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Abenteuer Natur(schutz)fotografie

Tag: Naturfotografie

Tasmanien Teil 3: “Von zivilem Ungehorsam” 15.01.2013

„Ziviler Ungehorsam“ ist keine Straftat und schon gar kein Ansatz zum Terrorismus. Unsere Welt wird immer mehr von den Machtinteressen großer Konzerne gesteuert. Allein in der Europäischen Union nehmen tausende Lobbyisten Einfluss auf unsere demokratisch gewählten Volksvertreter, damit innerhalb des als so freiheitlich gepriesenen westlichen Lebensstils der Wille des Geldes nicht zu kurz kommt. Friedlicher Widerstand ist in vielen Fällen wichtig und richtig und wird meiner Meinung nach vom der breiten Masse der Gesellschaft in der Regel viel zu wenig unterstützt. Es ist halt bequemer im Strom mit zu schwimmen und all die Segnungen unserer Überflussgesellschaft kritiklos zu konsumieren, als zu hinterfragen und die negativen Auswirkungen unserer „schönen neuen Welt“ verbessern zu wollen. Das oft schon kleine Gruppen mit gezielten Kampagnen viel Wirbel verursachen und Veränderungen bringen können, zeigt die tägliche Arbeit unzähliger Nichtregierungsorganisationen und Bürgerinitiativen weltweit.

Dass diese in den Medien von rechten Betonköpfen oft als „Gutmenschen“ verspottet werden sehe ich eher als Auszeichnung, denn als Affront. Es muss doch inzwischen jedem halbwegs Gebildeten klar sein, das die Menschheit unseren Planeten in Zukunft nicht mehr im gleichen Maße ausbeuten darf wie in der Vergangenheit. Kapitalismus und Wirtschaftswachstum funktionieren auf Dauer nur dort, wo unbegrenzte Ressourcen vorhanden sind. Unsere Heimat, die Erde ist zwar groß aber nicht Grenzenlos.  Doch all den gierigen, machtgeilen, superreichen Anzugträgern in den Chefetagen der Geld-, Holz-, Erdöl- Kohle-, Nahrungsmittel-, und anderer Konzernindustrie die mit Rohstoffen hemmungslose Wachstumsorgien betreiben, scheint dies völlig egal zu sein. Anstatt ihre in den vergangenen Jahrzehnten angehäuften Reichtümer zu nutzen um in nachhaltige Alternativen zu investieren, wird an der Macht festgehalten um den Planeten möglichst bis zum letzten Moment mit selbstzerstörerischen Strukturen zu bestehlen.

Für jedes Problem gibt es auch eine Lösung bzw. eine bessere Alternative. Aber anstatt in einem bisher nie dagewesenen Kraftakt das Ruder rum zu reißen und weltweit auf naturnahe Landwirtschaft, erneuerbare Energien, und nachhaltige Rohstoffnutzung zu setzen, werden weiter neue Kohlekraftwerke gebaut, Urwälder gerodet, Ozeane überfischt und unsere Erde wider besseres Wissen für nachfolgende Generationen immer mehr ruiniert.

Auf meiner Tasmanien-Reise habe ich ein wunderbares Beispiel zivilen Ungehorsams kennen lernen dürfen und freue mich, dass es auch auf der anderen Seite der Welt zumindest einem Teil der Bevölkerung nicht egal ist was mit unseren Lebensgrundlagen geschieht. Lange bevor Miranda Gibson (wie im 1. Teil berichtet) auf den Baum gestiegen ist um ein sichtbares Zeichen gegen die unsägliche Abholzung tasmanischer Urwälder zu setzen, gab es im „Upper Florentine“ Tal eine der am längsten andauernden Blockaden in der Geschichte der  australischen Umweltbewegung. Diese dauert praktisch bis heute an. Das „Florentine“  ist neben den „Styx“, „Weld“ und „Huon“ Tälern eines jener Gebiete die wegen ihrer riesigen Eukalyptusbäume von höchstem ökologischem Wert sind und sich leider nur am Rande des UNESCO Weltnaturerbe Gebietes befinden, aber nicht darin. Vor sechs Jahren begann die Forstwirtschaft eine vier Kilometer lange Straße in das bis dahin völlig intakte Wildnis-Gebiet zu schlagen um dann mithilfe weiterer Straßen den Wald systematisch zerstören zu können. Dies löste einen Sturm der Entrüstung aus und es begann eine Auseinandersetzung die wohl in diesem Ausmaß bisher in der Geschichte einmalig ist. Die Straße wurde von den Umweltschützern mit Kreativität und Ausdauer über die Jahre blockiert und so die Holzfäller an ihrem Tun gehindert. Bis zu hundert Menschen nahmen in den Hochzeiten der Blockade an den Aktionen teil, Monat für Monat, Jahr für Jahr. Unzählige Male wurde das Camp von der Polizei geräumt oder von Randalierern zerstört und immer wieder aufgebaut. Große Umweltbewegungen hatten ihren Anteil am Widerstand, doch die Hauptlast trugen die örtlichen Bürgerbewegungen, die mit wenig finanziellen Mitteln aber viel Mut und Einsatz den Widerstand am Leben hielten.

Als ich das „Florentine Camp“ erreiche, treffe ich dort auf zwei Brüder aus der Bürgerbewegung die hier für einige Zeit die Stellung halten und vorbeifahrende Touristen über die Problematik der Urwaldzerstörung informieren. Ich werde freundlich aufgenommen und fühle mich hier sofort pudelwohl. Rechts und links der Straße ragen riesige Eukalyptusbäume in die Höhe. Taucht man in den Wald ein, befindet man sich sofort in einer anderen Welt. Die Umweltschützer haben im Laufe der Zeit diverse Wanderwege angelegt welche ich dankbar beschreite um meine Bilder vom gemäßigten Regenwald zu machen. Die ganz großen Bäume kommen im reinen Regenwald nicht vor, denn Eukalypten können sich mit den Schalen ihrer Samen nur durch Feuer vermehren. Doch das Gebiet um das Camp herum ist dank hoher Niederschläge, mit allen Attributen eines Regenwaldes ausgestattet. Diese Vegetation ist für mich eine der schönsten Waldtypen überhaupt. Vereint sie doch die monumentale Größe der Baumriesen mit den hemmungslosen, alles überziehenden grünen Moosteppichen des Regenwaldes. Eine betörende Mischung. Wie erkaltet muss ein Menschenherz sein, das hier mit der Säge ankommt um diese Harmonie zu zerstören.

Ich habe mehrere Tage Zeit meine Bilder zu erarbeiten. Die Temperaturen sind recht erfrischend,  was mir sehr entgegen kommt. Ein zumeist bedeckter Himmel und hin und wieder Regen erleichtern die Arbeit.

 

Natürlich war ich auch in reinen Regenwaldgebieten unterwegs. In ihnen ist der „Myrtle“ Baum dominierend. Diese Bäume können im Laufe der Jahrhunderte imposante Formen annehmen und stattliche Größen erreichen. Doch neben den Eukalytusbäumen wirken sie richtig mickrig. Der „Myrtle“ stammt aus der Familie der Südbuchen, welche auch in Südamerika, in Patagonien heimisch sind. Der größte zusammenhängende reine Regenwald befindet sich im Nordwesten Tasmanien, dem Tarkine. Eine bis heute wilde, abgeschiedene Region, die aber durch massive Minenprojekte sehr stark gefährdet ist. Ich durchstreife dort verschiedene Wälder und unternehme abenteuerliche Erkundungen im dichten Unterholz zu Wasserfällen und abgelegenen Aussichtspunkten. Doch meine faszinierendsten Regenwaldbilder bekomme ich an einer Stelle, die man ganz leicht per Spaziergang erreichen kann. Am Besucherzentrum des „Cradle Mountain“ Nationalpark führt ein gut ausgebauter Bohlensteg auf einem kleinen dreißig minütigen Rundweg durch einen zauberhaften Märchenwald.

