Wildview

Abenteuer Natur(schutz)fotografie

Tag: Slovenien

Auf dem Rabenberg 27.10.2009

Wenn ich zum Thema Urwald recherchiere, dann nütze ich in der Regel das Internet und gebe Stichwörter in die Suchmaschine. In diesem Fall brachte mich „Urwald in Slowenien“ auf eine Seite die vom „Krokar Urwald“ handelte. Doch bis auf die Angabe das es ein schon früh unter Schutz gestelltes Urwaldreservat von ca. 80 Hektar sein soll, und in der Region um die Stadt Kocevje liegt, habe ich nicht viel erfahren. Kocevje befindet sich im Süden des kleinen Landes Slowenien und hat eine bewegte Geschichte hinter sich. Bis zum zweiten Weltkrieg war die Region eine deutsche Sprachinsel. Hier lebten einige tausend Deutsche, die sogenannten Gotscheer. Im Zuge des Niederganges des Nationalsozialismus wurden diese Menschen vertrieben. Dies hatte zur Folge, das die gesamte Region bis heute recht dünn besiedelt ist. Der Wald holte sich viele landwirtschaftliche Flächen zurück und niedergebrannte Siedlungen verschwanden von der Landkarte. Wenn man heute nach Kocevje fährt (ehemals Gotschee) empfängt einen die Region mit dem Schild: Welcome to the land of forests.

Krokar  064

Slowenien ist wirklich mit natürlicher Schönheit reich beschenkt. Über fünfzig Prozent des Landes sind bewaldet. Es erheben sich im Norden die majestätischen Gipfel der Julischen Alpen und  weiter Südlich lockt die Adriaküste. Touristisch weniger bekannt sind einige bewaldete Mittelgebirge durch deren Schluchten sich naturbelassene Flüsse schlängeln. Im Süden der Kocevje Region ist es der Fluss Kolpa der Slowenien von Kroatien trennt. Hierher führt mich mein Weg zum gesuchten Urwald Krokar. An meiner Seite ist Vasja, ein engagierter Hobbyfotograf aus Kocevje der hier jeden Baum persönlich zu kennen scheint. Durch puren Zufall habe ich ihn getroffen. Nachdem ich in Kocevje vor einer geschlossenen Tourist Information stand, begann ich Passanten auf der Straße zum Thema Wald anzusprechen. Zwei junge Damen schickten mich zu den „Forest People“. Ich dachte ich wäre bei der staatlichen Forstverwaltung gelandet, stattdessen handelte es sich um eine Holzfirma. Mit gebrochenem Englisch hat mich dort eine Dame gleich mit Vasja in Verbindung gebracht. Sie kannte seine Leidenschaft für die Naturfotografie. Was mich nicht wundert, denn das komplette Firmengebäude hängt mit seinen Bilden voll. Er ist in dem Unternehmen kein Holzfäller, sondern für die Computer zuständig. Vasja war nur allzu gerne bereit, an seinem freien Tag mit mir in den Krokar („Raben“) Urwald zu fahren. Wir parken morgens um sieben am Ende der Forststraße und laufen in der Dämmerung durchs Unterholz. Es geht steil bergauf. Dichter Nebel lässt mich in freudiger Erwartung schwelgen. Die Bedingungen für tolle Fotos sind optimal.

Krokar  059

Man sieht sofort wo der Urwald beginnt. Die Bäume stehen nicht sehr eng und tote Stämme liegen kreuz und quer am Boden herum. Am einen Ende des Reservates fällt die Kante des Berges mehrere hundert Meter steil nach unten ins Tal des Kolpa Flusses ab. Im Moment sehe ich davon noch nichts. Die Sicht beträgt nur wenige Meter. Gespenstisch schauen sie aus, die verschiedenen Bäume im Nebel. Die Buche ist auch hier dominant. Jahrhunderte alte Tannen lockern mit ihren immergrünen Zweigen das recht farbige Herbstlaub auf. Endlich habe ich farbige Blätter vor meiner Linse.

Krokar  058

Ich habe nicht mehr recht daran geglaubt. Dort wo starke Winde blasen stehen schon völlig entlaubte Bäume, in geschützten Lagen strahlen sie noch in voller Pracht. Meine Kamera ist im Dauereinsatz. Selbst Vasja ist begeistert. Auch wenn er hier schon duzende Male unterwegs war, solch einen Nebel hatte auch er noch nie. Besonders reizvoll sind die wenigen Minuten, in denen sich der Nebel langsam aufzulösen beginnt. Wenn erste Sonnenstrahlen den Weg in den Wald finden. Das sind fast magische Momente. In dieser Zeit möchte man als Fotograf an vielen Stellen gleichzeitig sein. Vasja führt mich etwas unterhalb des Krokar Gipfels an eine Stelle, von der man einen wunderschönen Ausblick auf den bewaldeten Bergzug hat.

Krokar  063

Zwischen den Nebelschwaden finden immer mehr Sonnenstrahlen ihren Weg auf die Wälder und lassen diese ihre ganze Farbe erleuchten. Wir haben unheimliches Glück. Diese Wolkenfetzen bleiben uns bis in den Nachmittag erhalten, so dass wir eigentlich fast den ganzen Tag Zeit haben, schöne Aussichtspunkte dieser reizenden Landschaft zu erkunden und im guten Licht Fotos zu machen. Vom Krokar öffnen sich weite Ausblicke aufs Nachbarland Kroatien. Auch dort muss man menschliche Ansiedlungen regelrecht suchen. Dichte Mischwälder überziehen die Bergzüge. Natur soweit das Auge reicht. Den ganzen Tag haben wir bei unserer Wanderung keine Menschenseele getroffen. Kein Wunder das hier Wölfe, Bären und Luchse überleben können. Nirgends sieht man Kahlschläge. Natürlich nutzen auch die Slowenen ihre Wälder, doch scheint hier eine naturnahe Forstwirtschaft Alltag zu sein. Na bitte, es geht doch. Ich kann jedem Naturfreund einen Besuch in Slowenien nur wärmstens empfehlen. Eine ökotouristische Infrastruktur kann helfen, den Menschen vor Ort ein Auskommen zu ermöglichen, und die Schönheit dieser Landschaft zu erhalten. Also bitte kein Remmidemmi erwarten, sondern stille Momente in grandioser Natur. Am nächsten Morgen habe ich den Sonnenaufgang alleine auf dem Krokar Gipfel genossen. Heute war es genau umgekehrt. Der Nebel lag einige Hundert Meter unter mir und lies nur die Höhenlagen herausschauen.

Krokar  062

Ein grandioser Tagesbeginn. Fotografisch ist aber an solch einem ansonsten wolkenlosen Tag, schon recht kurze Zeit nach Sonnenaufgang Schluss mit Fotografieren. Ohne Wolken knallt die Sonne viel zu grell aufs Land. Doch ich hatte ja mein perfektes „Gestern“. Nach nur siebenundzwanzig Stunden hatte ich meine Aufgabe erfüllt und meine Bilder im Kasten. Glück gehört halt auch zu diesem Job.

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