Wildview

Abenteuer Natur(schutz)fotografie

Tag: Norwegen

Auf dünnem Eis 28.08.2012

Ich traue meinen Augen nicht, als ich mit einem leichten Schwung über die Bordkante des Schlauchbootes im seichten Wasser lande. Wir sind in einer der unzähligen Buchten des Inselarchipels Spitzbergen und ich verspüre zum ersten Mal seit Tagen wieder festen Boden unter den Füßen. Auf der gesamten Küstenlinie in dieser urigen, wilden Landschaft aus Geröll und Gletschereis, scheinbar weit abseits allen zivilisatorischen Unfugs, liegen unzählige Reste von kleinem und großem Abfall.

Endlos reihen sich Fetzen von Plastikverpackungen, Flaschen und Fischernetzen zwischen an Land gespültem Tang und Treibholz vor mir auf. An solchen Orten kann man den wahren Zustand unseres Planeten sehen. Durch unseren Konsumwahn drohen wir praktisch in unserem eigenem Müll zu ersticken. Hier an diesem Strand hat dies stellvertretend eine Möwe übernommen, deren Gefieder sich im Plastik verfing und das Tier verenden lies. Das Geweih eines Rentieres, welches wir verheddert zwischen einem Netz finden, lässt auch auf kein gutes Ende dieses Tieres schließen. Längst haben wir die Kontrolle über unser Handeln verloren. Bei kaum einer Reise wird dies deutlicher als hier in der Arktis. Wir müssen einige Zeit ins Landesinnere marschieren bis wir die letzten Reste menschlichen Wohlstandes hinter uns gelassen haben. Von einer Anhöhe aus blicken wir auf riesige Geröllfelder und eine völlig eisfreie Bucht.

Dies ist um diese Jahreszeit nicht ungewöhnlich. Es ist der arktische Sommer. Die Sonne geht nach wie vor nicht unter und die Temperaturen liegen im positiven Bereich. Das Eis wird in wenigen Monaten das Land und die Buchten von Norwegens nördlichstem Außenposten wieder fest in seinem Griff bekommen. Was aber durchaus nicht als normal zu bezeichnen ist, ist das Fehlen der arktischen Eismasse noch viele Kilometer nördlich der Inselgruppe. Während das antarktische Eis um den Südpol herum auf einer Landmasse aufliegt, befindet sich das arktische Eis um den Nordpol auf dem Wasser. Es ist ein natürlicher Prozess, dass sich die Eisfläche im Sommer reduziert und im Winter wieder anwächst. Doch, was wir momentan auf dieser Reise erleben, und was auch langsam durch die Medien sickert, lässt Schlimmes erahnen. Ich bin auf der „Plancius“ ein ehemaliges Forschungsschiff, welches zum Tourismusfrachter umgestaltet wurde. Gespräche mit Fachleuten an Bord bestätigen die schlimmsten Befürchtungen. Die Eismasse ist, seitdem der moderne Mensch Messungen vornimmt, noch nie soweit abgeschmolzen, wie momentan.

Da das Eis nirgends angebunden ist, können Winde und Strömungen durchaus schnelle, geografische Veränderungen der Fläche verursachen. Gestützt durch Langzeitstudien und Sattelitenaufnahmen lässt sich die Tendenz des arktischen Eisschwundes aber auf keinen Fall mehr leugnen. Dass es trotzdem weiterhin Ignoranten geben wird, die auch in den kommenden Jahren alle Hinweise auf den menschlich, gemachten Klimawandel ins Lächerliche ziehen werden, macht mich extrem wütend. Diese hirnlosen Egomanen, die sich von rechtslastigen „Think-Tanks“ und großen Ölmultis ein sorgenfreies Leben bezahlen lassen, werden sich auch darüber freuen wenn in ca zehn Jahren die Schmelze erstmals Schiffsverkehr durch die Arktis erlaubt. Dann kann der hemmungslose Raubbau an Rohstoffen auch an einem der letzten, bisher unberührten Orte des Planeten beginnen. Öl und Kohle kommen schneller zum Verbraucher und die Konzerne steigern ihre eh schon astronomischen Gewinne weiter nach oben. Somit profitieren die Verursacher allen Leides, das sie kommenden Generationen aufbürden, von Ihren eigenen Verbrechen. Es ist zum Heulen. Ich kann auch eines der Hauptargumente der Klimawandel-Leugner nicht mehr hören, die gebetsmühlenartig auf die Kartoffeln verweisen, die man zu früheren Zeiten auf Grönland angebaut hat. Wie dumm muss man sein, um sich eine einzelne Tatsache aus dem Zusammenhang zu reißen, um darin eine positive Entwicklung zu erkennen. Natürlich gab es seitdem die Erde rotiert im Klima Veränderungen in Hülle und Fülle. Selbst die Antarktis war vor Urzeiten mal eisfrei. Doch diese Veränderungen zogen sich über Zeiträume hinweg, welche die Anwesenheit des modernen, industrialisierten Menschen auf der Erde als Sekundenbruchteil degradieren.

