Wildview

Abenteuer Natur(schutz)fotografie

Tag: Wolf

Südländische Fülle 03.06.2010

Das Thema Wald und Südeuropa ist keine Erfolgsgeschichte. Von Griechenland bis Portugal sind ursprüngliche Wälder schon frühzeitig im großen Maßstab verschwunden. Schaut man sich die Reste der ehemaligen Vegetation genauer an, ist dies sehr bedauerlich, denn der mediterrane Wald ist sehr artenreich und weist immer wieder auch vereinzelte Merkmale gemäßigten Regenwaldes auf. Die Reise führt uns nach Italien, auf die Halbinsel Gargano. Diese liegt in Apulien und wird wegen ihrer Form auch als Sporn des italienischen Stiefels bezeichnet. Hier soll es in den regenreichen Hängen des Vorgebirges noch ausgedehnte Beispiele vom „Wald des Südens“ geben.

Während sich die Familie auf ein paar Tage Badespaß in der nahe gelegenen Adria freut, zieht es mich sehr schnell in die schattenreichen Wanderwege des Nationalparks. Wenn ich die planlos verbauten Strandabschnitte sehe, bei denen sich ein Campingplatz und Club an den anderen reiht, regt sich bei mir eine große Abneigung und ich bin froh keinen derartigen Urlaub ertragen zu müssen. Die Fahrt hinauf zum Wald führt zuerst vorbei an auffällig vielen Koniferen. Das sind artfremde Kieferngewächse die zur Aufforstung angepflanzt wurden. Solch ein Blödsinn. Spätestens wenn die ersten Eichen den eigentlichen Wald ankündigen kann man solch eine Fremdpflanzung nicht mehr verstehen. Der Wald ist dicht und mit erstaunlich großen Bäumen bewachsen. In den höheren Lagen dominiert eindeutig die Buche, die den Lebensraum mit Ahorn, Eiben und Hainbuchen teilt. Der „Foresta Umbra“ ist Staatswald innerhalb dessen Grenzen auf fast 1000 Hektar seit längerer Zeit menschliche Eingriffe unterbleiben. In diesen Gebieten kommt die Vegetation einem Urwald tatsächlich sehr nahe.

Was diesen mediterranen Mischwald am augenscheinlichsten von anderen Wäldern weiter im Norden unterscheidet ist der immergrüne Strauchbewuchs wie er auch in der Macchie, der südländischen Hartlaubvegetation vorkommt. Eine durch jahrtausende andauernde Übernutzung entstandene degradierte Form der ehemaligen Eichenwälder. Außerdem sind die langstämmigen Buchen nicht selten von Lianen und Efeu bewachsen, welche dem Wald eine dschungelähnliche Atmosphäre verschaffen. Ein interessanter Zweig im breiten Spektrum europäischer Wälder, leider nur noch in kleinen Resten vorhanden. Ausgedehnte Wälder finden wir etwas weiter nördlich im Nationalpark Abruzzen.

In diesen dünn besiedelten Bergregionen Italiens ist tatsächlich eine halbwegs stabile Bärenpopulation zu Hause. Selbst Wölfe streifen durch die Täler. Eine Rotte Wildschweine sind die einzigen Großtiere, die wir leibhaftig zu sehen bekommen. Wir treffen Bruno D´Amicis, einen befreundeten Naturfotografen, der in dieser Region praktisch jeden Stein persönlich kennt. Bruno ist so nett und zeigt uns auf der Karte eine Route, die uns zu den schönsten naturnahen Wäldern der Region führt. Da wir nur begrenzt Zeit zur Verfügung haben sind solche Tipps natürlich unbezahlbar. Dankbar nehmen wir seine Anregungen an und starten einen die Ferien abschließenden langen Wandertag.

Nachdem es in den vergangenen Tagen wiederum stark geregnet hat, erwischen wir die perfekte Zeit zum Fotografieren. Sich auflösender Nebel wechselt in eine Bewölkung durch die im Tagesverlauf die Sonne durchbricht und ein strahlendes, warmes Abendlicht bereithält. Die Wanderung beginnt auf einer Passhöhe, an der wir das Auto abstellen. Durch eine kleine Schlucht laufen wir nach oben. Auf diesem Weg werden im Sommer die Kühe auf die Almwiesen getrieben. Auffällig sind die Flechten die an den Bäumen wachsen und ihnen einen märchenhaften Charakter verleihen.

Wir treffen ausschließlich auf Laubwälder, die Buche ist hier der unangefochtene Regent. Erstaunlicherweise befindet sich die Baumgrenze hier weit über 1500 m und das mit einer Art die sich bei uns um 800 Höhenmeter wohlfühlt. Über einen steinigen Grad, der mit Frühlingsblumen übersät ist, blicken wir in Täler, deren Bewuchs sich mit makellosen Buchenbeständen die Hänge hochziehen. Wir tauchen ein in die Wälder und sehen auch hier Urwaldstrukturen in den meisten Bereichen des von Bruno genannten Gebietes. Gegen Abend als das dominierende Sonnenlicht weitere Aufnahmen unter den Baumkronen unmöglich macht, verlassen wir den Wald und steigen über einen schmalen Schneerest die steile Bergwand zum nahen Gipfel auf fast 2000 Höhenmeter. Der 360 Grad Blick auf die Landschaft der Abruzzen ist atemberaubend.

Mein Blick fällt auf eine alpine Fläche die aus der Ferne blau zu uns rüberleuchtet. Pünktlich zum Sonnenuntergang erreichen wir die Wiese und stehen in einem Meer aus Stiefmütterchen, deren Schönheit mir zu einem würdigen Abschluss an einem tollen Fototag verhelfen.

