fluchtdistanz wohl im selben Moment wie ich für die Tiere sichtbar werde. Während am Horizont eine glutrote Sonne aufgeht und die Eislandschaft in warme Farbtöne kleidet, sehen wir die Herde in heller Panik in großem Schneegestöber davonrennen.

Bialowieza- Blog 1

Nach vierhundert Metern kommen sie zur Ruhe als wäre nichts gewesen. Für uns sind sie wieder unerreichbar weit weg. Es ist zu kalt um gleich noch mal einen Versuch zu starten. Also muss es das Abendlicht richten. Nachdem wir uns in der Herberge aufgewärmt haben sind wir um vierzehn Uhr wieder vor Ort. Kurz nach Vier versinkt die Sonne hinter dem Horizont. Die Tage sind noch extrem kurz. Regel Nummer eins in der Tierfotografie: Man kann sich nicht an wilde Tiere heranschleichen. (Vielleicht um sie tot zu schießen, aber nicht um gute Fotos zu machen.) Tarnanzüge haben nur einen Wert wenn man vorher am Ort des Geschehens ist, und darauf wartet, dass die Tiere zum Fotografen kommen. Da dies auf den offenen Feldern aber nicht funktioniert gehe ich an diesem Nachmittag zu einer Taktik über die auch schon im vergangenen Jahr funktioniert hat. Ich stülpe mir mein Tarnzelt über und nähere mich ganz langsam den Tieren ohne mich zu verstecken. Das Tarnzelt ist grün, könnte aber auch lila sein. Die Farbe spielt keine Rolle, denn auch ein weißes Tarnzelt würden die Tiere durch die Bewegung wahrnehmen. Ich setzte darauf, das sich die Wisente durch meine längere Anwesenheit beruhigen und durch die komische Zeltform auch nicht als Bedrohung sehen. So kann ich die Fluchtdistanz vielleicht etwas verkürzen. Jeder Meter ist anstrengend. Die linke Hand trägt das Stativ und mit der rechten Hand halte ich das Zelt. Gleichzeitig versuche ich durch das Minifenster genug zu sehen um die Richtung zu halten und durch die gebückte Haltung keinen Hexenschuss zu bekommen. Der Hauptvorteil des Zeltes ist es, dass es mir den Wind vom Körper hält und ich es so viel länger in dieser Eiseskälte aushalte. Irgendwann bin ich nah genug, um die Herde ablichten zu können.

Bialowieza- Blog 3

Doch trotz Abendlicht ist das Bild keine Sensation, dafür sind die Kontraste zu hart. Immerhin habe ich diese Tiere endlich auf meinen Chip gebannt. Das Foto von dem man denken mag, dass es mal kurz aus dem Auto rausgeknipst wurde, hat richtig viel Kraft gekostet. Zum Glück wartet heute Abend eine Sauna auf uns, die uns die Muskeln wieder lockert. Ollis Zeit ist leider schon wieder um. Auf ihn wartet wieder sein Job als Greenpeace Kampaigner. Ich bringe ihn am nächsten Morgen zum Bahnhof und widme mich dann ein weiteres Mal der fotografischen Umsetzung des Urwaldes im Bialowieza Nationalpark.

Ein Kampf und Margarete 11.09.2009

Es sind oft Winzigkeiten die aus einem Schnappschuss ein Meisterwerk machen. Besonders in der Tierfotografie entscheiden manchmal der Hauch einer Sekunde oder ein paar Millimeter am Autofokus ob ein Bild den Menschen ein „Ahh“ und „Ohh“ entlockt , oder ob man mal wieder knapp am Siegerfoto vorbeigeschossen hat.  Ich sitze den dritten Abend im Versteck und beobachte einen Bären, der genüsslich Lachse verspeist, die Lassie dort am Nachmittag deponiert hat. Ein Artgenosse nähert sich langsam aber beständig. Solche Situationen gab es eigentlich schon oft, so dass ich etwas überrascht bin als plötzlich ein regelrechter, vielleicht zehn sekündiger Kampf entsteht, bei dem der fressende Bär ganz klipp und klar macht wer hier der Herr im Wald ist. Ein Hieb verbunden mit einem tiefen Grollen stellt klar, wer fressen darf und wer zu warten hat. So eine Szenerie ist natürlich der absolute Fotografentraum und ich habe auch ca. zehn mal auf den Auslöser gedrückt. Trotzdem bin ich mit den Bildern nicht ganz zufrieden.