Ich habe so auf ganz einfache Weise die Möglichkeit, morgens und abends die verschiedenen Lichtsituationen zu nutzen. Im Wald  fotografiere ich immer nur mit indirektem Licht. Es ist erstaunlich wie sich der Zeitpunkt und der Einstrahlwinkel der Hauptlichtquelle auf die Fotos stimmungsmäßig auswirken.

Als ich mit meinen Freunden im „Florentine Camp“am Lagerfeuer sitze, kann ich schon recht entspannt auf eine stattliche Ansammlung schöner Bilder blicken. In den vergangenen zwei Wochen habe ich immer wieder Kontakt zu Miranda Gibson gehalten. Ich wollte erfahren ob ein Besuch auf ihrer Plattform noch innerhalb meines Aufenthaltes in Tasmanien möglich sein wird. Es waren die Waldbrände welche die ganze Aktion für einige Zeit gefährdet haben. Ein Feuer war gefährlich nahe an die Region herangekommen in der Miranda seit über vierhundert Tagen auf einem riesigen Eukalyptusbaum ausharrt. Erst als es völlige Entwarnung gibt, ist Miranda bereit wieder Besucher zu empfangen. Heute habe ich das OK erhalten. Ein Team aus professionellen Kletterern wird mich am letzten Tag meiner Reise zu ihr in die Höhe befördern.

Ich treffe morgens um acht Uhr am Fuße des „Observertree“ ein. Vier Aktivisten aus Hobard sind anwesend.  Sie alle sind gekommen nur um mich auf den Baum zu ziehen. Ich freue mich sehr dass die ganze Sache noch klappt. Ich bin aber auch ein wenig nervös, denn die sechzig Meter bis hoch zur Plattform sehen von hier unten verdammt weit weg aus. Bei solchen Gelegenheiten kann man wunderbar lernen seine Ängste in den Griff zu bekommen und die eigenen Grenzen wieder etwas weiter auszudehnen. Ich bekomme die Ausrüstung angelegt und werde an das Seil gehängt, welches Miranda zuvor aus der Höhe herab gelassen hat. Am Anfang schließe ich die Augen und hänge ziemlich verkrampft im Seil. Meter für Meter geht es nach oben. Immer wieder drehe ich mich hin und her was nicht gerade zur Entspannung beiträgt. Mit der Zeit überwiegt die Neugier und ich beginne meine Umgebung zu studieren. Es ist eine interessante Perspektive hier zwischen den Bäumen zu hängen. Kaum habe ich begonnen die Anblicke zu genießen, hänge ich auch schon unterhalb der schmalen Eingangsplatte und Miranda zieht mich herein. Zuerst sichert sie mich mit einem anderen Seil, so dass ein Sturz über den Rand der Plattform praktisch unmöglich ist. Sie selbst ist ebenfalls jederzeit mit einem Seil gesichert. Wer einmal starke Windböen in 60m Höher erlebt hat weiß wie schnell die einen wegblasen können. Zum Glück ist es momentan absolut windstill und der Himmel ist von einer Wolkenschicht bedeckt. Ideale Bedingungen für mein Anliegen. Miranda ist eine recht zierliche Frau Anfang dreißig. Ich bin fast zwei Stunden in ihrem Reich über den Bäumen. Der Ausblick ist wunderschön, wären da nicht die vielen Kahlschläge die man von hier ebenso erkennen kann wie die noch intakten Wälder. Nachdem wir uns über die momentane politische Situation unterhalten haben beginne ich damit einige Fotos von ihr zu machen.

Ich möchte ihre Geschichte unbedingt in meiner neuen Show einbauen. Sie ist ein positives Beispiel dafür was ein einzelner Mensch zu leisten vermag, wenn er Ideale hat und fest an eine Sache glaubt. Die Bilder zeigen  eindrucksvoll wie winzig die Plattform ist auf der die seit so langer Zeit ihre Tage verbringt. Langweilig ist dies wohl nicht. Sie gibt mir einen Einblick wie stark sie dank moderner Technik mit dem Rest der Welt vernetzt ist. Diese Aktion bringt nur Erfolg, wenn möglichst viele Menschen davon erfahren und sich mit den Zielen solidarisieren. Das ist ein Fulltimejob der nie langweilig wird. Trotzdem bedarf es einer ungeheuren mentalen Stärke hier oben auszuharren. Ich bin mir nicht sicher ob ich dazu fähig wäre. Ich stelle ein kleines Aufnahmegerät zwischen uns und sie spricht innerhalb eines einzigen Versuchs ohne sich zu verhaspeln über ihre Mission. Diese zwei Minuten werden die Besucher der Multivisionsshow später Mirandas Stimme hören können, angereichert mit meinen Bildern. Miranda mag zierlich erscheinen, doch ihr Wille ist ungebrochen. Ich glaube ihr aufs Wort wenn sie mir sagt das sie erst wieder einen Fuß auf die Erde setzen wird, wenn die Urwälder um sie herum nicht mehr zerstört werden.

 

Am selben Abend sitze ich schon wieder im Flieger nach Hause. Der Besuch bei dieser Frau wirkt noch lange auf mich nach. Gäbe des doch auf der Welt mehr Miranda Gibsons. Warum sind solche Leute immer die Minderheit? Mich hat die Begegnung mit ihr enorm motiviert, innerhalb meiner Möglichkeiten mit aller Kraft weiter zu machen. Meine Fotografien haben ebenfalls Potenzial zur Motivation und Begeisterung von Menschen. Je mehr sie zu Gesicht bekommen, desto größer die Chance das der Eine oder Andere seine ganz private Miranda Gibson in sich entdeckt.

Keine zwei Wochen nach meinem Besuch auf Mirandas Plattform hat die australische Regierung bekannt gegeben, das sie auf einer Fläche von 170.000 Hektar den Wald schützen, und an die UNESCO den Antrag stellen möchte, diese Gebiete ins Weltnaturerbe aufzunehmen. Das wäre ein großartiger Erfolg und für Miranda auch Gelegenheit ihren Baum wieder zu verlassen, denn dieser Antrag beinhaltet praktisch all jene Täler in denen die großen Eukalyptusbäume stehen und weswegen die Umweltbewegung seit mehr als dreißig Jahren kämpft. Doch Worten müssen Taten folgen. Zum Zeitpunkt als ich diese Zeilen schreibe ist Miranda immer noch auf der Plattform denn ihre Kollegen haben nach wie vor Einschläge genau dort nachgewiesen wo eigentlich der Schutzstatus kommen soll. Es darf aber durchaus gehofft werden, dass der „zivile Ungehorsam“ zum Erfolg führen wird und ein kleiner aber wichtiger Teil Natur unseres Planeten vor der weiteren sinnlosen Zerstörung verschont bleibt.

