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Abenteuer Natur(schutz)fotografie

Tag: Thüringen

Wenn die Panzer schweigen….. 20.10.2009

Die Geschichte des Nationalpark Hainich hat eine positive Kraft die Vorbildcharakter für andere Projekte dieser Art haben kann. Zu Zeiten des Eisernen Vorhangsballerten hier die Panzer der Russen und der Nationalen Volksarmee der DDR abwechselnd ihre Übungsgeschosse in die Landschaft. Ironischerweise können sich in den Randzonen militärischer Sonderzonen vielfältige Biotope bilden oder bleiben erhalten, weil eine sonstige Nutzung der Natur weitestgehenst ausbleibt.

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Die ökologische Besonderheit der Region wurde schnell erkannt, als nach der Wiedervereinigung unseres Landes die Volksarmee Geschichte war, und die Russen wieder in Russland ihre Geschosse in die eigene Landschaft knallten. Im Westen Thüringens nahe Bad Langensalza und Eisenach gelegen ist der Hainich auf seinen 16.000 Hektar von Verkehrswegen fast gänzlich unberührt. Er ist eines der größten zusammenhängenden Laubwaldgebiete in Mitteleuropa. Doch die Idee aus dem Hainich einen Nationalpark zu machen stieß am Anfang nicht überall auf Wohlwollen. Die Angst und Skepsis unter Anwohnern, Waldbesitzern und in der Bevölkerung war groß. Es dauerte einige Jahre bis es gelang den südlichen Teil des Hainich mit 7500 Hektar aus der Nutzung zu nehmen und sich wieder selbst zu überlassen. Der restliche Teil des Gebietes wird wie schon in der Vergangenheit als Plenterwald naturnah bewirtschaftet. Man achtet darauf, dass verschiedene Generationen unterschiedlicher Baumarten einen ökologisch gesunden Zustand des Waldes garantieren. Nur vereinzelt werden Bäume eingeschlagen. Ein Modell, das nicht den maximalen Gewinn einer reinen Baumplantage bringt, aber stabile Wälder garantiert. Diese sind auch in der Lage den Folgen des Klimawandels besser zu trotzen als z. B. reine Fichtenmonokulturen.  Heuer ist der Nationalpark 10 Jahre alt geworden und erzählt eine tolle Erfolgsgeschichte. Hunderttausende Besucher kommen in die Region, unter anderem auch wegen des eingerichteten Baumkronenpfades. Hier können die Naturfreunde auf Baumwipfelhöhe den Wald aus einer ungewohnten Perspektive kennenlernen. Infotafeln bieten dem Besucher Aufklärung über die Wichtigkeit von naturnahen Wäldern für die Artenvielfalt und das Klima. Gewonnen hat eigentlich jeder. Dort wo noch vor wenigen Jahren Kugeln knallten entwickeln sich heute seltene Tier- und Pflanzenarten, die in umliegenden stark genutzten Landwirtschaftlichen Flächen keine Überlebenschance haben. Darüber hinaus ist der gesamte Hainich bei der Europäischen Union als FFH Gebiet gemeldet (Flora & Fauna Habitatsrichtlinie). Mit dem europäischen Schutzgebietsnetz „Natura 2000“ wird so versucht, den immer weiter fortschreitenden Artenschwund durch Zerstörung der Lebensräume zu stoppen. Ich bin aus zweierlei Gründen in den Hainich gereist. Als „Urwald von Morgen“ ist er natürlich Bestandteil meines Waldprojektes, das momentan am entstehen ist. Außerdem treffe ich zum dritten Mal alte Bekannte wieder.

Hainich  046

Die „Road to Copenhagen“ führt direkt durch den Hainich Nationalpark. Vor über sechs Wochen sind Merle, Achim, Sarah und Julian in Konstanz am Bodensee losgelaufen. Das Ziel ist die Klimakonferenz in Kopenhagen Anfang Dezember. Die Botschaft ist klar: „Klimaschutz ohne wenn und aber“. Wir haben keine Zeit mehr zu verlieren. Es ist inzwischen erwiesen, dass die Erderwärmung immer schneller voranschreitet. Diese hat verheerende Folgen für zukünftige Generationen. Über 1000 lange Kilometer haben sie bisher ihren 400 kg schweren Bollerwagen durch die Lande gezogen. Weder platte Reifen, Achsenbrüche, durchgelaufene Schuhe, Dauerregen, starke Steigungen noch Gegenwind konnten sie von ihrem Weg abbringen. Ich treffe die Gruppe leicht erschöpft aber in mental intakten Zustand am Baumkronenpfad im Nationalpark, auf dem wir gemeinsam die Schönheit der leider farblosen (sprich: grünen) Herbstblätter bestaunen.

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Tausende von Briefen besorgter Bürger an die Bundeskanzlerin haben sie bisher gesammelt und weggeschickt. Frau Merkel wird darin aufgefordert, persönlich nach Kopenhagen zu reisen und ihrem selbst formulierten Anspruch als Klimakanzlerin (von dem leider inzwischen nichts mehr zu spüren ist) gerecht zu werden. Geantwortet hat sie bisher freilich nicht. Ist ja klar, denn sie ist mit ihrem neuen Koalitionspartner Westerwelle beschäftigt, ein zukunftsfähiges Regierungsprogramm auszuarbeiten. Das kostet alle Intelligenz, Kraft und Voraussicht zu dem die Damen und Herren fähig sind. Steuerentlastungen in Zeiten höchster Staatsverschuldung und verlängerte Laufzeiten überalteter Atomkraftwerke sind geradezu prophetische Glanztaten in eine nachhaltige Zukunft. Kommende Generationen werden es der neuen schwarz-gelben Regierung danken.

In einigen Wochen, wenn unsere unermüdlichen Wanderer in Berlin ankommen, um dort an den Reichstag zu klopfen werde ich die Gruppe hoffentlich gesund und munter wieder sehen.

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