Die Situation zeigt wie schwierig es ist wirklich außergewöhnliche Bilder von Tieren zu machen. Ich hatte die Kamera so eingestellt, dass  ich 1/100 sec Belichtungszeit zur Verfügung hatte. So musste ich im Dämmerlicht die Empfindlichkeit nicht allzu hochstellen und kam mit 800 ISO noch auf einen Wert, der die Bilder halbwegs pixelfrei abbildet. Doch wenn zwei Bären aufeinander losgehen sind die Bewegungen viel schneller, als dass man mit 1/100 sec ein wirklich scharfes Bild bekommt. So ist es mir zwar gelungen eine spannende Szenerie festzuhalten, in den Fotografenhimmel komme ich mit der Aufnahme aber noch nicht.

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Das wurmt natürlich mächtig, denn wie groß sind wohl die Chancen solch eine Szenerie jemals wieder vor die Kamera zu bekommen?  Noch habe ich ja einige Tage Zeit. Kurz darauf läuft einer der Bären keine zehn Meter an meinen Versteck vorbei. Dieser Bär war schon Gestern hier im Sumpf. Ich habe ihn Margarete getauft, denn er hat einen gelben Knopf im Ohr (Steifftierfans wissen Bescheid) Das ist zwar aus fotografischer Sicht ärgerlich, verdirbt es doch ein wenig den Wildnischarakter des Bildes, doch es zeigt, dass die Bären den Finnen nicht gleichgültig sind und an ihnen geforscht wird.

Finnland Nacht 3  498

Das ist schon ein besonderes Gefühl, so nah unter diesen Tieren zu weilen. Respekt sollte man auf jeden Fall vor ihnen haben, um sich nicht leichtsinnig zu verhalten. Angst muss es aber meiner Meinung nach nicht sein. Die Tiere haben in der Regel viel mehr Furcht vor den Menschen als umgekehrt. Würden wir auf der Nahrungsliste der Bären stehen, gäbe es in ganz Europa keinen einzigen Bären mehr, soviel ist klar. In der Regel fressen Bären Beeren und Gräser. Lassi meint, selbst wenn man ihnen jeden Tag 1000 kg Fleisch vorsetzt, würden sie ihr Fressverhalten nicht ändern und auch weiterhin ihre Ration Grünzeug zu sich nehmen. Das beruhigt mich ein wenig, hatte ich schon Bedenken, dass unsere Fotofütteraktionen die Tiere träge und faul machen und sie so in Abhängigkeiten geraten. Dass dies nicht der Fall ist sehen wir auch an den Ausscheidungen der Bären, die wirklich wie gequirltes Beerenpüree (!) aussehen. Pünktlich zur Morgendämmerung bin ich wach. In der Ferne sehe ich  noch einen Bären, der aber bald im Wald verschwindet. Der Rest des Morgens bleibt tierfrei, abgesehen von den dutzenden Raben, die eigentlich immer hier sind. Eine dichte Wolkendecke liegt über dem Land, mein warmer Atem zaubert kleine Wolken, selbst innerhalb des Verstecks. Es gab wohl Frost heute Nacht, ein Zeichen, dass der Winter naht. Bis um acht Uhr sitze ich eingehüllt in meinen Schlafsack, dann mache ich mich auf den Rückweg, darauf hoffend, dass die kommende Nacht neue Gelegenheiten zum Fotografieren bieten wird.

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