 

Tasmanien Teil 2: “Von Oben” 10.01.2013

Die Hitzewelle die weite Teile Australiens und den östlichen Teil Tasmaniens erfasst hat dauert unvermindert an.  Für die kommenden vier, fünf Tage sind selbst für den regenreichen Westen der Insel wolkenfreie Tage prognostiziert. Nicht gerade die besten Voraussetzungen um gemäßigten Regenwald zu fotografieren. Für meine Bildsprache brauche ich bedeckte, gar regnerische Tage mit Nebel um die Fotos zu bekommen die ich innerhalb des Waldes erhalten möchte. Ich versuche aus der Not eine Tugend zu machen und überlege, wie ich diese Wetterlage am Besten für meine Zwecke nutzen kann. Es gilt eine Möglichkeit zu finden die Regenwälder als Teil der Gesamtlandschaft zu fotografieren, und so komme ich sehr bald zu dem Schluss, dass es jetzt genau der richtige Zeitpunkt ist einen Berg zu besteigen. Die zu erwartende Fernsicht wird diese Aufnahmen ermöglichen. Meine Wahl fällt auf einen Berg mit dem lustigen Namen „Frenchmans Cap“. Wie sich später heraus stellt, sieht er aus einem bestimmten Winkel betrachtet tatsächlich wie ein Franzosenhut aus. Er ist der höchste Gipfel  im weiten Umkreis und wenn ich meinen Kartenleserinstinkten vertrauen darf verspricht er 360 Grad Ausblicke auf die von der UNESCO als Weltnaturerbe anerkannte Wildnis, in deren Tälern sich der gemäßigte Regenwald befindet.

Im Wanderführer wird die Tour mit 4-5 Tagen angegeben was für mich eine logistische Herausforderung darstellt. Wenn ich alleine unterwegs bin kommen sehr schnell sehr viele Kilo zusammen die man an Gepäck durch die Gegend schleppen muss. Zusätzlich zur eh schon schweren Fotoausrüstung incl. Stativ, Gehäuse und 3-4 Objektiven, packe ich mein Zelt, Isomatte, Schlafsack und genügend Kleidung ein. Hier sollte man genau überlegen was tatsächlich benötigt wird. In der Regel ist es weniger als man denkt, wenngleich natürlich an der Grundausstattung gegen Kälte, Wind und Regen nicht gespart werden darf. Wichtige Details wie Sonnencreme, Toilettenpapier und Hut dürfen nicht vergessen werden. Hat man alles glücklich im Rucksack kommt dann ein weiterer schwerwiegender Faktor obenauf nämlich die Nahrung. Kaum zu glauben was sich da an Gewicht anhäuft wenn man vier, fünf Tage etwas zu essen haben möchte. Wenn ich alleine unterwegs bin verzichte ich bewusst auf warme Mahlzeiten um mir den Kocher und extra Geschirr sparen zu können. Einmal am Tag gibt es Müsli mit Milchpulver und ansonsten Käse, Brot und Streichcreme. Das Schöne beim Trekking ist dass man keine Gewissensbisse haben muss zahlreich Schokolade zu sich zu nehmen, denn der Körper ist für diese Art von Energie sehr dankbar. Natürlich ist es unumgänglich genau zu prüfen ob auf der zu erwartenden Tour genügend Flüsse den Pfad kreuzen um auch mit Trinkwasser versorgt zu sein. In diesem Fall ist das in ausreichendem Maße der Fall, so dass mir zwei Halbliter Plastikflaschen, rechts und links am Rucksack befestigt, für den Trip genügen werden.

Letztendlich starte ich mit fast 30 kg auf dem Rücken, was bei meinem nicht gerade massiven Körperbau wirklich das absolute Limit darstellt. Wenn es meine Kondition zulässt möchte ich am ersten Tag eine Strecke von sechzehn Kilometern hinter mich bringen. Das ist besonders bei den hohen Temperaturen wirklich kein Pappenstiel. Wenn es wirklich heiß ist, muss dem Körper praktisch ständig Wasser zugeführt werden, damit er leistungsfähig bleibt. Bei jedem kleinen Rinnsal halte ich an und fülle die Flasche auf, eine Energiequelle die nicht versiegen darf. Nachdem der Wanderweg einen ersten kleineren Bergzug überwunden hat, komme ich im nächsten Tal in ein bei vielen Wanderern gefürchtetes Moorgebiet. Auf einer sechs Kilometer langen Strecke nähert man sich dem eigentlichen Bergzug zudem auch der Zielgipfel gehört. Laut den Informationstafeln die am Anfang des Trails aufgestellt sind gibt es Zeiten an denen der geneigte Naturfreund hier bei jedem Schritt bis zu den Knien im Morast zu versinken droht. Kein schöner Gedanke mit schwerem Rucksack auf dem Buckel. Ausgerechnet die unschöne Hitzewelle kommt mir hier zur Hilfe, denn durch den mangelnden Regen in den letzten Tagen und die starke Sonnenstrahlung sind viele der Sumpflöcher ausgetrocknet oder zumindest weniger tief. Natürlich versucht jeder Wanderer das Einsinken im Schlamm zu vermeiden und sucht sich Grasbüschel und Erhöhungen auf denen er das stabil laufen kann. Das führt an vielen Strecken dazu dass ein einst schmaler Pfad immer weiter ausfranst und die eigentlich geschützte Vegetation dabei auf breiter Fläche nachhaltig geschädigt wird. Deshalb geht die Verwaltung der Nationalparke in Tasmanien inzwischen dazu über, an solch fragilen Stellen massive Holzstege zu bauen, auf denen man trockenen Fußes durch die Landschaft kommt. Das mag dem Einen oder Anderen weniger Authentisch erscheinen, doch ich finde es ist eine vernünftige Maßnahme die dem Schutze der Natur dient und eine gute Verwendung der Nationalparks-Gebühren ist. Auf einem Drittel der Strecke sind die Stege über das Moor schon fertig, und die angrenzende Natur beginnt sich sichtbar zu erholen, da keiner mehr in ihr herumirrt.

Als ich den Wald erreiche freue ich mich über leicht kühlenden Schatten. Dafür steigt jetzt der Weg an, was meine Geschwindigkeit stark nach unten sinken lässt. Der schwere Rucksack fordert seinen Tribut. Alle halbe Stunde mache ich für ein paar Minuten Pause um die Schultern zu entlasten und kämpfe mich so durch eine wunderschöne Regenwaldszenerie, die trotz sichtbarer Trockenheit immer noch ihren Zauber versprüht. Gegen Abend erreiche ich mein Etappenziel. An einem von Bergen umgebenen See finde auf einem Moosteppich einen schönen Zeltplatz. Ich erkunde die mich umgebene Landschaft und beschließe, dass die hier vorhandenen Motive eindeutig im Morgenlicht zu fotografieren sind. Nach einem nicht allzu üppigen Abendessen falle ich erschöpft in tiefen Schlaf. Nicht ohne zuvor noch den Wecker gestellt zu haben. Denn das Ausnutzen von guten Lichtsituationen hat bei solchen Touren absolute Priorität, egal wie erschöpft ich bin. Draußen ist es immer noch helllichter Tag. Die Sonne geht erst weit nach einundzwanzig Uhr unter, richtig Dunkel ist es erst viel später.