Die komplette Artenvielfalt des Planeten und unsere unterschiedlichsten Lebensweisen aller Kulturen bauen sich auf dem Klimamodell von heute auf und nicht auf damals, als ein paar Halbwilde Kartoffeln auf Grönland pflanzen konnten. Die Veränderungen sind so weitreichend, dass man schnell den Überblick verliert. Das Leben auf der Erde besteht aus unzähligen Kreisläufen, die auf verschiedenste Weise miteinander verbunden sind. Schmilzt das Eis, hat dies Auswirkungen auf viele Abläufe, die sich wiederum mit anderen Verkettungen überkreuzen und ebenfalls alles durcheinanderbringen. Eines der prominentesten Opfer dieser Entwicklungen im arktischen Eis ist auch der Grund, warum ich mich auf diese Kreuzfahrt begeben habe – nämlich der Eisbär.

Kaum ein Tier steht symbolisch für all das, was verloren geht, wenn wir Menschen den Sinn unseres Lebens nicht schleunigst neu definieren, wie diese Bären.

Als die letzten, nördlichen Ausläufer Spitzbergens hinter dem Horizont verschwinden, fahren wir noch für viele weitere Stunden über eine dunkle Wasserfläche die völlig eisfrei ist. Die Reise wurde als „Eisbär Spezial“ beworben. Jeder an Bord ist deshalb in freudiger Erwartung, als wir uns dem angestammten Lebensraum des Eisbären nähern. Das Packeis, auf dem die Tiere über die Sommermonate auf Robbenjagd gehen, kommt erst um den 81ten Breitengrad in Sicht. Langsam manövriert der russische Kapitän das Schiff durch die Eisplatten. Spätestens hier hat mich der Polarvirus infiziert. Die Sicht ist gut. Bis auf alle Horizonte sehen wir das brüchige Eis, welches von kleinen und größeren Wasserflächen durchzogen ist. Alle Bären, die es mit dem Rückgang des Eises auf diese Flächen geschafft haben, und nicht auf den Inseln des Festlandes zurück geblieben sind, haben große Chancen durch die wärmere Jahreszeit zu kommen. Hier jagen sie mit großem Geschick nach Robben, die sie aus dem Wasser ziehen oder mit ihrem Geruchssinn in unterirdischen  Eishöhlen aufspüren und schnappen können. Der Himmel ist an diesem Tag mit einer leichten Wolkenschicht überzogen, aus der sich immer wieder Schneeflocken lösen. Dabei ist es fast windstill, was mir perfekte, fotografische Bedingungen bietet. Von den fünf Bären, die wir an diesem Tag erspähen, ist es Nummer Zwei, die mich sehr glücklich macht und die Reise für meine Arbeit zu einem großen Erfolg werden lässt.

Wir sehen die Bärin schon in der Ferne. Anders als ihre Artgenossen scheint dieses Tier recht neugierig zu sein. Während wir so manch einem anderen Gesellen fast hinterherfahren, kommt die Dame langsam aber beständig näher an das Schiff heran. So muss der Kapitän eigentlich nur an Ort und Stelle verharren. Passagiere und Personal stehen einträchtig an der Reling und beobachten ehrfürchtig wie sich dieses wunderschöne Tier Stück für Stück dem fremden riesigen Objekt nähert. Die Bärin hat ein wunderbar weißes Fell und sieht gut genährt aus. Ein Prachtexemplar. Es sind intensive Minuten, in denen ich viele schöne Variationen dieser Spezies auf meinen Chip banne, fast besser als ich es mir erträumt hatte.

Als sich die Eisbärin dann am Ende noch mit einigen Kunststückchen und drolligen Verrenkungen verabschiedet, lässt sie ein Boot voller Glücksseligkeit hinter sich zurück.