Das Experiment Familienurlaub und Fotografieren für das Projekt zu kombinieren ist gelungen. Allen hat die abwechslungs- und lehrreiche Zeit gefallen. Auf mich wartet nun Europas wohl „wildester Wald“ in Russlands fernem Ural. Ich bin sehr gespannt.

Bärenparty & Morgennebel 12.09.2009

Stinklangweilig – sollte man meinen. Da sitzt unsereins in einem Holzkasten und starrt stundenlang auf dieselbe Szenerie. Es ist nun der vierte Abend und bisher war keiner wie der Andere. Besonders das Wetter und die damit verbundenen Lichtstimmungen machen einen Großteil des fotografischen Erfolges oder Misserfolges aus – auch und gerade in der Tierfotografie. Einfach nur einen Bären zu fotografieren der sich über eine von Menschenhand platzierte Beute beugt ist spätestens am zweiten Abend langweilig. Es kommt mindestens genauso darauf an das Umfeld in die Aufnahme mit einzubinden, und das wenn möglich noch in einer spannenden Lichtsituation. Hier hilft uns das nordische Wetter zur Zeit wirklich gewaltig. Während über den Tag hin eine dichte Wolkendecke über der Taiga lag, lösten diese sich zum Abend auf und ermöglichten ein tadelloses Abendrot. Dadurch wird das Zeitfenster in dem stimmungsvolle Fotos möglich sind um mindestens eine halbe Stunde erweitert. Bei Bewölkung legt sich allzu schnell tiefe Dunkelheit über das Land, sobald die Sonne hinterm Horizont verschwunden ist. Nicht so heute Abend. Wenn das Licht warm und golden wird steigt die Spannung ob von den so sehnsüchtig herbeigesehnten Akteuren auch einer auftaucht.

Finnland Nacht 4  722

Auf Margarete ist verlass. Sie war die Erste die ihr gelbgepierctes Ohr aus dem Wald streckt. Gefolgt von einem etwas dunkleren Bären sind sie beide eine Weile in meiner Reichweite über die Sumpfwiese gelaufen. Immer wieder strecken sie ihre Nasen in die Luft, ihr Riechorgan scheint wohl besser ausgeprägt zu sein wie ihre Augen. Lassi hat auch auf der anderen Seite der etwa einen Quadratkilometer großen Sumpfwiese ein Fotoversteck aufgebaut. Was sich da etwas später abspielte war schon grandios, leider aber eine halbe Stunde zu spät zum Fotografieren. Es war nahezu Nacht, die klobigen Körper der Tiere aber noch gut zu erkennen. Neun Bären tummelten sich dort auf der anderen Seite. Jetzt wo es dunkel war, machten sie all die coolen Sachen. Es gab Hierarchiekämpfe, sie schwammen in dem Flüsschen das den Sumpf durchzieht und einige standen auf zwei Beinen was ebenfalls auf der Wunschliste eines jeden Tierfotografen steht. Ich liege schon lange im Schlafsack und die letzten Geräusche die ich im Halbschlaf höre sind die der großen Raubtiere außerhalb meines kleinen Kastens. Die Morgenstimmungen waren bisher immer wunderschön, doch heute ist es einfach grandios. Die Nacht war wieder recht kalt, so halte ich den Schlafsack bis zu den Schultern um mich geschlossen, als ich mich wieder auf meinem kleinen Schemel postiere um Ausschau zu halten. Die Party war leider vorbei. Bis auf ein Pärchen Krähen, die sich entweder bezirzend oder streitend durch die Luft wirbelten, war es absolut ruhig. Krähen sind kleiner als Raben und haben Grauanteile in ihrem Gefieder, während die Raben wirklich rabenschwarz sind. Gespenstisch zieht plötzlich Nebel auf, nur silhouettenhaft kann man mit zunehmendem Licht einige kleine Bäumchen erkennen die vereinzelt im Sumpf wachsen. Die Horizontlinie ist aufgelöst.

Finnland Nacht 4  723

Es ist eigentlich noch fast Nacht als ein einsamer Bär durch die Stille marschiert. Ich stelle die Kamera auf 6400 ISO, den höchsten Empfindlichkeitswert den sie zu bieten hat. Durch den Nebel und das Gegenlicht des anbrechenden Tages entstehen wirklich ganz einzigartige Bilder. Sicherlich haben diese eine gehörige Portion Bildrauschen, was ich bei einer reinen atmosphärischen Aufnahme aber gar nicht als so störend empfinde. Einmal guckt die Morgensonne kurz durch die Nebelschicht, so dass mir fast der einsame Wolf entgeht, der in ca 300 m Entfernung nachschaut was die Bären am Vorabend an Futterresten zurückgelassen haben. Ein Wolf, für mich das geheimnisvollste und schönste Wildtier das wir in unseren Breitengraden haben. Es ist geradezu ein erhebendes Gefühl zu sehen, wie er vorsichtig Meter für Meter über die Waldlichtung läuft.

Finnland Nacht 4  724

Leider kommt er nicht sehr nahe an mein Versteck, doch die Nebelstimmung und die lange Brennweite zaubern eine pastellfarbene Aufnahme die in mir vielerlei Emotionen auslöst und hoffen lässt, dass es weitere Begegnungen mit diesen scheuen Tieren geben wird. Für heute war es das, ich freue mich über die wunderschönen Momente die mir diese wunderbare Naturlandschaft ermöglicht.

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