Die Nächte sind hier kurz, besonders für Naturfotografen. Weit vor Sonnenaufgang stehe ich am Seeufer und platziere das Stativ an einer der wenigen Stellen die eine freie Sicht auf die Landschaft verspricht. Über dem See liegt eine zarte Nebelschicht die dem Foto einen zusätzlichen Reiz verleiht. Es zahlt sich aus, dass ich mir am Vorabend noch die Mühe machte im Unterholz nach einem geeigneten Zugang zu suchen. Am Morgen hätte ich die Stelle im Halbdunkel nicht gefunden oder wäre zu spät zum Fotografieren gekommen. Als die Sonne ihre ersten direkten Strahlen auf die Berghänge scheint, bin ich schon wieder am Zelt und bereite mein Frühstück zu. Ich werde heute früh aufbrechen, da ich schon am Abend auf den Gipfel stehen möchte.

Der Wanderpfad folgt parallel dem Seeufer. Ich finde mich umringt von wilden alten Bäumen mit Regenwaldcharakter. Die Wasserfläche ist immer nur als Ausschnitt zwischen dem Gewirr aus Ästen und Büschen zu sehen. Am Ende des Sees geht es endgültig steil nach oben. Heute sind die Temperaturen merklich angenehmer. Die größere Höhe macht sich bemerkbar. Mit gelegentlichen Fotostops brauche ich gute drei Stunden bis zum Pass. Die Aussicht von der Passhöhe ist grandios. Nach Süden hin fällt der Blick auf die von hier aus endlos erscheinende Wildnis und vor mir erhebt sich zum ersten Mal sichtbar der Gipfel des Frenchmans Cap. Dazwischen liegt ein weiterer Bergzug den es erst noch zu umrunden gilt. Der Wald weicht hier oben mehr und mehr einer buschartigeren Alpinen Vegetation. Wegen des wolkenlosen Himmels ist es schwer vorstellbar das ich hier in einem Gebiet mir hohen Niederschlägen wandere, doch die Vielzahl an verschiedenen Pflanzen sprechen da eine eindeutige Sprache. Das Lager befindet sich wieder an einem Bergsee genau am Fuße der eigentlichen Erhebung des Gipfels. Ich erreiche das Etappenziel am frühen Nachmittag. Es ist eine ähnliche Szenerie wie am Vorabend nur ist alles hier oben noch einen Tick anmutiger, ja gar lieblich. Ein Ort zum Träumen. Man hat hier freie Blicke auf den See und die steil aufragenden Felsen des Berges und die Bäume und Sträucher spiegeln sich in perfekter Symmetrie im windstillen Wasser.

Jetzt bin ich dem eigentlichen Ziel meiner Tour, nämlich die Wildnis von oben zu fotografieren schon recht nah. Ich nutze den Rest des Nachmittags zur Erholung. Von anderen Wanderern weiß ich, dass der Marsch auf den Gipfel von hier aus ca. eineinhalb Stunden dauert. Wegen der Wetterlage ist für mich, zumindest fotografisch, nur die Zeit zwischen Sonnenuntergang und Dunkelheit interessant. Deshalb starte ich den Aufstieg erst nach neunzehn Uhr. Es geht von Beginn an steil nach oben. Ich habe nur noch die Fotoausrüstung und ein wenig Verpflegung auf dem Rücken, was merkliche Entlastung bedeutet. Die alpine Vegetation ist flacher und offener als der Wald und bietet immer wieder betörende Blicke zurück auf den See. In der Nähe des Ufers kann ich mein orangenes Zelt zwischen den Grüntönen der Bäume aufblitzen sehen.  Ab einer gewissen Höhe wachsen nur noch Bodendecker zwischen den Felsen und der Pfad führt steil über loses Geröll und  große Steinplatten. Kaum erreiche ich die, dem Berg wohl seinen Namen gebende, abgeflachte Gipfelseite, bläst mir ein starker Wind ins Gesicht der die Hitze der vergangenen Tage schnell vergessen macht. Als ich dann wenig später auf dem höchsten Punkt des Berges stehe fühle ich es wieder, das Hochgefühl. Tiefe Zufriedenheit und ein wenig Stolz erfüllt mich. Dazu kommt noch die Erkenntnis, dass mein Gespür mich nicht betrogen hat. Die Ausblicke die sich mir bieten sind einzigartig. Bis an die Horizonte in jeglicher Richtung sehe ich einen Höhenzug der sich an den Anderen reiht. Je nach Lichteinfall  und Entfernung verändern sich die Farben.

Als der Sonnenball im Westen über dem von hier aus sichtbaren Ozean verschwunden ist, beginnt meine Arbeit. Auf Hochtouren rase ich von einem guten Ausblickpunkt zum anderen um möglichst keinen schönen Moment zu verpassen. Die entscheidenden Minuten sind jene, an denen der Himmel dieselbe Helligkeit aufweist wie das sich unter ihm ausbreitende Land. Je nachdem wie viel Restlicht noch hinter dem Horizont nachstrahlt und auf der gegenüber liegenden Seite im Osten in Partikeln oder Wolkenfetzen Reflektion findet, lässt die Aufnahme mehr oder weniger farbig erscheinen. Erst als es praktisch komplett Dunkel ist mache ich mich im Schein des Mondlichtes auf den Abstieg. Nur an wenigen steilen Stellen nehme ich meine Taschenlampe zur Hilfe. Erst weit nach Mitternacht liege ich im Schlafsack. Zeit zum Schlafen bleibt kaum denn ich habe mir fest vorgenommen das gleiche Schauspiel mit den sich wechselnden Lichtstimmungen noch einmal zu erleben. Diesmal nur in umgekehrter Reihenfolge: von Dunkel nach Hell. Unerbittlich klingelt mich der Wecker um halb vier aus dem Tiefschlaf. Als ich das Zelt verlasse breitet sich über mir in selten gesehener Klarheit die gesamte Milchstraße aus. Mit schweren Gliedern mache ich mich an den erneuten Aufstieg. Blöd das ich wegen den wenigen Stunden nicht einfach auf dem Gipfel geblieben bin, aber da oben war es einfach zu windig. Zumindest am Abend denn momentan scheint kein Windhauch die totale Stille und den Frieden dieser Nacht zu stören.

Auf halber Höhe zum Gipfel versuche ich mich an einer Nachtaufnahme vom Sternenhimmel zusammen mit dem aufragenden Berg. Dies gelingt dank Digitaltechnik auch ganz gut. Noch in fast völliger Dunkelheit stehe ich später am selben Ort wie wenige Stunden zuvor und warte auf die ersten Anzeichen des neuen Tages. Ich habe diese Prozedur im Laufe meiner über zwanzig Jährigen Karriere als Fotograf inzwischen unzählige Male erlebt und werde nie müde werden erneut nach diesem Schauspiel zu suchen.  Es sind eben jene wenigen Minuten zwischen Tag und Nacht die mir Gänsehaut bereiten. Sie lassen mich zum „Jäger des Lichts“ werden, wie man uns Naturfotografen auch gerne nennt. Mit den ersten Sonnenstrahlen die ihren Weg über den Horizont schaffen ist ein Großteil der Magie auch schon wieder verschwunden, besonders wenn es keine Wolken am Himmel gibt wie momentan. Zufrieden, aber völlig übermüdet mache ich mich auf den Rückweg.

Ich erreiche das Lager zu einem Zeitpunkt als manch anderer Wanderer den Tag begrüßt und freue mich bis zum Nachmittag im wahrsten Sinne des Wortes nichts tun zu müssen. Am Abend möchte ich zurück zum Pass laufen um dort den nächsten Sonnenuntergang zu fotografieren. Ich werde dort ankommen und keine gute Lichtstimmung vorfinden. Am kommenden Tag werden sich die ersten Wolkenfelder bilden die mich gegen Nachmittag mit starken Regenfällen zurück zum Ausgangspunkt der Tour begleiten. All jene Wanderer die mir auf dem Rückweg entgegen kommen, werden kaum Chancen haben vom  „Frenchmans Cap“ einen Ausblick genießen zu können. Ich habe alles richtig gemacht.