Wir erreichen bei der Rückfahrt nach Spitzbergen eine kleine, isolierte Insel, auf der sich sieben ihrer Artgenossen befinden. Die Bären klettern dort über Geröll und wirken irgendwie völlig bemitleidenswert. Schmilzt das Eis in den kommenden Jahren weiter in dieser Geschwindigkeit, so müssen immer mehr dieser Tiere verhungern. An Land haben sie kaum Aussicht auf ausreichend Nahrung, besonders wenn das rettende Eis von Jahr zu Jahr länger fernbleibt. Keiner weiß genau wann unsere Bären zum letzten Mal gefressen haben. Die unzähligen Möwen, weit oben im Vogelfelsen sind für sie unerreichbar. Die Kolonie von Walrossen, die vor der Küste im Wasser treibt, ist auch keine leichte Beute, da die klobigen Tiere sehr wehrhaft sind.

Die Anwesenheit der Walrosse ist jedoch eine kleine Erfolgsgeschichte, da die Tiere, ebenso wie die Wale, auch in Spitzbergen gnadenlos gejagt wurden. Durch Schutzmaßnahmen nehmen die Bestände dieser Art langsam wieder zu.

Ein Blick in die Geschichtsbücher lässt erahnen, auf was für einen überschwenglichen Reichtum an Leben die ersten Entdecker hier gestoßen sind, als sie sich in diese unbekannte, dem Menschen so lebensfeindliche Region aufmachten. Bis zu hundertsechzig Walfangboote sollen sich hier einst in einer einzigen Bucht aufgehalten haben – so zahlreich war die Beute. Mir kommen dabei die Bilder von den Büffeln in der nordamerikanischen Prärie in den Sinn, die von weißen Jägern zu hunderttausenden abgeschossen wurden, einfach weil sie so zahlreich vorhanden waren. Der Mensch ist das schlimmste Raubtier von Allen, er tötet nicht nur zum eigenen Überleben sondern zum Vergnügen.

Die Wale, Robben und Walrosse mussten damals dran glauben weil man aus Ihrem Fettgewebe Tran gewonnen hat. Bis Anfang des 20sten Jahrhunderts wurden damit in Form von Lampenöl Häuser und Straßen beleuchtet. Dass wir heute auf unserer Reise zwei Blauwale zu Gesicht bekommen, gleicht fast einer Sensation und zeigt wie gründlich unsere Spezies ist, wenn es darum geht den Reichtum dieses wunderbaren Planeten zu plündern. Erst wenn fast nichts mehr vorhanden ist, fängt man an, sich nach Alternativen umzuschauen. Diese sind auch in den allermeisten Fällen vorhanden. Hätten wir Alle nicht das „Gier“-Gen intus könnten wir den Planeten nachhaltiger nutzen und wären dabei noch wesentlich ausgeglichener und glücklicher. Davon bin ich überzeugt. Diese Reise an sich ist schon ein Paradoxon für mich gewesen. Innerhalb kürzester Zeit wurde es mir durch moderne Technik und einer vorhandenen Infrastruktur ermöglicht, tolle Fotos einer Region zu machen, die vor wenigen Jahrzehnten noch kaum erreichbar war. Hundert „Naturfreude“ werden dabei durch Szenarien geschippert, die so in naher Zukunft nicht mehr existieren. Dabei werden sie dreimal täglich mit den vielfältigsten Speisen gemästet, die aus aller Herren Länder zusammengetragen, hier im Überfluss angeboten werden. Es gibt Getränke aus Aluminiumdosen, Fleisch in Hülle und Fülle, und immer frische Servietten, Handtücher und was der moderne Kreuzfahrer sonst an Standart erwartet. Wir sind schon eine recht seltsame Lebensform.

