Wildview

Abenteuer Natur(schutz)fotografie

Tag: Orkan Kyrill

Wintertraum am Hexenberg 27.01.2010

In den Sagen und Mythen unserer Kultur ist der Blocksberg im Harz der Versammlungsort von Hexen. Heute nennt man ihn einfach Brocken. Er ist 1100 Meter hoch und ist die größte Erhebung im Mittelgebirge des Harzes. Zu allen Seiten breitet sich norddeutsches Flachland aus. Für Fotografen ist der Berg ideal. Sowohl morgens als auch abends wird der Berghang wegen seiner Alleinstellung von den ersten und letzten Sonnenstrahlen erfasst, was besonders im Winter zu grandiosen Farbenspielen führen kann. Wir erleben im Moment einen erstaunlich strengen Winter. Wochenlanger Dauerfrost und ausgedehnte Schneefälle habe ich in dieser Intensität schon seit vielen Jahren nicht mehr wahrgenommen.

Harz  264

Mein Besuch im Nationalpark Harz fiel dann auch ganz bewusst auf einen Tag an dem kaltes aber sonniges Wetter prognostiziert wurde. Gutes Licht ist in der Fotografie immer Voraussetzung für tolle Ergebnisse. Bei Winterlandschaften gilt das umso mehr. Verschneite Bäume vor wolkenverhangenem Himmel ergeben eine graue Soße, die meist langweilig wirkt. Mittags um zwölf bin ich im kleinen Kurort Schierke losmarschiert und erst spät in der Nacht, ausgepowert aber völlig begeistert ob der schönen Eindrücke, zurückgekommen. Mein erstes Ziel im Nationalpark ist der Urwaldsteig. Dies ist ein Holzsteg, der für Besucher in den Teil des Waldes gebaut wurde, der die lange Ausbeutung durch Bergbau und die damit verbundene Holznutzung überstanden hat. Jahrhunderte alte säulenstämmige Fichten stehen, wie im Naturwald üblich, in lichter Dichte unterhalb des Brockengipfels. Der Wald ist durch Nebel, Wind, Schnee und Kälte überzogen mit Raureif und Eis.

Harz  269

So schön habe ich Bäume noch nie im Winterkleid gesehen. Einzelne Lichtstrahlen treffen bis zum Boden und schaffen im Unterholz spannende Kontraste. Die alten Bäume haben die Kraft den Belastungen von Stürmen, Schnee und Eisanhang zu trotzen. Ortsfremde, oft aus Flachlandherkünften angepflanzte Wirtschaftsforste, knicken hingegen bei Wetterextremen ein wie Zahnstocher. Dies kann man in Teilen des Harzes eindrucksvoll beobachten. Dort wo der z.B. Orkan Kyrill schwere Schäden anrichtete hat  der Borkenkäfer leichtes Spiel die angeschlagenen Wälder gänzlich zu zerstören. Ich habe bisher noch nie davon gehört, dass dieser kleine Räuber in gesunden Naturwäldern großflächig Bäume abtöten konnte. Vom Urwaldsteig steige ich die restlichen vier Kilometer auf den Brocken. Zu Zeiten der deutschen Teilung war der Gipfel militärisches Sperrgebiet. Heute freuen sich jedes Jahr hunderttausende Touristen an den schönen Ausblicken und die Natur hat auf der Fläche des Nationalparks ihre Ruhe vor wirtschaftlicher Ausbeutung und militärischer Strategie.

Harz  266

Ich warte gespannt auf die Minuten zwischen Sonnenuntergang und Nachtschwärze. Im Minutentakt ändern sich die Farbnuancen, die die verschwindende Sonne über die verkrüppelten Gipfelfichten schüttet. Wie Gnome stehen die vom Wind in eine verkrustete Eisschicht gehüllten Bäume bis zur Baumgrenze.

Harz  267

Nur die obersten Meter am Gipfel sind außerhalb ihres natürlichen Lebensraumes. In der Dunkelheit beginne ich meinen Abstieg. Doch von Dunkelheit kann eigentlich keine Rede sein. Das Mondlicht taucht die Welt in eine fahle aber gleichzeitig aufregende Atmosphäre. Wieder bin ich absolut alleine. Ich genieße dieses Gefühl der Abgeschiedenheit, das Eintauchen in eine wilde Landschaft. Alles wirkt so friedlich und intakt. Beim Urwaldstieg verweile ich besonders lange.

Harz  268

Mit Hilfe von langen Belichtungszeiten und der weichen Sanftheit des Mondlichts banne ich die vereisten Bäume als wahren Märchenwald auf meinen Fotochip. Nur nach Hexen, die auf ihren Besen über den klaren Sternenhimmel sausen, habe ich vergeblich Ausschau gehalten.

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