 

“Baikal See” Teil 4: Kommunikationsprobleme 13.10.2012

Am Morgen des vierten Tages stehe ich am Ufer der großen Uschkani Insel und blicke mit bangem Gefühl im Magen auf die große Wasserfläche. Es ist ein klarer ruhiger Tag, nur über den am linken Ufer aufragenden Bergen ziehen langsam Wolken heran. Ob die Kommunikation wohl geklappt hat? Wird das Boot tatsächlich kommen, welches uns auf die andere Seite des Baikal Sees bringen wird? Zum jetzigen Zeitpunkt ist der Transport seid einer halben Stunde überfällig. Dies wäre nicht weiter schlimm, wäre das Morgenlicht nicht so wundervoll farbenfroh, was mich ziemlich unruhig werden lässt. Wir müssen uns noch eine weitere halbe Stunde gedulden, bis wir am Horizont einen kleinen Punkt ausmachen der sich beständig unserer Insel nähert. Sie kommen tatsächlich. Zwei Männer auf einem Schlauchboot, welches das Emblem der Seerettung trägt. Ich bitte Arkady die Herren darauf hinzuweisen das es absolut wichtig für meine Arbeit ist, wenn irgendwie möglich bei den Robben auf den kleinen Nachbarinseln vorbeizuschauen.  Wir verstauen unser Gepäck, bezahlen das Quartier und verabschieden uns von den Inselbewohnern. Der See hat kaum Wellengang, so dass wir recht sanft über die Wasserfläche gleiten. Unsere Chauffeure sind freundlich aber wortkarg. Ich weiß bis heute nicht was mich geritten hat, aber als wir die Robben-Inseln passieren ohne das wir uns ihnen nähern, hinterfrage ich es nicht und lasse es einfach geschehen. Ein schwerer Fehler den ich später noch schwer bereuen sollte. Während wir die acht Kilometer Distanz zum Festland überwinden werden die Inseln hinter uns immer kleiner. Wir fahren parallel zu den mächtigen Erhebungen des Zabajkalski Nationalparks. Der Park schützt die Wildnis einer Halbinsel die wegen Ihrer Form auch „Große Nase“ genannt wird. Unser kleines Motorboot bringt uns an grandiosen Landschaften vorbei. Inzwischen ziehen mächtige weiße Quellwolken über die links und rechts von uns aufragenden Berge. Es ist ein perfekter Herbsttag in einer wunderbaren Umgebung. Die auf den Bergzügen wachsenden Wälder sind eine Augenweide.

Nur hier und da ragen skelettartige schwarzweiße Inseln  aus dem grün-goldenen Farbenmeer. Die Birken haben leider schon früher ihr Laub verloren, was aber das wunderbare Gesamtbild nicht weiter stört. Warum unser Bootsführer so drängt als ich ihn immer mal wieder um einen kurzen Stop für ein paar Fotos bitte, erschließt sich mir zu diesem Zeitpunkt leider nicht. An einer Stelle an der heißes Wasser aus dem Boden dringt machen wir für ein paar Minuten Rast. Mit Holzbalken ist die Quelle zu einem kleinen Pool aufgestaut, in das sich Besucher hineinbegeben können. Wir passieren zwei kleine Ortschaften die innerhalb der Grenzen des Nationalparks liegen. Die Häuser sind, wie für die Region typisch, komplett aus Holz errichtet. Gegen Mittag erreichen wir eine Bucht in der ein Geländewagen mit einem Anhänger steht. An einem Feuer sitzt der Fahrer und wartet auf unsere Ankunft. Wir bekommen eine Portion leckeren Eintopf zu essen, während unsere neuen Freunde das  Boot auf den Anhänger ziehen.

Nach einer Stunde Fahrt über holprige Pisten erreichen wir das andere Ende der „Großen Nase“. Über eine etwa zwanzig Kilometer breite Landzunge, die sich nur wenig über dem Wasser erhebt, ist hier die Halbinsel mit dem Festland verbunden. Das Gelände ist eine Moorlandschaft die nur an manchen Stellen mit Bäumen bewachsen ist. Wir halten an einem Strand, über dem sich unmittelbar dahinter die Berge erheben. Hier stellt sich mir unser Bootsführer zum ersten Mal offiziell vor. Angenehm „Alexander“, sogar ein paar Worte englisch kann er sprechen. Mit einem kleinen Rucksack auf dem Rücken gibt er mir ein Zeichen zum Aufbruch. In diesem Moment begreife ich was hier eigentlich los ist. Als wir vor einigen Tagen im Hotel auf der Insel Olchon mit den dortigen Leuten die Überfahrt organisiert haben, erzählte ich von meinem Wunsch, hier auf der „Großen Nase“ einen Berg zu besteigen um die Landschaft des Baikal Sees aus der Erhebung fotografieren zu können. Nicht erzählt habe ich damals, das solch eine Tour wegen der Fotografie über mehrere Tage dauern sollte und daher gut vorbereitet werden muss. Bei Alexander angekommen ist die Information, dass er uns von der Insel abholen und am selben Tag auf den Berg heraufbringen soll. Wie ich heute weiß, durchaus ein möglicher Plan, denn es gibt tatsächlich diverse Aussichtspunkte die man schon nach wenigen Stunden Fußmarsch erreichen kann.

Jetzt war es erst mal an mir meinen Reisegenossen klarzumachen das der Weg in die Berge für mich ein etwas Längerer sein wird, da ich, um den Sonnenauf- und Untergang einzufangen, auch dort oben übernachten muss. So beschließen wir nach „Ust-Barguzin“ zu fahren um dort die nötigen Lebensmittel einkaufen zu können. Hätte die Kommunikation von Anfang an funktioniert so hätten wir sicherlich an diesem schönen Tag gute Chancen gehabt auf den kleinen Inseln die Robben zu sehen. Zeit genug wäre gewesen. Eine neue Chance sollte ich nicht mehr bekommen, was zwar der geneigte Leser meines Blogs schon weiß (siehe Teil 1), mir damals aber noch nicht klar war. Das sich Arkadi am nächsten Morgen verabschieden wird, weil er den Marsch in die Berge nicht mitmachen will ist für mich fast befreiend. Er hat sich nicht gerade als Organisations- und Kommunikationstalent hervorgetan.

Am nächsten Morgen holt mich Alexander kurz nach Sieben am Hotel ab. Früher zu fahren hat keinen Zweck, denn um auf die Halbinsel zu kommen muss man einen großen Fluss überqueren. Dazu gibt es eine Fähre und die fährt morgens zum ersten Mal um acht Uhr. Ich habe für drei Tage Nahrung und Wasser im Rucksack und alles was man zum Aufenthalt in freier Natur benötigt. So stehe ich nun wieder am Fuße des Berges, nur mit dem Unterschied zu Gestern das die Landschaft heute in ein alles durchdringendes Grau eingehüllt ist. Der Himmel ist von einer dicken Wolkendecke überzogen und lässt kaum Chancen auf Farbenbildung erhoffen. Trotzdem mache ich mich zusammen mit Alexander an den steilen Aufstieg. Wir haben beschlossen das er mir hilft das Gepäck auf den Berg zu tragen und mich dann meinem Schicksal überlässt. Das Warten auf das richtige Licht wäre für ihn nur langweilig und den Weg zurück schaffe ich auch ohne Hilfe, da ich ja kein Wasser mehr ins Tal tragen muss. So ganz „Ohne“ war der Abstieg dann allerdings doch nicht.