Auf nach Norden….. 24.08.2010

Die fotofreie Sommerpause ist vorbei. Die vergangenen Wochen habe ich ausführlich genutzt, um den neuen Vortrag und die anstehende Tournee vorzubereiten. Nun freue ich mich auf die finale Reise, welche das Projekt „Europas wilde Wälder“ komplettieren soll. Zusammen mit meiner Lebensgefährtin Elfriede machen wir uns in unserem zum Schlafwagen umgebauten Transporter auf nach Skandinavien. Erstes Reiseziel ist die dänische Nordseeküste. Wir besuchen für einen Abend Freunde, die gerade dort urlauben. Abgesehen von den großartigen Küstendünen und dem erfrischenden Bad in den tosenden Wogen bleibt uns die Faszination des Landes Dänemark weitgehend verschlossen. Na ja, es ist vielleicht etwas unfair so zu pauschalisieren. Bei der Durchquerung haben wir ja nur den Autobahnblickwinkel drauf und da ist Deutschland auch nicht schöner. Auf jeden Fall ist mir persönlich Dänemark zu flach. Als uns die Fähre nach dreistündiger Überfahrt im Süden Norwegens wieder ausspuckt, offenbart sich uns gleich ein ganz anderes Bild. Hier ist nichts flach. Man merkt sofort, dass hier viel Land auf wenig Bewohner trifft. Wir fahren vorbei an großen Landwirtschaftsflächen mit ihren typischen rotbraunen Ökonomiegebäuden. Fast überall erheben sich im Hintergrund bewaldete Hügel und Berge. Große Seen und Flüsse geben der Landschaft selbst in dicht besiedelten Gebieten einen reizvollen Charakter. Wir passieren die ehemalige Olympiastadt Lillehammer und nähern uns dem ersten für das Projekt relevanten Reiseziel.

Es ist der Ormtjernkampen Nationalpark in der Provinz Oppland, der in erster Linie alten Wald schützen soll. Zuerst hielt ich es für einen Schreibfehler als ich bei meiner Recherche gelesen habe, dass das Gebiet nur 8,5 qkm groß sei. Doch sehr schnell wird klar dass auch in einem so dünn besiedelten Land wie Norwegen richtige Urwälder ein seltenes Gut geworden sind. Jahrtausende der Nutzung haben besonders in den Tal-Lagen, dort wo die kräftigen Bäume wachsen, Urwälder in Forste verwandelt. Wir fahren über enge Serpentinen hinauf auf eine Hochebene und befinden uns plötzlich in einer anderen Welt. Das landwirtschaftlich geprägte Kulturland der Täler liegt hinter uns. Hier oben scheint sich die Natur noch frei entfalten zu dürfen. Weitläufige Moore und bewaldete Hügel, sogenannte Fjells, dominieren das Bild. Wir passieren einzelne Häuser, deren Dächer oftmals mit dichtem Gras bewachsen sind. Es ist zauberhaft. Der Nationalpark selbst besteht aus einem einzelnen Fjell, dem 1.100 Meter hohen Ormtjernkampen. Es fällt gar nicht auf, dass der Park so klein ist. Die den Berg umgebene Moor- und Flusslandschaft ist so wunderschön und ursprünglich, dass das Gebiet keinen Inselcharakter besitzt. Es ist Spätsommer, vereinzelte Blätter der Birken zeigen erste gelbe Farbtupfer. Die zahlreichen Bodendecker – allen voran die Heide- und Preiselbeeren tragen jedoch noch sommerliches Grün. Der Farbenrausch hat noch nicht begonnen. Die Zahl der Moskitos ist durch sinkende Temperaturen schon deutlich zurückgegangen. Besonders die abendlichen Fototouren werden dadurch stark erleichtert. Jede Wanderung ist für mich ein sinnlicher Genuss.

Wir stehen morgens um fünf Uhr auf den Gipfel des Ormtjernkampen und warten auf den Sonnenaufgang. Der Blick fällt auf das umgebende Land. In den zahlreichen Flüssen, Mooren und Tümpeln spiegeln sich die ersten zarten Farbtupfer des Morgenrotes. Gewaltige Wolkenberge zeigen von dramatisch dunkel bis hellrosa sämtliche Nuancen. Am Horizont sehen wir wie sich schwere Gewitter über den weit entfernten Bergen entladen. Die Sonne schafft es, zumindest für ein paar Sekunden, ihre Strahlen durch kleine Wolkenlücken zu schicken. Für wenige Augenblicke ist die Welt in eine goldene Schicht getaucht. In diesen Momenten möchte ich mit der Kamera am liebsten überall gleichzeitig sein. Ich muss aufpassen, dass ich nicht zu hektisch in der Gegend rumrenne. Wichtig ist es, die Essenz der Landschaft in dieser kurzen Zeit auf den Chip zu bannen. Da man aber im Vorfeld oft nicht genau sagen kann, wie sich die Aufnahmesituation entwickelt und wo genau das schöne Licht auch auftreffen wird, bleibt es bis zuletzt spannend und eine „schnelle“ Angelegenheit. Als wir um halbneun Uhr wieder am Auto ankommen, haben wir schon eine fünfstündige Tour hinter uns. Wir freuen uns darauf, nochmals für einige Zeit die Augen zu schließen um für kommende Touren Kraft zu tanken. Während an den Hängen des Ormtjernkampen fast ausschließlich Fichten und krumm-ästige Birken wachsen, entdecken wir andernorts jahrhunderte alte Kiefern die auf den für Skandinavien so typischen mit Granitbrocken überhäuften Böden wachsen.