Durch den schneebedeckten extrem steilen Pfad im oberen Teil der Route, mit über zwanzig Kilogramm auf dem Rücken, habe ich meine beiden großen Zehen über mehrere Stunden so stark in den Schuhen gepresst, das ich später an Beiden die Nägel verloren habe. An Schnee habe ich beim Aufstieg noch nicht gedacht. Wir marschieren durch eine große Fläche Wald die im vergangenen Jahr gebrannt hat. Überall liegen Bäume quer. Nur einige wenige alte Riesen haben die Kraft gehabt der Feuerwalze zu widerstehen. Es bietet sich ein düsteres Bild durch das wir laufen, verstärkt noch durch den wolkenbehangenen Himmel. In der Natur sind Brände im borealen Wald aber nicht weiter schlimm, sofern sie durch Blitzeinschlag oder andere natürliche Umstände entstehen. Die Natur bekommt die Chance zur Erneuerung und lässt schon nach kurzer Zeit wieder eine neue Vegetation entstehen. Problematischer wird die Sache mit den Bränden in den vergangenen Jahren durch den Klimawandel. Vermehrte Dürrephasen führen in manchen Erdteilen zu verstärkten Waldbränden, welche mit dem natürlichen Kreislauf der Natur nicht mehr vereinbar sind.

Den besten Blick auf den Baikal See mit der Landzunge und den dahinter am Festland aufragenden Bergen bekomme ich auf halber Höhe zum Gipfel. Ich entscheide mich an dieser Stelle mein Lager aufzuschlagen. Der Gipfel ist zwar höher, aber für eine Aufnahme der Landschaft wohl zu weit nach hinten verlagert. Außerdem kann ich ja in den kommenden Tagen mit leichtem Gepäck Touren an alle möglichen Ecken und Enden des Gebirges unternehmen. Nachdem mir Alexander versichert hat, das ein Auto am Nachmittag des dritten Tages am Ende der Straße auf mich warten wird, macht er sich an den Abstieg, und ich bleibe alleine zurück. Trotz der mich umgebenden verbrannten Büsche und Bäume ist der Blick auf die Welt von hier oben spektakulär. In einer Mulde zwischen großen Felsbrocken schlage ich mein kleines Zelt auf. Da der Gipfel in Wolken gehüllt ist kann ich mir einen weiteren Aufstieg zur Erkundung der Gegend für heute ersparen. Ich lege mich in meinen Schlafsack und das große Warten beginnt. Gegen Abend sehe ich kleine Lücken im Wolkenmeer. Der eine oder andere Sonnenstrahl kann seinen Weg auf das unter mir liegende Land erreichen.

Das Licht ist weit davon entfernt perfekt zu sein. Trotzdem bin ich natürlich zur Stelle und schieße einige Fotos. In der Nacht verschwinde ich tief in meinem Schlafsack. Hier oben ist es schon empfindlich kalt um diese Jahreszeit. Der Wecker klingelt am nächsten Morgen eine dreiviertel Stunde vor Sonnenaufgang. Der Blick aus dem Zelt ist zunächst ernüchternd. Ich entdecke kaum Sterne über mir, was wohl bedeutet, dass der Himmel nach wie vor bedeckt ist. Trotzdem schäle ich mich aus der Wärme hinaus, steige in die kalten Stiefel und laufe zum Aussichtspunkt. Ich habe Glück. Genau im Osten, dort wo die Sonne aufgeht, gibt es größere Lücken im Wolkengeflecht. In den Minuten vor Sonnenaufgang färben sich Teile des Himmels violett ein, was wiederrum den Baikal See farbig reflektieren lässt.

Dabei entstehen einige schöne Motive. Der Sonnenaufgang selbst bleibt meinen Blicken aber verborgen. Trotzdem stehe ich völlig fasziniert auf meinem Felsen und beobachte was unter mir passiert. Von der offenen Seeseite treiben langsam dicke Wolken über die Wasserfläche, die das Land mehr und mehr bedecken. Für einige Minuten befinde ich mich genau zwischen zwei Wolkenschichten.

Diese Wetterlage beschert mir faszinierende An-und Ausblicke. Erst als sich die Landschaft um mich herum praktisch unsichtbar gemacht hat, mache ich mich auf den Rückweg in den Schlafsack. Im Schlaf vergeht die Wartezeit am schnellsten und so bin ich nicht undankbar schon bald wieder wegzudösen. Am späteren Vormittag ist die Welt um mich herum nach wie vor grau und kalt. Erste Schneeflocken fallen sanft zur Erde und mir schwant so langsam das es mit dem erhofften Wetterwechsel wohl nichts mehr wird.

Zum Abendessen sitze ich schon im Weiß. In der darauffolgenden Nacht muss ich immer wieder Schnee von meinem Zelt entfernen damit die Wände nicht zu stark eingedrückt werden. Weder an diesem Abend noch am nächsten Morgen kommt die Kamera zum Einsatz. Stunde um Stunde liege ich in meinem Zelt und habe kaum noch Hoffnung auf eine weitere Chance zur Landschaftsfotografie. Eine Tour auf den Gipfel ist durch den Schnee gefährlich und fotografisch sinnlos, da ich sowieso nichts sehen würde.

Geduld gehört zu einen jener Tugenden die ich mir für diesen Job habe aneignen müssen. Es ist nicht das Softwareprogramm am Computer welches die Fotografie spannend macht – sondern die Jagd nach dem Licht in freier Natur. Es gehört zum Berufsbild einfach dazu dass man auch mal zwei Tage wartet, ohne das noch einmal etwas Positives geschieht.

Prolog zum Thema „Savanne“: Warum “Naturwunder Erde”?

Das Reisen hat mich immer fasziniert. Schon in der Jugend zog es mich in fremde Länder auf der Suche nach dem Neuen und Unbekannten. Das hat sich bis heute nicht verändert. Nur ist der Blick auf die Welt als über Vierzigjähriger ein anderer als der mit Anfang zwanzig Jahren. Der moderne Mensch ist gerade dabei, das Antlitz dieses wunderbaren Planeten in Rekordzeit so nachhaltig zu verändern, dass schon wenige Generationen, die nach uns kommen, eine völlig andere Lebens- und Erfahrungssituation vorfinden werden, als die, welche uns heute vergönnt ist. Deshalb ist es mir als Naturfotograf ein Anliegen, Schönheit sichtbar zu machen und Zusammenhänge aufzuzeigen. Dass etwas auf der Erde in die falsche Richtung läuft, beginnen wohl so ganz langsam auch die meisten Zweifler zu begreifen. Aber wie sich die Situation mit unseren Lebensgrundlagen global darstellt, ist meiner Meinung nach bisher viel zu wenigen Menschen bewusst. In den fast zehn Jahren, in denen ich Vorträge innerhalb der Waldkampagne von Greenpeace gehalten habe, sind mir persönlich viele Lichter aufgegangen. Ich habe gelernt,  dass in einer globalisierten Welt Dinge unmittelbar zusammenhängen können, auch wenn zwischen Ihnen tausende von Kilometern liegen. Wer meine Aufsätze in den letzten Monaten verfolgt hat weiß, dass ich momentan zu einem Thema mit dem Titel “Naturwunder Erde” arbeite. Die Grundidee zu diesem Konzept basiert auf einem jahrelangen Gedankenprozess von mir, bei dem ich überlegt habe, wie ich innerhalb meiner Fähigkeiten als Fotograf die grundsätzlichen Probleme unserer heutigen Zeit auf eine verständliche Ebene bringen und möglichst Vielen zugänglich machen kann. Der Schlüssel liegt aus meiner Sicht darin, dass wir unseren Blick auf den Planeten Erde verändern müssen. Ohne wirklich zu begreifen woher die Dinge, die wir konsumieren stammen, nutzen wir die Ressourcen dieser Welt ohne Maß und Verstand. Mit “Naturwunder Erde” werde ich nun die Erde im Ganzen portraitieren. Ich möchte, dass die Menschen durch meine Fotos und Geschichten unsere Heimat mit anderen Augen sehen. Die Naturfotografie hat eine starke Kraft, Inhalte zu transportieren und Emotionen zu wecken.