Egal in welcher Vegetation wir uns befinden, es sind die mit Moosen, Flechten und Beeren überzogenen Böden, die mich immer wieder aufs Neue begeistern. Zum absoluten fotografischen Triumph wird der kommende Morgen. Als wir uns um fünf Uhr in der Früh in die klammen Hosen zwängen, blicken wir in einen fast sternenklaren Nachthimmel. Ich habe am Vortag das Ufer des Sees als Fotoziel ausgesucht, an dessen gegenüberliegendem Ufer sich die Wälder an den Hängen des Berges hinaufziehen. Es ist fast nahezu windstill. Durch die kühle, wolkenlose Nachtluft liegt eine zarter Nebelschleier über dem Wasser. Kaum ein Geräusch durchdringt diese natürliche Stille. Keine Kondenzstreifen von Flugzeugen zerstören die perfekte Schönheit dieses Tagesanbruchs.

Ich bin wie im Rausch. Wer braucht schon Drogen oder Alkohol um High zu sein… Für mich ist dieser Moment, wenn Licht auf Wolken, Nebel, Berge und Wälder trifft, Aufputschmittel genug. Wenn sich die Farben im Sekundentakt ändern und ein Motiv dadurch ständig neu erfunden wird, ist dies pures Adrenalin. Fast zwei Stunden dauert es bis sich die Nebelschwaden völlig aufgelöst und die Sonne mit ihrer vollen Kraft die Magie des Augenblicks beendet hat.

Zurück bleibt die Erinnerung an ein unwiederbringliches Erlebnis, welches nur die Natur zu bieten hat. Jeder Moment in der Wildnis ist einzigartig. Ist man empfänglich für die Farben, die Gerüche, den Wind, die Temperaturen und die Vielfalt an Pflanzen und Tieren, so ist jede Wanderung in die Natur eine Sinnesreise, die unser Leben unheimlich bereichern kann. Ein Morgen wie dieser ist auch für Nichtfotografen zu empfehlen. Als wir den Ormtjernkampen Nationalpark verlassen, erfahren wir noch, dass das Schutzgebiet auf über 1300 qkm erweitert werden soll um so die Schönheit der Fjellandschaft zu erhalten. Eine gute Nachricht für eine traumhafte Gegend. Etwas weiter im Nordosten, direkt an der Landesgrenze zu Schweden liegt der Gutuila Nationalpark der nur unwesendlich größer ist als unser letztes Reiseziel. Auch hier ist es ein mit jahrhunderte alten Fichten und Kiefern bewachsener Fjell der den Schutzstatus zum Einsatz brachte. Die wunderbare norwegische Landschaft verwandelt schon die Fahrt zum Park in ein Erlebnis. Wir passieren unzählige Moore und Seen, in denen sich die Silhouetten der Bäume spiegeln.

Plötzlich sehen wir eine Gruppe Rentiere, die frei durch die Wälder ziehen. Ob es sich hierbei um wirkliche Wildtiere handelt oder freilaufende Zuchttiere kann ich nicht sagen. Auf jeden Fall verschwinde ich für über eine Stunde mit ihnen im Wald, bevor sie sich endgültig zu weit vom wartenden Auto entfernen. Mit genügend Abstand verlieren die Tiere irgendwann etwas Scheu und es entsteht der eine oder andere interessante Fotomoment. Mit dem letzen Licht erreichen wir den Gutuila Nationalpark. Der Parkplatz liegt direkt an einem See mit Blick über eine ursprüngliche Wald- und Berglandschaft. Es gelingen noch einige schöne Stimmungsaufnahmen im warmen Abendlicht.

Zu diesem Zeitpunkt wusste ich noch nicht, das dies für uns die einzigen Fotos aus dieser Gegend bleiben sollten. Kaum haben wir die Siebensachen für die Sonnenaufgangstour gepackt und uns in die Schlafsäcke verkrochen, platschten die ersten Regentropfen auf unser Blechdach. Es sollen für viele Tage die letzen Sonnenstrahlen in dieser Region Skandinaviens gewesen sein. Diese Aussicht hat uns dazu veranlasst, dem Licht zu folgen und weiter gen Norden zu reisen.

Wildview läuft unter Wordpress 3.4.2
Anpassung und Design: Gabis Wordpress-Templates