Zusammen mit den Kampaignern von Greenpeace habe ich all jene Ökoregionen herausgearbeitet, die maßgeblich für den Reichtum und die Vielfalt des Lebens auf unserer Erde verantwortlich sind. So soll es dieses Mal nicht nur um das Thema Wald gehen, über das ich berichten werde, sondern auch andere Lebensräume wie Grasland, Gestein und Wasser. Stellt man diese Themen innerhalb eines Projektes in unmittelbaren Zusammenhang, und zeigt ihre Schönheit, ihre Funktion, die Nutzung durch Lebewesen  – und vor allem die Vernetzung zu den anderen Regionen, wird sehr schnell klar, wie vielfältig, aber auch wie anfällig und “endlich” unsere Welt geworden ist. Was mich persönlich am Meisten erschüttert ist die Geschwindigkeit, mit der ich und meine über sieben Milliarden Mitmenschen immer tiefere Wunden in diesen empfindlichen Organismus reißen und das Gleichgewicht nachhaltig stören. Allein in den vergangenen sechsundzwanzig Jahren, in denen ich das Glück hatte, reisen zu dürfen, hat sich so viel verändert, dass man schon blind und taub unterwegs sein müsste um das nicht zu erkennen.

 

Deshalb ist mein nächstes Reiseziel besonders spannend für mich, denn in dieser Region war ich vor über fünfzehn Jahren schon einmal. Das Thema “Savanne” gilt es nun zu fotografieren und somit wartet eine der schönsten Landschaften der Welt auf eine erneute Erkundung – das Grasland in der Grenzregion zwischen dem afrikanischen Kenia und Tansania. Was hat sich wohl hier im Laufe einer Generation verändert?

Vor dem Frost 20.09.2010

Eines der sinnlichsten Naturerlebnisse sind Streifzüge durch herbstlich gefärbte Wälder. Besonders eindrucksvoll ist das hier oben in Lappland. Die Birken hüllen sich in ein goldenes Gewand und die Waldböden erstrahlen in tiefen Rot. Im Kontrast dazu steht das immerwährende Grün der Kiefern und Fichten und bei etwas Glück leuchtet der tiefblaue Himmel. Weiße Knöllchenwolken ziehen friedlich über den Horizont und eine sanfte Herbstsonne hüllt die ganze Szenerie in ein weiches Licht. Dazu ist es absolut windstill. Soviel zur Theorie.

Ich habe in den letzten Tagen meine Pläne immer wieder verändert und verworfen, weil das Wetter nicht so wollte wie ich es gern hätte. Das richtige Licht ist neben dem Motiv die Hauptzutat im Rezept der Fotoküche. Nun habe ich gelernt dass sich die Blätter der Bäume und der Waldboden nicht zwangsläufig gleichzeitig verfärben. Die Birken beginnen inzwischen schon ihre goldgelben Blätter durch die stärker werdenden Winde zu verlieren. Die vielen Beerensträucher und Moose befinden sich bis heute nur an wenigen Standorten im Jahreszeitlich angemessenen Farbenkleid. Es ist für die Bodendecker einfach zu warm. Sie brauchen eine Frostnacht um ihre Umwandlung durchzuführen und die hat bisher gefehlt.

Vergangene Woche war ich auf Einladung des finnischen Fotografen Lassi Rautiainen Gastreferent auf einem Naturfotofestival in Kuusamo in Mittelfinnland. Es hat Spaß gemacht Kollegen aus ganz Europa zu treffen. Ein Wochenende habe ich das Vortragsfeeling gespürt welches für mich ab November wieder für lange Zeit Alltag werden wird, wenn die große „Wilde Wälder“ Tournee beginnt. Aus oben beschriebenen Gründen bin ich nicht sofort zu den Urwäldern am Inari See zurückgefahren sondern habe diverse Erkundungstouren in kleine Urwaldreste rund um Kuusamo unternommen. Besonders in der Grenzregion zu Russland sind kleine Fleckchen Wald von der Holzernte verschont geblieben und stehen unter Schutz.

So wunderschön diese Relikte aus der ehemaligen Wildnis sind, so frustrierend wirkt die lange Anfahrt auf den endlosen Forststraßen die in den vergangenen dreißig Jahren in die letzten Winkel dieses Landes getrieben wurden. Wohin man Blickt sieht man Kahlschläge. Kleine Ministreifen alten Waldes werden ausgespart. Wo einst ein gesunder Mischwald die sanften Hügel zwischen den Mooren und Seen bedeckte wächst nach dem Kettensägenmassaker in der Regel ein monotoner Kiefernforst. Dieser dient dann zur Sättigung unseres immer größer werdenden Papierhungers. Wenn man bedenkt dass wir Europäer heutzutage achtmal soviel Papier verbrauchen wie noch unsere Großeltern in den Fünfzigern, dann muss man sich schon mal fragen wie es kommen konnte das wir so verschwenderisch wurden.

Dazu passiert dies in Zeiten, in denen es durch die Digitalisierung eigentlich genau anders herum laufen müsste. Was mich dabei besonders ärgert ist die Tatsache, dass Produkte aus Wald- und Klimafreundlichem Recyclingmaterial in den vergangenen zwanzig Jahren praktisch aus den Regalen der Supermärkte und Drogerien verschwunden sind. Zu meiner Schulzeit war ein stattlicher Teil der Hefte mit dem „Blauen Engel“ ausgezeichnetes Umweltpapier. Heute muss man regelrecht nach diesen Produkten suchen. Taschentücher aus umweltfreundlichem Material sind praktisch ausgestorben. Noch heute argumentieren viele Menschen dass sie es gerne weich haben wenn sie sich ihre Ausscheidungen vom Körper wischen. Ich bin sicher das zukünftige Generationen sie für diesen degenerierten Lebenswandel hassen werden. Zumal sich die Produkte aus frischen Zellstoff nur noch Marginal von denen aus recyceltem Material unterscheiden. Keiner muss Angst haben sich den „Arsch aufzureißen“ wenn er sich mit Ressourcenschonendem Klopapier den Allerwertesten abwischt. Ja man hat viel Zeit zum Nachdenken wenn man wandert. Stundenlang stapfe ich durchs Unterholz.

Oft sind die Böden durch dicke Moosschichten so weich wie ein Wasserbett. Immer wieder sehe ich frische Spuren von Elchen und ab und zu schrecke ich Birkhühner auf. Die Tiere nehmen mich in der Regel wahr bevor ich sie sehe. Selbst wenn man völlig Lautlos durch den Wald läuft machen die Reibungsgeräusche der Kleidung und der Stiefel einen Höllenlärm in der Lautlosigkeit der Natur. Immer wieder regnet es. Für Bilder die ich innerhalb des Waldes mache ist dies, sofern man den störenden Kontrast des Himmels aus dem Motiv lässt, nicht weiter schlimm. Nur das Fotografieren selbst wird dabei erschwert. Zumal ich bisher immer dann, wenn es Nass wurde, den kleinen Regenschirm im Auto vergessen habe. Mit ihm könnte man die Kamera wunderbar trocken halten.

Ernsthaft verlaufen kann man sich hier in den Kuusamo Urwäldern nicht. Zur Orientierung habe ich immer eine Karte und einen Kompass dabei. Außerdem sind die Gebiete relativ klein. Sobald man ein Waldschutzgebiet verlässt merkt man das sofort. Zuerst steigt man über durch Windbruch umgefallene Baumriesen. Wie mit einem Lineal vermessen, wurden alle Bäume bis unmittelbar an die Gebietsgrenze gefällt. Damit sind die außen stehenden Reihen innerhalb des Reservates den Winden schutzlos ausgeliefert. Das Ergebnis sind hunderte umgefallener gesunder Fichten, Kiefern und Birken. Auf den aufgerissenen Böden des Erntegebietes wachsen die ersten kleinen Kiefern in Reih und Glied. Die Vielfalt der Flora und der Zauber der Schönheit werden hier wohl für immer verloren sein. Ich will mich gar nicht gegen die Nutzung von Holz aussprechen. Holz ist ein sagenhafter Rohstoff. Vor allen Dingen ist er nachhaltig, weil er zumindest in unseren Breitengraden, nachwächst. Nur das Verhältnis, wie wir allgemein Rohstoffe auf diesem Planeten nutzen, steht für mich in keinem Verhältnis mehr. Unsere Gier hat uns jedes Maß verlieren lassen und wir haben den Spruch „macht euch die Erde untertan“ viel zu wörtlich genommen.

Jäger und Gejagte 03.03.2010

Seit fünf Tagen fällt ununterbrochen Schnee auf die Erde. Die Bäume krümmen sich unter dem Gewicht der weißen Pracht. Die Tiere des Waldes durchleben schwere Zeiten. Ihre Nahrung ist oft unerreichbar unter einer meterdicken Schneeschicht verborgen. Am dritten Tag in Finnland wird ein fotografischer Traum für mich war. Der harte Winter treibt eine der faszinierendsten Wildtiere aus den tiefen der Wälder in die Nähe von menschlichen Ansiedlungen. Wie ein Lauffeuer hat es sich unter Finnlands Naturfotografen herumgesprochen, dass eine große Graueule, auch Bartkauz genannt, nahe einer Farm gesichtet worden ist. Ich bin zu Gast bei Lassi Rautiainen um Adler in seinen Fotoverstecken zu fotografieren. Natürlich hat auch Lassi von der Eule gehört und so komme ich in den Genuss eines ganz besonderen fotografischen Abenteuers.

Bartkauz  1198

Die Eule sitzt nahe eines aufgegebenen Farmhauses auf einem Baum, als wir als Erste das Gelände erreichen. Mit weit geöffneten Augen blickt sie über die geschlossene Schneedecke. Bartkauze fressen Mäuse. Doch diese dringen in diesen Tagen nur sehr selten an die Oberfläche. Die Tiere haben Hunger. Wohl auch deswegen lassen sie sich bei ihrer Suche nach Nahrung kaum durch uns Besucher stören. Ich bin wirklich begeistert von der Schönheit dieses Tieres. Es sieht beeindruckend aus, wenn sie in Sekundenbruchteilen ihren Kopf nach hinten drehen, ohne dass der Rest des Körpers sich bewegt.

Bartkauz  1200

Die Augen der Eule sind recht klein, doch durch ihre markanten Gefiederkreise um die Augen wirken sie riesengroß. Keine Bewegung scheint ihr zu entgehen. Ich stehe mit Lassi knapp 20 Meter vom Bartkauz entfernt als sich dieser plötzlich abstößt und direkt neben uns vorbeischießt. Die Maus, die neben uns die frische Luft genießen wollte, hat keine Chance. Präzise greifen die Klauen nach dem kleinen Nager. Sekunden später ist die Eule im Wald verschwunden. Hier zeigt sich nun die ganze Klasse eines Lassi Rautiainen, der seit über dreißig Jahren in diesen Wäldern Tiere fotografiert. Ich war so überrumpelt, dass ich kaum meine Kamera nachziehen geschweige denn auf die Eule Scharfstellen konnte. Lassi hat mit einem kompakten Objektiv ohne Stativ den ganzen Vorgang mit einer Salve Auslöser festgehalten. Knallscharfe Bilder zeigen die letzten Sekundenbruchteile im Leben einer Maus. Mit solchen Wahnsinnsbildern gewinnt man Wettbewerbe. Ich tröste mich damit, dass ich an diesem Tag eine ganze Menge lerne. Es ist entscheidend die Gestik der Tiere zu kennen und ihre Aktionen zu erahnen. Dabei muss man nicht selten seine Konzentration über lange Zeiträume aufrecht halten. Alles verdichtet sich auf wenige Augenblicke, wer die verpennt, der hat verloren. Inzwischen sind auch andere Fotografen eingetroffen und viele tausend Euro Fotomaterial ist auf das Tier gerichtet, das nach einem Mahl wieder zum Vorschein kommt.

Bartkauz  1199

Den ganzen Tag verfolgen wir das Tier dabei, wie es versucht, seinen Hunger zu stillen. Mir gelingen schöne Portraits der Eule, eingebettet in einen herrlich verschneiten Wald. Doch die Königsklasse sind Bilder von Tieren in Bewegung. Besonders bei den Eulen kommt die wahre Schönheit des Gefieders erst zur Geltung wenn sie ihre Flügel ausbreiten. Am nächsten Tag sollte ich eine weitere Chance bekommen. Dreizehn Fotografen freuen sich auf einen Besuch bei einem alten Ehepaar, auf dessen Veranda eine Eule sitzt und darauf wartet, dass sich die Mäuse aus dem Keller an die Oberfläche wagen. Soviel Aufmerksamkeit ist dann doch auch dieser von Hunger geplagten Kreatur zu viel. Sie fliegt zum nahegelegenen Waldrand und positioniert sich perfekt vor einer verschneiten Freifläche. Was nun passiert ist wirklich Adrenalin pur für jeden Naturfotografen.

Bartkauz  1201

Mit einem genialen Trick bringen meine Finnischen Kollegen den Bartkauz dazu, das eine oder andere Mal über die Freifläche zu fliegen. Das Tier stillt dabei seinen Hunger und wir Fotografen haben nun mit der richtigen Wahl des Standpunktes und der perfekten Beherrschung unserer Geräte die Möglichkeit zum Volltreffer.

Bartkauz  1202

Da auch Zauberer ihre Tricks nicht verraten, werde ich über den genauen Ablauf der Aktion den Mantel des Schweigens hüllen. Das war wieder eines jener tollen Erlebnisse, die einen vergessen machen, dass man acht Stunden am Stück im Schneetreiben steht, sich bis zur Erschöpfung durch den Tiefschnee kämpft und viele Male einfach kein Glück hat. Ich freue mich auf die Tage die vor mir liegen.

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